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Faktor-V-Leiden qualitativ

Eine erniedrigte Ratio der APC-Resistenz kann einen Hinweis auf eine häufige, angeborene Störung der Blutgerinnung bedeuten – die sogenannte Faktor-V-Leiden-Mutation. Bei dieser Störung besteht ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen.

Warum wird die APC-Resistenz im Blut bestimmt?

Im Blut gibt es eine Vielzahl von Blutgerinnungsfaktoren. Das sind von der Leber gebildete Eiweißstoffe, die ein wichtiger Bestandteil der Blutflüssigkeit (des Blutplasmas) sind.

Die meisten Blutgerinnungsfaktoren sind am Zustandekommen der Blutgerinnung – d.h. bei der Bildung des Blutgerinnsels (Thrombus) z.B. bei Verletzungen – beteiligt.

Es gibt aber auch Gerinnungsfaktoren im Blut, die den gegenteiligen Effekt haben. Dabei handelt es sich um gerinnungshemmende Stoffe. Zu diesen Stoffen zählen Antithrombin III (AT3), Protein C (PC) und Protein S (PS).

All diese Stoffe sind u.a. für die Kontrolle der Blutgerinnung verantwortlich. Denn es darf im Körper niemals zu einer unkontrollierten Aktivierung der Blutgerinnung kommen. Das wäre ein lebensbedrohlicher Zustand.

Aufgrund der großen Menge unterschiedlicher Blutgerinnungsfaktoren, gibt es auch eine Reihe von Möglichkeiten, an denen Störungen der Blutgerinnung ansetzen können.

Eine häufige, angeborene Störung des Blutgerinnungssystems ist die

  • Faktor-V-Leiden-Mutation.

Dabei handelt es sich um einen Defekt des Erbgutes (Gendefekt) von Gerinnungsfaktor V (sprich: „Gerinnungsfaktor fünf“). Aufgrund dieser Störung kann Gerinnungsfaktor V von aktiviertem Protein C (APC) nicht mehr erkannt werden, wodurch Protein C seine gerinnungshemmende Aktivität verliert. Gerinnungsfaktor V wird somit resistent auf die Wirkung von Protein C.

Aus diesem Grund gerinnt das Blut bei den Mutationsträgern schneller. Die Folge dieser Störung ist ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von venösen Thrombosen.

Benannt wurde die Faktor-V-Leiden-Mutation nach dem Ort ihrer Entdeckung im niederländischen Leiden. Es dürfte sich hierbei um eine in Europa aufgetretene Mutation handeln, da v.a. die europäische Bevölkerung sowie entsprechende Bevölkerungsgruppen u.a. in Nord- und Südamerika betroffen sind. Die Häufigkeit in der Bevölkerung wird auf bis zu sieben Prozent geschätzt.

Der Zeitpunkt der Mutation dürfte etwa 21.000 bis 34.000 Jahre zurückliegen. Dabei könnte die Faktor-V-Leiden-Mutation in dieser Epoche der Menschheit für die Betroffenen sogar vorteilhaft gewesen sein (sogenannter Selektionsvorteil), da diese weniger starke Gerinnungsprobleme und eine dementsprechend kürzere Blutungszeit im Rahmen von Geburten oder Verletzungen aufwiesen.

Im medizinischen Labor gibt es eine Reihe von Bestimmungsmethoden zur Abklärung einer Faktor-V-Leiden-Mutation:

  • Bestimmung der APC-Resistenz: Hierbei wird die Resistenz von Gerinnungsfaktor V auf aktiviertes Protein C im Blut gemessen.
    • Das Ergebnis dieser Bestimmung wird dann entweder in Form einer Ratio (Verhältnis zwischen Messung der aPTT ohne sowie mit Zugabe von APC) bzw. als negatives (aPTT-Verlängerung nach APC-Zugabe) oder positives (fehlende aPTT-Verlängerung nach APC-Zugabe) Ergebnis auf dem Laborbefund ausgewiesen.
  • Findet sich bei einer Patientin/einem Patienten eine nachweisbare APC-Resistenz, kann das Vorliegen der Faktor-V-Leiden-Mutation mithilfe einer genetischen Untersuchung bewiesen werden:
    • Dazu wird das Erbgut mittels eines genetischen Tests (sogenannte Polymerase-Kettenreaktion, PCR) untersucht.

Was bedeutet eine verminderte Ratio der APC-Resistenz?

Die APC-Resistenz wird entweder quantitativ (als Ratio) oder qualitativ (als negatives bzw. positives Ergebnis) am Laborbefund ausgewiesen.

Eine erniedrigte Ratio der APC-Resistenz bedeutet, dass bei der betroffenen Patientin bzw. dem betroffenen Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Faktor-V-Leiden-Mutation vorliegt.

Die quantitative Bestimmung der der APC-Resistenz hat dabei den Vorteil, dass auch zwischen reinerbigen (homozygoten) bzw. mischerbigen (heterozygoten) Formen der Faktor V Leiden Mutation unterschieden werden kann:

  • Eine Ratio der APC-Resistenz unter 1,5 bedeutet einen Hinweis auf eine reinerbige Form der Mutation.

Für den endgültigen Beweis einer Faktor-V-Leiden-Mutation muss eine genetische Mutationsanalyse mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) durchgeführt werden.

Das Thromboembolierisiko ist bei heterozygoten Formen um das Achtfache und bei homozygoten Formen um bis auf das 90-Fache erhöht.

Darüber hinaus erhöht sich das Thromboembolierisiko bei heterozygotem Defekt und zusätzlicher Einnahme oraler Kontrazeptiva („Anti-Baby-Pille“) um ca. das 35-Fache.

Thrombophiliescreening

Die Bestimmung der APC-Resistenz ist ein Teil des sogenannten Thrombophiliescreenings. Ziel des Thrombophiliescreenings ist es, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen (sogenannte Thromboseneigung) zu entdecken. Ein solcher Verdacht ist in folgenden Situationen gegeben:

  • bei wiederholten Beinvenenthrombosen (insbesondere bei Personen unter 40 Jahren),
  • bei wiederholten Lungeninfarkten (Pulmonalembolien),
  • bei wiederholten Fehlgeburten etc.

Bei einem medizinischen Verdacht auf eine Thromboseneigung sollten die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung der Hemmstoffe des Gerinnungssystems:
    • Antithrombin III,
    • Protein C,
    • Protein S.
  • Bestimmung der APC-Resistenz.
  • Lupushemmstoffdiagnostik:
    • Bestimmung des sogenannten Lupus-Antikoagulans,
    • Untersuchung auf sogenannte Antiphospholipid-Syndrome (Autoantikörperdiagnostik – Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern).
  • Homocystein-Bestimmung im Blut (erhöhte Werte stellen einen Risikofaktor für Venenthrombosen dar).

Finden sich im Rahmen des Thrombophiliescreenings auffällige Befunde (sogenanntes positives Thrombophiliescreening), sind weiterführende Untersuchungen angezeigt:

  • Nachweis einer Faktor-V-Leiden-Mutation mittels genetischer Mutationsanalyse (Polymerase-Kettenreaktion, PCR).
  • Nachweis anderer genetischer Risikofaktoren (z.B. G20210A-Mutation im Faktor-II-Gen).

Tiefe Venenthrombose (TVT)

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es zum Verschluss einer tief gelegenen Vene durch die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus). In den meisten Fällen sind Beinvenen betroffen.

Als Ursache der TVT kommen

  • Schädigungen der Venenwand (z.B. Entzündungen),
  • Störungen des Blutstroms (z.B. Wirbelbildungen bei Krampfadern) sowie
  • Veränderungen der Zusammensetzung des Blutes (Ungleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und -hemmenden Faktoren) infrage.

Neben diesen direkten Ursachen gibt es vielfältige Einflüsse, die das Auftreten einer TVT begünstigen. In diesen Fällen liegt dann eine sogenannte Thrombophilie (sprich: Thromboseneigung) vor:

  • Bettlägerigkeit (z.B. nach Operationen),
  • langes Sitzen (z.B. Langstreckenflüge – sogenanntes „Economy Class Syndrome“),
  • angeborener Mangel an Antithrombin III, Protein C bzw. Protein S,
  • andere angeborene Störungen wie Faktor-V-Leiden-Mutation etc.,
  • Lebererkrankungen,
  • Tumorerkrankungen (v.a. im Bereich von Bauchspeicheldrüse bzw. Prostata),
  • höheres Lebensalter,
  • Einnahme der „Anti-Baby-Pille“ plus Rauchen u.v.m.

Die Beschwerden einer TVT können vielfältig sein. Typisch sind

  • Schwellung des betroffenen Beines,
  • Schmerzen beim Drücken auf die betroffene Wade,
  • evtl. bläuliche Verfärbung des betroffenen Beines (sogenannte Zyanose).

Es gibt aber auch Fälle einer TVT, bei denen diese typischen Beschwerden komplett fehlen.

Die größte Gefahr einer TVT liegt darin, dass sich ein Teil des Blutgerinnsels ablöst und über das venöse Blutgefäßsystem zum Herzen und schließlich zur Lunge wandert. Ein solcher abgelöster Teil eines Thrombus wird

  • „Embolus“ genannt – die Erkrankung heißt „Embolie“.

Eine Embolie kann einen akut lebensbedrohlichen Zustand darstellen. Denn je nach Größe des Embolus kann es zu einer mehr oder minder großen Verstopfung von Lungengefäßen kommen. Diese Erkrankung wird als

  • „Pulmonalembolie“ bezeichnet – die Schädigung der Lunge durch diese Embolie heißt „Lungeninfarkt“.

In Hinblick auf die Diagnose einer TVT sollten die folgenden Untersuchungen erfolgen:

  • Genaue Befragung der Patientin/des Patienten (Anamnese),
  • Bestimmung von Fibrinogen-Spaltprodukten (D-Dimere) im Blut,
  • Ultraschalluntersuchung des Beines,
  • Phlebographie (Röntgendarstellung der Beinvenen mit Kontrastmittel).

Die Behandlung der TVT setzt an unterschiedlichen Punkten an:

  • Kompression des betroffenen Beines mit elastischen Binden bzw. einem
  • Kompressionsstrumpf.
  • Vermeidung von Sitzen und Stehen.
  • Strenge Bettruhe ist zumeist nicht erforderlich.
  • Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten:
    • Verabreichung von Heparin (in der Praxis wird am häufigsten sogenanntes fraktioniertes, niedermolekulares Heparin eingesetzt),
    • Thrombolyse (d.h. medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) mit sogenannten Fibrinolytika.

Bei Patientinnen und Patienten mit immer wieder auftretenden (rezidivierenden) Thrombosen ist die Durchführung einer

  • Thromboembolie-Prophylaxe erforderlich.
    • Dazu werden entweder niedermolekulare Heparine bzw. Vitamin-K-Gegenspieler (z.B. Marcoumar® oder Sintrom®) verwendet.

Weitere Informationen zu

Synonyme: APC-Resistance, APC-Resistenz Ratio (APCRR)
LOINC: 13590-5

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  >2,00 >2,00 >2,00 >2,00

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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