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Mann tröstet Frau © Antoioguillem

Trauer bewältigen

Der Verlust eines nahestehenden Menschen stellt meist einen bedeutenden Einschnitt im Leben dar. Obwohl Leben und Tod unzertrennlich miteinander verbunden sind, sind die Themen Sterben und Trauer mit vielen Tabus behaftet. Es gibt keine richtige oder falsche Art zu trauern. Jede/jeder trauert anders. Allerdings verlaufen Trauerprozesse oft in Phasen. Diese stellen eine grobe Orientierung dar und können somit Halt bieten. Meist klingt die Trauer im Lauf der Zeit von alleine wieder ab. Wenn die Trauer nicht mehr aufzuhören scheint oder etwa in eine Depression übergeht, kann professionelle Hilfe notwendig werden. 

Trauerprozesse sind individuell

Manchmal ist es möglich, sich von Sterbenden zu verabschieden. Es kommt aber auch vor, dass jemand plötzlich aus dem Leben gerissen wird, etwa durch einen Unfall. Auf den schmerzhaften Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen folgt ein Trauerprozess, der nicht immer gleich als solcher ersichtlich ist. Phasenmodelle sind eine Möglichkeit, Trauer begreifbarer zu machen. Sie bieten allerdings nur Anhaltspunkte, denn die Phasen werden nicht immer exakt nacheinander durchlaufen, manche bei einigen Betroffenen gar nicht. Beispielhaft gestaltet sich Trauer meist in folgenden Abläufen:

  • Schock und Nicht-Wahrhaben-Wollen des Ereignisses („Es ist alles nur ein böser Albtraum“).
  • Starke Emotionen wie Trauer, Zorn, Wut, Angst und Schuldgefühle kommen zum Vorschein.
  • Durchleben einer Erinnerungsphase – Fotos werden betrachtet, gemeinsame Erlebnisse nachempfunden.
  • Akzeptanz stellt sich ein – der geliebte Mensch kann einen „innerlich“ begleiten.
  • Neue Orientierungsmöglichkeiten werden gefunden.

Den Herausforderungen der Trauer begegnen

An den Trauerphasen ist ersichtlich, dass Trauernde im Verlauf des Trauerprozesses seelische sowie ganz alltägliche, oft große, Herausforderungen meistern müssen:

  • Den Verlust als Realität anerkennen und akzeptieren.
  • Den seelischen Schmerz verarbeiten.
  • Den Alltag ohne den verstorbenen Menschen bewältigen.
  • Eine bleibende innere Verbindung zum Verstorbenen aufbauen.
  • Eine Lebensperspektive ohne den geliebten Menschen finden und leben.

Die Bewältigung dieser „Traueraufgaben“ braucht Zeit und Kraft. Daher sind Verständnis und Unterstützung durch das soziale Umfeld wichtig. Nahestehende Menschen aus Familie und Freundeskreis, aber auch professionell ausgebildete Helferinnen und Helfer (Psychologinnen/Psychologen, Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten etc.) und Seelsorgerinnen/Seelsorger können begleitend und mitfühlend zur Seite stehen. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.

Unterstützung und Trost

In der Trauer hilft es oft, sich mit nahestehenden Menschen auszutauschen. Auch wenn einem nicht nach Reden zumute ist: Gespräche im Freundeskreis und in der Familie wirken sich positiv auf die Befindlichkeit aus. Das Leid sowie schöne, wenn auch teils schmerzhafte Erinnerungen, werden miteinander geteilt. Das Erinnern an die gemeinsame Zeit mit der/dem Verstorbenen ist ein wesentlicher Teil der Trauerarbeit. In Gedanken nochmals den geteilten Lebensabschnitt zu durchleben, hilft Abschied zu nehmen und neue Wege zu gehen. Vor allem schöne Momente sollten im Herzen und in der Erinnerung weiterleben dürfen. Auch Gedanken und Ideen der/des Verstorbenen können die Hinterbliebenen als „ideelles“ Vermächtnis begleiten.

Werden unangenehme Erinnerungen wach z.B. aufgrund eines vergangenen Konflikts ist es empfehlenswert, einen Versuch der Vergebung zu wagen. Dadurch kann Frieden geschlossen werden. Dieser wirkt heilsam auf die Seele. Der Prozess des Verzeihens ist nicht immer leicht und braucht manchmal mehrere Jahre sowie in manchen Fällen Begleitung durch andere Menschen oder professionelle Helferinnen/Helfer.

Trauern braucht Raum und Zeit

Trauern darf Raum einnehmen und Zeit brauchen. Tränen und Traurigkeit sollten nicht zurückgehalten werden, sie gehören zum natürlichen Trauerprozess. Aber auch alle anderen Gefühle sind „erlaubt“. Um einen Menschen zu trauern, bringt uns auch mit der eigenen Endlichkeit in Kontakt. Daher kann es hilfreich sein, das Leben trotz all der Traurigkeit als Geschenk zu betrachten. Rituale z.B. am Todestag oder zu Allerheiligen (etwa Friedhofsbesuch, Zusammenkunft der Familie, Grabpflege oder individuelle Erinnerungsrituale) können das Andenken weiter pflegen, lösen manchmal aber auch erneut Trauer aus.

Wenn das Auftauchen aus dem Trauerprozess nicht gelingt oder die Trauer in eine Depression übergeht, bieten professionelle Anlaufstellen Hilfe. Näheres dazu unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Mit Kindern über Trauer sprechen

Es bestehen oft große Hemmschwellen mit Kindern über die Themen Sterben und Tod zu sprechen. Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie wechseln öfter ihre Stimmungen, nicht immer ist die Trauer offensichtlich. Kinder müssen begreifen können, warum ihre Angehörigen so traurig sind. Sie brauchen ehrliche, kindgerechte Antworten auf ihre Fragen. Dabei können erklärende Kinderbücher oder der Austausch mit anderen Betroffenen sowie die Inanspruchnahme von professionellen Helferinnen/Helfern unterstützen.

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