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Damenbeine vor Toilette © britta60

Harninkontinenz: Formen & Symptome

Aufgrund der vielfältigen Komponenten, die eine Inkontinenz verursachen bzw. fördern können, gibt es unterschiedliche Formen der Inkontinenz. Die wichtigsten sind Belastungs-, Drang- und Überlaufinkontinenz. Es gibt auch Mischformen aus Belastungs- und Dranginkontinenz. Die häufigste Inkontinenzform bei Männern ist die Dranginkontinenz. Bei Frauen gibt es altersabhängig Verschiebungen der auftretenden Arten. Erst mit steigendem Alter erhöht sich bei Frauen der Anteil an Drang- und Mischinkontinenzen . . .

Verschiedene Harninkontinenztypen

Insgesamt überwiegt bei Frauen mit der Hälfte aller Fälle die Belastungsinkontinenz, zu einem Drittel treten Misch- und zu einem Sechstel Dranginkontinenzen auf.

Die häufigsten Harninkontinenzformen:

  • Belastungsinkontinenz, frühere Bezeichnung Stressinkontinenz.
  • Dranginkontinenz, auch Urgeinkontinenz bzw. Syndrom der überaktiven Blase („overactive bladder“, OAB), Reizblase.
  • Mischinkontinenz aus Belastungs- und Dranginkontinenz.
  • Überlaufinkontinenz, auch: Harninkontinenz bei chronischer Harnretention (Harnabflussstörung).

Belastungsinkontinenz

Hier funktioniert der Verschlussmechanismus der Harnröhre nicht mehr einwandfrei. Kommt es nun zu einem Druckanstieg im Bauchraum, kann ungewollt Harn verloren gehen. Der Harn geht meist in Tropfen ab. Je nach Schweregrad (I-III) der Belastungsinkontinenz kann dies beim Husten, Niesen, Lachen und Tragen, aber auch im Gehen, beim Aufstehen (I), bei sportlichen Betätigungen (II), im Liegen bzw. beim Lagewechsel im Bett (III) oder bei wenig anstrengenden Bewegungen geschehen. Bei Frauen entsteht diese Form der Inkontinenz unter Umständen als Spätfolge schwerer bzw. mehrfacher Geburten. Sie kann sich auch im letzten Schwangerschaftsdrittel zeigen, bildet sich jedoch nach der Geburt wieder zurück.

Dranginkontinenz

Hier besteht häufiger und teils sehr intensiver Harndrang, mit ungewolltem Harnverlust. Die Betroffenen müssen sehr häufig kleine Mengen Harn lassen (Pollakisurie). Gerade in der Nacht kann dies eine große Belastung darstellen (Nykturie). Der Harndrang kann sich so rasch und intensiv aufbauen, dass nicht mehr rechtzeitig eine Toilette zur Verfügung steht (imperativer Harndrang). Grund können eine übersteigerte Sensibilität der Blase sowie ungehemmte Kontraktionen des Harnblasenmuskels sein (Detrusors).

Eine Dranginkontinenz wird z.B. durch eine Blasenentzündung (Zystitis), Strahlenbehandlung oder Fremdkörper in der Harnröhre verursacht. Auch bei neurologischen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Multipler Sklerose oder Morbus Alzheimer kann sie auftreten. Geläufig ist die Dranginkontinenz unter dem Überbegriff des Syndroms der überaktiven Blase. Eine überaktive Blase muss jedoch nicht zwingend mit einer Inkontinenz einhergehen. Bei älteren bzw. hochbetagten Menschen führt die Dranginkontinenz leider häufig zu Stürzen.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Senioren & Unfälle: Die Gefahren lauern zuhause.

Mischinkontinenz

Bei der Mischinkontinenz liegt gleichzeitig eine Belastungs- und Dranginkontinenz vor. Es kommt zum unwillkürlichen Harnlassen bei meist starkem Harndrang. Grund sind eine überaktive Harnblase sowie eine Verschlussschwäche der Harnröhre. Frauen höheren Alters entwickeln häufig zu einer bereits bestehenden Belastungsinkontinenz eine Dranginkontinenz.

Überlaufinkontinenz

Die Überlaufinkontinenz kennzeichnet einen meist kontinuierlichen Harnverlust, wenn auch nur tröpfchenweise, wobei die Harnblase nie vollständig entleert wird. Bei der Überlaufinkontinenz ist der Harnabfluss behindert (Harnröhrenverengung), sodass die Harnblase übervoll ist und auf Dauer überdehnt wird. Als Spätfolge kann die Überdehnung der Blase auch zu einer Abflusstörung des Harns aus der Niere führen und letztendlich den Verlust der Nierenfunktion hervorrufen. Verschiedenste Ursachen können die Abflussbehinderung verursachen z.B. Prostatavergrößerung, Harnsteine oder ein Gewächs. Auch die Vergrößerung der Prostata kann auf die Harnröhre drücken und den Harnabfluss behindern. Eine weitere Ursache der Überlaufinkontinenz ist mitunter eine altersbedingt schwache Blasenmuskulatur. Die Überlaufinkontinenz betrifft vorwiegend Männer.

Seltene Formen von Harninkontinenz

Bei der extraurethralen Inkontinenz kommt es durch Umgehung der Harnröhre zum ungewollten Austritt von Harn. Dies kann z.B. durch Gewebsschädigungen oder feinste Fistelgänge erfolgen. Eine Reflexinkontinenz kann z.B. bei einer Querschnittslähmung auftreten.

Beim nächtlichen Bettnässen (Enuresis) geht während des Schlafes ungewollt Harn ab. Wann ein Kind „trocken“ wird, ist individuell sehr verschieden. Ab dem fünften Lebensjahr sollte es jedoch den Harndrang bewusst kontrollieren können. Untertags gelingt dies meistens auch. Geht beim Schlafen wiederholt im Monat ungewollt Harn ab, spricht man von Bettnässen. Nässen Kinder unter fünf Jahren in der Nacht ein, ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Auch Erwachsene können von Enuresis betroffen sein, jedoch mit ca. einem Prozent Häufigkeit nur sehr selten.


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