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Symbolfoto Knochenmarkbiopsie © zayacsk

Knochenmarkpunktion

Bei einer Knochenmarkpunktion werden Zellen oder Gewebe aus dem Knochenmark entnommen. Dies erfolgt im Zuge der Diagnose und Verlaufskontrolle von Erkrankungen, die das Blut und das blutbildende System betreffen. Das Knochenmark dient unter anderem der Blutbildung. Verschiedene Blutzellen reifen dort heran und gelangen später in die Blutbahn.

Die Entnahme und Untersuchung des Knochenmarks ist notwendig, um Erkrankungen in Zusammenhang mit dem Knochenmark, mit Zellen des Blutes und deren Bildung abzuklären. Dabei kann es sich beispielsweise um Anämie, Leukämie sowie diverse Veränderungen und Schädigungen des Knochenmarks handeln. Auch eine Entnahme von Gewebe – z.B. des Knochens – kann im Zuge dieses Eingriffs vorgenommen werden. Im Rahmen der Knochenmarkspunktion werden lediglich einzelne Zellen entnommen, im Rahmen der sogenannten Knochenmarkstanze weitere Gewebe.

Wann ist eine Knochenmarkpunktion bzw. -biopsie erforderlich?

Die Knochenmarkpunktion ist z.B. erforderlich bei der Diagnose von:

  • Leukämie,
  • Anämie unklarer Ursache, megaloblastischer Anämie,
  • Leukozytopenie, Leukozytose,
  • Lymphadenopathie, Splenomegalie, Hepatomegalie unklarer Ursache,
  • Thrombozytopenie unklarer Ursache,
  • multiplem Myelom,
  • myelodysplastischem Syndrom (MDS),
  • Knochenmarkmetastasen,
  • Lymphomen (Staging, Stadieneinteilung),
  • Waldenström-Makroglobulinämie sowie
  • Speicherkrankheiten.

 

Bei der Therapie von hämatologischen Erkrankungen wird eine Knochenmarkanalyse durchgeführt, um den Behandlungsverlauf zu beurteilen und auf Basis der Ergebnisse Maßnahmen setzen zu können – z.B. bei akuten Leukämien.

Welche Vorbereitungen sind notwendig?

Die gesundheitliche Verfassung der Patientin/des Patienten wird im Vorfeld eines geplanten Eingriffes abgeklärt. Wesentlich ist unter anderem die Erhebung der Krankengeschichte (z.B. Erkrankungen, Einnahme von Medikamenten wie blutverdünnende Medikamente etc.). Wenn Sie beispielsweise an Blutgerinnungsstörungen leiden, sollten Sie dies unbedingt der Ärztin/dem Arzt mitteilen. Verschiedene Untersuchungen werden vorgenommen (z.B. Gerinnungsstatus). Vor der geplanten Knochenmarkpunktion informiert Sie die Ärztin/der Arzt über den Eingriff und dessen Ablauf. Offene Fragen können geklärt werden.

Wie läuft die Knochenmarkpunktion ab?

Der Eingriff wird bei Erwachsenen in den allermeisten Fällen am Beckenknochen (Beckenkamm) vorgenommen, selten am Brustbein. Bei Kleinkindern erfolgt die Punktion am Schienbein, bei älteren Kindern am Beckenkamm.

Bei einer Punktion am hinteren Beckenkamm (Spina iliaca posterior superior) liegt die Patientin/der Patient seitlich oder auf dem Bauch. Die Ärztin/der Arzt lokalisiert die Punktionsstelle und zeichnet sie an. Sie wird desinfiziert und steril abgedeckt. Die Patientin/der Patient erhält eine lokale Betäubung (Lokalanästhesie). Bei Bedarf kann auch ein Beruhigungsmittel gegeben werden. Die Ärztin/der Arzt arbeitet unter sterilen Bedingungen, um eine Keimverschleppung zu vermeiden.

Das Knochenmark wird abhängig von der Indikation gewonnen durch

  • Aspiration (Knochenmarkpunktion, Aspirationszytologie): Dabei wird punktiert und über eine spezielle Nadel Knochenmark in kleiner Menge angesaugt. Nachdem die Nadel wieder entfernt wurde, wird ein steriler Verband angelegt und eine Kompression der Punktionsstelle vorgenommen, durch Rückenlagerung oder Kompression mit Sandsack. Beim Einführen der Nadel und beim Ansaugen kann es zu einem kurzen Schmerz kommen. Das entnommene Material wird für die weitere Untersuchung vorbereitet und anschließend im Labor untersucht (zytologische Untersuchung, d.h. Zellen betreffend). Auch eine Biopsie von weiterem Gewebe kann im Zuge dieses Eingriffs vorgenommen werden.
  • Knochenmarkstanze: Bei der Knochenmarkstanze wird eine größere Spezialnadel vorgeschoben. Durch Drehbewegungen kann beim Herausziehen ein kleiner Zylinder mit Gewebe gewonnen werden. Dieses wird ebenfalls für weitere Untersuchungen vorbereitet und im Labor histologisch untersucht (Knochenmarkhistologie, d.h. das Gewebe betreffend). Nachdem die Proben entnommen wurden, wird ein Verband angelegt und eine Kompression vorgenommen. Die Stanze wird z.B. vorgenommen, wenn keine Markzellen mittels Aspiration gewonnen werden konnten (sogenannte trockene Punktion) oder z.B. bei der Diagnose von malignen Lymphomen (Stadieneinteilung), aplastischer Anämie und MDS. 

Während und nach der Punktion werden Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung überwacht. Nach der Punktion müssen Betroffene noch eine Zeit lang liegen. Wurde ein Beruhigungs- und/oder ein Schmerzmittel verabreicht, ist die Reaktionsfähigkeit eingeschränkt. Sie dürfen beispielsweise danach kein Fahrzeug lenken. Im Idealfall begleitet Sie jemand nach Hause.  

Weitere Infos finden Sie in der Labormedizin unter

Welche Nebenwirkungen/Komplikationen können auftreten?

Bei einer Knochenmarkpunktion kann es – wie bei anderen Untersuchungen und Behandlungen auch – zu unerwünschten Folgen kommen. Verschiedene Maßnahmen zielen darauf ab, dies zu vermeiden. Über diese sowie Notwendigkeit und Nutzen informiert Sie die Ärztin/der Arzt vor der Punktion. Betroffene können beunruhigt sein, angesichts der Vorstellung einer Punktion bzw. Knochenmarkstanze sowie einer möglichen Erkrankung. Folgen von nicht abgeklärten Erkrankungen können jedoch schwerwiegend sein.

Zu den unerwünschte Folgen zählen unter anderem:

  • Blutungen, Hämatome,
  • Infektionen sowie
  • Perforationen und Verletzungen (z.B. benachbarter Organe, Nerven, Blutgefäße).

Wohin kann ich mich wenden?

Eine Knochenmarkpunktion kann ambulant im Krankenhaus oder im Zuge eines stationären Aufenthaltes durchgeführt werden (Innere Medizin, Hämatologie, Onkologie). Ein Aufnahme- oder Einweisungsschein durch die behandelnde Ärztin/den behandelnden Arzt ist je nach Situation erforderlich.

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