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Kappa/Lambda-Quotient

Die Kappa/Lambda-Ratio ist der kalkulatorische Quotient der Kappa- und Lambda-Leichtketten-Messung. Bei den Leichtketten handelt es sich um besondere Bestandteile von Antikörpern (diese bestehen aus schweren sowie eben aus leichten Ketten).

Warum werden Leichtketten im Blut bestimmt?

Leichtketten sind besondere Bestandteile von Antikörpern. Es gibt zwei Typen:

  • Typ Kappa (κ) und
  • Typ Lambda (λ).

Antikörper selbst sind spezielle Eiweißstoffe, die im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten zu finden sind. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist – sprich, was nicht direkt zum Körper dazugehört wie

  • Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Parasiten etc.),
  • Viren,
  • Tumorzellen und Fremdgewebe,
  • Blütenpollen, Tiergifte sowie
  • viele andere natürliche und künstliche Stoffe und Substanzen.

Gebildet werden Antikörper von ganz bestimmten weißen Blutkörperchen – einer Untergruppe der Lymphozyten (B-Lymphozyten), die

  • Plasmazellen genannt werden.

Gemeinsam mit einer Reihe spezieller Abwehrzellen (Fress-, Killerzellen etc.) sowie anderer komplexer Abwehrsysteme (z.B. dem Komplementsystem) bilden die Antikörper das

  • Immunsystem des Körpers.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut (bzw. auch in anderen Körperflüssigkeiten) existieren verschiedene Möglichkeiten. Auf der einen Seite können alle Eiweißstoffe im Blut (also auch die Antikörper) mithilfe der folgenden Laboruntersuchung nachgewiesen werden:

  • Serumeiweiß-Elektrophorese.

Bei der Serumeiweiß-Elektrophorese werden die Eiweißstoffe der Blutflüssigkeit entsprechend ihrer physikalischen Eigenschaften (Größe und elektrische Ladung des Proteins) in die folgenden Fraktionen aufgetrennt.

  • Albumin-Fraktion
  • α1-Globulin-Fraktion
  • α2-Globulin-Fraktion
  • ß-Globulin-Fraktion
  • γ-Globulin-Fraktion

Die Antikörper finden sich bei dieser Laboruntersuchung in der γ-Globulin-Fraktion. Aus diesem Grund gibt es für Antikörper auch die folgenden gleichbedeutenden Begriffe (Synonyme):

  • Gamma-Globuline (γ-Globuline) sowie
  • Immunglobuline.

Neben der Serumeiweiß-Elektrophorese gibt es aber auch noch andere labormedizinische Untersuchungsmethoden für die Antikörperdiagnostik:

  • Immunfixation – bei diesem Verfahren wird eine übermäßige Vermehrung eines bestimmten Antikörpertyps (sogenanntes monoklonales M-Protein) eindeutig nachgewiesen und klassifiziert.
  • Quantitative Bestimmung (d.h. Messung der Antikörperkonzentration in Gramm pro Liter). Dabei werden die folgenden Antikörper immer gemeinsam im Blut gemessen und beurteilt: IgG, IgA und IgM.

Aufbau der Antikörper

Wie alle Eiweißstoffe bestehen auch Antikörper aus langen Ketten von Aminosäuren. Im Detail bestehen Antikörper aus jeweils zwei identischen schweren Ketten und zwei identischen leichten Ketten. Diese Ketten haben jeweils einen konstanten und einen variable Teil. Der variablen Teil ist jene Region, mit welcher der Antikörper entsprechend körperfremde Strukturen (sogenannte „Antigene“) erkennt. In Bezug auf die schweren Ketten der Antikörper erfolgt die Klassifikation der Immunglobuline in die folgenden fünf Klassen:

  • IgG – Hauptanteil der Antikörper im Blut;
  • IgA – Antikörper in Körpersekreten (Speichel, Tränenflüssigkeit, Verdauungssäfte, Nasenschleim, Lungensekret, Muttermilch etc.);
  • IgM – Antikörper der „primären“ Immunantwort, d.h. bei erstmaligem Kontakt mit einem bestimmten Krankheitserreger;
  • IgD – findet sich auf der Oberfläche von Lymphozyten; sowie
  • IgE – für viele allergische Erkrankungen (Heuschnupfen, Asthma etc.) verantwortlich.

Bestimmung der Leichtketten

Neben den Antikörpern (IgG, IgA und IgM) können auch die Leichtketten (vom Typ Kappa und Typ Lambda) im Blut bzw. auch in anderen Körperflüssigkeiten gemessen werden.
Bei bestimmten Erkrankungen kann es zu einem unkontrollierten Wachstum von Plasmazellen (Plasmazellen sind jene Zellen, welche die Immunglobuline bilden) im Körper kommen. Diese entarteten Plasmazellen können bestimmte Eiweißstoffe bilden:

  • vollständige Antikörper eines Typs (d.h. schwere plus leichte Ketten gemeinsam)
  • unvollständige Antikörper (z.B. nur schwere Ketten, Fragmente von schweren Ketten bzw. leichte Ketten [sogenannte „Bence-Jones-Proteine“]).

Die Messung der Leichtketten dient neben der Antikörperbestimmung zur genauen Abklärung, welche Produkte im Rahmen einer solchen Plasmazellerkrankung gebildet werden.

Wie werden die Messergebnisse der Leichtketten-Bestimmung interpretiert?

Im medizinischen Labor werden die folgenden Antikörper immer gemeinsam gemessen und beurteilt:

  • IgG, IgA und IgM.

Darüber hinaus kann bei bestimmten medizinischen Fragestellungen (z.B. weitere Abklärung einer monoklonalen Gammopathie) auch die Bestimmung der Leichtketten erforderlich sein. Dabei erfolgt immer die Bestimmung der folgenden drei Messgrößen:

  • Kappa-Leichtketten,
  • Lambda-Leichtketten,
  • Kappa/Lambda-Ratio – das ist der kalkulatorische Quotient der Kappa- und Lambda-Leichtketten-Messergebnisse.

Die Bestimmung der Antikörper und/oder Leichtketten kann in folgenden Körperflüssigkeiten durchgeführt werden:

  • Blut
  • Harn
  • Liquor (Gehirn/Rückenmark-Flüssigkeit)

Bei den Leichtketten gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit, selektiv die sogenannten „freien Leichtketten“ zu bestimmen. Dies ist gezielten medizinischen Fragestellungen vorbehalten, denn diese Untersuchungen sind sehr teuer.

Generell kann die Bestimmung der Leichtketten zur weiteren Abklärung einer monoklonale Gammopathie erforderlich sein:

  • Monoklonale Gammopathie: Dabei handelt es sich um die Vermehrung eines ganz bestimmten Immunglobulins vom selben Typ im Blut. Das kann einen Hinweis auf eine bösartige Erkrankung (ein Lymphom) darstellen.
  • Die bösartige Form der monoklonalen Gammopathie wird als „maligne monoklonale Gammopathie“ (MMG) bezeichnet. Eine MMG kann bei folgenden Erkrankungen auftreten:
    • multiples Myelom (Morbus Kahler – auch Plasmozytom genannt),
    • Makroglobulinämie (Morbus Waldenström – auch lymphoplasmozytisches Lymphom bzw. Immunozytom genannt).

Multiples Myelom

Das multiple Myelom (auch Morbus Kahler bzw. Plasmozytom genannt) ist eine bösartige Erkrankung, bei der es zu einer unkontrollierten Vermehrung eines einzigen Plasmazell-Typs (Plasmazellen sind jene Zellen, welche die Immunglobuline bilden) kommt. Bei diesem Plasmazell-Typ spricht man von einem einzigartigen Zellklon (Plasmazell-Klon), und die von ihm gebildeten Antikörper heißen

  • monoklonal gebildetes Immunglobulin (auch M-Gradient, M-Protein oder Paraprotein genannt).

Dabei können von dem Plasmazell-Klon entweder vollständige Antikörper (am häufigsten vom Typ IgG in 60 Prozent der Fälle) bzw. nur Leichtketten (vom Typ Kappa oder Lambda) gebildet werden.

Durch das unkontrollierte Wachstum der Zellen des Plasmazell-Klons kommt es zur Zerstörung von Knochen sowie des Knochenmarks. Darüber hinaus können die Eiweißprodukte (Antikörper, Leichtketten) andere innere Organe (v.a. Nieren und Herz) schädigen.

Das multiple Myelom tritt am häufigsten zwischen dem 60. und dem 70. Lebensjahr auf. Die Erkrankungsursache ist unbekannt.

Für die Diagnose spielt die Labormedizin eine große Rolle:

  • u.U. hohe Entzündungswerte (extrem hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit),
  • Nachweis einer monoklonalen Gammopathie (M-Gradient) im Blut,
  • Bence-Jones-Proteine (Leichtketten) im Harn (in 60 Prozent der Fälle nachweisbar),
  • Knochenmarkveränderungen (Vermehrung von Plasmazellen),
  • hohe Kalziumwerte im Blut etc.

Neben den Laboruntersuchungen sind auch Röntgenuntersuchungen im Hinblick auf Knochenveränderungen („Lochschädel“) wichtig.

Synonyme: Kappa/Lambda-Ratio (KLR)
LOINC: 15189-4

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
1,2–2,9 1,2–2,9 1,2–2,9 1,2–2,9

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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