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Bub mit Hund  © marina_larina
Bub mit Hund © marina_larina

Tiergestützte Therapie & Maßnahmen

Die Beziehung zwischen Menschen und Tieren existiert seit den Anfängen der Menschheit. Quer durch alle Kulturen waren Tiere nicht bloß Nahrungsquelle oder Nutztiere, sondern
auch geschätzte Begleiter (z.B. Hunde oder Katzen).

Tiere werden bereits seit vielen Jahren im sozialen und therapeutischen Bereich eingesetzt. Vor allem bei Kindern, Erwachsenen oder älteren Menschen mit psychischen bzw. Verhaltensproblemen, speziellem Förderbedarf und am Lebensende. 

Tiergestützte Maßnahmen können die persönliche Entwicklung und Gesundheit fördern sowie bei der Bewältigung von Beeinträchtigungen oder gesundheitlichen Problemen helfen. Wesentlich ist aber, dass es Mensch und Tier dabei gut geht. Die Wirkung von Tieren auf Menschen wird  laufend erforscht. Zu den Maßnahmen zählen die tiergestützte Therapie und allgemeine tiergestützte Aktivitäten. Die tiergestützte Therapie kann Bestandteil von bewährten Behandlungsformen sein (z.B. Physiotherapie, Psychotherapieetc.). Zu allgemeinen tiergestützten Aktivitäten zählen zum Beispiel der Einsatz von Hunden oder Katzen in Pflegeheimen. Oder Reiteinrichtungen, die Kinder oder Erwachsene in der Pflege von Pferden schulen. 

Welche Rolle spielt die Mensch-Tier-Beziehung? 

Basis für jede tiergestützte Maßnahme ist die Mensch-Tier-Beziehung. Dabei steht nicht nur das Wohl des Menschen, sondern auch jenes des Tieres im Mittelpunkt. Tiere weisen artspezifische Verhaltensweisen auf. Sie haben eigene Bedürfnisse und Empfindungen. Tiere verhalten sich dem Menschen gegenüber unmittelbar und „verstellen“ sich nicht. Sie haben keine Vorurteile und stellen kaum Bedingungen für Zuneigung.

Prinzipiell hat der Mensch einen Bezug zur Natur und zu Tieren. Wie stark, ist individuell unterschiedlich. Zudem bieten Tiere auch Ablenkung. Indem man sich auf sie konzentriert, denkt man weniger an andere Dinge. Und nimmt etwa Angst, negative Stimmung, Schmerz oder anderes negatives Befinden nicht so stark wahr. Zudem ist es für Menschen möglich, soziale Beziehungen oder Bindungen zu Tieren – vor allem zu Haus- und Nutztieren – einzugehen. Streicheln von Tieren ist zudem manchmal leichter möglich als Körperkontakt zu anderen Menschen.

Tiere können und sollen jedoch menschliche Nähe nicht ersetzen und umgekehrt. Sie können jedoch für eine körperliche und emotionale Nähe sorgen, die herkömmliche soziale Begegnungen und Therapien sinnvoll ergänzen kann. Sich um Tiere zu kümmern ist zudem eine Aufgabe und eine Verantwortung, die Struktur und Sinn geben kann. Tierische Helfer werden für verschiedene Einsatzgebiete wie Therapeutisches Reiten oder für spezielle Hilfsdienste im Alltag (z.B. Blindenführhund) speziell ausgebildet. Sie wirken aber grundsätzlich auch ohne spezifische Trainings und Ausbildungen auf den Menschen.

Wie kommunizieren Mensch und Tier miteinander?

Auch wenn Menschen und Tiere nicht die „gleiche Sprache“ sprechen, sie können sich doch miteinander verständigen. Mensch und Tier kommunizieren unter anderem über:

  • Tonlage
  • Veränderungen im Sprachrhythmus/der Betonung
  • Gesten/Bewegungen
  • Gesichtsausdrücke/Blicke
  • Berührungen

Mit der Zeit können Mensch und Tier eine „gemeinsame Sprache“ durch laufenden Austausch und einen Prozess des Voneinanderlernens entwickeln. Schritt für Schritt baut sich ein Vertrauensverhältnis auf, das durchaus zwischenmenschlichen Beziehungen ähnlich sein kann. Tierische Begleiter sind zudem „Meister“ der Achtsamkeit und der Kommunikation ohne Worte. Sie leben im Hier und Jetzt. Menschen sind sie oftmals in ihrer Sensibilität und ihren Sinnesleistungen (z.B. Gehör) überlegen.

Tiergestützte Maßnahmen: Was ist das?

Der eher umgangssprachliche Begriff tiergestützte Therapie bzw. tiergestützte Maßnahmen fasst drei Hauptbereiche zusammen:

  • Tiergestützte bzw. naturgestützte Therapie: Bei dieser setzen Personen aus Gesundheitsberufen mit einer Zusatzausbildung diese Methoden ergänzend zur Behandlung ein. Zum Beispiel im Bereich der Psychotherapie, klinischen Psychologie, Pflege, Ergotherapie oder Physiotherapie. Oder auch im multiprofessionellen Team – etwa in einer Betreuungseinrichtung.
  • Tiergestützte bzw. naturgestützte pädagogische und soziale Fördermaßnahmen: Bei diesen arbeiten Fachpersonen aus Pädagogik, Sozialpädagogik oder etwa Sozialarbeit mit einer entsprechenden Zusatzausbildung mithilfe tier- bzw. naturgestützter Maßnahmen. Es handelt sich dabei um keine Therapie, sondern um eine Fördermaßnahme.
  • Tiergestützte bzw. naturgestützte Aktivitäten: Bei diesen werden unterschiedliche Dienstleistungen erbracht (z.B. Freizeitangebote wie Outdoor-Aktivitäten). Auch hier sollten Anbieter über eine entsprechende Weiterbildung verfügen.

Welche Tiere kommen zum Einsatz?

In den Anfängen der tiergestützten Therapie kamen besonders Pferde und Hunde zum Einsatz. Pferde werden vor allem beim therapeutischen Reiten sowie in der Psychotherapie herangezogen. Heutzutage werden vermehrt auch Nutztiere wie Rinder, Esel, Ziegen, Schafe, Lamas, aber auch Kleintiere (z.B. Kaninchen und Meerschweinchen) oder Vögel (Geflügel, Papageien/Sittiche) eingesetzt. Selbst Achatschnecken oder Insekten können tierische Helfer sein. Die Erfahrungen darüber, welche Tiere und in welcher Form eingesetzt werden können, wachsen laufend.

Was kann tiergestützte Therapie bewirken?

Tiergestützte Therapie dürfte sich positiv auf folgende Bereiche auswirken:

  • Förderung des Wohlbefindens im Allgemeinen
  • Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Verringerung von Gefühlen der Einsamkeit
  • Stressreduktion
  • Gefühl, bedingungslos akzeptiert zu sein
  • Abwechslung im Alltag
  • Motorik/Körpergefühl (z.B. Verbesserung der Beweglichkeit bzw. Wahrnehmung von Körperempfindungen) 
  • Lernfähigkeit/Konzentration
  • Motivation
  • Wahrnehmung
  • soziales Verhalten/Mitgefühl
  • Gefühlsregulation
  • Kommunikation

Tiere fördern die Sinneswahrnehmung

Bei tiergestützter Therapie bzw. auch allgemeinen tiergestützten Aktivitäten werden vorwiegend Sinneswahrnehmungen gefördert. So können auch Einschränkungen oder Verluste von Sinnen (z.B. Seh- oder Hörsinn) besser bewältigt und angenommen werden.

Die menschlichen Sinne werden durch tiergestützte Therapie in vielerlei Hinsicht angeregt:

  • Taktil: Wie fühlt sich das Tier bzw. das Fell des Tieres an?
  • Visuell: Wie sieht das Tier aus, wie bewegt und verhält es sich?
  • Auditiv: Welche Geräusche macht das Tier?
  • Olfaktorisch: Wie riecht das Tier?
  • Kinästhetisch: Wie wird der eigene Körper in Interaktion mit dem Tier erlebt (z.B.
    beim Reiten)?

Tiere werden von Personen mit Gesundheitsberufen auch bei diversen Beschwerden eingesetzt – dazu zählen psychische Erkrankungen wie Depression, Schizophrenie und Suchterkrankungen. Im Allgemeinen ist jedoch noch vieles im Bereich der tiergestützten Therapie Gegenstand der Forschung.

Welche negativen Wirkungen gibt es?

Allerdings gibt es auch mögliche negative Wirkungen. Zum Beispiel Allergien gegen Tierhaare. Oder Trauer um ein verstorbenes Tier. Auch kann ein Wechsel auf ein anderes „Therapietier“ schwierig sein, weil sich eine Bindung eingestellt hat. Tiere können zudem Ängste hervorrufen. Diese möglichen Nebenwirkungen müssen beachtet und dementsprechend begleitet werden.

Wo findet tiergestützte Therapie Anwendung?

Tiergestützte Therapien oder Aktivitäten finden unter anderem Anwendung in folgenden Bereichen:

  • Pflege- und Seniorenheimen
  • sonder- und heilpädagogischen Einrichtungen
  • in der Pflege
  • in der Palliativmedizin
  • in der Rehabilitation
  • in der Pädagogik (tiergestützte Pädagogik) sowie
  • im Rahmen verschiedener Behandlungen (Psychotherapie, Ergotherapie etc..
  • sowie in weiteren Dienstleistungsbranchen

Tiergestützte Therapie erfordert eine entsprechende Weiterbildung in diesem Bereich – in der Regel zusätzlich zum Grundberuf (z.B. in der Heilpädagogik, Krankenpflege, Medizin, Physiotherapie, Ergotherapie oder Psychotherapie). Oft erfolgt auch eine Zusammenarbeit von mehreren Berufen, um Mensch und Tier bestmöglich zu begleiten. Dabei müssen auch Standards in Hinblick auf Hygiene und Tierschutz (inklusive tiermedizinische Betreuung) beachtet werden. Nähere Informationen finden Sie zum Beispiel bei der European Society for Animal Assisted Therapy.

Die Kostenabdeckung bzw. der Kostenzuschuss erfolgt teils über die jeweiligen Behandlungen. Für mögliche Übernahmen von Kosten bzw. Kostenzuschüssen kontaktieren Sie bitte direkt Ihren Krankenversicherungsträger. Auch Finanzierungen über Spendengelder sind teilweise in Einrichtungen möglich.

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