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Frau tastet ihren Hals ab © Orawan
Frau tastet ihren Hals ab © Orawan

Schilddrüsenerkrankungen: Basis-Info

Die Schilddrüse ist ein lebensnotwendiges Organ. Sie produziert Schilddrüsenhormone, die wichtig für viele Organfunktionen sind. Für ihre gesunde Funktion benötigt sie Jod. Während der Schwangerschaft und Stillzeit kommt es zu einem vermehrten Jodbedarf der (werdenden) Mutter.

Jodmangel, Entzündungen, Autoimmunerkrankungen und Schilddrüsenkrebs können die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen. 

Welche Aufgaben hat die Schilddrüse?

Die Schilddrüse (Glandula thyroidea) ist ein schmetterlingsförmiges Organ. Sie liegt im Hals knapp unterhalb des Kehlkopfes an der Vorderwand der Luftröhre. Ihre zwei Seitenlappen sind miteinander verbunden und in kleinere Läppchen unterteilt. In den Läppchen befinden sich viele Bläschen (Schilddrüsenfollikel). In diesen sind die Schilddrüsenhormone gespeichert. Die Schilddrüse zählt zu den lebensnotwendigen Hormondrüsen des Körpers. Sie wiegt ca. zwischen zehn und 20 Gramm und ist von zwei Bindegewebekapseln umgeben. Dazwischen liegt lockeres Bindegewebe. So bleibt die Schilddrüse beweglich und kann beim Schlucken flexibel ihre Lage ändern. 

Welche Funktion haben Schilddrüsenhormone?

Die in den Schilddrüsenfollikeln erzeugten Hormone Trijodthyronin (T3) und  Thyroxin (T4) sind Voraussetzung für eine normale Funktion vieler Organsysteme. Sie erhöhen je nach Bedarf den Grundumsatz und Energieverbrauch des Organismus.

Ihre wichtigsten Funktionen sind:

  • Wärmeproduktion durch gesteigerten Sauerstoffverbrauch und Energieumsatz,
  • Steigerung der Kohlenhydrataufnahme und der körpereigenen Produktion von Kohlenhydraten und Eiweiß,
  • verstärkte Freisetzung körpereigener Fettbestände und Beschleunigung des Cholesterinabbaus,
  • Erhöhung von Puls und Blutdruck,
  • erhöhte Aufmerksamkeit und schnellere Reflexe durch stärkere Aktivierung des Nervensystems,
  • Steigerung von Knochenumbauvorgängen,
  • Wachstum und Reifung von Skelett, Gehirn und Muskulatur.

Zusätzlich bildet die Schilddrüse in den sogenannten C-Zellen das Hormon Calcitonin . Dieses ist am Kalzium- und Knochenstoffwechsel beteiligt.

Der Körper benötigt einmal mehr und einmal weniger Schilddrüsenhormone. Je nach Bedarf erhöht oder vermindert das Thyroidea-stimulierende Hormon (TSH) den Spiegel von Schilddrüsenhormonen im Blut. Zudem sind Schilddrüsenhormone zum Teil an sogenannte Transporteiweiße gebunden. Werden mehr Schilddrüsenhormone vom Körper benötigt, werden T3 und T4 von diesen Eiweißen abgespalten und stehen dann zur „freien“ Verfügung. Man spricht dann auch von fT3 und fT4 (f steht hier für „frei“).

Warum ist Jod für die Schilddrüse wichtig?

Für die Erzeugung der Schilddrüsenhormone benötigt die Schilddrüse Jod. Dieses muss als lebenswichtiges Spurenelement mit der Nahrung zugeführt werden. Der Körper kann es nicht selbst bereitstellen. Das Jod gelangt über den Darm ins Blut bis in die Schilddrüse. Dort wird es nach mehreren Zwischenschritten in die Schilddrüsenhormone eingebaut. Zuviel oder zu wenig Jod kann zu Funktionsstörungen führen.

Österreich galt lange Zeit als Jodmangelgebiet, da die heimischen Böden jodarm sind. Als Gegenmaßnahme wird dem Speisesalz in Österreich seit 1963 Jod zugesetzt, das sogenannte jodierte Speisesalz. Vor allem in der Schwangerschaft ist eine ausreichende Jodversorgung wichtig. Der Großteil des Jodbestandes im Körper ist in der Schilddrüse gespeichert. Nähere Informationen finden Sie unter Jod.

Welche Schilddrüsenerkrankungen gibt es?

Zu Schilddrüsenerkrankungen zählen:

Struma: Was ist das?

Als Struma (umgangssprachlich Kropf) bezeichnet man eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma diffusa). Diese geht meistens mit einem knotigen Umbau des Gewebes (Struma nodosa) einher. Die häufigste Ursache für eine Struma ist ein jahrelanger ernährungsbedingter Jodmangel. Durch bestimmte Wachstumsfaktoren kommt es zu einer Vermehrung von Schilddrüsenzellen und damit zu einer Volumenzunahme des Organs. Seltener sorgen auch Schilddrüsenzysten für eine sichtbare Vergrößerung der Schilddrüse. Eine Vergrößerung oder knotige Veränderung der Schilddrüse ist meist gutartig. Selten kann Schilddrüsenkrebs die Ursache sein. Dennoch ist es wichtig, Vergrößerungen der Schilddrüse ärztlich abklären zu lassen.

Schilddrüsenentzündung: Was ist das?

Bei einer Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) kommt es zu einer Entzündung bzw. Schädigung des Gewebes der Schilddrüse. „Thyreoiditis“ leitet sich von der Fachbezeichnung der Schilddrüse (Glandula thyroidea) ab, die Endung „-itis“ steht für Entzündung. Es gibt unterschiedliche Formen einer Schilddrüsenentzündung.

Welche Formen von Schilddrüsenentzündungen gibt es?

Zu den akuten Schilddrüsenentzündungen zählen die „akute eitrige Thyreoiditis“ und die „subakute Thyreoiditis de Quervain“. Im Akutstadium kann es zu einer Überfunktion der Schilddrüse kommen. Diese Erkrankungen äußern sich durch Berührungsschmerz im Schilddrüsenbereich und grippeähnliche Symptome. Sie heilen meist ohne nachteilige Folgen aus. Nur in seltenen Fällen kann daraus eine Unterfunktion entstehen. Eine akute eitrige Entzündung der Schilddrüse wird mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Wenn ein Abszess durch Ultraschall oder Computer-Tomographie (CT) festgestellt wird, können operative Maßnahmen notwendig sein.

Bei der subakuten Entzündung der Schilddrüse reicht in den meisten Fällen die Einnahme von Entzündungshemmern aus, um die Symptome zu kontrollieren. Nur bei schweren Verlaufsformen ist neben einer entzündungshemmenden Therapie eine Cortisontherapie für längere Zeit erforderlich. Diese Entzündungen heilen in der Regel vollständig aus, können aber eine Unterfunktion der Schilddrüse nach sich ziehen.

Die häufigere chronische Schilddrüsenentzündung (auch Hashimoto-Thyreoditis genannt) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper im Blut die Schilddrüsenzellen angreifen. Sie verläuft in den meisten Fällen ohne Beschwerden, kann aber durch die Zerstörung von Schilddrüsengewebe zu einer Unterfunktion führen.

Die sogenannte fibrosierende Schilddrüsenentzündung („Riedel-Struma“) ist sehr selten. Die Schilddrüse wird dabei aufgrund unbekannter Ursachen größer und verhärtet sich. Es kann zur Einklemmung von Luftröhre und Nerven sowie Blutgefäßen kommen. Dies macht einen operativen Eingriff notwendig – mit anschließender Therapie (z.B. mit Ersatz von Schilddrüsenhormonen).

In seltenen Fällen kann auch eine Strahlentherapie oder eine Verletzung zu einer Entzündung der Schilddrüse führen. Untenstehend finden Sie zudem Informationen über Schilddrüsenentzündungen nach der Schwangerschaft.

Kann man Schilddrüsenerkrankungen vorbeugen?

Bis zu einem gewissen Grad ist es möglich, Schilddrüsenerkrankungen vorzubeugen. Eine ausreichende Jodzufuhr ist für die gesunde Schilddrüse unbedingt notwendig. Durch die in Österreich angewandte Jodierung von Speisesalz kann – eine ausgewogene Ernährung vorausgesetzt – das Auftreten einer Jodmangelstruma (Kropf) verhindert werden.

Bei bestimmten bereits bestehenden Schilddrüsenerkrankungen (Hashimoto-Thyreoditis, Basedow-Krankheit und Autonomie) muss jedoch auf eine eingeschränkte Jodzufuhr geachtet werden, da es sonst zu einer Verschlechterung des Krankheitsverlaufes kommen kann. In diesem Fall ist besondere Vorsicht bei der Einnahme jodhaltiger Medikamente und Kontrastmittel geboten.

Schilddrüsenfunktion & Schwangerschaft 

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann Empfängnisstörungen verursachen und zu gestörter intellektueller sowie körperlicher Entwicklung eines Fetus führen. Daher ist zu Beginn der Schwangerschaft bzw. bei unerfülltem Kinderwunsch eine Untersuchung der Schilddrüse wesentlich. Während der Schwangerschaft und Stillzeit kommt es zudem zu einem vermehrten Jodbedarf der (werdenden) Mutter.

Post-partum-Thyreoditis: Was ist das?

Durch die Schwangerschaft kann es ein paar Wochen oder Monate nach der Geburt zu einer Entzündung der Schilddrüse (Post-partum-Thyreoiditis) kommen. Dabei bilden sich Antikörper, die die Schilddrüse angreifen. Zu Beginn kann es durch die Zerstörung von Schilddrüsenzellen und die Ausschüttung der gespeicherten Hormone ins Blut zu einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kommen. Die Erkrankung heilt dann entweder vollständig aus oder geht in eine (meist dauerhafte) Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) über. Die meist nur vorübergehende Überfunktion ist nicht behandlungsbedürftig. Im Falle einer Unterfunktion ist eine Behandlung mit einem Ersatz für die Schilddrüsenhormone erforderlich.

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