Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

HSV-1-IgG-ELISA

Die Bestimmung von HSV-1-Antikörpern (Typ IgG) im Blut ist ein Laborverfahren zur Diagnose einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person. HSV-1 ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren (HHV-1) und typischer Erreger sogenannter Fieberblasen (Herpes labialis).

Warum werden HSV-1-Antikörper vom Typ IgG im Blut bestimmt?

Die Bestimmung von HSV-1-Antikörpern (Typ IgG) im Blut ist ein Laborverfahren zur Diagnose einer Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) bzw. zur Bestimmung des Immunitätsstatus einer gesunden Person.

HSV-1 ist ein DNA-Virus aus der Familie der humanen Herpesviren (HHV-1). Herpesviren besitzen die typische Fähigkeit, im Anschluss an die akute Infektion im Körper zu persistieren und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion (Reinfektion) hervorzurufen.

Beim Menschen kann die HSV-1-Erstinfektion (meist im Kindesalter) zum typischen Beschwerdebild der

  • Gingivostomatitis herpetica (Stomatitis aphtosa) führen, die mit Fieber sowie einer schmerzhaften Bläschenbildung im Bereich von Mund- und Rachenraum einhergeht.

Die endogene Reaktivierung der nach Erstinfektion im Körper verbliebenen HSV-1 kann in weiterer Folge zu immer wiederkehrenden Episoden sogenannter

  • Fieberblasen (Herpes labialis) führen – narbenlos abheilende Bläschenbildungen im Bereich von Lippen und Mundschleimhaut.

Zur diagnostischen Abklärung eines Verdachtes auf eine HSV-1-Infektion können die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Nachweis von Antikörpern gegen HSV-1 vom Typ IgG und IgM sowie
  • HSV-1-DNA-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion).

Beim HSV-1-Antikörpernachweis werden Antikörper gegen virale HSV-1-Eiweißstoffe (HSV-1-Antigene) vom Typ IgG und/oder IgM im Blut (sogenannte Serologie bzw. serologische Diagnostik) bzw. auch in anderen Körperflüssigkeiten (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit – Liquor) bestimmt.

Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist. Die Antikörperbestimmung ist aber ein indirektes Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich HSV-1) nachgewiesen wird.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut existieren unterschiedliche Laborverfahren. Die am häufigsten eingesetzten Methoden zur Detektion von HSV-1-Antikörpern sind:

  • ELISA-Verfahren (Enzyme-linked Immunosorbent Assay):
    • Diese Ergebnisse werden entweder qualitativ (positives bzw. negatives Resultat) oder in einer quantitativen Laboreinheit (z.B. Units pro Liter,U/l) am Laborbefund ausgewiesen, wobei der Referenzwert von der eingesetzten Labormethode abhängig ist.
  • HSV-1-Immunoblot:
    • Mit diesem Verfahren können Antikörper vom Typ IgG bzw. IgM gegen unterschiedliche Eiweißstoffe von HSV-1 (sogenannte HSV-1-Antigene) im Blut sowie anderen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden.
  • KBR-Verfahren (Komplement-Bindungsreaktion):
    • Diese Ergebnisse werden meist in semiquantitativen Titerstufen angegeben.
      • Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:80, 1:160, 1:320, 1:640 etc.), und anschließend erfolgt die Messung der Antikörper gegen HSV-1. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der Konzentration der Antikörper gegen HSV-1 im Blut.
    • Ein Nachteil der KBR-Methode ist, dass mit diesem Verfahren aber nur die Gesamtheit der HSV-1-Antikörper bestimmt wird und keine Unterscheidung zwischen IgG- sowie IgM-Antikörpern möglich ist.

Wie ist das Ergebnis der HSV-1-Antikörperbestimmung im Blut zu interpretieren?

Für die Interpretation der Untersuchungsergebnisse der HSV-1-Serologie sollten die folgenden Labortestergebnisse gemeinsam beurteilt werden:

  • HSV-1-Antikörper vom Typ IgG: Diese Antikörper werden erst in späteren Phasen einer akuten HSV-1-Infektion gebildet und bleiben zumeist ein Leben lang nachweisbar (sogenannter Immunitätsstatus). Für eine akute HSV-1-Infektion muss der Verlauf der IgG-Antikörper im Blut innerhalb von zwei Wochen beobachtet werden, wobei ein Anstieg der Werte um das Vierfache für eine akute Infektion spricht.
  • HSV-1-Antikörper vom Typ IgM: Diese Antikörper werden bereits im frühen Stadium einer HSV-1-Infektion vom Immunsystem gebildet (sogenannte immunologische Erstantikörper). Hohe initiale IgM-Werte sprechen für eine akute HSV-1-Infektion. Weiters können HSV-1-IgM-Antikörper auch im Zuge einer endogenen Reaktivierung einer persistierenden HSV-1-Infektion (typisch für sämtliche Herpesviren) wieder positiv werden.

Neben der Antikörperbestimmung im Blut können auch entsprechende Messungen in anderen Körperflüssigkeiten wie z.B. im Harn oder der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) erfolgen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, die im Blut sowie Liquor gemessenen Antikörperwerte miteinander in Beziehung zu setzten (Liquor/Serum-Index), um so die Beteiligung des zentralen Nervensystems – Gehirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis) – zu beurteilen.

Neben den serologischen, indirekten Nachweisverfahren für HSV-1 existieren in der medizinischen Labordiagnostik aber auch sogenannte direkte Nachweisverfahren. Die wichtigste Methode in diesem Zusammenhang ist die

  • HSV-1-DNA-PCR – hierbei handelt es sich um ein molekulares Diagnoseverfahren (sogenannte Polymerase-Kettenreaktion – PCR) zum Nachweis von HSV-1-Erbgut (HHV-1-DNA) im Blut bzw. anderen Körperflüssigkeiten.

Generell ist bei der Interpretation der Laborwerte im Hinblick auf eine HSV-1-Infektion aber zu berücksichtigen, dass aufgrund negativer Ergebnisse eine entsprechende Erkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden grundsätzlichen Untersuchungen berücksichtigt werden:

  • Anamnese (exakte Erhebung der Krankengeschichte),
  • Lebensalter der Patientinnen/Patienten,
  • Expositionsstatus,
  • erkrankungstypische Symptome sowie
  • Immunstatus der Patientin/des Patienten.

Herpes labialis (Herpes-simplex-Typ-1-Infektion)

Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) ist ein Virus aus der Familie der Herpesviren. Bei diesen Viren handelt es sich um DNA-Viren, welche die typische Fähigkeit besitzen, nach einer Infektion in verschiedenen Zellen bzw. Geweben lebenslang zu verbleiben (persistieren) und bei bestimmten Situationen (z.B. bei einer Schwächung des Immunsystems) eine erneute Infektion hervorzurufen. Die wichtigsten Vertreter humaner Herpesviren (HHV) sind:

  • HHV-1: Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) – typischer Erreger von Fieberblasen;
  • HHV-2: Herpes-simplex-Virus 2 (HSV-2) – „Fieberblasen“ im genitalen Bereich;
  • HHV-3: Varizellen-Zoster-Virus (VZV) – Feuchtblattern, Gürtelrose;
  • HHV-4: Epstein-Barr-Virus (EBV) – Pfeiffer’sches Drüsenfieber;
  • HHV-5: Cytomegalievirus (CMV) – Erreger bestimmter Organinfektionen (Lunge, Leber, Gehirn etc.).

Von Infektionen mit Herpesviren sind in Abhängigkeit vom Virustyp zumeist nur bestimmte Körperregionen und Gewebe betroffen. Die Infektion kann sich aber auch auf den gesamten Körper ausbreiten und zu schweren Komplikationen führen (Gehirn- und Hirnhautentzündungen etc.).

Die Übertragung von HSV-1 erfolgt in den meisten Fällen durch Tröpfcheninfektion über den Speichel in der Mehrzahl der Fälle bereits im Kindesalter. In Europa sind mehr als 95 Prozent aller Erwachsenen mit diesem Virus infiziert.

Im Hinblick auf das Beschwerdebild verläuft die Erstinfektion mit HSV-1 in der Mehrzahl der Fälle (>90 Prozent) asymptomatisch. In seltenen Fällen (unter zehn Prozent) kann es zum folgenden Krankheitsbild kommen:

  • Gingivostomatitis herpetica (Stomatitis aphtosa): Diese Erkrankung tritt meist im Kleinkindesalter auf und ist durch Fieber sowie schmerzhafte Bläschenbildung im Mund- und Rachenraum gekennzeichnet. Darüber hinaus kann es auch zu lokalen Lymphknotenschwellungen (Halsbereich) kommen.

Da HSV-1 nach der Primärinfektion lebenslang im Körper der betroffenen Patientinnen und Patienten verbleiben (zumeist in regionalen Nervenganglien), kann es unter bestimmten Umständen (Schwächung des Immunsystems, Sonnenexposition, Stress, andere Infektionen u.v.m.) zu einer sogenannten endogenen Reaktivierung der HSV-1-Infektion kommen:

  • Herpes labialis (Fieberblasen): Hierbei kommt es zu immer wiederkehrenden (rezidivierenden) Bläschenbildungen im Bereich von Lippen und Mundschleimhaut. Nach Verkrustung der Bläschen heilen diese narbenlos ab.

Neben diesen typischen Verlaufsformen der HSV-1-Infektion kann die Erkrankung in seltenen Fällen aber auch einen schweren Verlauf nehmen:

  • herpetische Bindehautentzündung (Keratokonjunktivits): hier kann es zu bleibenden Schädigungen der Hornhaut des Auges kommen;
  • Herpesenzephalitis: hierbei handelt es sich um die häufigste Form einer viral bedingten Enzephalitis (Entzündung des Gehirngewebes), die in mehr als 80 Prozent einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen kann;
  • Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialisparese);
  • Verschleppung der HSV-1-Infektion in den Genitalbereich (Herpes genitalis) u.v.m.

Für die Diagnose einer HSV-1-Infektion sind die folgenden Schritte erforderlich:

  • Genaue Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese);
  • Erfassung des typischen Beschwerdebildes in Abhängigkeit vom Lebensalter der Patientin/des Patienten;
  • in bestimmten Fällen können Blutuntersuchungen erforderlich sein:
    • Nachweis von Antikörpern gegen HSV-1 vom Typ IgG und IgM,
    • HSV-1-DNA-PCR (zum Beweis einer akuten Infektion) aus Blut bzw. Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor) zur raschen Diagnosesicherung bei Verdacht auf eine Herpesenzephalitis.

Die Behandlung einer HSV-1-Infektion richtet sich nach der Schwere des Verlaufes, dem Bestehen einer Schwächung des Immunsystems sowie dem Lebensalter der betroffenen Patientin/des betroffenen Patienten.

Bei unkomplizierten Verlaufsformen eines Herpes labialis sind zumeist keine bzw. nur lokale Therapiemaßnahmen erforderlich (z.B. lokale Anwendung virostatischer Salben).

Bei schweren Verlaufsformen einer HSV-1-Infektion bzw. bei Auftreten von Komplikationen kann die systemische Verabreichung von Virostatika erforderlich sein:

  • Aciclovir, Famciclovir, Valaciclovir etc.
Synonyme: HSV1-Antikörper IgG (HSV1Q)
LOINC: 51916-5 / HSV1 IgG Ser Ql EIA, 33291-6 / HSV1 IgG Ser Ql IB

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre
negativnegativnegativnegativ


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen exemplarischen Näherungsbereich aus der medizinischen Fachliteratur für diese Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labornormalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborergebnisse beeinflussen. Daher dürfen immer nur die auf dem jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Liegen einzelne Laborwerte des Laborbefundes außerhalb der entsprechenden Referenzbereiche, darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich können auch bei Gesunden vorkommen. Außerdem hängen die Laborergebnisse auch von der vom jeweiligen medizinischen Labor eingesetzten Untersuchungsmethode ab (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse