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Urne und Trauergäste © Anze
Urne und Trauergäste © Anze

Trauer bewältigen

Leben und Tod sind unzertrennlich miteinander verbunden. Dennoch sind die Themen Sterben und Trauer mit vielen Tabus behaftet. Der Verlust eines nahestehenden Menschen stellt meist einen bedeutenden Einschnitt im Leben dar. Es gibt keine richtige oder falsche Art zu trauern. Jede/jeder trauert anders.

Trauer ist eine gesunde Reaktion, keine Krankheit. Trauerprozesse verlaufen oft in Phasen. Diese stellen eine grobe Orientierung dar und können somit Halt bieten. 

Meist klingt die Trauer im Lauf der Zeit von alleine wieder ab. Wenn sie nicht mehr aufzuhören scheint oder etwa in eine Depression übergeht, kann professionelle Hilfe notwendig werden. Aber nicht nur der Tod kann Trauer oder Verlustgefühle hervorrufen. Auch Lebenskrisen gehen mitunter mit schweren Verlusten einher. 

Wie verläuft ein Trauerprozess?

Manchmal ist es möglich, sich von Sterbenden zu verabschieden. Es kommt aber auch vor, dass jemand plötzlich aus dem Leben gerissen wird, etwa durch einen Unfall. Auf den schmerzhaften Verlust durch den Tod eines geliebten Menschen folgt ein Trauerprozess, der nicht immer gleich als solcher ersichtlich ist.

Eine Möglichkeit, Trauer begreifbarer zu machen, sind die sogenannten Phasenmodelle. Sie bieten allerdings nur Anhaltspunkte. Im Allgemeinen werden Phasen durchlaufen, in denen erst einmal begriffen wird, dass der Verlust real ist. Nach dem seelischen Schmerz bzw. der Trauer wird der Verlust schlussendlich akzeptiert. Immer weniger Energie ist notwendig, mit der Situation zurechtzukommen. Bis sich schlussendlich neue Lebensaspekte ergeben. Selten laufen diese Phasen jedoch strikt hintereinander ab. Sondern sie überschneiden sich, sind teilweise nicht voneinander abzugrenzen und können sich wiederholen.

Phasenmodelle der Bewältigung von Verlust und Trauer

Es gibt Modelle (etwa von der Psychologin Verena Kast oder dem Psychiater Johann Cullberg), die schemenhaft beschreiben, wie Krisen (z.B. Trauer oder Verlust) bewältigt werden können:

  • Phase 1 – Schock: Zu Beginn eines Trauerprozesses oder einer Krise steht meist das „Nicht-Wahrhaben-Wollen“ der Situation („Es ist alles nur ein böser Albtraum“). Zudem herrscht „inneres Chaos“ bis hin zu dem Gefühl, sich innerlich wie gelähmt zu fühlen.
  • Phase 2 – Gefühlsreaktion: Langsam tritt die Realität ins Bewusstsein. Da diese oft schwer zu fassen und sehr belastend ist, kommt es zu intensiven, chaotischen Gefühlen wie großer Trauer, Zorn, Wut, Angst und Schuldgefühlen.
  • Phase 3 – Erinnerung/Akzeptanz: Durchleben einer Erinnerungsphase – Fotos werden betrachtet, gemeinsame Erlebnisse nachempfunden. Akzeptanz stellt sich ein – der geliebte Mensch kann einen weiterhin „innerlich“ begleiten. Oder bei anderen schwerwiegenden Lebensereignissen ist der Schrecken über das Geschehene nicht mehr so groß.
  • Phase 4 – Neuorientierung: Neue Orientierungsmöglichkeiten werden gefunden. In dieser letzten Phase der Krisenbewältigung ist eine Neuausrichtung – hin zu einer positiven Zukunft – möglich. 

Welche Gefühle können sich im Trauerprozess zeigen?

Trauer kann sich ganz unterschiedlich anfühlen. Es ist auch in Ordnung, nicht zu trauern. Es gibt kein „richtiges“ oder „falsches“ Trauern. Nicht immer ist ein Todesfall eines nahestehenden Menschen der Anlassfall zur Trauer. Auch etwa Liebeskummer oder der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Gesundheit können Verlust- und Trauerprozesse hervorrufen. Dabei kann es unter anderem zu folgenden Empfindungen kommen:

  • Schockgefühl („wie benebelt“),
  • Gefühlstaubheit,
  • starke Müdigkeit/Erschöpfung,
  • überwältigende Traurigkeit,
  • häufiges Weinen,
  • Gefühle von Schuld,
  • Wut und Ärger.

Nicht immer sind alle diese Gefühle da. Eventuell auch andere. Sie können auch sehr plötzlich und intensiv auftauchen. Oder eher im Hintergrund da sein. Die Gefühle verlieren meist nach und nach an Intensität und ebben nach einiger Zeit ab. Ein gewisser Schmerz kann bei Erinnerungen bleiben. Jedoch auch emotionale Wärme und Bereicherung beim Erinnern an schöne vergangene Momente oder Dankbarkeit für neue Lebenswege. 

Wie kann ich Trauer bewältigen?

An den Trauerphasen ist ersichtlich, dass Trauernde im Verlauf des Trauerprozesses seelische sowie ganz alltägliche, oft große, Herausforderungen meistern müssen:

  • Den Verlust als Realität anerkennen und akzeptieren.
  • Den seelischen Schmerz verarbeiten.
  • Den Alltag ohne den verstorbenen Menschen bewältigen.
  • Eine bleibende innere Verbindung zum Verstorbenen aufbauen.
  • Eine Lebensperspektive ohne den geliebten Menschen finden und leben.

Die Bewältigung dieser „Traueraufgaben“ braucht Zeit und Kraft. Daher sind Verständnis und Unterstützung durch das soziale Umfeld wichtig. Nahestehende Menschen aus Familie und Freundeskreis, aber auch professionell ausgebildete Helferinnen und Helfer ( Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten etc.) und Seelsorgerinnen/Seelsorger können begleitend und mitfühlend zur Seite stehen. Auch der Austausch in Selbsthilfegruppen kann hilfreich sein.

Unterstützung und Trost

In der Trauer hilft es oft, sich mit nahestehenden Menschen auszutauschen. Auch wenn einem nicht nach Reden zumute ist: Gespräche im Freundeskreis und in der Familie wirken sich positiv auf die Befindlichkeit aus. Das Leid sowie schöne – wenn auch teils schmerzhafte Erinnerungen – werden miteinander geteilt. Das Erinnern an die gemeinsame Zeit mit der/dem Verstorbenen ist ein wesentlicher Teil der Trauerarbeit. In Gedanken nochmals den geteilten Lebensabschnitt zu durchleben, hilft Abschied zu nehmen und neue Wege zu gehen. Vor allem schöne Momente sollten im Herzen und in der Erinnerung weiterleben dürfen. Auch Gedanken und Ideen der/des Verstorbenen können die Hinterbliebenen als Vermächtnis begleiten.

Werden unangenehme Erinnerungen wach, z.B. aufgrund eines vergangenen Konflikts, ist es empfehlenswert, einen Versuch der Vergebung zu wagen. Der Prozess des Verzeihens ist nicht immer leicht und braucht manchmal mehrere Jahre sowie in manchen Fällen Begleitung durch andere Menschen oder professionelle Helferinnen/Helfer. Aber er kann sich lohnen, um den weiteren Lebensweg unbeschwerter zu gestalten.

Was kann ich selbst tun?

Trauern darf Raum einnehmen und Zeit brauchen. Tränen und Traurigkeit sollten nicht zurückgehalten werden, sie gehören zum natürlichen Trauerprozess. Aber auch alle anderen Gefühle sind „erlaubt“. Um einen Menschen zu trauern, bringt uns auch mit der eigenen Endlichkeit in Kontakt. Daher kann es hilfreich sein, das Leben trotz all der Traurigkeit als Geschenk zu betrachten. Rituale z.B. am Todestag oder zu Allerheiligen (etwa Friedhofsbesuch, Zusammenkunft der Familie, Grabpflege oder individuelle Erinnerungsrituale) können das Andenken weiter pflegen, lösen manchmal aber auch erneut Trauer aus.

Folgende Maßnahmen können im Trauerprozess zudem hilfreich sein: 

  • Mit jemandem über die Belastung sprechen. Zum Beispiel im Freundeskreis oder der Familie.
  • Etwas für die seelische Ausgeglichenheit tun. Nähere Informationen finden Sie unter Tipps für die seelische Balance.
  • Auf regelmäßigen Schlaf achten.

Setzen Sie sich lieber kleine Ziele und gehe Sie Schritt für Schritt durch diese herausfordernde Zeit. Wenn das Auftauchen aus dem Trauerprozess nicht gelingt oder die Trauer in eine Depression übergeht, bieten professionelle Anlaufstellen (z.B. Psychotherapeutin/Psychotherapeut) Hilfe. Gegebenenfalls fällt es nicht leicht, zu beurteilen, ob man Hilfe benötigt. Die professionellen Helferinnen/Helfer können Sie dabei unterstützen, dies herauszufinden. Näheres dazu unter Wenn die Psyche Hilfe braucht.

Wie spreche ich mit Kindern über Trauer?

Auch Kinder sind im Alltag mit den Themen Tod und Sterben konfrontiert. Entweder weil jemand im Angehörigenkreis stirbt. Oder sie sich etwa von ihrem geliebten Haustier verabschieden müssen. Auch über die Medien bekommen sie viel mit (z.B. über Krieg, Naturkatastrophen, Unfälle). Außerdem liegt es in der Neugier eines Kindes, früher oder später zu fragen, warum man sterben muss. Und wohin man dann kommt. Was dann passiert. Es bestehen oft große Hemmschwellen mit Kindern über die Themen Sterben und Tod zu sprechen. Kinder benötigen diesbezüglich jedoch eine Orientierung. Immer wieder möglichst selbstverständlich über diese Themen zu sprechen und verständliche Antworten auf die Fragen zu geben, unterstützt dabei.

Sind Kinder direkt von Tod bzw. Verlust betroffen, benötigen sie Unterstützung. Damit sie ihre Gefühle ausdrücken und einordnen können. Und sie brauchen auch einfach Trost. Kinder trauern anders als Erwachsene. Sie wechseln öfter ihre Stimmungen, nicht immer ist die Trauer offensichtlich. Kinder müssen auch begreifen können, warum ihre Angehörigen so traurig sind. Ehrliche, kindgerechte Antworten sind dabei hilfreich. Dabei können erklärende Kinderbücher oder der Austausch mit anderen Betroffenen sowie die Inanspruchnahme von professionellen Helferinnen/Helfern unterstützen.

Manchmal kann die Trauer auch für ein Kind oder eine ganze Familie sehr belastend sein. Dann ist es hilfreich, professionelle Unterstützung zu suchen (z.B. Psychotherapie für Kinder, Familientherapie).

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