Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

Prothrombinmutation G20210A

Die Prothrombin-Mutation 20210G>A ist ein angeborener Gendefekt, bei dem es zu erhöhten Blutspiegeln von Gerinnungsfaktor II („Prothrombin“) kommt. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen („Thrombophilie“).

Warum wird die Prothrombin-Mutation 20210G>A untersucht?

Im Blut gibt es eine Vielzahl von Blutgerinnungsfaktoren. Das sind von der Leber gebildete Eiweißstoffe, die ein wichtiger Bestandteil der Blutflüssigkeit (des „Blutplasmas“) sind.

Die meisten Blutgerinnungsfaktoren sind am Zustandekommen der Blutgerinnungd.h. bei der Bildung des Blutgerinnsels („Thrombus“) z.B. bei Verletzungen – beteiligt.

Es gibt aber auch Gerinnungsfaktoren im Blut, die den gegenteiligen Effekt haben. Dabei handelt es sich um gerinnungshemmende Stoffe. Zu diesen Stoffen zählen Antithrombin III (AT3), Protein C (PC) und Protein S (PS).

All diese Stoffe sind u.a. für die Kontrolle der Blutgerinnung verantwortlich. Denn es darf im Körper niemals zu einer unkontrollierten Aktivierung der Blutgerinnung kommen. Das wäre ein lebensbedrohlicher Zustand.

Aufgrund der großen Menge unterschiedlicher Blutgerinnungsfaktoren, gibt es auch eine Reihe von Möglichkeiten, an denen Störungen der Blutgerinnung ansetzen können.

Eine angeborene Störung des Blutgerinnungssystems ist die

  • Prothrombin-Mutation 20210G>A.

Betroffen von dieser Mutation ist das Erbgut, das für die Bildung des Gerinnungsfaktors II (sprich: Gerinnungsfaktor zwei) verantwortlich ist. Gerinnungsfaktor II (das sogenannte Prothrombin) ist ein Vitamin-K-abhängiger Gerinnungsfaktor, der für die endgültige Auslösung der Blutgerinnung wesentlich verantwortlich ist.

Die Häufigkeit der Prothrombin-Mutation 20210G>A wird auf 1,4 Prozent in der gesunden Bevölkerung geschätzt. Bei Thrombosepatientinnen und -patienten beträgt die Häufigkeit dieser Mutation ca. sechs Prozent. Im medizinischen Labor wird zur Abklärung der Prothrombin-Mutation 20210G>A das Erbgut mithilfe eines genetischen Tests (sogenannte Polymerase-Kettenreaktion, PCR) untersucht.

Was bedeutet eine Prothrombin-Mutation 20210G>A für die Betroffenen?

Im Rahmen der Prothrombin-Mutation 20210G>A wird Prothrombin (Gerinnungsfaktor II) vermehrt gebildet, was insgesamt für eine

  • Thromboseneigung verantwortlich ist.

Bei Vorliegen dieser Mutation erhöht sich das Risiko für venöse Thromboembolien bei Mischerbigkeit (heterozygot) um das Dreifache, bei Reinerbigkeit (homozygot) um mehr als das Sechsfache.

Thrombophiliescreening

Die Untersuchung der Prothrombin-Mutation 20210G>A ist eine Spezialuntersuchung im Rahmen des Thrombophiliescreening. Ziel des Thrombophiliescreenings ist es, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen (sogenannte Thromboseneigung) zu entdecken. Ein solcher Verdacht ist in folgenden Situationen gegeben:

  • bei wiederholten Beinvenenthrombosen (insbesondere bei Personen unter 40 Jahren),
  • bei wiederholten Lungeninfarkten (Pulmonalembolien),
  • bei wiederholten Fehlgeburten etc.

Bei einem medizinischen Verdacht auf eine Thromboseneigung sollten die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung der Hemmstoffe des Gerinnungssystems:
    • Antithrombin III,
    • Protein C,
    • Protein S.
  • Bestimmung der APC-Resistenz.
  • Lupushemmstoffdiagnostik:
    • Bestimmung des sogenannten „Lupus-Antikoagulans“,
    • Untersuchung auf sogenannte „Antiphospholipid-Syndrome“ (Autoantikörperdiagnostik – Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern).
  • Homocystein-Bestimmung im Blut (erhöhte Werte stellen einen Risikofaktor für Venenthrombosen dar).

Finden sich im Rahmen des Thrombophiliescreenings auffällige Befunde (sogenanntes „positives Thrombophiliescreening“), sind weiterführende Untersuchungen angezeigt:

  • Nachweis einer Faktor-V-Leiden-Mutation mittels genetischer Mutationsanalyse (Polymerase-Kettenreaktion, PCR).
  • Nachweis anderer genetischer Risikofaktoren (z.B. G20210A-Mutation im Faktor-II-Gen).

Tiefe Venenthrombose (TVT)

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es zum Verschluss einer tief gelegenen Vene durch die Bildung eines Blutgerinnsels („Thrombus“). In den meisten Fällen sind Beinvenen betroffen.

Als Ursache der TVT kommen

  • Schädigungen der Venenwand (z.B. Entzündungen),
  • Störungen des Blutstroms (z.B. Wirbelbildungen bei Krampfadern) sowie
  • Veränderungen der Zusammensetzung des Blutes (Ungleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und -hemmenden Faktoren) infrage.

Neben diesen direkten Ursachen existieren vielfältige Einflüsse, die das Auftreten einer TVT begünstigen. In diesen Fällen liegt dann eine sogenannte „Thrombophilie“ (sprich: Thromboseneigung) vor:

  • Bettlägerigkeit (z.B. nach Operationen),
  • langes Sitzen (z.B. Flugreisen – sogenanntes „Economy Class Syndrome“),
  • angeborener Mangel an Antithrombin III, Protein C bzw. Protein S,
  • andere angeborene Störungen wie Faktor-V-Leiden-Mutation etc.,
  • Lebererkrankungen,
  • Tumorerkrankungen (v.a. im Bereich von Bauchspeicheldrüse bzw. Prostata),
  • höheres Lebensalter,
  • Einnahme der „Anti-Baby-Pille“ plus Rauchen u.v.m.

Die Beschwerden einer TVT können vielfältig sein. Typisch sind

  • Schwellung des betroffenen Beines,
  • Schmerzen beim Drücken auf die betroffene Wade,
  • evtl. bläuliche Verfärbung des betroffenen Beines (sogenannte „Zyanose“).

Es gibt aber auch Fälle einer TVT, bei denen diese typischen Beschwerden komplett fehlen.

Die größte Gefahr (Komplikation) einer TVT ist, dass sich ein Teil des Blutgerinnsels ablöst und über das venöse Blutgefäßsystem zum Herzen und schließlich zur Lunge wandert. Ein solcher abgelöster Teil eines Thrombus wird

  • „Embolus“ genannt – die Erkrankung heißt „Embolie“.

Eine Embolie kann einen akut lebensbedrohlichen Zustand darstellen. Denn je nach Größe des Embolus kann es zu einer mehr oder minder großen Verstopfung von Lungengefäßen kommen. Diese Erkrankung wird als

  • „Pulmonalembolie“ bezeichnet – die Schädigung der Lunge durch diese Embolie heißt „Lungeninfarkt“.

In Hinblick auf die Diagnose einer TVT sollten die folgenden Untersuchungen erfolgen:

  • Genaue Befragung der Patientin bzw. des Patienten („Anamnese“),
  • Bestimmung von Fibrinogen-Spaltprodukten (D-Dimere) im Blut,
  • Ultraschalluntersuchung des Beines,
  • Phlebographie (Röntgendarstellung der Beinvenen mit Kontrastmittel).

Die Behandlung der TVT setzt an unterschiedlichen Punkten an:

  • Kompression des betroffenen Beines mit elastischen Binden bzw. einem Kompressionsstrumpf.
  • Vermeidung von Sitzen und Stehen.
  • Strenge Bettruhe ist zumeist nicht erforderlich.
  • Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten:
    • Verabreichung von Heparin (in der Praxis wird am häufigsten sogenanntes fraktioniertes, niedermolekulares Heparin eingesetzt),
    • Thrombolyse (d.h. medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) mit sogenannten Fibrinolytika.

Bei Patientinnen und Patienten mit immer wieder auftretenden („rezidivierenden“) Thrombosen ist die Durchführung einer

  • Thromboembolie-Prophylaxe erforderlich.
    • Dazu werden entweder niedermolekulare Heparine bzw. Vitamin-K-Gegenspieler (z.B. Marcoumar® oder Sintrom®) verwendet.
Weitere Informationen zu
Synonyme: Faktor-II-Mutation, G20210A-Mutation, Prothrombin-Mutation 20210G>A (PTMUT)
LOINC: 24475-6

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse