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Homocystin

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die im Rahmen des Stoffwechsels gebildet und rasch wieder abgebaut wird. Erhöhte Homocystein-Spiegel im Blut sind ein Risikofaktor für das Auftreten von Venenthrombosen („Thrombophilie“) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Warum wird Homocystein im Blut bestimmt?

Homocystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die im Rahmen des Stoffwechsels aus der Aminosäure Methionin durch Demethylierung entsteht. Da Homocystein ein starkes Zellgift ist, muss es rasch abgebaut werden. Dabei spielen das Enzym Methylen-Tetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) sowie die Vitamine Folsäure, B6 sowie B12 eine wichtige Rolle.

Ursachen für erhöhte Homocystein-Werte im Blut sind:

  • angeborene Gendefekte (z.B. die MTHFR-Mutation 677C>T),
  • Vitaminmangel von Folsäure, B6 und B12 sowie
  • andere Erkrankungen wie z.B. Niereninsuffizienz.

Im medizinischen Labor ist die Bestimmung des Homocystein-Spiegels im Blut eine Teiluntersuchung des sogenannten

  • Thrombophiliescreenings.

Was bedeutet ein erhöhter Homocystein-Wert im Blut?

Erhöhte Homocystein-Werte im Blut steigern das Risiko für die folgenden Erkrankungen:

  • Venenthrombosen („Thrombophilie“) sowie
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Durchblutungsstörungen von Herz, Gehirn und peripheren Geweben).

Finden sich im Blut der betroffenen Patientin/des betroffenen Patienten erhöhte Homocystein-Werte, sollte die Ursache weiter abgeklärt werden:

  • Vitaminmangel von Folsäure, B6 und B12 bzw.
  • Untersuchung auf Vorliegen einer MTHFR-Mutation 677C>T.

Dabei lässt die Höhe des Homocystein-Spiegels im Blut auch bedingte Rückschlüsse auf die Ursache zu:

  • 15 bis 30 µmol/l: meist ein Mangel der Vitamine Folsäure, B6 und/oder B12;
  • über 30 µmol/l: Verdacht auf angeborene, mischerbige (heterozygote) Störungen des Homocystein-Stoffwechsels;
  • über 100 µmol/l: Verdacht auf angeborene, reinerbige (homozygote) Störungen des Homocystein-Stoffwechsels.

Thrombophiliescreening

Die Bestimmung von Homocystein im Blut ist manchmal ein Teil des sogenannten Thrombophiliescreenings. Ziel des Thrombophiliescreenings ist es, ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Venenthrombosen (sogenannte Thromboseneigung) zu entdecken. Ein solcher Verdacht ist in folgenden Situationen gegeben:

  • bei wiederholten Beinvenenthrombosen (insbesondere bei Personen unter 40 Jahren),
  • bei wiederholten Lungeninfarkten (Pulmonalembolien),
  • bei wiederholten Fehlgeburten etc.
Bei einem medizinischen Verdacht auf eine Thromboseneigung sollten die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung der Hemmstoffe des Gerinnungssystems:
    • Antithrombin III,
    • Protein C,
    • Protein S.
  • Bestimmung der APC-Resistenz.
  • Lupushemmstoffdiagnostik:
    • Bestimmung des sogenannten „Lupus-Antikoagulans“,
    • Untersuchung auf sogenannte „Antiphospholipid-Syndrome“ (Autoantikörperdiagnostik – Bestimmung von Cardiolipin-Antikörpern).
  • Homocystein-Bestimmung im Blut (erhöhte Werte stellen einen Risikofaktor für Venenthrombosen dar).

Finden sich im Rahmen des Thrombophiliescreening auffällige Befunde (sogenanntes „positives Thrombophiliescreening“), sind weiterführende Untersuchungen angezeigt:

  • Nachweis einer Faktor-V-Leiden-Mutation mittels genetischer Mutationsanalyse (Polymerase-Kettenreaktion, PCR).
  • Nachweis anderer genetischer Risikofaktoren (z.B. G20210A-Mutation im Faktor-II-Gen).

Tiefe Venenthrombose (TVT)

Bei einer tiefen Venenthrombose (TVT) kommt es zum Verschluss einer tief gelegenen Vene durch die Bildung eines Blutgerinnsels („Thrombus“). In den meisten Fällen sind Beinvenen betroffen.

Als Ursache der TVT kommen

  • Schädigungen der Venenwand (z.B. Entzündungen),
  • Störungen des Blutstroms (z.B. Wirbelbildungen bei Krampfadern) sowie
  • Veränderungen der Zusammensetzung des Blutes (Ungleichgewicht zwischen gerinnungsfördernden und -hemmenden Faktoren) infrage.

Neben diesen direkten Ursachen existieren vielfältige Einflüsse, die das Auftreten einer TVT begünstigen. In diesen Fällen liegt dann eine sogenannte „Thrombophilie“ (sprich: Thromboseneigung) vor:

  • Bettlägerigkeit (z.B. nach Operationen),
  • langes Sitzen (z.B. Flugreisen – sogenanntes „Economy Class Syndrome“),
  • angeborener Mangel an Antithrombin III, Protein C bzw. Protein S,
  • andere angeborene Störungen wie Faktor-V-Leiden-Mutation etc.,
  • Lebererkrankungen,
  • Tumorerkrankungen (v.a. im Bereich von Bauchspeicheldrüse bzw. Prostata),
  • höheres Lebensalter,
  • Einnahme der „Anti-Baby-Pille“ plus Rauchen u.v.m.

Die Beschwerden einer TVT können vielfältig sein. Typisch sind

  • Schwellung des betroffenen Beines,
  • Schmerzen beim Drücken auf die betroffene Wade,
  • evtl. bläuliche Verfärbung des betroffenen Beines (sogenannte „Zyanose“).

Es gibt aber auch Fälle einer TVT, bei denen diese typischen Beschwerden komplett fehlen.

Die größte Gefahr (Komplikation) einer TVT ist, dass sich ein Teil des Blutgerinnsels ablöst und über das venöse Blutgefäßsystem zum Herzen und schließlich zur Lunge wandert. Ein solcher abgelöster Teil eines Thrombus wird

  • „Embolus“ genannt – die Erkrankung heißt „Embolie“.

Eine Embolie kann einen akut lebensbedrohlichen Zustand darstellen. Denn je nach Größe des Embolus kann es zu einer mehr oder minder großen Verstopfung von Lungengefäßen kommen. Diese Erkrankung wird als

  • „Pulmonalembolie“ bezeichnet – die Schädigung der Lunge durch diese Embolie heißt „Lungeninfarkt“.

In Hinblick auf die Diagnose einer TVT sollten die folgenden Untersuchungen erfolgen:

  • Genaue Befragung der Patientin bzw. des Patienten („Anamnese“),
  • Bestimmung von Fibrinogen-Spaltprodukten (D-Dimere) im Blut,
  • Ultraschalluntersuchung des Beines,
  • Phlebographie (Röntgendarstellung der Beinvenen mit Kontrastmittel).

Die Behandlung der TVT setzt an unterschiedlichen Punkten an:

  • Kompression des betroffenen Beines mit elastischen Binden bzw. einem Kompressionsstrumpf.
  • Vermeidung von Sitzen und Stehen.
  • Strenge Bettruhe ist zumeist nicht erforderlich.
  • Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten:
    • Verabreichung von Heparin (in der Praxis wird am häufigsten sogenanntes fraktioniertes, niedermolekulares Heparin eingesetzt),
    • Thrombolyse (d.h. medikamentöse Auflösung des Blutgerinnsels) mit sogenannten Fibrinolytika.

Bei Patientinnen und Patienten mit immer wieder auftretenden („rezidivierenden“) Thrombosen ist die Durchführung einer

  • Thromboembolie-Prophylaxe erforderlich.
    • Dazu werden entweder niedermolekulare Heparine bzw. Vitamin-K-Gegenspieler (z.B. Marcoumar® oder Sintrom®) verwendet.
Weitere Informationen zu
Synonyme: Homocystein (HCYS), Homozystein, Homozystin
LOINC: 13965-9

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
µmol/l (Mikromol pro Liter) <15 µmol/l <15 µmol/l <15 µmol/l <15 µmol/l

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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