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Bursche mit Kapuze © auremar

Körperliche Veränderungen bei Burschen

Kennzeichnend für den Beginn des Übergangs vom Kind zum Erwachsenen ist die Pubertät. Sie führt durch viele Entwicklungen zum ausgewachsenen Körper – und zur sogenannten Geschlechtsreife. Aufgrund der Hormonproduktion entwickeln sich Burschen zu geschlechtsreifen Männern. Im Körper finden in dieser Zeit besonders viele Veränderungen statt – manche davon sind äußerlich sichtbar, andere weniger und werden oft nicht bewusst wahrgenommen. Die Pubertät beginnt bei den Burschen etwas später als bei den Mädchen – und tritt meist zwischen elf und 15 Jahren auf . . .

Wachstum & männliche Körperformen

Pubertäre Veränderungen sind großteils genetisch bedingt. Wann die Pubertät beginnt, wie lange sie dauert und wie sie abläuft, ist dabei unterschiedlich. Auch bei Burschen, die älter als 15 Jahre sind, kann sich der Körper noch verändern. Denn Entwicklung und Wachstum findet auch später noch statt (z.B. Wachstum von Barthaaren, Peniswachstum, Stimmbruch).

Bereits bevor merkbar wird, dass die Pubertät begonnen hat, geben Hormone den Startschuss für Umbaumaßnahmen im Körper. Eines der ersten Anzeichen der körperlichen Veränderungen ist das schnelle Körperwachstum. Dadurch verändert sich die Größe, aber auch die Proportionen des Körpers verschieben sich. Nicht immer wachsen alle Körperteile gleichzeitig – sodass das Erscheinungsbild manchmal etwas ungewohnt und ungelenk aussehen kann. Das vergeht aber wieder.

Durch eine vermehrte Produktion des Wachstumshormons Somatotropin (STH) sowie des Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) – und unter Einfluss der Sexualhormone – beginnt der Körper zu wachsen und das Skelett (Knochen) fängt an zu reifen. Anzeichen für männliche Körperformen (wie breitere Schultern im Verhältnis zur Hüfte) werden sichtbar. Das liegt einerseits an der Entwicklung der Knochen und Muskeln. Burschen legen mehr Muskelmasse zu als Mädchen und haben oft auch mehr Muskelkraft. Außerdem geht bei ihnen der Fettanteil an Armen und Beinen zurück.

Hinweis Manche Burschen versuchen, mit Dopingmitteln und Präparaten aus dem Internet mehr Muskeln zu bekommen. Doch Hände weg! Diese können zu schweren Schädigungen im Körper führen! Besser ist es, auf ausgewogene Ernährung und Sport zu setzen.

Infos zu Doping gibt es unter

Sexuelle Entwicklung & Hormone

Die „Umbaumaßnahmen“ und hormonellen Veränderungen stehen in Zusammenhang mit der Produktion von Sexualhormonen. Für die sexuelle Entwicklung des Körpers sind sowohl männliche (Androgene) als auch weibliche Sexualhormone (Östrogene) notwendig. Das Androgen Testosteron wird jedoch bei Burschen in einem viel größeren Ausmaß gebildet als bei Mädchen. Dies führt zu Muskel- und Körperwachstum sowie zur Ausprägung der männlichen Geschlechtsmerkmale (z.B. Penis, Gesichtsbehaarung). Durch die Östrogene im männlichen Körper kann es zu einem vorübergehenden Wachstum der Brust kommen (Gynäkomastie), das im Normalfall aber wieder vergeht.

Primäre Geschlechtsmerkmale sind bereits von Geburt an vorhanden (wie Penis, Hodensack, Hoden). Sie verändern sich jedoch während der Pubertät. Auch die sogenannten sekundären Geschlechtsmerkmale wie Achsel- und Schambehaarung entwickeln sich. Alle diese Veränderungen passieren nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre hinweg.

Die Veränderungen während der Pubertät zeigen sich zum Leidwesen vieler Teenager auch in Form von fettiger werdender Haut und Pickeln. Außerdem kann es zu Akne kommen.

Wachstum von Hoden und Penis

Im Laufe der Pubertät beginnen Hoden und Penis zu wachsen. Auch das passiert nicht von heute auf morgen, sondern über Jahre. Ein erstes Anzeichen der Pubertät ist das Wachstum der Hoden. Auch der Hodensack, in dem die beiden Hoden liegen, verändert seine Farbe und sein Aussehen (wird z.B. dunkler). Größe und Form können allerdings ganz unterschiedlich sein. Meist hängt ein Hoden etwas tiefer als der andere.

Körper & Haare

Mit der Pubertät wachsen Haare dort, wo früher keine waren. Die ersten Schamhaare – z.B. am Penisansatz – beginnen zu sprießen. Auch das kann ganz unterschiedlich sein. Weniger oder mehr Haare, heller oder dunkler – Menge und Dichte der Haare sind individuell verschieden. Außerdem entwickeln sich im Laufe der Pubertät die Achselhaare. Auch Haare an der Brust und Rücken können sich zeigen.

Auch Burschen entfernen sich Achsel- und Schamhaare. Aus medizinischen oder hygienischen Gründen muss das jedoch nicht sein. Jedenfalls sollte man beim Entfernen der Haare sehr vorsichtig vorgehen. Die Haut ist in diesen Bereichen empfindlich, kann leicht gereizt werden und sich beispielsweise entzünden.

Bart und stärkere Körperbehaarung bilden sich ebenfalls während der Pubertät aus. Nicht bei allen Jungs ist dies gleich ausgeprägt – manche haben weniger oder auch gar keine Haare an Brust oder Rücken. Manche haben mehr Bart, andere weniger.

Erster Samenerguss

Ebenfalls im Zuge der pubertären Veränderungen kommt es bei Jungs zum ersten Samenerguss – beispielsweise spontan in der Nacht (feuchter Traum) oder bei der Selbstbefriedigung. Dabei tritt Samenflüssigkeit aus dem Penis. Das ist nichts Ungewöhnliches. Auch spontane Erektionen (Steifwerden und Aufrichten des Penis) sind möglich. Der Samenerguss enthält Millionen von Samenzellen.

Hinweis Bereits ab dem ersten Samenerguss kann ein Junge ein Kind zeugen.

Nähere Infos zu Verhütung.

Stimmbruch

In der Pubertät kommt es unter anderem durch den Einfluss der Hormone zu einer Kehlkopfvergrößerung. Bis der Kehlkopf seine endgültige Größe erreicht hat, kann die Stimme oft unterschiedlich klingen, z.B. plötzlich wechselnd krächzend oder heiser. Aber auch das ist nicht bei allen Burschen gleich ausgeprägt. Viele Burschen haben nach dem Stimmbruch eine tiefere Stimme als Mädchen.

Umbau im Gehirn

Auch im Kopf von Mädchen und Burschen spielen sich viele Veränderungen ab. Zellen sterben ab, Verbindungen ebenfalls, neue entstehen und bestehende Verbindungen werden gestärkt. Kognitive Fähigkeiten prägen sich aus (z.B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Integration von Information und Selbstkontrolle). Das abstrakte Denken verbessert sich ebenfalls während der Pubertät. Belastungen, aber auch angenehme Reize werden von den Jugendlichen intensiver wahrgenommen. Die Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus (ebenfalls durch das Gehirn) wandelt sich zudem. Teenager gehen daher oft später schlafen als vor der Pubertät, brauchen jedoch trotzdem viel Schlaf (etwa neun Stunden).

Körperhygiene

Während der Pubertät werden auch Drüsen aktiv, sodass man stärker schwitzt und anders riecht. Körperhygiene wie regelmäßiges Duschen ist deshalb besonders wichtig. Übertriebenes Waschen ist nicht notwendig, allerdings sollten Penis und Hodensack jeden Tag mit viel Wasser und wenig Seife gewaschen werden. Die Vorhaut, wenn vorhanden, vorsichtig zurückziehen und die Eichel reinigen. Abgestoßene Hautzellen, Urin- und Spermareste bilden das Smegma, eine weißlich-gelbe Substanz, die sich zwischen Eichel und Vorhaut ansammelt. Durch Bakterien beginnt das Smegma mit der Zeit unangenehm zu riechen und kann außerdem zu Entzündungen an Penis und in der Scheide führen.

Wann zum Arzt?

Zur Ärztin/zum Arzt sollten Burschen auf jeden Fall bei:

  • Entzündungen von Vorhaut und Eichel,
  • Problemen beim Wasserlassen; Brennen, Schmerzen beim Wasserlassen etc.,
  • Blut im Harn oder im Sperma,
  • Schmerzen, Veränderungen, verhärteten Stellen der Hoden,
  • starkem Juckreiz,
  • Ausfluss aus dem Penis (bzw. aus der Harnsamenröhre).

Bei diesen Beschwerden, anderen Problemen oder Fragen hinsichtlich der männlichen Geschlechtsorgane wendet man sich am besten an eine Fachärztin/einen Facharzt für Urologie oder Dermatologie. Untersuchungen der Geschlechtsorgane sind ungewohnt, manchen ist es auch peinlich – für die Ärztin/den Arzt gehören sie jedoch zur täglichen Routine. Urologinnen/Urologen in der Nähe findet man unter Arztsuche.

Mehr zu Körperhygiene und Arztbesuch gibt es in den Broschüren:

Verfrühte Pubertät – Pubertas praecox

Von einer frühen Pubertät beim Burschen spricht man, wenn diese vor dem 9. Lebensjahr beginnt. Sekundäre Geschlechtsmerkmale wie beispielsweise Schambehaarung zeigen sich dann früher. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. In jedem Fall sollten diese medizinisch rasch abgeklärt und erforderlichenfalls behandelt werden. Dafür wendet man sich am besten an eine Fachärztin/einen Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde.

Verzögerte Pubertät – Pubertas tarda

Bis zum Ende des 16. Lebensjahres sollte der erste Samenerguss stattgefunden haben. Ist dies nicht der Fall, ist eine ärztliche Abklärung notwendig. Die Ärztin/der Arzt kann verschiedene Untersuchungen anordnen.

Beides, sowohl ein zu frühes Einsetzen als auch eine verzögerte Pubertät, sollte auch deshalb rasch abgeklärt werden, da Entwicklungsverzögerungen oftmals große Unsicherheiten für die Betroffenen bedeuten – und die Frage auftauchen kann, ob mit einem etwas „nicht stimmt“.

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