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Weindene Schülerin © Syda Productions

Prüfungsangst

Viele Menschen sind vor und in Prüfungssituationen aufgeregt – derartige Empfindungen sind völlig normal. Prüfungsangst wird erst dann zum Problem, wenn sie die Leistungsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt – z.B. in Form von „Blackouts“ – und Leidensdruck verursacht. Angst ist eine Reaktion auf Gefahr. Es handelt sich um eine normale und wichtige Reaktion in real gefährlichen Situationen – ein Warnsignal, das uns hilft, angemessen zu reagieren. Hingegen handelt es sich bei Angststörungen – um den großen Bereich von real unbegründeten Ängsten, denen irrationale Gedanken bzw. regressive Gefahreneinschätzungen zugrunde liegen. Zu den Angststörungen gehört auch starke Prüfungsangst.

Ursachen

Grundsätzlich erleben wir Situationen nicht so, wie sie an sich sind, sondern immer vermittelt durch Gedanken bzw. Kognitionen. Das heißt, nicht Situationen an sich lösen Angst aus, sondern die Gedanken, die wir uns darüber machen. Starke Prüfungsangst ist meist ein Gemisch aus realer und neurotischer Angst.

  • Reale Angst kann beispielsweise begründet sein in schwer erfüllbaren oder wenig transparenten Prüfungsanforderungen, Unberechenbarkeit der Prüferin/des Prüfers, schlechter Vorbereitung, Zeitknappheit bei der Prüfung oder in den Konsequenzen bei Misserfolg.
  • Neurotische Anteile von Prüfungsangst stehen im Zusammenhang mit bereits früher entstandenen Ängsten, Selbstwertproblemen und unbewältigten (unbewussten) Konflikten, die sich vor oder bei Prüfungen „einklinken“ können.

Angst auslösende kognitive Vorgänge sind zum Großteil nicht bewusst. Dahinter stecken oft psychische Konstellationen von Wunsch und Abwehr, die typischen phasenspezifischen frühkindlichen Konfliktsituationen zugeordnet werden können. Einer Prüfungssituation, die mehr als das üblicherweise zu erwartende Ausmaß an Angst auslöst, liegen regressive Gefahreneinschätzungen zugrunde, was Studentinnen/Studenten als „ich fühle mich der Prüferin/dem Prüfer gegenüber irgendwie wie ein Kind“ beschreiben. Prüfungssituationen sind besonders geeignet, Konfliktkonstellationen aus der Kindheit zu aktualisieren. Dies hat zur Folge, dass sich der Prüfling nicht nur im Hier und Jetzt der realen Prüfungssituation befindet, sondern unbewusst auch in einer spezifischen Situation der Vergangenheit.

Symptome

Sehr massiv ausgeprägte Prüfungsangst wird umso stärker, je näher der Tag der Prüfung rückt. Schon im Vorfeld kann dadurch das Lernen massiv beeinträchtigt sein, u.a. auch durch Konzentrationsstörungen. In der Prüfungssituation selbst können Denkblockaden und Blackouts auftreten. Dabei fällt der Betroffenen/dem Betroffenen selbst umfassend und genau Erlerntes nicht mehr ein.

Begleitend können körperliche Beschwerden wie v.a. nervöse Unruhe, innere Anspannung, Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, Schlafstörungen und lähmende Müdigkeit sowie Essstörungen, Magen- und Darmprobleme vorkommen.

Manche Menschen empfinden ihre Angst nicht bewusst, sondern fühlen sich z.B. eher bedrückt, verunsichert oder allgemein bedroht, ohne dafür einen Grund angeben zu können. 

Therapie

Prüfungsangst basiert in vielen Fällen auf einem Mangel an Prüfungserfahrung und einer gewissen Routine im Umgang mit derartigen Stresssituationen. Oft führen regelmäßige Konfrontationen mit Prüfungssituationen aller Art und das Erlernen einer strukturierten Vorbereitung zu mehr Gelassenheit und Souveränität.

Eine Therapie ist angesagt, wenn die Prüfungssituation zu einer Ausnahmeanforderung wird, die häufig vermieden wird. Dabei geht es vor allem darum, sich mit den Ursachen der Prüfungsangst auseinanderzusetzen – mit den angsterzeugenden Gedanken. Gut geeignet sind z.B. Methoden der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie, um Versagensangst ab- und Selbstvertrauen aufzubauen. Dazu zählen u.a. das Erlernen von Entspannungstechniken, die Stärkung des Selbstvertrauens, mentales Training und Gedankenkontrolle.

Weitere Informationen finden Sie unter Stress & Erholung sowie unter Rat auf Draht.

In der Psychologischen Beratungsstelle für Studierende Wien wurde die Kognitiv-Expressive Prüfungsangstgruppe (KEPAG) entwickelt. Mit diesem Verfahren kann Prüfungsangst in relativ kurzer Zeit reduziert werden. Der Grundgedanke dabei ist, die irrationalen Kognitionen, die der Prüfungsangst zugrunde liegen, zu erkennen. Eine Auflösung bzw. Verminderung der Angst kann erreicht werden, indem die irrationalen Kognitionen erkannt, durch Überprüfung an der Realität korrigiert und in dieser korrigierten, nunmehr realistischen Form geistig eingeübt werden. Dadurch sollen die automatisierten irrationalen Gedanken durch rationale ersetzt werden. Ergänzend wird versucht, die in der Prüfungssituation Angst auslösenden unbewussten konflikthaften Szenen in einem aufdeckenden Prozess herauszufinden.  

Hilfreiche Tipps

Die Psychologische Studierendenberatung  am Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft bietet persönliche Unterstützung (z.B.  Coaching, psychologische Beratung und Therapie) und hat Tipps zur Bewältigung von Prüfungsangst zusammengestellt:

  • Lerntechnik verbessern: Es macht Angst, wenn der Prüfungsstoff nicht ausreichend beherrscht wird, vor allem wenn der Überblick fehlt und der Stoff nicht frei genug reproduziert werden kann. Es reduziert die Angst, rechtzeitig und zielgerichtet zu lernen, Lernstörungen zu beheben, die Lerntechniken zu verbessern oder an einem Lerntraining teilzunehmen.
  • Klarheit über die Anforderungen gewinnen: Informationen über Prüfungsfragen, über die Form der Prüfung und den Beurteilungsmaßstab können helfen, Angst aufgrund von phantasierten „Anforderungen“ zu entlarven. 
  • Realistische Ansprüche an sich selbst stellen: Die Vermeidung von „Superleistungen“ und Perfektionsansprüchen kann wesentlich entkrampfen. Hilfreich ist hingegen, sich ohne falsche Bescheidenheit an bisherige Erfolge, eigene Fähigkeiten und Stärken zu erinnern. 
  • Leistungssteigernde Wirkung von Prüfungsangst nutzen: Angst kann konstruktiv genützt werden, wenn es gelingt, sie als Motor für rechtzeitiges Lernen umzusetzen. 
  • Negative Konsequenzen relativieren: Oft sind die Folgen eines eventuellen Misserfolges bei Weitem nicht so schwerwiegend, wie zunächst befürchtet, und in Wirklichkeit „bricht die Welt nicht zusammen“. 
  • Bewältigungsstrategien bei akuter Angst: Während der Prüfung ist es wichtig, Bewältigungsstrategien gegen Angstattacken zur Verfügung zu haben, z.B.:  

    - „Wenn ich Zittern, Herzklopfen, einen ‚Knödel im Bauch‘ ... spüre, registriere ich dies, atme durch und lasse mich nicht aus der Fassung bringen.“
    - „Wenn ich im Moment blockiert bin, versuche ich Zeit zu gewinnen, indem ich z.B. die Prüferin/den Prüfer ersuche, die Frage zu wiederholen.“ 
    - „Kann ich eine Frage nicht beantworten, konzentriere ich mich umso mehr auf die nächste Frage, ohne meinem ‚Versagen‘ nachzuhängen.“ 
  • Trainieren der Prüfungssituation: Setzen Sie sich möglichst vielen prüfungsähnlichen Situationen aus. Eine gute Möglichkeit ist es, mit einem/einer Lernkollegen/in in simulierter Prüfungssituation zu üben oder sich bei Wiederholungen selbst prüfungsähnliche Fragen zu stellen und diese zu beantworten. 
  • Mentales Bewältigungstraining: Grundannahme des mentalen Trainings bei Prüfungsangst ist: Was in der Vorstellung gelingt, kann in der Realität leichter bewältigt werden. Konkrete Vorgangsweise: sich an einem ruhigen Ort auf Ruhe und Entspannung konzentrieren und die Prüfungssituation (Raum, Prüferin/Prüfer, Publikum, wie ich dort sitze, eine Frage bekomme, überlege, antworte etc.) vorstellen. So können Sie sich die Prüfungssituation allmählich vertraut machen. In ähnlicher Weise kann man sich bei der Wiederholung des Tagesstoffes auf die Prüfung einstellen.
  • Innere Einstellungen verändern: „Innere Glaubenssätze“ beeinflussen einen Menschen ganz wesentlich, so auch in der Prüfungssituation. Man kann sein Denken über sich selbst verändern, in dem man negative Selbstaussagen durch positive ersetzt. Damit positive Selbstaussagen wirksam sind, sollten sie realistisch und glaubwürdig sein. Hier einige Beispiele, in denen einer negativen Aussage eine positive gegenübergestellt wird.

    • „Wenn die Angst mich überkommt, ist alles vorbei." – „Ich lasse mich von der Angst nicht irritieren, ich kann trotz Angst die Prüfung bestehen.“
    • „Ich werde es ohnehin nicht schaffen.“ – „Ich will es schaffen und werde alles tun, um die Prüfung zu bestehen.“
    • „Ich bin perfekt vorbereitet.“ – „Ich bin gut vorbereitet und kann auf mein Wissen bauen.“
    • „Ich werde keine Angst haben.“ – „Auch wenn ich Angst habe, lasse ich mich davon nicht irritieren.“ 

Wohin kann ich mich wenden?

Bei starker Prüfungsangst bieten folgende Institutionen Unterstützung:

Sie können zuerst Ihre Ärztin/Ihren Arzt für Allgemeinmedizin kontaktieren und über diese/diesen gezielte Ansprechstellen finden. 

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen jedoch die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist.

Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück. Die Krankenversicherungsträger leisten allerdings nur dann einen Zuschuss, wenn eine sogenannte krankheitswertige Störung vorliegt. Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie auf der Website der Sozialversicherungsträger.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der sozialen Krankenversicherung, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Die Kosten für die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen müssen Sie, da es sich um keine Leistung der Krankenversicherung handelt, selbst tragen. Weitere Informationen zum Arztbesuch finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Weitere Informationen zu „Psychotherapie auf Krankenschein“, Kostenzuschüssen und Adressen niedergelassener Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten finden Sie unter Services.           



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