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Patientin bei Therapeutin © WavebreakMediaMicro

Flugangst: Diagnose & Therapie

Flugangst gehört zu den „spezifischen Phobien“. Besonders gute Behandlungserfolge werden mit der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie erzielt. Zur Behandlung der Flugangst hat sich insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie bewährt. Um die Flugangst zu bekämpfen, müssen eingefahrene Gedankengänge und Bewertungen der Situation verändert werden – und zwar im Hinblick auf das gefürchtete Objekt, das Flugzeug.   

Flugangst wird in der Regel mithilfe des Diagnoseinstrumentes ICD-10 (International Classification of Diseases Version 10) diagnostiziert. Darin wird die Flugangst als „spezifische Phobie“ geführt, die durch folgende Merkmale charakterisiert ist:

  • Deutliche Furcht vor dem Gedanken an das Fliegen oder insbesondere vor dem Fliegen selbst.
  • Starkes Vermeiden jeglicher Situationen, die an die gefürchtete Situation heranführen.
  • Angstsymptome (z.B. wie in der „Skala der Flugangstreaktionen“ angeführt) treten in den gefürchteten Situationen mindestens einmal seit Auftreten der Störung auf.
  • Gravierende emotionale Belastung durch die Symptome oder das Vermeidungsverhalten bei gleichzeitiger Einsicht, dass diese unverhältnismäßig und unvernünftig sind.
  • Die Symptome sind auf das Fliegen oder Gedanken an dieses beschränkt.

Auch nach den Kriterien des nunmehr vor allem in den USA angewandten DSM-V (Diagnostic and statistical Manual of Diseases – Version 5) ist die Flugangst als „Spezifische Phobie“ einzuordnen. Als zusätzliches Kriterium wird hier angeführt, dass diese Phobie seit mindestens sechs Monaten bestehen muss.

Verhaltenstherapie & Medikamente

Zur Behandlung der Flugangst hat sich insbesondere eine Methode der Psychotherapie, die kognitive Verhaltenstherapie, bewährt. Neurologisch lässt sich bei Menschen mit verschiedenen Ängsten wie z.B. Flugangst eine besonders starke Überaktivierung bestimmter Gehirnareale als Reaktion auf vermeintliche Bedrohungen feststellen. Mithilfe der kognitiven Verhaltenstherapie kann man diese Überreaktion auf ein der jeweiligen Situation angepasstes Niveau senken. In manchen Fällen kann anfangs eine medikamentöse Unterstützung (z.B. Benzodiazepine, Selektive Serotoninaufnahme-Hemmer (SSRI)) hilfreich sein.

Die kognitive Verhaltenstherapie arbeitet auf der Wissens- und der Emotionsebene. Beide Ebenen haben bei Menschen mit Flugangst einen ungünstigen Lernprozess hinter sich. Dieser wird häufig durch eine ererbte Anlage unterstützt, auf bedrohlich erscheinende Reize stärker zu reagieren als andere Menschen. Um die Flugangst zu bekämpfen, müssen eingefahrene Gedankengänge und Bewertungen der Situation korrigiert bzw. „restrukturiert“ werden – und zwar im Hinblick auf das gefürchtete Objekt, das Flugzeug, und alles, was im Zusammenhang mit dem Fliegen gedacht wird.

Informationskomponente

Auf der „Wissensebene“ werden in der Verhaltenstherapie folgende Themen behandelt . . .

Informationen rund um das Fliegen, z.B.:

  • Aerodynamische Grundsätze (Wieso fliegt ein Flugzeug überhaupt?)
  • Sicherheit des Fliegens und tatsächliche Unfallhäufigkeit,
  • Sicherheitsnetze im Flugverkehr,
  • Turbulenzen und normale Bewegungen des Flugzeuges,
  •  Rolle des Wetters,
  • technische Aspekte wie z.B. Frischluftzufuhr und Kabinendruck, Wartung.

Informationen über den Körper und Stress-/Angstreaktionen, z.B.:

  • Bei der Flugangst laufen bestimmte automatische Körperreaktionen (z.B. Herzrasen, Schwitzen, Mundtrockenheit, Übelkeit) ab, die für die/den Betroffenen sehr bedrohlich wirken können. Sie sind jedoch grundsätzlich in der Evolution als Schutzmechanismen angelegt und können den Körper bzw. die Gesundheit niemals gefährden.

Emotionale Komponente

Auf der Emotionsebene werden Informationen über Angst, Panik und hilfreiche Gegenstrategien behandelt, z.B.:

  • Angst- und Panikreaktionen laufen automatisch ab, sie stoppen oder verdrängen zu wollen, verschlimmert sie nur.
  • Angst- und Panikreaktionen sind für Körper und Geist nicht gefährlich.
  • Ist der „falsche Alarm“ als solcher erkannt, ist die Auslösebereitschaft für Angstreaktionen vermindert.
  • Angepasstes Atmen und Muskelentspannung können die Angst mindern.
  • Jede Angst ist gelernt und kann wieder verlernt werden.
  • Verminderung der Auslöser und Akzeptanz der Angstreaktionen sind wesentliche Schlüssel zum Erfolg.
  • Nicht daran denken, was kommen könnte, sondern was gerade ist.

Was kann ich selbst tun?

  • Rechtzeitig auf den Flug vorbereiten und rechtzeitig zum Abflug gehen.
  • Vor dem Flug moderate körperliche Bewegung machen und auf leichte, zuckerarme Ernährung achten.
  • Lockere, nicht beengende Kleidung tragen.
  • Sobald im Flugzeug Angst entsteht, die Flugbegleiterin/den Flugbegleiter darüber informieren.
  • Sich nicht gegen Bewegungen des Flugzeugs wehren.
  • Auch wenn Stressreaktionen auftreten, sich auf das Aus- und nicht auf das Einatmen konzentrieren.
  • Jede aufkommende Angstreaktion akzeptieren.
  • Sich immer vergegenwärtigen, dass Fliegen auf physikalischen Gesetzmäßigkeiten (z.B. dynamischer Auftrieb) basiert.  
  • Denken Sie nicht daran, was kommen könnte, sondern was gerade ist.
  • Ausreichend trinken (kein Alkohol).

Wohin kann ich mich wenden?

Wenn Sie unter Flugangst leiden, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Eine volle Kostenübernahme für Psychotherapie ist in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück. Die Krankenversicherungsträger leisten allerdings nur dann einen Zuschuss, wenn eine krankheitswertige Störung vorliegt.

Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung des Gesundheitswesens, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Patientinnen/Patienten können mit einer ärztlichen oder psychotherapeutischen Überweisung eine psychologische Untersuchung bei einer Vertragspsychologin/einem Vertragspsychologen für klinisch-psychologische Diagnostik in Anspruch nehmen. Die Kosten für die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen müssen Sie, da es sich um keine Leistung der Krankenversicherung handelt, selbst tragen.

Hinweis Seminare gegen Flugangst müssen von Betroffenen selbst bezahlt werden.

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