Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Frau hält sich Hand an den Kopf © wavebreakpremium

Schwindel im Alter

Viele ältere Menschen leiden unter Schwindel. Bei den über 70-Jährigen sind rund 30 Prozent davon betroffen. Länger dauernder oder wiederkehrender Schwindel führt zu Unsicherheit beim Gehen und ist oft mit einer Angst vor Stürzen verbunden.
Schwindel ist keine normale Folge des Alterns, sondern meist ein Anzeichen, dass eine Störung oder Erkrankung eines Organs vorliegt. Oft bestehen im Alter mehrere Störungen gleichzeitig, was die Diagnose erschwert. Wenn die Ursache bestimmt werden kann, ist Schwindel meist gut behandelbar.

Diagnose & Therapie

Um die Ursache des Schwindels festzustellen, erhebt die Ärztin/der Arzt die Anamnese und frägt nach der Art der Schwindelbeschwerden und den begleitenden Umständen: 

  • Wie tritt der Schwindel auf? (Z.B. Drehschwindel, Schwankschwindel, Schwindel nur beim Gehen bzw. Stehen oder diffuser Schwindel.)
  • Wie lange dauert der Schwindel? (Z.B. mehrere Tage, Stunden oder Sekunden.)
  • Wodurch wird der Schwindel ausgelöst? (Z.B. Veränderung der Position des Kopfes, Aufstehen nach dem Liegen, Angst auslösende Situationen, Einnahme von Medikamenten, Alkohol etc.)
  • Treten begleitende Symptome auf? (Z.B. Hörstörungen, Gangstörungen, Migräne, neurologische Ausfälle, Angst etc.)

Anschließend führt die Ärztin/der Arzt eine klinische Untersuchung mit verschiedenen Tests durch, um weitere Hinweise auf die Ursache des Schwindels zu erhalten. Unter Umständen verordnet die Ärztin/der Arzt weitere Untersuchungen (z.B. MRT).

Die Therapie hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Akute Beschwerden wie Bewegungsschwindel, Gleichgewichtsstörungen oder Übelkeit kann die Ärztin/der Arzt kurzfristig mit Medikamenten behandeln.

Häufige Ursachen von Schwindel

Schwindel kann auf eine Schwäche bzw. Erkrankung des Gehör- und Gleichgewichtsorgans, des Herz-Kreislaufsystems bzw. der Gefäße, der Nerven oder des Gehirns hinweisen. Auch Ängste, psychische Probleme oder unerwünschte Wirkungen von Medikamenten sind möglich.

Die häufigsten Formen bzw. Ursachen von Schwindel im Alter sind:

Gutartiger Lagerungsschwindel

Typisch sind kurze Schwindelattacken bei einer Änderung der Kopflage, z.B. Umdrehen oder Aufrichten im Bett. Sie können Übelkeit und Erbrechen auslösen. Ursache sind sogenannte Ohrsteinchen (Otokonien), die in die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans rutschen. Die Ohrsteinchen unterstützen normalerweise das Gleichgewicht und die räumliche Wahrnehmung. Mögliche Ursachen für das Verrutschen der Ohrsteinchen sind altersbedingte Abbauvorgänge, Erschütterungen des Kopfes oder eine Erkrankung des Innenohrs.

Diese häufige Schwindelform ist gut behandelbar. Ziel der Behandlung ist, das verrutschte Ohrsteinchen wieder aus dem Bogengang zu entfernen. Dafür führt die Ärztin/der Arzt mit dem Kopf der Patientin/des Patienten gezielte Bewegungen durch, sogenannte Lagerungsmanöver. Meist vergehen die Schwindelbeschwerden nach einigen Wochen auch von selbst.


Bilaterale Vestibulopathie 

Die beidseitige Störung der Gleichgewichtsorgane verursacht Schwankschwindel, der meist beim Gehen im Dunkeln und auf unebenem Grund auftritt. Typisch ist auch eine vorübergehend verwackelte Sicht. Eine Vestibulopathie kann verschiedene Ursachen haben. Dazu zählen unerwünschte Wirkungen von Medikamenten (z.B. Aminoglykoside), Morbus Menière, Polyneuropathien oder Kleinhirnstörungen. Bei ca. 50 Prozent der diagnostizierten Fälle kann die Ärztin/der Arzt keine spezifische Ursache feststellen. Die Behandlung erfolgt u.a. durch Physiotherapie mit gezieltem Gleichgewichtstraining sowie Gang- und Standschulung.


Zentraler Schwindel

Zentraler Schwindel kann durch Schädigungen oder Erkrankungen des Kleinhirns ausgelöst werden, z.B. Läsionen, Durchblutungsstörungen, neurodegenerative Erkrankungen, Tumoren, Infektionen, Überdosierungen von Medikamenten etc. Die Schwindelanfälle können nur ein paar Sekunden aber auch mehrere Tage lang dauern. Sie werden typischer Weise von Symptomen wie Seh-, Sprech-, Schluck- oder Bewegungsstörungen begleitet. Auch Lähmungserscheinungen können auftreten. Bei einem Verdacht auf eine zentrale Störung sollte rasch eine Ärztin/ein Arzt aufgesucht werden.


Orthostatischer Schwindel

Das Gehirn und das Gleichgewichtsorgan werden nicht ausreichend mit Blut versorgt. Typisch ist vorübergehender Schwindel, der vor allem nach dem Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen auftritt. Eine Ursache ist zu niedriger Blutdruck (Hypotonie). Hypotonie kann auch eine unerwünschte Wirkung von Medikamenten sein. Für die Therapie kann die Ärztin/der Arzt die medikamentöse Regulation des Blutdrucks verordnen und die Wirkung entsprechend kontrollieren. Auch regelmäßige Bewegung und Ausdauertraining verbessern die Funktion des Kreislaufs.


Vestibuläre Migräne

Migräne kann Drehschwindel auslösen, der auch von Übelkeit, Erbrechen und Gangunsicherheit begleitet wird. Die Schwindelanfälle können zwischen einigen Minuten und mehreren Tagen dauern. Nur die Hälfte der Patientinnen/Patienten mit vestibulärer Migräne leidet auch unter Kopfschmerz. Bei der Diagnose klärt die Ärztin/der Arzt auch andere Symptome einer Migräne ab.


Psychogener Schwindel

Typisch ist diffuser Schwindel, der durch bestimmte Situationen ausgelöst wird. Dazu können Angst, Herzrasen, Beklemmung, Zittern oder Schwitzen kommen. Oft sind die Patientinnen/Patienten durch die Angst zu stürzen im Alltag stark eingeschränkt. Eine wichtige Therapiemaßnahme ist die Psychotherapie. Sie kann durch eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva und physiotherapeutischem Training ergänzt werden.

Wohin kann ich mich wenden?

Für die Behandlung von Schwindel können Sie sich an Ihre Hausärztin/Ihren Hausarzt oder an eine Fachärztin/einen Facharzt z.B. für Innere Medizin (Zusatzgebiet Geriatrie), Neurologie oder Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde wenden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Bei bestimmten Untersuchungen (z.B. MRT) kann eine chefärztliche Bewilligung erforderlich sein. Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen (z.B. physikalische Therapie) kann – in manchen Fällen erst bei Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Hilfsmittel und Heilbehelfe) sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Heilbehelfe müssen zuerst von der Ärztin/vom Arzt verordnet werden. Die meisten Krankenversicherungsträger sehen – teilweise abhängig von der Art des Heilbehelfs – eine Bewilligung vor.

Für Medikamente auf „Kassenrezept“ ist die Rezeptgebühr zu entrichten. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse