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Älterer Dame wird beim Essen geholfen © Alexander Raths

Beschwerden beim Kauen & Schlucken

Kau- und Schluckbeschwerden machen vielen älteren Menschen zu schaffen. Das Essen ist beschwerlich und wird teils verweigert. Ein schlechter Zahnstatus erschwert das Zerkauen der Nahrung und beeinträchtigt den Genuss. Die „Dritten“ passen eventuell nicht gut, verrutschen und schmerzen, zudem verdecken sie Teile der Mundschleimhaut, so dass der Geschmack nachlässt . . .

Mangel an Speichel

Verringerter Speichelfluss und Mundtrockenheit verstärken die Probleme beim Kauen und Schlucken, Medikamente tun ihr Übriges. Ein Mangel an Speichel bewirkt zudem, dass die Speisen ihren Geschmack weniger gut entfalten können. Krankheiten im Mundbereich wie z.B. Karies, Zahnfleischentzündungen oder -schwund können Beschwerden beim Kauen bereiten. Eine verminderte Kaumuskulatur und das Absinken des Kiefergelenkes sind weitere beeinträchtigende Faktoren.

Angst vor dem „Ver“-Schlucken

Schluckstörungen (Dysphagien) entstehen meist durch Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall, Tumore, neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz, Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose sowie Entzündungen im Bereich von Mund und Speiseröhre. Die Einschränkungen können unterschiedliche Phasen des sehr komplexen Schluckvorgangs betreffen. So treten beispielsweise Schwierigkeiten auf bei Lippen- und Kieferverschluss, Kiefer- und Zungenbewegung, Verschluss der oberen Atemwege durch das Gaumensegel.

Die Betroffenen entwickeln meist Angst vor dem „sich verschlucken“ und verweigern das Essen und Trinken. Geschmacksneutrale Gelierhilfen, Maisstärke oder spezielle Pulver zum Andicken erleichtern den Schluckvorgang. Unterstützend kann auch eine funktionelle Schlucktherapie bei einer Logopädin/einem Logopäden sein.

Achtung! Kau- und Schluckstörungen können ernste Folgen haben (Vorsicht: Aspirationspneumonie). Besprechen Sie die Probleme daher unbedingt mit der Ärztin/dem Arzt.

Tipps bei Kau- und Schluckbeschwerden

  • Gesunde Zähne, gesunder Mund: Achten Sie auf einen guten Zahnstatus, dazu sollte für eine regelmäßige Reinigung der Zähne bzw. des Gebisses gesorgt und dieses gegebenenfalls saniert werden. Zahnärztliche Kontrollen sollten auch weiterhin in regelmäßigen Abständen erfolgen. Mundhygiene verringert mögliche Entzündungen, die das Schlucken und Kauen erschweren.
  • Gut angepasste „Dritte“: Verrutscht das Gebiss oder fällt es hin und wieder gar aus dem Mund, kann das ein Hinweis auf eine schlecht sitzende Zahnprothese sein. Häufig macht gerade das Beschwerden beim Kauen. Prothesen sollten daher gegebenenfalls angepasst werden.
  • Mundtrockenheit vermeiden: Über den Tag verteilt sollten mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit getrunken werden, um das Austrocknen des Mundes und einen verringerten Speichelfluss zu vermeiden. Besonders zu den Mahlzeiten vermehrt trinken! Saure Lebensmittel wie Joghurt, saure Getränke etc. regen den Speichelfluss an.
  • Schwer zu Kauendes entfernen: Um das Kauen und Schlucken zu erleichtern, sollten besonders harte Bestandteile der Nahrung wie z.B. Brotrinden entfernt oder in Flüssigkeit aufgeweicht werden.
  • Breiige oder pürierte Speisen verwenden: Am besten verwenden Sie dazu einen Pürierstab oder spezielle Aufsätze für Mixer. Manche Speisen wie z.B. Kartoffeln lassen sich auch einfach mit der Gabel zerdrücken. Machen Sie keinen „Einheitsbrei“, sondern trennen Sie die einzelnen Bestandteile des Essens. Bezüglich Breikost gibt es Workshops, Ratgeber und Websites, die mit Ideen helfen.
  • Ruhe beim Essen & Trinken: Ältere Menschen mit Schluckbeschwerden müssen sich beim Essen und Trinken besonders konzentrieren. Für ausreichend Ruhe und Zeit sollte daher gesorgt sein. Auch das Radio oder der Fernseher sollten beim Essen abgeschaltet werden.
  • Aufrecht essen: Eine aufrechte Körperhaltung beim Essen erleichtert das Schlucken und beugt dem Einatmen von Speisebestandteilen vor (Aspiration). Der Kopf sollte dabei leicht nach vorne geneigt sein. Bei Bettlägerigkeit sollte der Oberkörper mithilfe von Decken, Kissen etc. so gut als möglich hochgelagert werden.

Auch im Alter isst das Auge mit

Passiertes und Püriertes sieht oft nicht sehr appetitlich aus – mit etwas Geschick und Kreativität lassen sich auch aus pürierten Speisen ansehnliche Gerichte zaubern. So ist es besser, nicht alles zusammen zu pürieren. Werden Fleischlaibchen, Karotten und Brokkoli getrennt voneinander püriert, bleiben die unterschiedlichen Farbkomponenten erhalten. Es muss auch nicht immer alles püriert werden, so kann z.B. eine gekochte Kartoffel leicht gegessen werden, während das Fleisch nicht mehr gut zu kauen ist – hier bietet sich die teilpürierte Kost an.

Hinweis Bei Schluckstörungen können Fasern, Brösel und Stückchen zur Gefahr werden, wenn diese eingeatmet werden. Die Speisen sollten davon befreit bzw. passiert/püriert werden.

Einseitiges Essen vermeiden!

Trotz Kau- und Schluckbeschwerden ist unbedingt eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl zu vermeiden, da ansonsten Defizite an bestimmten Nahrungsinhaltsstoffen entstehen können – Mangel- und Unterernährung drohen. Lehnt ein älterer Mensch bestimmte Speisen ab, die zuvor gerne gegessen wurden, sollte man besonders aufmerksam werden. Jede Speise lässt sich in ihrer Konsistenz so bearbeiten bzw. verändern, dass sie auch weiterhin gegessen werden kann.

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