Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

VZV-IgM-ELISA

Die Bestimmung von VZV-Antikörpern (Typ IgM) im Blut ist ein Laborverfahren zur Diagnose einer Infektion mit dem Varizellen-Zoster-Virus (VZV) bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person. VZV ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren (HHV-3) und der Erreger typischer Infektionserkrankungen wie Windpocken (zumeist im Kindesalter) sowie Gürtelrose (Reaktivierung der Infektion im Erwachsenenalter).

Warum werden VZV-Antikörper vom Typ IgM im Blut bestimmt?

Die Bestimmung von VZV-Antikörpern (Typ IgM) im Blut ist ein Laborverfahren zur Diagnose einer Infektion mit dem Varizellen-Zoster-Virus (VZV) bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person.

VZV ist ein DNA-Virus aus der Familie der humanen Herpesviren (HHV-3). Herpesviren besitzen die typische Fähigkeit, im Anschluss an die akute Infektion im Körper zu persistieren und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion (Reinfektion) hervorzurufen.

Beim Menschen führt die VZV-Erstinfektion (meist im Kindesalter) zum typischen Beschwerdebild der

  • Feuchtblattern (Windpocken oder Varizellen): Hautausschlag mit kleinen, stark juckenden Bläschen am ganzen Körper mit anschließender Verkrustung sowie narbenloser Abheilung der Bläschen. Weitere Informationen finden Sie unter Windpocken bei Kindern.

Die endogene Reaktivierung der nach Erstinfektion im Körper verbliebenen VZV kann im Erwachsenenalter meist im Rahmen einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems zum folgenden typischen Krankheitsbild führen:

  • Gürtelrose (Herpes Zoster): Neuerliches Auftreten von kleinen Hautbläschen in einem exakt begrenzten Hautabschnitt (sogenanntes Dermatom), wobei das Bläschenstadium typischerweise von starken Schmerzen begleitet wird, die vor, während und nach dem Hautausschlag bestehen können. Weitere Informationen finden Sie unter Gürtelrose.

Zur diagnostischen Abklärung eines Verdachtes auf eine VZV-Infektion können die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Nachweis von Antikörpern gegen VZV vom Typ IgG und IgM sowie
  • VZV-DNA-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion).

Beim VZV-Antikörper-Nachweis werden Antikörper gegen virale VZV-Eiweißstoffe (VZV-Antigene) vom Typ IgG und/oder IgM im Blut (sogenannte Serologie bzw. serologische Diagnostik) bzw. auch in anderen Körperflüssigkeiten (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit – Liquor) bestimmt.

Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist. Die Antikörperbestimmung ist aber ein indirektes Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich: VZV) nachgewiesen wird.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut existieren unterschiedliche Laborverfahren. Die am häufigsten eingesetzten Methoden zur Detektion von VZV-Antikörpern sind:

  • ELISA-Verfahren (Enzyme-linked Immunosorbent Assay):
    • Diese Ergebnisse werden zumeist in der quantitativen Laboreinheit Units pro Liter (U/L) bzw. Milliunits pro Milliliter (mU/mL) auf dem Laborbefund ausgewiesen, wobei der Referenzwert von der eingesetzten Labormethode abhängig ist.
  • KBR-Verfahren (Komplement-Bindungs-Reaktion):
    • Diese Ergebnisse werden meist in semiquantitativen Titerstufen angegeben. Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:80, 1:160, 1:320, 1:640 etc.) und anschließend erfolgt die Messung der Antikörper gegen VZV. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der Konzentration der Antikörper gegen VZV im Blut.
    • Ein Nachteil der KBR-Methode ist, dass mit diesem Verfahren aber nur die Gesamtheit der VZV-Antikörper bestimmt wird und keine Unterscheidung zwischen IgG- sowie IgM-Antikörpern möglich ist.

Wie ist das Ergebnis der VZV-Antikörper-Bestimmung im Blut zu interpretieren?

Für die Interpretation der Untersuchungsergebnisse der VZV-Serologie sollten die folgenden Labortestergebnisse gemeinsam beurteilt werden:

  • VZV-Antikörper vom Typ IgG: Diese Antikörper werden erst in späteren Phasen einer akuten VZV-Infektion gebildet und bleiben zumeist ein Leben lang nachweisbar (sogenannter Immunitätsstatus). Für eine akute VZV-Infektion muss der Verlauf der IgG-Antikörper im Blut innerhalb von zwei Wochen beobachtet werden, wobei ein Anstieg der Werte um das Vierfache für eine akute Infektion spricht.
  • VZV-Antikörper vom Typ IgM: Diese Antikörper werden bereits im frühen Stadium einer VZV-Infektion vom Immunsystem gebildet (sogenannte immunologische Erstantikörper). Hohe initiale IgM-Werte sprechen für eine akute VZV-Infektion. Weiters können VZV-IgM-Antikörper auch im Zuge einer endogenen Reaktivierung einer persistierenden VZV-Infektion (typisch für sämtliche Herpesviren) wieder positiv werden.

Neben der Antikörperbestimmung im Blut können auch entsprechende Messungen in anderen Körperflüssigkeiten wie z.B. im Harn oder der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) erfolgen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die im Blut sowie Liquor gemessenen Antikörper-Werte miteinander in Beziehung zu setzen (Liquor-Serum-Index), um so die Beteiligung des zentralen Nervensystems – Gehirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) – zu beurteilen.

Neben den serologischen, indirekten Nachweisverfahren für VZV existieren in der medizinischen Labordiagnostik aber auch sogenannte direkte Nachweisverfahren. Die wichtigste Methode in diesem Zusammenhang ist die

  • VZV-DNA-PCR – hierbei handelt es sich um ein molekulares Diagnoseverfahren (sogenannte Polymerase-Ketten-Reaktion – PCR) zum Nachweis von VZV-Erbgut (HHV-3-DNA) im Blut bzw. anderen Körperflüssigkeiten.

Generell ist bei der Interpretation der Laborwerte im Hinblick auf eine VZV-Infektion aber zu berücksichtigen, dass aufgrund negativer Ergebnisse eine entsprechende Erkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden, grundsätzlichen Untersuchungen berücksichtigt werden:

  • Anamnese (exakte Erhebung der Krankengeschichte),
  • Expositionsstatus,
  • erkrankungstypische Symptome sowie
  • Immunstatus der Patientin/des Patienten.

Varizellen-Zoster-Virus-Infektion (VZV-Infektion)

Das Varizellen-Zoster-Virus (VZV) ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren. Bei diesen Viren handelt es sich um DNA-Viren, welche die typische Fähigkeit besitzen, nach einer Infektion in verschiedenen Zellen bzw. Geweben lebenslang zu verbleiben (persistieren) und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion hervorzurufen. Die wichtigsten Vertreter humaner Herpesviren (HHV) sind:

  • HHV-1: Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) – typischer Erreger von Fieberblasen,
  • HHV-2: Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2) – „Fieberblasen“ im genitalen Bereich,
  • HHV-3: Varizellen-Zoster-Virus (VZV) – Feuchtblattern, Gürtelrose,
  • HHV-4: Epstein-Barr-Virus (EBV) – Pfeiffer’sches Drüsenfieber,
  • HHV-5: Cytomegalievirus (CMV) – Erreger bestimmter Organinfektionen (Lunge, Leber, Gehirn etc.).

Von Infektionen mit Herpesviren sind in Abhängigkeit vom Virustyp zumeist nur bestimmte Körperregionen und Gewebe betroffen. Die Infektion kann sich aber auch auf den gesamten Körper ausbreiten und zu schweren Komplikationen führen (Gehirn- und Hirnhautentzündungen etc.).

Das VZV ist verantwortlich für die folgenden zwei typischen Krankheitsbilder:

  • Feuchtblattern (auch Windpocken oder Varizellen genannt) bei Erstinfektion zumeist im Kindesalter und
  • Gürtelrose – aufgrund einer Reaktivierung der nach Erstinfektion im Körper verbliebenen VZV im Erwachsenenalter meist im Rahmen einer allgemeinen Schwächung des Immunsystems.

Die Übertragung von VZV erfolgt in den meisten Fällen von einer erkrankten Person aus als Tröpfcheninfektion über die Luft (aerogen). VZV sind hoch ansteckend, weshalb man auch von einer sogenannten fliegenden Infektion spricht.

Rund 95 Prozent aller Erwachsenen hatten im Verlauf ihres Lebens bereits Kontakt mit VZV und bei etwa einem Viertel aller Erwachsenen tritt im höheren Lebensalter eine Gürtelrose auf.

Im Hinblick auf das Beschwerdebild einer VZV-Infektion kommt es im Rahmen der Erstinfektion (meist zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr) nach einer Inkubationszeit von acht bis 28 Tagen zum typischen Erkrankungsbild der Feuchtblattern:

  • Flüchtiger Hautausschlag gefolgt von mildem Fieber sowie
  • Auftreten von kleinen, stark juckenden Bläschen (Varizellen) am ganzen Körper (auch Schleimhäute können betroffen sein).
  • In der Folge kommt es zum Verkrusten der Bläschen und zur narbenlosen Abheilung.
  • In Folge von Kratzen kann es aber zu Superinfektionen kommen, wodurch kosmetisch störende Narben entstehen können.

Das Krankheitsbild der Gürtelrose (Herpes Zoster) ist durch den folgenden Erkrankungsverlauf gekennzeichnet:

  • Zumeist kommt es in einem exakt begrenzten Hautabschnitt (sogenanntes Dermatom) zum einem neuerlichen Auftreten von kleinen Hautbläschen.
  • Dabei ist das Bläschenstadium typischerweise von starken Schmerzen begleitet, die vor, während und nach dem Hautausschlag bestehen können.
  • Bei der Gürtelrose hinterlassen die Bläschen aber zumeist Narben.

Neben diesen typischen Verlaufsformen einer VZV-Infektion können aber auch z.T. schwere Komplikationen auftreten. Insbesondere bei Neugeborenen (intrauterine oder perinatale Infektion) kann es zu einem lebensbedrohlichen Erkrankungsbild kommen.

Beim Herpes Zoster ist die sogenannte postherpetische Neuralgie eine typische Komplikation einer VZV-Infektion, die in bis zu 70 Prozent der Fälle bei älteren Personen im Sinne einer Erkrankungsfolge zurückbleibt:

  • Brennende bzw. rasch einschießende (neuralgiforme) Schmerzen im Bereich des abgeheilten Hautausschlages. Diese Schmerzen können oft über Jahre bzw. sogar lebenslang bestehen bleiben.

Für die Diagnose einer VZV-Infektion sind die folgenden Schritte erforderlich:

  • Genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese),
  • Erfassung des typischen Beschwerdebildes in Abhängigkeit vom Lebensalter der Patientin/des Patienten (Varizellen bzw. Gürtelrose),
  • in bestimmten Fällen können Blutuntersuchungen erforderlich sein:
    • Nachweis von Antikörpern gegen VZV vom Typ IgG und IgM,
    • VZV-DNA-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion).

Auch die Therapie einer VZV-Infektion richtet sich nach dem Lebensalter und der Verlaufsform der betroffenen Patientin/des betroffenen Patienten. Bei einem unkomplizierten Varizellen-Verlauf sind bloß symptomatische Therapiemaßnahmen zur Behandlung des juckenden Hautausschlages (z.B. Antihistaminika, Schüttelmixtur) sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Superinfektionen der Hautläsionen erforderlich.

Zur Behandlung eines Herpes Zoster kann in Abhängigkeit von der Schwere des Erkrankungsverlaufes die Gabe von sogenannten Virostatika erforderlich sein:

  • Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir etc.
  • Bei einer postherpetischen Neuralgie hat sich eine Behandlung mit bestimmten trizyklischen Antidepressiva (z.B. Amitryptilin) bewährt.

Im Hinblick auf die Prophylaxe einer VZV-Infektion steht der Expositionsschutz an erster Stelle. Dementsprechend sollten erkrankte Kinder vom Kindergarten- bzw. Schulbesuch befreit werden. Weiters sollten insbesondere Schwangere ohne entsprechende Immunkompetenz den Umgang mit akut VZV-infizierten Personen meiden.

Darüber hinaus existieren für eine VZV-Prophylaxe die folgenden Impfmöglichkeiten:

  • zur aktiven Immunisierung: VZV-Lebendimpfstoff,
  • zur passiven Immunisierung: VZV-Immunglobulin (bzw. angereichertes VZV-Hyperimmunglobulin).
Synonyme: VZV-Antikörper IgM quantitativ (VZVMQ)
LOINC: 8048-1/VZV IgM Ser-aCnc

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre
Milliunits pro Milliliter (U/mL)<60 mU/mL<60 mU/mL<60 mU/mL<60 mU/mL


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse