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Einlagen und Binden © Africa Studio

Harninkontinenz: Ursachen

Nachdem der Harn in beiden Nieren konzentriert wird, gelangt er über die Harnleiter in die Harnblase und sammelt sich dort kontinuierlich an. Somit erfüllt die Blase eine wesentliche Aufgabe: die Füllungsphase. Ab einem Volumen der Blase von ca. 150 bis 200 ml wird durch einen Nervenreiz der Harndrang ausgelöst . . .

Funktioniert die Regulation der Blasenentleerung einwandfrei, kann man diesen Harndrang willentlich durch die Großhirnfunktion unterdrücken und muss nicht unmittelbar eine Toilette aufsuchen. Der Harn kann bewusst zurückgehalten werden und die Blase wird willentlich kontrolliert entleert (Entleerungsphase) – man spricht von Kontinenz. Entwickelt sich eine Inkontinenz, kann die Betroffene/der Betroffene diesen Vorgang nicht mehr willentlich steuern, es kommt zum unwillkürlichen Abgang von Harn. Ort und Zeitpunkt können nicht oder nur selten selbst bestimmt werden.

Weitere Informationen zur Produktion von Harn erhalten Sie unter Nieren und Harnblase: Anatomie und Funktion.

Hinweis Eine Inkontinenz kann auch den Kontrollverlust über den Abgang von Stuhl betreffen (Stuhlinkontinenz).

Komplexer Vorgang: Blasenentleerung

An der Entleerung der Blase sind unterschiedlichste Mechanismen und Strukturen beteiligt. Neben muskulären und weiteren Gewebestrukturen wie z.B. den Bändern der Beckenorgane, der Muskulatur im Beckenboden, dem Gewebe der Blasenwand sowie dem Schließmuskelsystem der Harnröhre, sind an diesem komplexen Vorgang zudem zahlreiche neurologische Strukturen wie das Rückenmark sowie bestimmte Steuerungs- und Kommunikationszentren im Gehirn beteiligt. Dieser breitgefächerte Vorgang erklärt die vielfältigen Ursachen sowie Formen von Harninkontinenz. Folglich bestehen auch in der Therapie Unterschiede.

Unterschiede zwischen Frau und Mann

Aufgrund anatomischer und physiologischer Unterschiede sind Frauen von einer Harninkontinenz in jungen Jahren häufiger betroffen. Insbesondere die körperlichen Belastungen während Schwangerschaft und Geburt sowie hormonelle Veränderungen ab der Menopause fördern bei Frauen Harninkontinenz.

Mit steigendem Alter erhöht sich das Risiko der Harninkontinenz bei beiden Geschlechtern, sodass im Alterungsprozess beide Geschlechter annähernd gleich häufig betroffen sind. Das Zusammentreffen mehrerer altersbedingter Veränderungen der Harnblase, das gleichzeitige Bestehen mehrerer Erkrankungen wie z.B. Alzheimer, Durchblutungsstörungen, andere neurologische Erkrankungen, Depressionen oder auch Diabetes mellitus, sowie die Einnahme von Medikamenten kann die Entstehung einer Harninkontinenz fördern. Beim alternden Mann kann eine Vergrößerung der Prostata zu einer besonderen Form der Harninkontinenz führen.

Zentrale Rolle: Beckenbodenmuskulatur

Bei Frauen liegt in vielen Fällen die Ursache der Harninkontinenz in einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur. Der Beckenbodenmuskel ist eine horizontale, schüsselförmige Platte, die das Becken nach unten abschließt. Sie besteht aus einem dreischichtigen Muskelsystem, Bindegewebe, Blutgefäßen und Nerven. Diese Muskelplatte stützt die Becken- und Bauchorgane, trägt eben auch die Harnblase und gewährleistet den richtigen Winkel zwischen Blase und Harnröhre. 

Der Beckenboden ist großen Belastungen ausgesetzt. Bei Druckspitzen, die z.B. beim Husten, Niesen, Lachen sowie beim Stuhlgang oder bei der Geburt eines Babys auftreten können, arbeitet die Beckenbodenmuskulatur aktiv dagegen und sorgt für die nötige Stabilität im Bauchinnenraum. Ist diese spezielle Muskulatur nun geschwächt bzw. geschädigt, kann sie einer gefüllten, schweren Blase weniger gut standhalten, der Harndrang wird zunehmend schwerer kontrollierbar.

Vielfältige Ursachen bei Harninkontinenz

Häufig sind es mehrere Gründe, die schlussendlich zu einer Inkontinenz führen. Bei manchen Betroffenen kann bereits nur ein Faktor auschlaggebend sein, um eine Harninkontinenz auszulösen. Zu den wichtigsten und häufigsten ursächlichen Faktoren zählen u.a.:

  • Geschlecht: Frauen leiden in jungen Jahren deutlich häufiger an Inkontinenz als Männer. Die Beckenbodenmuskulatur ist bei Frauen schwächer ausgeprägt und weniger flexibel, zudem setzen der breite Beckenquerschnitt sowie Durchtrittsstellen wie die Scheide (Vagina) die Spannkraft dieser Muskulatur herab. Frauen haben zudem im Lauf ihres Lebens mehr Ereignisse, die die Kontinenz negativ beeinflussen können (z.B. vaginale Geburt, hormonelle Veränderungen im Alterungsprozess).
  • Alter: Altersbedingte Veränderungen an der Harnblasenmuskulatur (Detrusor) sowie am Schließmuskel, eine verminderte Harnkonzentration durch die Nieren, die Einnahme von Medikamenten sowie das Bestehen einzelner oder mehrerer Erkrankungen (Multimorbidität) erhöhen bei älteren Menschen das Risiko einer Inkontinenz. Bei Männern kann die mit dem Altern häufig einhergehende Vergrößerung der Prostata zu einer Verengung der Harnröhre und somit zu Inkontinenz führen.
  • Schwangerschaft/Geburt: Bei Frauen ist die Beckenbodenmuskulatur während der Schwangerschaft durch eine Drucklasterhöhung aufgrund des Kindes sowie durch die Auswirkungen während der Geburt einer Mehrbelastung ausgesetzt. Während der Wehen kann es zu Nervenverletzungen im Beckenbereich kommen. Durch das starke Pressen bei einer natürlichen Geburt kann sich zudem das räumliche Verhältnis von Blase zu Harnröhre verändern, sodass der Schließmuskel nicht mehr einwandfrei funktioniert. Die Folgen für die Blase können sich mit jeder Geburt verstärken. Eine häufig direkt nach der Geburt auftretende Inkontinenz bildet sich zumeist wieder zurück (postpartale Inkontinenz).
  • Menopause: Die verminderte Hormonproduktion in der Menopause verändert bei Frauen die Durchblutung der Harnröhre, was mitunter eine Inkontinenz begünstigen kann.
  • Übergewicht: Starkes Übergewicht (Adipositas) bewirkt durch eine vermehrte Fetteinlagerung eine Bindegewebsschwäche, auch in der Beckenbodenmuskulatur. Zudem erhöht sich der Druck im Bauchraum auf den Beckenboden.
  • Medikamente: Die Einnahme bestimmter Arzneimittel kann sowohl die Blasenspeicherfunktion als auch ihre Entleerung negativ beeinflussen. Zu den wichtigsten Arzneigruppen, die unter Umständen eine Inkontinenz fördern, zählen Diuretika, Beta-Rezeptorenblocker, ACE-Hemmer (bei Herzerkrankungen und Bluthochdruck), Antidepressiva, Benzodiazepine (Beruhigungsmittel) und (Anti-)Cholinergika (bei COPD bzw. Demenzen).
  • Diverse Erkrankungen: Chronische Atemwegserkrankungen wie z.B. Raucherhusten oder Bronchitis können durch häufiges Husten und der damit verbundenen Belastung des Beckenbodens eine Inkontinenz begünstigen. Neurologische Erkrankungen wie Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose und Demenzen können aufgrund der gestörten Informationsverarbeitung im Gehirn Inkontinenz als Begleitsymptom haben. Die bei Diabetes mellitus auftretenden Gefäß- und Nervenschäden erhöhen ebenso das Risiko für eine Inkontinenz. Chronische Harnwegsinfekte (Blasenentzündung) begünstigen die Entstehung einer Inkontinenz. Zu den weiteren möglichen Erkrankungen als Ursachen einer Inkontinenz zählen: chronische Obstipation, Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Blasensteine, Bandscheibenvorfall, Tumoren im Unterleib, Querschnittslähmung.
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