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Dame mit Therapiebällen im Garten © jd-photodesign

Der Garten als Therapie

In den vergangenen Jahren werden Gärten vermehrt auch an Krankenhäusern, Rehabilitations- und Suchtbehandlungszentren, Behinderteneinrichtungen, Pensionistenwohnheimen sowie Schulen und Kindergärten als therapeutisches Instrument eingesetzt. Diese Erweiterung des Lebensraumes und Wahrnehmungsspektrums trägt nicht nur zur Steigerung der Lebensqualität der Patientinnen und Patienten bei, sondern bietet auch u.a. Ärztinnen/Ärzten, Physio- und Ergotherapeutinnen/-therapeuten, Krankenpflegepersonal Abwechslung im Krankenhaus- und Stationsalltag. Der Therapiegarten schafft eine neue Form des Miteinanders . . .

Was ist Gartentherapie?

Unter dem Begriff der Gartentherapie versteht man den gezielten Einsatz gärtnerischer Handlungen in einem therapeutisch wirksamen Umfeld. Ziel ist die Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung der seelischen, geistigen und körperlichen Gesundheit (Definition nach Arbeitskreis Gartentherapie Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik). Dabei bedient man sich einerseits der bloßen (Ein-)Wirkung des Garten- und Naturerlebens unter Anleitung zur Wahrnehmung und Achtsamkeit (rezeptiv) als auch andererseits des kreativen Arbeitens und Schaffens im Garten. Patientinnen und Patienten gestalten den Grünraum aktiv mit, indem sie Blumen-, Kräuter- oder Gemüse pflanzen, pflegen und betreuen.

Die Gartentherapie wird bei Menschen aller Altersstufen, in den unterschiedlichsten Lebenssituationen und bei verschiedenen Krankheitsbildern eingesetzt: Menschen mit psychiatrischen oder neurologischen Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Angststörungen, Traumatisierungen, Demenzen, Morbus Alzheimer sowie Menschen mit Suchterkrankungen können im Rahmen ihrer Therapie von den Gärten profitieren. Bei Kindern und Jugendlichen in schwierigen Situationen oder bei Verhaltensauffälligkeiten kann ein Therapiegarten zur Bewältigung unterstützend beitragen und einen pädagogischen Zweck erfüllen. Menschen in Rehabilitation, z.B. nach Unfällen, können physiotherapeutische Einheiten im Freien erhalten. Älteren Menschen in geriatrischen Einrichtungen wird es ermöglicht, ihren Lebensraum zu erweitern und wieder einer Aufgabe nachzugehen.

Mögliche Anwendungsgebiete (nach Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik):

  • medizinische Behandlungen,
  • Pflege- und Betreuungseinrichtungen,
  • sozialpädagogischer Bereich,
  • psychosozialer Bereich, z.B. Arbeitstraining, interkulturelle Gärten, angeleitete und begleitete Freizeitaktivitäten zur Gesundheitsvorsorge, Tagesstruktur für Menschen mit intellektueller Lernbehinderung u.v.m.,
  • geschützte Wohnformen.

Im Garten wächst mehr, als man aussät

In den Therapiegärten geht es u.a. um das Bewältigen neuer Herausforderungen, das Genießen wieder zu erlernen. In der Natur läuft (auch) nicht immer alles nach Plan, man muss flexibel reagieren und improvisieren. Im Garten geht es zudem darum, Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben zu erkennen. Nicht zuletzt ist das Ernten selbst gezogener Früchte ein Erfolgserlebnis für die Gärtnerinnen und Gärtner und gibt mitunter Selbstbewusstsein und -vertrauen. Der tages- und jahreszeitliche Rhythmus im Austausch mit der Natur gibt den Patientinnen und Patienten zudem Halt und Struktur.

Wirkungen und Effekte von Therapiegärten:

  • Förderung zwischenmenschlicher Beziehungen, Kommunikation und Vernetzung
  • Aufenthalt an der frischen Luft, Sonne tanken. Seniorinnen/Senioren haben häufig aufgrund von Lichtmangel eine Vitamin-D-Unterversorgung
  • Aufgaben erkennen
  • Verantwortung übernehmen
  • Entspannung
  • Schaffung von Struktur und Tagesrhythmus
  • Leben im Rhythmus der Jahreszeiten
  • Wahrnehmungsförderung
  • Abwechslung und Distanz zum Klinik- und Stationsalltag
  • körperliche Bewegung
  • frisches Obst und Gemüse stehen zur Verfügung

Den Bedürfnissen angepasst

Therapiegärten sind den speziellen Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher entsprechend adaptiert und sollten barrierefrei sein. Im geriatrischen Bereich dürfen z.B. Handläufe nicht fehlen. Für geheingeschränkte bzw. behinderte Personen, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, sollten Rampen zur Verfügung stehen. Hochgelagerte Beete ermöglichen auch älteren Menschen das Gärtnern, ohne dass sie knien und sich bücken müssen. Eventuell sind die Beete auch mit dem Rollstuhl unterfahrbar.

Auch an Rückzugsmöglichkeiten und Sitzgelegenheiten darf es nicht mangeln. Um in der kalten Jahreszeit und bei Schlechtwetter gärtnerisch aktiv sein zu können, eignen sich Glashäuser oder Grünwerkstätten. Zum Schutz der Menschen und im Sinne des Nachhaltigkeitsprinzips wird empfohlen, bei der Anlage und Pflege eines Therapiegartens dem biologischen Anbau zu folgen.

Beispiele für den erfolgreichen Einsatz von Grünraum sind im Wiener Krankenanstaltenverbund sowohl im Bereich der Pflegewohnhäuser und Geriatriezentren, als auch in den Wiener Städtischen Spitälern zu finden. Weiters z.B. der Therapiegarten im Anton-Proksch-Institut, das auf die Therapie von Suchterkrankungen spezialisiert ist.

Wissenschaftliche Forschung zur Gartentherapie findet in Österreich an der Medizinischen Universität in Wien, Zentrum für Public Health, Institut für Umwelthygiene, statt.

Eine universitäre Ausbildung zur Gartentherapie gibt es an der Donau-Universität Krems in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. Als Voraussetzung für die Ausbildung zur/zum Akademischen Expertin/Experten für Gartentherapie sollte ein Stammberuf aus der Pädagogik, dem Sozialen, der Psychologie, der Medizin, der Biologie oder dem Gartenbau vorliegen. Nicht zuletzt tragen Therapiegärten auch zur Steigerung der biologischen Vielfalt bei.

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