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Bub in Therapiesitzung © Photographee.eu

Asperger-Syndrom: Diagnose & Therapie

Das Asperger-Syndrom ist in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) unter „Tiefgreifende Entwicklungsstörungen“ aufgelistet. Durch Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) können wichtige Erkenntnisse für die Diagnose gewonnen werden. Dabei fragt die Ärztin/der Arzt (Kinderärztin/Kinderarzt; Kinderpsychiaterin/Kinderpsychiater) z.B. nach Auffälligkeiten in der Schwangerschaft, bei oder nach der Geburt und erkundigt sich nach der bisherigen kindlichen Entwicklung . . .

Die Ärztin/der Arzt achtet auf entwicklungsbedingte Auffälligkeiten (z.B. bei Bewegungen, im sprachlichen Ausdruck und in der zwischenmenschlichen Begegnung) und führt eine körperliche und neurologische Untersuchung durch. Erweitert wird die Diagnostik durch eine EEG-Untersuchung. Bei neurologischen Auffälligkeiten kann auch eine Bildgebung mittels MRT notwendig werden. Die Seh- und Hörfähigkeit sollte überprüft werden. In die Abklärung können auch etwa klinische Psychologinnen/Psychologen (z.B. für klinisch-psychologische Diagnostik) oder Logopädinnen/Logopäden (zur Sprachbeurteilung) sowie Ärztinnen/Ärzte anderer Fachrichtungen miteinbezogen werden. 

Bei der Diagnostik sollte auch auf die Stärken der Betroffenen wert gelegt werden (z.B. was können sie besonders gut, welche Anpassungsleistungen an das Syndrom waren bis jetzt hilfreich etc. .

Fragebögen zur Testung

Es gibt mehrere Screening-Fragebögen, die die Zuordnung eines Asperger-Syndroms erleichtern. Im deutschsprachigen Raum werden vor allem folgende Kombinationen angewandt:

  • Fragebogen zur sozialen Kommunikation (FSK – Autismus Screening)
  • Skala zur Erfassung sozialer Reaktivität (SRS – Autismus Screening).

Für Erwachsene gibt es spezielle Fragenbögen wie etwa den ASQ (Autism Spectrum Quotient). Screening-Fragebögen reichen jedoch allein nicht aus, um eine Diagnose zu stellen. Um die Diagnose eines Asperger-Syndroms stellen zu können, braucht es Zeit und Erfahrung.

Für die standardisierte Erfassung von ASS-Symptomen gelten das Diagnostische Interview für Autismus (ADI-R)  in Kombination mit der Diagnostischen Beobachtungsskala für Autismus (ADOS, ADOS2) als Goldstandard der klinischen Autismus-Diagnostik. Das ADOS ist ein strukturiertes Verfahren zur Erfassung der Kommunikation, Interaktion und des Spielverhaltens. In Abhängigkeit vom Alter und Sprachniveau des jeweiligen Patienten wird eines von fünf Modulen gewählt, um anhand von gezielt inszenierten spielerischen Elementen, Aktivitäten und Gesprächen für die Diagnose Autismus relevante Symptome prüfen zu können. Darüber hinaus zählt eine Überprüfung der kognitiven Leistungsfähigkeit (IQ- oder Entwicklungstest) unbedingt zum diagnostischen Standard.

Einige Studien legen nahe, dass weibliche Betroffene mit einer Autismus-Spektrum-Störung häufiger unerkannt bleiben oder die Diagnose später erfolgt – vor allem bei Asperger-Syndrom. Mädchen mit Autismus-Spektrum-Störungen scheinen darüber hinaus bei gleichem Symptomschweregrad mehr begleitende Verhaltensauffälligkeiten und kognitive Probleme zeigen zu müssen, um eine klinische Diagnose zu erhalten. Dies weist auf eine diagnostische Verzerrung zugunsten der Jungen aufgrund der bekannten Verhaltenskriterien oder aber auf bessere Anpassungsleistungen und Kompensationsmechanismen bei betroffenen Mädchen hin.   

Kriterien für die Diagnosestellung

Zu den Kriterien für ein Asperger-Syndrom zählen:

  • Beeinträchtigung im sozialen Verhalten:
    • Fehlen von sozialem Verständnis bzw. Einfühlungsvermögen,
    • Schwierigkeiten, Freundschaften zu schließen, in der Schule, im Job etc. – mit Folgeproblemen wie Bullying etc.
    • Unvermögen, einen angemessenen Blickkontakt herzustellen und aufrechtzuerhalten,
    • Mängel in Mimik und Körperhaltungen,
    • Mängel in der Gestik zur Regulierung der sozialen Interaktion;
  • Schwierigkeiten, Gespräche zu führen und übergenauer Gebrauch der Sprache, ungeschickte Betonung von Wörtern;
  • Beeinträchtigung, Gefühle zu äußern;
  • eingegrenzte, aber stark ausgeprägte Interessen;
  • stereotype (immer wiederkehrende/gleiche) Verhaltensmuster sowie
  • eventuell Auftreten motorischer Entwicklungsverzögerungen.

Weiters muss eine andere psychische bzw. Entwicklungsstörung ausgeschlossen werden. Vor allem die Abgrenzung zu Autismus ist wesentlich.

Therapie des Asperger-Syndroms

Eine Heilung des Asperger-Syndroms ist nicht möglich. Betroffene können jedoch durch Behandlungsmaßnahmen lernen, besser im Alltag zurechtzukommen. Entwicklung und Stärken werden gefördert. Auch der Leidensdruck kann verringert werden. Eine frühe Behandlung bzw. Entwicklungsförderung wirkt sich positiv aus. Die Therapie wird individuell auf das Kind/den Erwachsenen abgestimmt. Verlaufsdaten zeigen, dass die Symptome mit zunehmendem Alter generell abnehmen können.

Verhaltenstherapeutische Maßnahmen

Es gibt mehrere speziell für Entwicklungsstörungen aus dem Autismus-Spektrum entwickelte Therapieprogramme. Die besten Wirksamkeitsnachweise existieren derzeit für verhaltenstherapeutische Programme aus der Psychotherapie.

Für viele Autismus-Therapie-Programme stellen lerntheoretische Methoden eine wesentliche Säule dar. Wichtige verhaltenstherapeutische Programme im Autismus-Bereich sind die Techniken des sogenannten diskreten Lernformats und der modernen angewandten Verhaltensanalyse (ABA – „Applied Behavior Analysis“, im Vorschulalter EIBI – „Early Intensive Behavioral Intervention“). Ziele hierbei sind die Förderung von Sprachverständnis und -ausdruck, die Erhöhung der Aufmerksamkeit gegenüber sozialen Eindrücken, der Aufbau von Imitationsverhalten, das Erlernen (vor-)schulischer Fertigkeiten und das Erreichen von Selbstständigkeit in der Verrichtung von Alltagsaktivitäten. Die Strukturierung des Alltags ist zudem für Betroffene sehr hilfreich und ein wichtiges Instrument für die Lebensgestaltung.

Sonstige Therapiemöglichkeiten

Zu weiteren Behandlungsformen zählen spezielle Kommunikationstrainings, Spielgruppen, Frühförderung, Logopädie, Physiotherapie sowie Ergotherapie. Auch Musiktherapie kann zum Einsatz kommen. Ein medikamentöser Einsatz erfolgt bei begleitenden psychischen Auffälligkeiten oder körperlichen Krankheiten.

Wohin kann ich mich wenden?

Erste Ansprechstelle bei Verdacht auf ein Asperger-Syndrom sind Kinderpsychiaterinnen/Kinderpsychiater. Bei sehr kleinen Kindern auch Kinderärztinnen/Kinderärzte.

Im Erwachsenenalter können Sie sich an eine Neurologin/einen Neurologen oder eine Psychiaterin/einen Psychiater wenden.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. stationäre Aufenthalte, Heilbehelfe etc.  sind – je nach Krankenversicherungsträger – Kostenbeteiligungen der Patientinnen/Patienten vorgesehen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (z.B. BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.  

Bei bestimmten nicht medikamentösen Behandlungen kann – in manchen Fällen erst beim Erreichen eines bestimmten Ausmaßes – eine Bewilligung der Krankenversicherungsträger erforderlich sein. Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.  

Bei Inanspruchnahme einer Psychotherapie ist eine volle Kostenübernahme in eigenen bzw. vertraglich gebundenen Einrichtungen der Krankenversicherungsträger möglich sowie in Institutionen, die von der öffentlichen Hand subventioniert werden. Es besteht in diesen Fällen jedoch die Möglichkeit, dass ein Selbstbehalt zu leisten ist. Ansonsten haben Sie die Möglichkeit, einen Antrag auf Kostenzuschuss durch die Krankenversicherung zu stellen, wenn Sie eine Psychotherapie bei einer niedergelassenen Psychotherapeutin/einem niedergelassenen Psychotherapeuten machen. Wird dieser genehmigt, erstattet Ihnen der Krankenversicherungsträger einen Teil des an die Psychotherapeutin/den Psychotherapeuten bezahlten Honorars zurück. Die Krankenversicherungsträger leisten allerdings nur dann einen Zuschuss, wenn eine sogenannte krankheitswertige Störung vorliegt. Näheres zur Kostenerstattung erfahren Sie auf der Website der Sozialversicherung. Die klinisch-psychologische Diagnostik ist eine Leistung der sozialen Krankenversicherung, deren Kosten von den Krankenversicherungsträgern übernommen werden. Die Kosten für die Behandlung oder Beratung bei niedergelassenen klinischen Psychologinnen/klinischen Psychologen müssen Sie, da es sich um keine Leistung der Krankenversicherung handelt, selbst tragen.

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