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Junger Mann sitzt auf Fußboden und hält Kopf in seinen Händen © imagesetc

Akute & posttraumatische Belastungsreaktion

Traumatische Belastungen können so massiv sein, dass es zu einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung kommt. Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) – auch Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) genannt – stellt eine verzögerte oder verlängerte Reaktion auf eine schwere Belastung bzw. Bedrohung dar. Weiters besteht die Möglichkeit, dass sich nach wiederholten oder andauernden extremen Belastungen (z.B. körperliche und/oder sexuelle Gewalt in der Kindheit, Folter) eine andauernde Persönlichkeitsveränderung entwickelt.

Akute Belastungsreaktion – Nervenzusammenbruch

Die akute Belastungsreaktion (im Volksmund Nervenzusammenbruch genannt) ist eine stunden- bis tagelang anhaltende Reaktion auf außergewöhnliche körperliche und/oder seelische Belastungen bei ansonsten psychisch gesunden Personen. Dies kann z.B. nach einer Vergewaltigung, Katastrophe (wie Erdbeben, Hochwasser) oder unerwarteten bedrohlichen Veränderungen der sozialen Beziehungen vorkommen (z.B. Tod einer nahestehenden Person). Die akute Belastungsreaktion beginnt meist unmittelbar innerhalb von Minuten nach einem belastenden Ereignis.

Nach einem anfänglichen Gefühl der Betäubung kommt es zum Auftreten von Symptomen wie:

  • Verzweiflung,
  • Niedergeschlagenheit,
  • Angst,
  • Ärger,
  • Überaktivität oder sozialem Rückzug.

Oft treten auch spürbare körperliche Beschwerden auf, z.B. schnellerer Herzschlag oder starkes Schwitzen. Nach Stunden bzw. Tagen ist diese Störung bei passender Unterstützung weitestgehend verschwunden. Eine Krisenintervention kann in Fällen einer akuten Belastungsreaktion notwendig sein. Oft kommen Menschen aber auch – besonders wenn sie in ein tragfähiges soziales Netz eingebunden sind – alleine mit der Situation zurecht.

Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Beschrieben wurde dieses Störungsbild erstmals im Zusammenhang mit Kriegserlebnissen. Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können auf außergewöhnliche Bedrohungssituationen (z.B. Krieg, terroristische Anschläge, schwere Unfälle, Gewalt) oder Veränderungen katastrophalen Ausmaßes (z.B. Naturkatastrophen) folgen. Dies sind Ereignisse, die bei (fast) jeder/jedem eine schwere Verstörung hervorrufen.

Die wichtigsten Symptome sind:

  • ständiges sich aufdrängendes inneres Wiedererleben des belastenden Ereignisses (Flash-Backs, Albträume),
  • Versuch alles zu vermeiden, was an das traumatische Ereignis erinnern könnte, sozialer und emotionaler Rückzug und
  • ein andauernder Zustand der Übererregbarkeit.

Die Störung folgt dem traumatischen Erlebnis mit einer Verzögerungszeit von Wochen bis Monaten. Die Diagnose PTBS wird frühestens sechs Wochen nach dem traumatischen Ereignis gestellt. Davor handelt es sich bei den Symptomen um normale Reaktionen auf ein außergewöhnlich belastendes Ereignis. Dauert die Symptomatik länger als sechs Monate, wird die Störung als chronische PTBS bezeichnet. Es kann auch vorkommen, dass nach dem Trauma kaum Symptome vorhanden sind, jedoch nach Monaten bis Jahren das Vollbild in Erscheinung tritt (z.B. durch ein anderes belastendes Lebensereignis wie der Tod eines nahestehenden Menschen) – sozusagen „reaktiviert“ wird. Die posttraumatische Belastungsstörung wird mit Psychotherapie – speziell Traumatherapie – behandelt. Im Bedarfsfall kommen Psychopharmaka (z.B. Antidepressiva) zum Einsatz.

Traumatische Belastungen von Helferinnen/Helfern

Vielen Menschen sind in Österreich etwa bei Rettung, Feuerwehr oder aktuell in der Flüchtlingshilfe – meist ehrenamtlich – tätig und leisten einen unschätzbar wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Dabei sind sie immer wieder sehr belastenden Eindrücken ausgesetzt. Diese können als traumatisch empfunden werden. Eine sogenannte sekundäre Traumatisierung ist möglich. Bei dieser ist die Helferin/der Helfer dem Trauma nicht direkt ausgesetzt, sondern hilft einem Betroffenen. Das oft unfassbare Geschehen, das unmittelbare Erleben des starken Leidensdrucks und verzweifelten Verhaltens setzt auch helfenden Personen mitunter sehr zu. In der Folge kann es zu Beschwerden kommen wie etwa:

  • Grübelneigung,
  • Schlafstörungen,
  • Erschöpfung,
  • getrübter Stimmung,
  • Sinnfragen (z.B. „Hat das alles Sinn?“),
  • Ohnmachtsgefühlen,
  • Aggressionen,
  • Angstzuständen oder Herzklopfen.

Auch eigene schlimme Erfahrungen können wieder „reaktiviert“ werden und die Psyche belasten. Helferinnen und Helfer im sozialen Bereich haben zudem ein erhöhtes Risiko, ein Burnout zu erleiden. Es lohnt sich daher als Einsatzkraft bzw. Helferin/Helfer, Erlebtes in einer Supervision zu besprechen, um es entsprechend verarbeiten zu können. Angebote und Schulungen zum Umgang mit belastenden Situationen (etwa zum Thema Psychohygiene) gibt es direkt bei den sozialen Organisationen, z.B. Rotes Kreuz. Weitere Hilfsmöglichkeiten finden Sie unter Wenn die Psyche Hilfe braucht. Tipps zur „Seelenpflege“ finden Sie unter Hilfreiches für das Seelenleben, Infos zu seelischer Widerstandskraft unter Krisenkompetent mit Resilienz.

Hinweis Körperliche Beschwerden müssen immer medizinisch abgeklärt werden!

Weitere Traumafolgestörungen

Zu weiteren Traumafolgestörungen zählen Depressionen, Angststörungen, Suchterkrankungen sowie auch sexuelle Funktionsstörungen. Reagieren Personen nach anderen belastenden (nicht traumatischen) Ereignissen vorübergehend mit Symptomen (z.B. depressiven oder Angstsymptomen), spricht man von einer Anpassungsstörung.

Hinweis Es kann im Zusammenhang mit traumatischen Belastungen auch zu Suizidgedanken bis hin zu einem Selbsttötungsversuch kommen. Es ist daher wichtig, Warnsignale rasch zu erkennen! Nähere Informationen finden Sie unter Suizidgefahr erkennen.

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