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Frau mit schlaffer Jeans © BillionPhotos.com

Erhöhte Blutfette: Therapie

Liegt der Fettstoffwechselstörung ursächlich eine Erkrankung zugrunde wie z.B. Diabetes mellitus, Nieren-, Schilddrüsen-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenerkrankung (sekundäre Fettstoffwechselstörung), steht die Therapie jener Krankheiten im Vordergrund. Die zentralen Säulen der Therapie von Fettstoffwechselstörungen bestehen aus Anpassungen im Lebensstil sowie gegebenenfalls der Gabe von Medikamenten. Laufende Kontrollen sind wichtig, um den Verlauf der Blutfettwerte zu beobachten . . .

Therapiesäulen bei Fettstoffwechselstörungen

Ist das Herz-Kreislauf-Risiko der Patientin/des Patienten insgesamt nur gering bis mittelgradig, versucht man zuerst, mittels Lebensstiländerungen (Gewichtsreduktion bei Übergewicht, Ernährung, Bewegung und Rauchstopp bei Nikotinabhängigkeit) die Blutfettwerte zu beeinflussen.

Verbessern bzw. normalisieren sich die Werte innerhalb einiger Monate bis zu einem halben Jahr nicht oder nur unzureichend, wird die Gabe von Medikamenten in Erwägung gezogen. Der Überbegriff dieser Medikamente lautet „Lipidsenker“.

Nicht medikamentöse Behandlung

  • Gewichtsreduktion (Abnehmen),
  • Ernährungsumstellung,
  • Bewegung (v.a. Ausdauertraining) sowie
  • Rauchen einstellen.

Medikamentöse Behandlung

Bei der Wahl des Medikaments steht vor allem das Profil der Blutfette im Vordergrund. Die medikamentöse Therapie wird individuell auf die Patientin/den Patienten abgestimmt. Die Ärztin/der Arzt entscheidet anhand des Blutbilds, welcher Lipidsenker am geeignetsten ist. Unter Umständen werden Medikamentengruppen auch kombiniert.

Diese Medikamente kommen bei Fettstoffwechselstörungen zum Einsatz:

  • Statine (HMG-Co-A-Reduktase-Hemmer):
    Diese Medikamentengruppe hemmt bestimmte Enzyme, die an der Cholesterin-Eigensynthese im Körper beteiligt sind. Als Folge sinkt der LDL-Spiegel. Wirkstoffe: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin, Simvastatin.
  • Cholesterinresorptionshemmer:
    Diese Medikamente hemmen die Cholesterinaufnahme im Darm und bewirken so eine Reduktion des LDL- sowie einen leichten Anstieg des HDL-Wertes. Auch die Triglyzeride werden gesenkt. Wirkstoff: Ezetimib.
  • Gallensäure-Komplexbildner:
    Werden auch (An-)Ionenaustauscherharze genannt. Sie bewirken, dass Gallensäuren dem Stoffwechsel entzogen und ausgeschieden werden. Auf diese Weise sinkt der LDL-Spiegel, der HDL-Spiegel („gutes“ Cholesterin) steigt leicht an. Wirkstoffe: Cholestyramin, Colesevelam.
  • Fibrate:
    Beeinflussen die Aktivität bestimmter Enzyme, was in erster Linie zu einer Senkung der Triglyzeride führt, aber auch HDL erhöht. Fibrate werden auch in Kombination mit Statinen eingesetzt. Bei der Kombination mit Statinen sind enge Kontrollen durch die Ärztin/den Arzt wichtig. Wirkstoffe: Bezafibrat, Fenofibrat, Gemfibrozil.
  • Nicotinsäure:
    Hierbei handelt es sich um ein Vitamin (Niacin), das LDL und Triglyzeride senkt und den HDL-Spiegel positiv beeinflusst. Nicotinsäure wird alleine, aber auch in Kombination mit z.B. Statinen verwendet. Wirkstoff: Acipimox.
  • PCSK9-Inhibitoren(-Hemmer):
    Durch Hemmung eines bestimmten Proteins (Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9, kurz PCSK9) mittels eines monoklonalen Antikörpers wird indirekt der LDL-Spiegel gesenkt. Die Verabreichung erfolgt mittels subkutaner Injektion in bestimmten Abständen. PCSK9-Hemmer können allein oder in Kombination mit z.B. Statinen verwendet werden.

Verlaufskontrollen wichtig

Laufende Kontrollen in der Therapie sind wichtig, um das Ansprechen auf das/die Medikament/e zu verfolgen und den Verlauf der Blutfettwerte zu beobachten. Insbesondere bei Statinen und in Kombination mit Fibraten ist die laufende Kontrolle von Nebenwirkungen (z.B. Muskelbeschwerden) wichtig. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie darauf hinweisen.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Labormedizin unter Kreatin-Kinase.

Bei Therapieresistenz: Blutwäsche

Bei schweren Formen erhöhter Blutfettwerte und Nichtansprechen auf Lebensstilmaßnahmen und medikamentöse Therapie sowie wenn Medikamente nicht vertragen werden, kann eine spezielle Form der Blutwäsche erforderlich sein.

Lipoprotein-Apherese

Die Lipoprotein-Apherese kommt insgesamt sehr selten zum Einsatz, eher bei schweren Formen familiär bedingter Fettstoffwechselstörungen. Bei der Lipoprotein-Apherese wird das Plasma über eine Austauschersäule geleitet und das LDL-Cholesterin entfernt. Auch andere, arteriosklerosefördernde Lipoproteine werden dabei gefiltert. Das „gereinigte“ Plasma wird im Anschluss wieder in das Blutsystem der Patientin/des Pateinten rückgeführt. Eine derartige Blutwäsche dauert in etwa zwei bis drei Stunden und erfolgt ambulant in regelmäßigen Abständen.

Mithilfe dieser Blutwäsche lässt sich das kardiovaskuläre Risiko der Patientinnen/Patienten deutlich senken. In Österreich gibt es acht derartige Apherese-Zentren: Wien (2), Oberösterreich (2), Salzburg (1), Tirol (1), Vorarlberg (1), Kärnten (1).

Wohin kann ich mich wenden?

Erste Anlaufstelle zur Abklärung einer eventuellen Fettstoffwechselstörung ist die

  • Ärztin/der Arzt für Allgemeinmedizin.

Zur weiterführenden Abklärung kann ein Besuch bei folgenden Stellen erforderlich sein:

  • Fachärztin/Facharzt für Innere Medizin,
  • Stoffwechselambulanzen (Ambulanz für Innere Medizin).

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Ernährungsberatung

Die österreichischen Krankenversicherungsträger bieten entsprechende Informationen an. Bei den meisten Krankenversicherungsträgern können – teilweise kostenfrei – unter bestimmten Voraussetzungen Ernährungsberatung, diverse Schulungen und Vorträge in Anspruch genommen werden. Die Voraussetzungen für die kostenlose Inanspruchnahme dieser Beratungsleistungen sind unterschiedlich. Teilweise ist eine ärztliche Überweisung notwendig. Weitere Informationen finden Sie unter Service & Angebote sowie auf der Website der Österreichischen Sozialversicherung bzw. auf den jeweiligen Seiten der verschiedenen Krankenversicherungsträger.

Wenn Sie sich von einer freiberuflich tätigen Diätologin/einem freiberuflich tätigen Diätologen beraten lassen, müssen Sie die Kosten dafür selbst tragen. Es gibt hierfür keine Zuschüsse von den Krankenversicherungsträgern. Eine spezielle Ausbildung für Ärzte stellt ein Diplom für Ernährungsmedizin dar.

Raucherentwöhnung

Die Krankenversicherungsträger bieten Raucherberatung oder ambulante Raucherentwöhnung an. Eventuell ist ein Selbstbehalt zu bezahlen. Die Kosten für z.B. Nikotinersatzpräparate werden vom Krankenversicherungsträger nicht übernommen. Bei starker Abhängigkeit kann unter bestimmten Voraussetzungen eine stationäre Raucherentwöhnung bewilligt werden.

Weitere Informationen zu Anbieterinnen/Anbietern und zur Kostenabdeckung finden Sie unter Anlaufstellen für die Raucherentwöhnung.

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