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Mann mit Nackenschmerzen © DDRockstar

Psychosomatik: Störungen & Erkrankungen

Es gibt eine Vielzahl an psychosomatischen Beschwerden und Erkrankungen. Ob das Herz rast oder der Nacken schmerzt – bei der Diagnose und Behandlung psychosomatischer Krankheitsbilder geht es darum, den Zusammenhang zwischen Körper und Seele zu erfassen. Generell gilt, dass eine psychosomatische Behandlung in erster Linie dann erforderlich ist, wenn psychische/soziale Faktoren einen wesentlichen Beitrag bei der jeweiligen Krankheit einnehmen.

Zusammenhänge erkennen

Zum Beispiel können körperliche Krankheiten seelisch oder sozial als sehr belastend empfunden werden (etwa ein Herzinfarkt). Aber auch seelische Beschwerden können sich in körperlichen Folgeerscheinungen äußern, z.B. Herzbeschwerden. Auch bei „Zivilisationskrankheiten“ wie etwa Bluthochdruck oder Diabetes Typ II bestehen meist psychosomatische Zusammenhänge. Können körperliche Symptome zunächst nicht genau einem spezifischen Krankheitsbild zugeordnet werden, spricht man von nicht spezifischen Körperbeschwerden. 

Somatoforme Störungen

Bei Somatisierungsstörungen – auch somatoforme Störungen genannt – treten wiederholt körperliche Symptome auf, die trotz gründlicher und mehrfacher Abklärung keine körperliche Ursache haben. Oder es sind somatische Erkrankungen vorhanden, die jedoch nicht die Art sowie das Ausmaß der vorhandenen Beschwerden, das Leidensausmaß sowie die innerpsychischen Vorgänge von Betroffenen erklären. Häufige somatoforme Symptome sind Rücken-, Gelenks-, Kopfschmerzen, Magenprobleme, Blähungen oder Herzbeschwerden. Im Folgenden werden wichtige somatoforme Störungen erläutert. Bevor diese Diagnose gestellt wird, müssen daher je nach Symptomatik organische Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Somatisierungsstörung

Eine Somatisierungsstörung ist durch wiederholt auftretende sowie häufig wechselnde körperliche Beschwerden gekennzeichnet. Sie kann chronisch verlaufen, in ihrer Ausprägung/Intensität schwanken und sich meist stark auf das soziale Verhalten auswirken. Bei der hypochondrischen Störung, die ebenfalls dazu zählt, beschäftigen sich Betroffene beispielsweise unablässig mit möglicherweise vorhandenen Krankheiten. Sie fürchten, an einer Erkrankung zu leiden, deren Beschwerden sie spüren bzw. wahrnehmen können. Untersuchungen ergeben jedoch keinen Hinweis auf eine Krankheit oder Abnormität, die zu den Symptomen passt. Normale Körperabläufe, -proportionen oder -wahrnehmungen werden als außer der Norm gedeutet und die Aufmerksamkeit wird auf bestimmte Organe gelenkt. Häufig treten begleitend auch Angststörungen und Depressionen auf.

Somatoforme autonome Funktionsstörung

Davon betroffene Patientinnen/Patienten leiden unter Symptomen, die Störungen von unwillkürlich gesteuerten Körperfunktionen (z.B. Herzfunktion, Verdauung oder Atmung) vermuten lassen. Es lässt sich jedoch nach genauer Diagnostik keinerlei Anhaltspunkt für die Beschwerden ermitteln. So kommt es u.a. bei somatoformen Störungen des Herzens (Herzneurose) zu einer veränderten Herztätigkeit. Symptome hierfür können sein: Herzrasen, Herzstolpern, Druck oder Schmerzen in der Herzgegend. Eine organische Erkrankung kann bei somatoformen Störungen des Herzens aufgrund einer Durchuntersuchung ausgeschlossen werden.

Anhaltende somatoforme Schmerzstörung

Chronische, starke Schmerzen quälen die Betroffenen. Allerdings sind diese nicht vollständig erklärbar. Meist zeigen sich psychische und soziale Belastungen, die als Auslöser infrage kommen.

Sonstige somatoforme Störungen

Diese sind durch alle anderen Störungen von Wahrnehmung, Krankheitsverhalten sowie Körperfunktionen gekennzeichnet, die nicht durch das unwillkürliche Nervensystem hervorgerufen werden. Sie sind auf Teile oder Systeme des Körpers beschränkt. Auch hier spielen belastende Umstände/Ereignisse und Probleme eine Rolle. Ein Beispiel hierfür ist z.B. unerklärlicher, psychogener Juckreiz.

Weitere Erkrankungen mit psychosomatischem Zusammenhang

Beim psychosomatischen Zervikalsyndrom kommt es zu schmerzhaften Veränderungen der Wirbelsäule im Halsbereich. Die Muskulatur des Körpers verspannt sich. Ursachen für die Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich können Bewegungsmangel oder eine Erkrankung des Bewegungsapparats sein. Aber eventuell sitzt einem buchstäblich die „Angst im Nacken“. Hier kennt der Volksmund auch passende Bezeichnungen, die zur psychosomatischen Entstehung von Nackenschmerzen und -verspannung passen: halsstarrig sein, mit der Angst im Nacken leben etc. Zudem gibt es sogenannte funktionelle Beeinträchtigungen einer Organfunktion oder der zentralnervösen Verarbeitung bei der Wahrnehmung von Beschwerden, z.B. beim Reizdarm-Syndrom, Chronic-Fatigue-Syndrom (chronisches Erschöpfungssyndrom) oder Fibromyalgiesyndrom.

Aber auch bei anderen Erkrankungen spielt der psychosomatische Zusammenhang oft eine große Rolle – beispielsweise bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, Bluthochdruck oder Schlafstörungen. Die Psychosomatik ist ein großes Gebiet, das zunehmend an Bedeutung gewinnt. Beispiele für sonstige Erkrankungen, die von psychosomatischen Zusammenhängen beeinflusst sein können, sind weiters:

Konversionsstörungen

Sogenannte Konversionsstörungen (dissoziative Störungen) sind im Vergleich zu den genannten Störungen folgendermaßen gekennzeichnet:

Teilweiser oder völliger Verlust

  • der normalen Integration von Erinnerungen (dissoziative Amnesie),
  • des Bewusstseins der eigenen Identität, z.B. ungewollte, nicht religiöse Trancezustände,
  • der Empfindungswahrnehmung sowie
  • der Kontrolle von Bewegungen, z.B. nicht organische bedingte Lähmungen, dissoziative Fugue (unerwartetes, zielloses Weglaufen ohne ersichtlichen Grund), Stupor (in sich gekehrte Regungslosigkeit ohne Reaktion auf äußere Wahrnehmung).

Dissoziative Störungen neigen dazu, sich spätestens nach ein paar Monaten zurückzubilden – vor allem, wenn die Ursache in einem Trauma liegt. Chronische Konversionsstörungen treten eher als Folge von nicht lösbaren problematischen Umständen sowie zwischenmenschlichen Schwierigkeiten auf. Früher wurden diese Beschwerden auch als „Hysterie“ bezeichnet. Es gibt bei dissoziativen Störungen keinen Hinweis auf eine bekannte körperliche Erkrankung. Konversionsstörungen betreffen nur Störungen von körperlichen Funktionen, deren willentliche (willkürliche) Beeinflussung möglich ist.

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