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Hund hinter Zaun © malivoja

Tierhaarallergie: Therapie

Die wichtigste Maßnahme ist die weitestgehende Vermeidung des Kontaktes mit dem Allergen (Allergenkarenz), insbesondere um das Fortschreiten und Chronifizieren der Erkrankung zu verhindern. Ist dies nicht möglich bzw. kommt die Trennung von einem Haustier keinesfalls infrage, sollten bestimmte Vorsichtsmaßnahmen zur Reduktion der Allergenbelastung beachtet werden. Zur Linderung akuter Beschwerden stehen antiallergische und antientzündliche Medikamente zur Verfügung. Nur in manchen Fällen ist eine ursächliche Behandlung mit einer spezifischen Immuntherapie – quasi einer Impfung gegen die Allergie – möglich.

Allergenvermeidung

Die einfachste, wirksamste und wichtigste  Maßnahme ist bei der Tierhaarallergie die Vermeidung von Tierkontakt. Bei bekannter Allergie sollte von vornherein kein Haustier angeschafft werden. Allergikerinnen/Allergiker sollten sich von einem allergieauslösenden Haustier, so schwer es auch fällt, trennen und es abgeben. Nur so kann man den gefürchteten Spätfolgen wie einem Asthma bronchiale vorbeugen. Mit Tabletten, Nasen- und Bronchialsprays können zwar die allergischen Symptome behandelt und gebessert werden, aber nicht die Krankheitsursache und auch nicht das Vortschreiten der Erkrankung. Sie sind auch keine Garantie dafür, dass sich die Beschwerden nicht weiter verschlimmern, da die Allergie weiterbesteht.

Wenn man das Tier abgegeben hat, kann es noch Monate dauern, bis zum Beispiel Katzenhaare vollständig aus der Wohnung entfernt sind und die Allergie verschwindet. Und auch in der Öffentlichkeit besteht immer die Gefahr, mit Tierhaaren in Kontakt zu kommen. Auch Kleidung und Einrichtungsgegenstände aus Tierhaaren (z.B. Kamelhaardecken, Daunendecken, Rosshaarmatratzen etc.) sollten entfernt bzw. gemieden werden.

Maßnahmen zur Reduktion der Allergenbelastung

  • Die einzig effektive Therapie zur signifikanten Allergenreduktion ist, das Haustier mehrmals wöchentlich zu waschen.
  • Tierhaltung möglichst außerhalb des Wohnbereiches.
  • Das Tier keinesfalls in den Schlafbereich lassen.
  • Hände waschen nach jedem Tierkontakt.
  • Kleider mit Kleiderroller reinigen (keine Kleiderbürste verwenden).
  • Reinigung der Ruhe- und Futterplätze an andere Familienmitglieder delegieren.
  • Einsatz von waschbaren Überzügen für Polster- und Sitzmöbel.
  • Entfernen von „Staubfängern" wie z.B. Vorhängen, Teppichen, Kissen, Plüschtieren, Trockenblumen etc.
  • Regelmäßiges Staubsaugen mit speziell geeigneten Geräten.
  • Wände, Holzwerk und Fußböden regelmäßig mit feuchten Lappen reinigen.
  • Auf Teppichböden verzichten.
  • Auf Felle und Pelze verzichten.
  • Das Tier häufig kämmen und mit einem feuchten Lappen abwischen, um die losen Allergene zu reduzieren.
  • Das Tier sollte seine Schlaf- und Ruheplätze nicht auf Möbelstücken haben, die Sie regelmäßig benutzen.
  • Engen Körperkontakt mit dem Tier vermeiden.
  • Antihistaminika benutzen, bevor Sie einen voraussichtlich längeren Zeitraum in engem Kontakt mit einem Allergie auslösenden Tier verbringen, z.B. bei Besuch von Freunden mit Haustieren.

Will man sich all das nicht antun, halten die Beschwerden an oder nehmen sogar zu oder möchte man auch Folgeprobleme wie Asthma bronchiale vermeiden, sollte ein guter Platz für das Haustier gesucht werden.

Medikamentöse Behandlung

Zur Therapie einer Tierhaarallergie stehen Medikamente zur Linderung akuter allergischer Beschwerden (symptomatische Therapie) zur Verfügung. Bei sehr schwerwiegenden Einzelfällen kann eine ursächliche Therapie gegen die Allergie zum Einsatz kommen – eine Art Impfung, die mit den Fachbegriffen „Allergen-Spezifische Immuntherapie (AIT)“ (früher auch„Hyposensibilisierung“  („unempfindlich machen“), „Desensibilisierung“ oder „Allergieimpfung“) bezeichnet wird.

Symptomatische Therapie

In Fällen, in denen eine Allergenvermeidung nicht oder nicht ausreichend möglich ist, werden antiallergische und antientzündliche Medikamente eingesetzt. Antihistaminika blockieren die allergischen Vorgänge im Körper und lindern dadurch vor allem den Juck- und Niesreiz sowie das Laufen der Nase. Diese werden in Form von Nasensprays, (Augen-)Tropfen, Saft und Tabletten angeboten. Bei stärkeren Symptomen werden Kortikoide (Kortison) für die lokale Anwendung an der Nase eingesetzt. Bei allergischem Asthma werden Kortikoide in Kombination mit Betamimetika inhaliert. Mit diesen Medikamenten ist es meistens möglich, die Symptome der Allergie zu lindern, die zugrunde liegende Erkrankung bessert sich allerdings nicht.

Allergen-spezifische Immuntherapie (AIT)

In ausgesuchten schweren Fällen ist eine Allergieimpfung möglich. Mit der sogenannten Allergen-Spezifischen Immuntherapie (AIT) wird das Immunsystem so lange trainiert, bis es gelernt hat, dass die Allergene nicht gefährlich sind. Dazu wird der Allergikerin/dem Allergiker „ihr/sein“ Auslöser in steigender Dosis (Aufdosierung) zugeführt. Die AIT  wirkt auf das körpereigene Immunsystem, mit dem Ziel, es wieder in sein natürliches Gleichgewicht zu bringen. Die Behandlung dauert meistens drei bis fünf Jahre. Die Erfolgschance bei Tierhaarallergien liegt leider unter jener bei Insektengift-, Pollen- oder Staubmilbenallergien, die spezifische Immuntherapie mit Tierallergenen wird daher nur in Einzelfällen eingeleitet.

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Allergenextrakte zu verabreichen:

  • Sublinguale Immuntherapie (SLIT): Die Allergene werden in Form von Tropfen ganzjährig einmal täglich unter die Zunge gegeben. Diese Behandlung kann man nach ärztlicher Verordnung zu Hause durchführen. In seltenen Fällen kann es zu Nebenwirkungen wie Zungen- und Gaumenjucken sowie leichten Schleimhautschwellungen kommen. Oft tritt bereits nach einem Jahr Behandlung eine deutliche Verbesserung der Beschwerden ein.

  • Subkutane Immuntherapie (SCIT): Die Allergene werden von der Ärztin/vom Arzt mittels einer Spritze in den Oberarm injiziert. In der Aufdosierungsphase werden wöchentlich Spritzen mit steigender Allergenkonzentration verabreicht. Wenn nach wenigen Wochen die Erhaltungsdosis erreicht ist, erhält die Patientin/der Patient monatlich eine Spritze dieser Dosis. Nach jeder Verabreichung muss sie/er noch für mindestens 30 Minuten in der Arztpraxis bleiben, weil es bei dieser Therapieform zu einer verstärkten Reaktion bis hin zu einem anaphylaktischen Schock kommen kann. Außerdem sollten an den Behandlungstagen Alkoholkonsum und stärkere körperliche Anstrengungen vermieden werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Diagnose und Therapie einer Tierhaarallergie werden von einer allergologisch geschulten Fachärztin/einem allergologisch geschulten Facharzt (für Kinder-, HNO-, Haut- oder Lungenkrankheiten) sowie z.B. in einem Allergieambulatorium durchgeführt.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Untersuchungen und Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

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