Autismus und Asperger-Syndrom

Autismus und Asperger-Syndrom zählen zu den sogenannten Störungen des Autismus-Spektrums. Dabei treten vor allem Probleme in der Kommunikation und im sozialen Miteinander auf. Mindestens eines von 100 Kindern ist betroffen.

Der Beginn ist in der frühen Kindheit. Jedoch ist es möglich, dass sich stärkere Symptome auch manchmal erst im späteren Kindesalter oder im Erwachsenenalter bemerkbar machen. Die Beeinträchtigungen können sich im Lauf des Lebens verändern. Erfahren Sie mehr zu Ursachen, Anlaufstellen, Diagnose und Behandlung.

Störungen des Autismus-Spektrums: Was ist das?

Bei Störungen des Autismus-Spektrums kommt es zu Schwierigkeiten im sozialen Verhalten und in der Kommunikation. Auch sich immer wiederholende Verhaltensweisen oder Bewegungsmuster sowie eingeschränkte Interessen treten auf. Zudem kann sowohl eine Überempfindlichkeit als auch eine Unterempfindlichkeit der Sinne vorliegen. Je nach Ausprägung können die Symptome das Leben mäßig bis schwer beeinträchtigen.

Störungen des Autismus-Spektrums entwickeln sich bereits ab der frühen Kindheit. Deutliche Symptome zeigen sich mitunter erst, wenn die Herausforderungen des sozialen Lebens die eigenen Fähigkeiten übersteigen. Eine frühe Diagnosestellung ist hilfreich, um durch geeignete Maßnahmen soziale Kommunikation zu erlernen und so die Einschränkungen im Alltagsleben möglichst gering zu halten.

Welche Ursachen für Störungen des Autismus-Spektrums gibt es?

Die Fachwelt geht jedoch davon aus, dass Vererbung eine wesentliche Rolle spielt. So haben Familien mit einem autistischen Kind ein deutlich erhöhtes Risiko, ein weiteres Kind mit Autismus zu bekommen. Sehr selten können Änderungen der Erbsubstanz auch ohne Vererbung auftreten. Dabei dürfte eine Kombination von verschiedenen spontanen Mutationen in Genen die Störung auslösen. Zudem könnten auch Schädigungen oder Funktionsstörungen des Gehirns eine Ursache sein.

Frühkindlicher Autismus

Frühkindlicher Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung und betrifft somit verschiedene Entwicklungsbereiche. Er tritt vor dem dritten Lebensjahr auf. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen.

Welche Symptome können bei Autismus auftreten?

Zu den Kennzeichen von frühkindlichem Autismus zählen:

  • Probleme mit der Sprachentwicklung: spätes oder ausbleibendes Einsetzen der Sprachentwicklung, Verlust von Wörtern, mechanisch wirkende wiederholende „Standardphrasen“, Echolalie (Wiederholen von gehörten Wörtern oder Phrasen).
  • Auffälligkeiten der sozialen Kommunikation: Schwierigkeiten, einen Dialog zu führen, Einschränkungen im Gesichtsausdruck bzw. des Blickkontakts während der Kommunikation und der Gestik (z.B. auf etwas zu zeigen).
  • Beschäftigung mit sich immer wiederholenden Tätigkeiten: Diese können auch ungewöhnlich sein. Zum Beispiel das Drehen von Dingen oder Aufreihen von Gegenständen beim Spielen. Oder Wippen bzw. Wedeln der Hände.
  • Soziale Auffälligkeiten: Sozialer Rückzug; nicht vorhandene Fähigkeit oder Probleme, sich in andere einzufühlen; Schwierigkeiten, mit gleichaltrigen Personen Beziehungen aufzubauen.

Wie stark der frühkindliche Autismus ausgeprägt ist, ist verschieden. Die intellektuellen Fähigkeiten sind ebenso sehr unterschiedlich. Ungefähr ein Drittel der Menschen mit Autismus ist von einer Intelligenzminderung betroffen. Es ist möglich, dass Kinder mit frühkindlichem Autismus nur minimale oder gar keine sprachlichen Fähigkeiten erwerben. Autismus besteht ein Leben lang. Die Symptome können sich jedoch im Lauf der Zeit ändern.

Zudem kann es zum Beispiel zu Angststörungen, Essstörungen, starken Wutausbrüchen bzw. eingeschränkter Regulation der Gefühle sowie Schlafstörungen kommen. Auch ADHS oder Epilepsie können auftreten.

Der sogenannte atypische Autismus tritt erst nach dem dritten Lebensjahr auf. Bei diesem sind nicht alle Symptome von frühkindlichem Autismus vorhanden.

Wie wird die Diagnose Autismus gestellt?

Die Diagnose von Autismus erfolgt meist multidisziplinär durch Ärztinnen und Ärzte und weitere Gesundheitsberufe. Zum Beispiel aus dem Bereich der Klinischen Psychologie oder Logopädie. Bei einer Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) ist unter anderem wesentlich, seit wann Symptome bestehen und ob sonstige Krankheiten bzw. Entwicklungsverzögerungen aufgetreten sind. Zudem findet eine körperliche Untersuchung statt. Ebenso erfolgen eine neurologische Untersuchung, die Abklärung des Entwicklungsstandes und der Kompetenzen in Bezug auf Sprache bzw. Kommunikation sowie eine Beobachtung des spontanen Verhaltens.

Auch standardisierte Testverfahren finden Anwendung. Zum Beispiel das Diagnostische Interview für Autismus oder die Diagnostische Beobachtungsskala für autistische Störungen. Die Ärztin oder der Arzt schlägt meist auch ein EEG sowie eine Prüfung von Hören und Sehen vor. Zudem kann eine genetische Testung sinnvoll sein.

Die Ärztin oder der Arzt schließt zudem mögliche andere Erkrankungen aus. Eine Diagnose von frühkindlichem Autismus ist zumeist bereits im Alter von zwei Jahren möglich. Die genaue Diagnosestellung ist vereinzelt erst durch Verlaufskontrollen möglich, wenn sich die Symptome dementsprechend zeigen.

Wie erfolgt die Behandlung von Autismus?

Zu den wichtigsten Therapiezielen bei frühkindlichem Autismus zählen:

  • Förderung von sozialen Fähigkeiten – insbesondere der Kommunikation durch Sprache und der nicht sprachlichen Kommunikation (zum Beispiel durch Gesichtsausdruck und Gesten)
  • Gefühle zu regulieren
  • Probleme lösen zu können

Die Behandlung wird auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Bei Therapieprogrammen speziell für Kinder mit Autismus werden möglichst früh gezielt Maßnahmen gesetzt. Die Fachwelt nennt diese auch programmbasierte Interventionsprogramme. Durch eine starke Einbeziehung sowohl der Eltern als auch von Kindergarten und Schule kann die Umsetzung des Erlernten in den verschiedenen Lebensbereichen erfolgen.

Zur Behandlung bzw. Unterstützung im Alltag können folgende Hilfsmöglichkeiten beitragen:

Zudem sind soziale Unterstützungsmöglichkeiten im Alltag eine wesentliche Säule für Kinder und Jugendliche bzw. Erwachsene mit Autismus. Dazu zählen unter anderem Assistenz in der Schule oder Hilfe durch psychosoziale Dienste. Ein geregelter Tagesablauf und stabile soziale Kontakte sind ebenfalls wichtig.

Die Ärztin oder der Arzt kann auch Medikamente verschreiben. Diese wirken jedoch nicht direkt gegen Autismus. Bei Unruhe, Reizbarkeit oder Aggressivität kommt vor allem der Wirkstoff Risperidon zum Einsatz. Liegen Symptome vor, die einem ADHS ähnlich sind, können sogenannte Stimulantien hilfreich sein. Nähere Informationen finden Sie unter ADHS bei Kindern & Jugendlichen: Diagnose & Therapie bei Kindern. Bei Schlafproblemen kommt etwa das Hormon Melatonin zum Einsatz. Die Ärztin oder der Arzt kann auch Medikamente verschreiben, wenn begleitende Erkrankungen vorliegen (z.B. bei Angststörungen oder Epilepsie).

Die Zusammenarbeit mit den wichtigsten Bezugspersonen ist für den Behandlungserfolg wesentlich. Zum Beispiel, um erlernte Fähigkeiten im sozialen Umfeld einzusetzen. Familien bzw. Bezugspersonen können auch selbst Unterstützung in Anspruch nehmen, z.B. durch Elternberatung oder in einer Selbsthilfegruppe.

Asperger-Syndrom

Im Mittelpunkt des Asperger-Syndroms stehen Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen. Anders als beim frühkindlichen Autismus verlaufen die intellektuelle und sprachliche Entwicklung in der Regel unauffällig. Auch das Asperger-Syndrom tritt bei Jungen häufiger als bei Mädchen auf, wobei es bei Mädchen häufiger unentdeckt bleibt.

Wird das Asperger-Syndrom frühzeitig erkannt, kann durch Fördermaßnahmen und Behandlung die Entwicklung deutlich unterstützt werden. Mögliche Folgeprobleme wie soziale Isolation, Belastung durch Mobbing oder Verhaltensauffälligkeiten können so deutlich reduziert werden. Ein herkömmlicher Alltag kann für Betroffene möglich sein.

Welche Symptome können beim Asperger-Syndrom auftreten?

Folgende Symptome zeigen sich bei Menschen mit Asperger-Syndrom:

  • Schwierigkeiten, mithilfe von Blickkontakt, Gesichtsausdruck sowie Körpersprache zu kommunizieren.
  • Probleme, Inhalte über die unmittelbare Wortbedeutung hinaus zu verstehen. Zum Beispiel „zwischen den Zeilen zu lesen“ und eingeschränktes Verständnis von Humor.
  • Schwierigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen.
  • Auftreten von sich immer wiederholenden Bewegungen. Zum Beispiel mit den Händen hin- und herwedeln – vor allem bei Aufregung.

Menschen mit Asperger-Syndrom haben zudem oft ganz bestimmte Interessengebiete, für die sie viel Zeit aufwenden. Wie stark sich Symptome zeigen, hängt unter anderem von folgenden Bedingungen ab:

  • Vorhandene Fähigkeiten, die die Symptome ausgleichen oder abmildern können. Zum Beispiel guter sprachlicher Ausdruck oder bestimmte Begabungen.
  • Soziale Bedingungen bzw. soziales Umfeld.

Bestehende Symptome können sich bei starken Belastungen oder großen Veränderungen verschlechtern. Zum Beispiel Scheidung der Eltern oder Schulwechsel. Es kann zudem zu weiteren psychischen Erkrankungen oder Auffälligkeiten kommen – etwa ADHS, Angststörungen, Tic-Störungen, Psychosen oder Depressionen.

Betroffene können unterschiedliche Begabungen haben. Zum Beispiel ein besonders gutes Gedächtnis oder Wahrnehmung von Details. Allerdings kann es zu Schwierigkeiten kommen, Probleme und Zusammenhänge zu verstehen und zu erklären. Ebenso kann zielgerichtetes Planen über mehrere Arbeitsschritte oder die Umsetzung von Abläufen einer Tätigkeit Menschen mit Asperger-Syndrom zu schaffen machen. In der Folge kommt es mitunter neben den sozialen Herausforderungen zu Lernschwierigkeiten in der Schule.

Symptome im Erwachsenenalter

Die Symptome eines Asperger-Syndroms können sich je nach Lebensalter ändern. Allerdings besteht ein Asperger-Syndrom prinzipiell bereits seit der Kindheit. Es ist möglich, dass die Diagnose eines Asperger-Syndroms erst im Erwachsenenalter gestellt wird. Meist suchen Betroffene dann Hilfe auf, wenn sie Probleme im sozialen Umfeld bekommen. Zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in einer Partnerschaft.

Erwachsene mit Asperger-Syndrom sind oft Einzelgänger und leben eher zurückgezogen. Es ist nicht leicht für sie, soziale Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Es kann Erwachsenen mit Asperger-Syndrom auch schwer fallen, Wichtiges von Unwichtigem im Alltag zu unterscheiden. Ängste oder depressive Verstimmungen sind häufig.

Erwachsene haben jedoch bereits einiges an Lebenserfahrung gesammelt und konnten sich viele Fähigkeiten aneignen. Diese helfen ihnen meist, besser mit dem Asperger-Syndrom zurechtzukommen.

Wie wird die Diagnose Asperger-Syndrom gestellt?

Die Ärztin oder der Arzt führt eine Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) sowie eine körperliche und eine neurologische Untersuchung durch. Dabei fragt die Ärztin/der Arzt zum Beispiel auch, seit wann Symptome bestehen und ob bis jetzt sonstige Krankheiten bzw. Entwicklungsverzögerungen aufgetreten sind.

Die Ärztin oder der Arzt beobachtet zudem das Verhalten und schätzt bei Kindern den Entwicklungsstand ein. Es gibt verschiedene Standard-Testverfahren, die bei der Diagnose unterstützen. Zum Beispiel die Marburger Beurteilungsskala zum Asperger-Syndrom. Eine klinisch-psychologische Diagnostik kann ebenso hilfreich sein. Auch eine weiterführende Entwicklungsdiagnostik sowie ein EEG können notwendig sein.

Zu den Kriterien für die Diagnose für ein Asperger-Syndrom zählen:

  • Schwierigkeiten im sozialen Miteinander
  • Ungewöhnliches, sehr intensives Interesse an bestimmten Dingen
  • Sich wiederholende Verhaltensmuster

Weiters schließt die Ärztin oder der Arzt eine andere psychische bzw. Entwicklungsstörung aus.

Wie erfolgt die Behandlung von Asperger-Syndrom?

Nicht jede Person mit Asperger-Syndrom leidet unter den vorhandenen Symptomen oder benötigt Behandlung. Eine möglichst früh beginnende Behandlung ist jedoch meist von Vorteil. Eltern bzw. das nähere Umfeld sollten in die Therapie miteinbezogen werden.

Zu Therapiezielen bei einem Asperger-Syndrom zählen unter anderem:

  • Verbesserung der sozialen Fähigkeiten, z.B. der Kommunikation
  • Probleme anders oder besser zu lösen
  • Gefühle zu regulieren

Die Behandlung wird auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt. Zu den Möglichkeiten der Behandlung von Asperger-Syndrom zählen vor allem:

  • Psychotherapie: In erster Linie Verhaltenstherapie bzw. verhaltenstherapeutische Ansätze. Dies ist auch in der Gruppe möglich. In dieser können Betroffene im Umgang mit den anderen Gruppenmitgliedern auch soziale Kompetenzen trainieren.
  • Frühförderung
  • Ergotherapie

Ein geregelter Tagesablauf und stabile soziale Kontakte sind wichtig. Die Ärztin oder der Arzt kann zudem Medikamente verschreiben, wenn begleitende Erkrankungen vorliegen (z.B. bei ADHS).

Soziale Unterstützungsmöglichkeiten können eine wesentliche Säule für Kinder bzw. Menschen mit Asperger-Syndrom sein. Dazu zählen unter anderem Assistenz in der Schule oder Hilfe durch psychosoziale Dienste. Für betroffene Jugendliche und Erwachsene kann zudem der Besuch einer Selbsthilfegruppe hilfreich sein. Tipps für Betroffene bietet auch etwa der Dachverband der Autistenhilfe Österreich auf seiner Website.

Was können Angehörige tun?

Nahestehenden Personen stellen sich manchmal Fragen bei der Bewältigung des Alltags. Beratungsangebote wie z.B. Elternberatung oder auch Selbsthilfegruppen können hier unterstützen. Zudem können praktische Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene den gemeinsamen Alltag einfacher gestalten. Zum Beispiel persönliche Assistenz oder psychosoziale Dienste. Tipps für Angehörige bietet etwa der Dachverband der Autistenhilfe Österreich auf seiner Website.

Wohin kann ich mich wenden?

Bezüglich Autismus bzw. Asperger-Syndrom können Sie sich an folgende Ansprechstellen wenden:

  • Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)
  • Ambulatorien für Sozialpädiatrie bzw. Entwicklungsneurologie
  • Fachärztin oder Facharzt für Psychiatrie (und psychotherapeutische Medizin)

Sie können auch zuerst ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt für Allgemeinmedizin oder Kinder- und Jugendheilkunde führen. Diese oder dieser leitet dann weitere Schritte ein (z.B. Überweisung an spezialisierte Stellen). Weitere Gesundheitsberufe können zur Diagnose und Therapie hinzugezogen werden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger.

Weitere Informationen finden Sie außerdem unter:

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 11. Mai 2022

Abgenommen durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger

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