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Kryoglobuline qual. (KRYOQ)

Kryoglobuline sind abnorme Eiweißstoffe im Blut, die bei Abkühlung Kristalle bilden können.

Warum werden Kryoglobuline im Blut bestimmt?

Kryoglobuline sind abnorme Eiweißstoffe im Blut, die bei Abkühlung auskristallisieren und zu Durchblutungsstörungen führen können. Bei diesen Eiweißstoffen handelt es sich um Antikörper. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist normalerweise der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist – sprich, was nicht direkt zum Körper dazugehört wie

  • Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Parasiten etc.),
  • Viren,
  • Tumorzellen und Fremdgewebe,
  • Blütenpollen, Tiergifte sowie
  • viele andere natürliche und künstliche Stoffe und Substanzen.

Gebildet werden Antikörper von ganz bestimmten weißen Blutkörperchen – einer Untergruppe der Lymphozyten (B-Lymphozyten), die

  • Plasmazellen genannt werden.

Bei bestimmten Erkrankungen kann es zur Bildung abnormer Antikörper – wie z.B. Kryoglobulinen – kommen.

Bei den Kryoglobulinen gibt es drei verschiedene Typen:

  • Typ I (v.a. IgM-Antikörper): können bei bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems (Lymphome wie das multiple Myelom oder das Immunozytom) auftreten;
  • Typ II (gemischter Typ – d.h. IgG- und/oder IgM-Antikörper): können bei bestimmten Infektionserkrankungen (z.B. Hepatitis C) oder bei Autoimmunerkrankungen (Rheuma, Lupus erythematodes etc.) auftreten;
  • Typ III (IgG- oder IgM-Antikörper): können ebenfalls bei bestimmten Autoimmun- bzw. Infektionserkrankungen auftreten.

Kryoglobuline können insbesondere bei Kälte (d.h. bei Abkühlung des Körpers bzw. bestimmter Körperteile) zu Beschweren führen:

  • Durchblutungsstörungen: z.B. Blauverfärbung und Schmerzen der Finger (sogenanntes „Raynaud-Phänomen“), Hautblutungen, Gelenksschmerzen etc.

Der Nachweis von Kryoglobulinen erfolgt im medizinischen Labor. Dazu muss zuerst Blut abgenommen werden, wobei die Röhrchen vorgewärmt und auch nach der Blutabnahme bei 37°C gewärmt bleiben müssen (auch warmer Transport ins Labor ist erforderlich). Im Labor wird das Blut körperwarm zentrifugiert (Spezialzentrifugen), und die Blutflüssigkeit (das Serum) wird schließlich zwei bis drei Tage im Kühlschrank gelagert. Wenn sich nach dieser Zeit ein weißlicher Bodensatz bildet, der bei Wiedererwärmung verschwindet, so lautet das Untersuchungsergebnis:

  • Kryoglobuline positiv.

Was bedeutet ein positiver Nachweis von Kryoglobulinen?

Ein positiver Nachweis von Kryoglobulinen kann ein Hinweis auf folgende Erkrankungen sein:

Bei einem positiven Nachweis von Kryoglobulinen sind weitere Untersuchungen erforderlich, sofern diese nicht bereits zuvor durchgeführt wurden:

  • Entzündungsdiagnostik
  • Serumeiweiß-Elektrophorese (plus evtl. Immunfixation)
  • evtl. Bestimmung von Antikörpern und Leichtketten im Blut und/oder Harn
  • weiterführende Spezialdiagnostik (Autoimmundiagnostik, Knochenmarkuntersuchung etc.).

Immunozytom

Das Immunozytom (auch Morbus Waldenström, lymphoplasmozytoides Lymphom oder auch Makroglobulinämie genannt) ist eine bösartige Erkrankung, bei der es zu einer unkontrollierten Vermehrung eines einzigen Plasmazell-Typs (Plasmazellen sind jene Zellen, welche die Immunglobuline bilden) kommt. Bei diesem Plasmazell-Typ spricht man von einem einzigartigen Zellklon (Plasmazell-Klon), und die von ihm gebildeten Antikörper heißen

  • monoklonal gebildetes Immunglobulin (im Falle des Immunozytoms sind die gebildeten Antikörper vom Typ IgM).

Durch das unkontrollierte Wachstum der Zellen des Plasmazell-Klons kommt es zur Zerstörung von Knochen sowie des Knochenmarks. Darüber hinaus können die Eiweißprodukte (IgM-Antikörper) andere innere Organe (v.a. Nieren und Herz) schädigen. Weiters können die folgenden Beschwerden auftreten:

  • Blutungen: die IgM-Antikörper können die Blutplättchen in ihrer Funktion stören;
  • Blutarmut (Anämie): durch Kryoglobuline kann es zu einer Zerstörung von roten Blutkörperchen (Erythrozyten) kommen;
  • Durchblutungsstörungen (sogenanntes „Hyperviskositätssyndrom“).

Für die Diagnose spielt die Labormedizin eine große Rolle:

  • u.U. hohe Entzündungswerte (sehr hohe Blutsenkungsgeschwindigkeit),
  • Nachweis einer monoklonalen Gammopathie (M-Gradient) im Blut,
  • positive Kryoglobuline im Blut,
  • Knochenmarkveränderungen (Vermehrung von Plasmazellen),
  • hohe Kalziumwerte im Blut etc.

Neben den Laboruntersuchungen sind auch Röntgenuntersuchungen im Hinblick auf Knochenveränderungen wichtig.

Synonyme: Kälteglobuline
LOINC: 5117-7

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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