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Mädchen mit Pferd © Zlatan Durakovic

Tiergestützte Maßnahmen

Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren existiert seit den Anfängen der Menschheit.
Quer durch alle Kulturen waren Tiere nicht bloß Nahrungsquelle oder Nutztiere, sondern
auch geschätzte Begleiter (z.B. Hunde oder Katzen). Tiere werden bereits seit vielen
Jahren im (heil-)pädagogischen, sozialen und therapeutischen Bereich eingesetzt.
Ihre positive und teils auch heilsame Wirkung auf Menschen wird zudem laufend erforscht.
Tiergestützte Maßnahmen können die persönliche Entwicklung fördern und bei der
Bewältigung von Beeinträchtigungen oder gesundheitlichen Probleme helfen.

Mensch-Tier-Beziehung 

Basis für jegliche tiergestützte Intervention ist die Mensch-Tier-Beziehung. Dabei steht
nicht nur das Wohl des Menschen, sondern auch jenes des Tieres im Mittelpunkt. Tiere
weisen artspezifische Verhaltensweisen auf und haben eigene Bedürfnisse und
Empfindungen. Sie verhalten sich dem Menschen gegenüber unmittelbar und
authentisch, unterliegen nicht unseren sozialen Wertesystemen, haben keine Vorurteile
und stellen keine Bedingungen. Dadurch werden Beziehungsangebote des Menschen
gegenüber Tieren sehr spontan beantwortet. So können sie in Form von Symbolbeziehungen therapeutisch oder pädagogisch gemeinsam mit speziell dazu zusätzlich ausgebildeten Fachleuten aus den jeweiligen Fachberufen bearbeitet werden.

Mensch-Tier-Kommunikation

Tierische Begleiter sind zudem Meister der Achtsamkeit und der nonverbalen Kommunikation bzw. Wahrnehmung: Sie leben im Hier & Jetzt und sind uns oftmals in ihrer Sensibilität und ihren Sinnesleistungen überlegen. Der Wirkprozess einer Mensch-Tier-Interaktion beginnt bereits ab der ersten Begegnung. Schritt für Schritt baut sich in der Folge ein Vertrauensverhältnis auf, das durchaus zwischenmenschlichen Beziehungen ähneln kann. Die Tiere werden für einige Einsatzgebiete wie Hippotherapie (Pferde) oder für Besuchsdienste (Hunde) speziell ausgebildet und vorbereitet. Viele Bereiche der tiergestützten Maßnahmen benötigen aber keine speziell trainierten Tiere. Denn dies kann auch in einigen Fällen die Auswirkung einer Symbolbeziehung zwischen Mensch und Tier verfälschen. Manche Tierarten sind zudem einer spezifischen Ausbildung gar nicht zugänglich. Tiere reagieren so wie wir Menschen auf nonverbale Signale (z.B. Bewegungen, Haltung) und Stimmkennzeichen (z.B. Tonlage, Lautstärke). Menschliche Töne und Gesten wirken auch auf Tiere. Mit der Zeit können Mensch und Tier eine „gemeinsame“ Sprache durch laufenden Austausch und einen Prozess des Voneinanderlernens entwickeln.

Wirkung von tiergestützten Maßnahmen

Tiergestützte Maßnahmen können sich positiv auf folgende Bereiche auswirken:

  • Motorik/Körpergefühl (z.B. Verbesserung der Beweglichkeit bzw. Wahrnehmung von Körperempfindungen) 
  • Lernfähigkeit
  • Wahrnehmung
  • soziales Verhalten
  • Gefühlsregulation
  • Kommunikation
  • Stressmanagement

Tiere regen Sinne an

Die menschlichen Sinne werden durch tiergestützte Maßnahmen in vielerlei Hinsicht angeregt:

  • Taktil: Wie fühlt sich das Tier bzw. das Fell des Tieres an?
  • Visuell: Wie sieht das Tier aus, wie bewegt und verhält es sich?
  • Auditiv: Welche Geräusche macht das Tier?
  • Olfaktorisch: Wie riecht das Tier?
  • Kinästhetisch: Wie wird der eigene Körper in Interaktion mit dem Tier erlebt (z.B.
    beim Reiten)?

Die Sinneswahrnehmung kann somit gefördert und mit Gefühlen in Zusammenhang
gebracht werden. So können auch Einschränkungen oder Verluste von Sinnen (z.B. Seh- oder Hörsinn) besser bewältigt und angenommen werden.

Unterschiedliche Handlungsfelder

Es gibt verschiedene Anwendungsfelder tiergestützter Maßnahmen – vom Tierbesuch bis hin zu therapeutischen Handlungen. Beim Einsatz von Tieren zur Gesundheitsförderung oder Behandlung sind immer hygienische Standards zu berücksichtigen. Besonders auf Allergien, aber auch Ängste im Umgang mit Tieren muss Rücksicht genommen werden.

Tiergestützte Aktivitäten

Unter tiergestützten Aktivitäten versteht man Interventionen im Zusammenhang mit
Tieren, die pädagogische, rehabilitative, soziale Prozesse unterstützen oder Wohlbefinden
und Lebensqualität von Menschen fördern. Beispiele sind unter anderem ein gezielter
Besuch in Begleitung von Tieren in einem Altenheim oder Spaziergänge, aber auch viele
Dienstleistungen, die gemeinsam mit Tieren erbracht werden, wie tiergestützte
Feriencamps, Nachmittagsbetreuung oder Trekkingangebote.

Tiergestützte Förderung/Pädagogik

Die Entwicklung von Kindern mit Förderungsbedarf kann mittels tiergestützter Maßnahmen
unterstützt werden. Diese Form der Förderung kommt unter anderem in der Heilpädagogik oder Physiotherapie zum Einsatz. Tiergestützte Pädagogik konzentriert sich auf Lernprozesse mit Schwerpunkt in der Entwicklungsunterstützung von emotionaler und sozialer Intelligenz. Aber auch in der Sozialpädagogik Erwachsener bieten tiergestützte Maßnahmen viele Einsatzmöglichkeiten.

Tiergestützte Therapie/Psychotherapie

Bei einer tiergestützten Therapie werden Tiere in eine jeweilige Behandlung (z.B.
Ergotherapie) miteinbezogen. Bei einer Psychotherapie wird eine Linderung
bzw. Heilung von seelischen Leidenszuständen bzw. Verhaltensäuffälligkeiten angestrebt. Tiere können dabei ergänzend zur jeweiligen Psychotherapiemethode unterstützend hinzugezogen werden. Durch tiergestützte Psychotherapie werden unter anderem die Festigung der Persönlichkeit, Verhaltensänderungen sowie der Ausdruck von Gefühlen gefördert und Krisen bewältigt. Nicht nur die Begegnung mit dem Tier, sondern vor allem auch therapeutisch geleitete Maßnahmen rund um das Wohlergehen, Betreuung und Training von Tieren können sich positiv auswirken. Sie können Struktur, soziale Kompetenzen, Sinngebung und insbesondere die Erfahrung der eigenen Selbstwirksamkeit fördern.

Hund, Pferd & Co.

Anfänglich kamen besonders Pferde und Hunde zum Einsatz. Heute werden vermehrt auch viele Nutztierarten wie Ziegen, Schafe, Neuweltkameliden (z.B. Lamas) und Rinder, Kleintiere (z.B. Kaninchen und Meerschweinchen) oder Vögel (Geflügel, Papageien/Sittiche) eingesetzt. Pferde werden vor allem in der Hippotherapie, heilpädagogischem Reiten/Voltigieren sowie in der Psychotherapie zu tiergestützten Maßnahmen herangezogen. Bei Hunden wird zwischen Arbeitshund (z.B. Blindenführhund), Therapiebegleithund (z.B. auf Psychiatrischen Abteilungen) und Diensthund (z.B. Rettungshund) unterschieden. Selbst Achatschnecken und andere Wirbellose oder Insekten werden etwa bei hyperaktiven Kindern eingesetzt. Die Erfahrungen darüber, welche Tiere und in welcher Form diese zu tiergestützten Maßnahmen eingesetzt werden können, wachsen laufend und liefern somit neue Ansätze.

Auf Qualifikation achten

Tiergestützte Maßnahmen erfordern eine entsprechende Weiterbildung in diesem Bereich,
in der Regel zusätzlich zum Grundberuf (z.B. in der Heilpädagogik, Krankenpflege, Medizin oder Psychotherapie). Auf den Websites des Vereins „Tiere als Therapie“ sowie der Österreichischen Gesellschaft für Tiergestützte Therapie finden Sie weitere Informationen über tiergestützte Therapie und Qualitätskriterien.

Kosten

Die Kostenabdeckung erfolgt teils über die jeweiligen Behandlungen (z.B. Physiotherapie). Auch die Übernahme von Kostenzuschüssen durch einen Krankenversicherungsträger ist in einigen Fällen möglich. Ansonsten werden Kosten für tiergestützte Therapie von den Krankenversicherungsträgern nicht übernommen. Finanzierungen über Spendengelder sind möglich. Informationen zur Kostenübernahme von psychotherapeutischen Behandlungen finden Sie unter Leistungen & Kosten.

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