Darmkrebs: Früherkennung & Diagnose

Jedes Jahr sterben in Österreich etwa 2.000 Menschen an den Folgen von Darmkrebs - einer Krebsart, deren Entstehung man zum Teil verhindern kann: Früherkennungsuntersuchungen können das Risiko für Darmkrebs deutlich verringern. Die wichtigsten Untersuchungen zur Früherkennung sind der „immunologische Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl“ und die Darmspiegelung.

Warum sind Früherkennungsuntersuchungen wichtig?

Dickdarmkrebs verursacht in den meisten Fällen erst Beschwerden, wenn dieser schon weit fortgeschritten ist. Dann ist die Chance auf Heilung schlecht. Mithilfe von Früherkennungsuntersuchungen kann Darmkrebs entdeckt werden, noch bevor betroffene Personen Beschwerden haben. Je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Chance auf Heilung. 

Zudem können bei Früherkennungsuntersuchungen Polypen, gutartige Gewebewucherungen der Darmschleimhaut, entdeckt werden. Aus manchen dieser Wucherungen kann sich möglicherweise mit der Zeit Krebs entwickeln. Die meisten Betroffenen bemerken nicht, dass sie Polypen im Darm haben. Ärztinnen und Ärzte können Polypen bei einer Darmspiegelung entdecken und dabei auch gleich entfernen. So kann verhindert werden, dass daraus Krebs wird.

Welche Früherkennungsuntersuchungen gibt es?

Die wichtigsten Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs sind der „immunologische Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl“ und die Darmspiegelung. Fachleute bezeichnen diese Untersuchungen auch als „fäkalen immunologischen Test = FIT“ und Koloskopie. In Österreich können Personen ab 50 Jahren diese beiden Früherkennungsuntersuchungen gratis durchführen lassen. 

Was ist ein „fäkaler immunologischer Test“?

Dieser Test kann Blut im Stuhl nachweisen. Blut im Stuhl kann auf Veränderungen im Darm, wie beispielsweise auf Polypen oder Darmkrebs, hinweisen. Mit diesem Test können kleinste Mengen Blut im Stuhl nachgewiesen werden, auch dann, wenn Betroffene das Blut nicht mit bloßem Auge erkennen können. Fachleute nennen dieses unsichtbare Blut im Stuhl „okkultes Blut“, und sie empfehlen, dass Personen ab 50 Jahren diesen Test alle zwei Jahre machen sollten.

Der Test kann zu Hause durchgeführt werden und wird dann von einer Ärztin oder einem Arzt beurteilt. Ergibt der Test, dass Blut im Stuhl ist, sprechen Fachleute von einem positiven Ergebnis. Ein solches Ergebnis bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die betroffene Person Darmkrebs hat. Blut im Stuhl hat sehr oft andere Ursachen. Beispielsweise kann ein solches durch Hämorrhoiden oder eine Gastritis verursacht werden. Auch bestimmte Lebensmittel wie rotes Fleisch können falsch positive Reaktionen auslösen. 

Wichtig ist, dass bei einem positiven Stuhltest weiter abgeklärt wird, woher das Blut stammt. Um die Ursache dafür zu finden, empfehlen Fachleute, eine Darmspiegelung durchführen zu lassen. Gemeinsam mit der Darmspiegelung kann der Stuhltest das Risiko senken, an Darmkrebs zu sterben.

Darmspiegelung zur Früherkennung

Eine Darmspiegelung beim beschwerdefreien Menschen, auch Koloskopie genannt, ist die beste Methode, um Polypen oder Darmkrebs in einem frühen Stadium zu entdecken. Etwa 95 von 100 Darmkrebsfällen können durch die Koloskopie gefunden werden. (Das ist nach neuen Daten nicht mehr haltbar, bei korrekter Durchführung ca. 50%.) Dadurch steigt die Chance auf Heilung und sinkt das Risiko, an Darmkrebs zu sterben. Zudem kann ein früh entdeckter Darmkrebs schonender behandelt werden. 

Bei einer Darmspiegelung betrachtet die Ärztin oder der Arzt das Innere des gesamten Dickdarms mit einer kleinen Kamera an der Spitze eines biegsamen und abwinkelbaren Schlauchs. Dabei kann sie oder er von verdächtigen Stellen eine Gewebeprobe entnehmen. Findet die Ärztin oder der Arzt Polypen, können diese gleich während der Darmspiegelung schmerzlos entfernt werden. Anschließend werden die entnommenen Gewebeproben und die Polypen im Labor unter dem Mikroskop untersucht. So kann festgestellt werden, ob die gefundenen Veränderungen gut- oder bösartig sind. 

Da neun von zehn Menschen, bei denen Darmkrebs entdeckt wird, älter als 50 Jahre sind, empfehlen Fachleute die Koloskopie erst ab diesem Alter. Bei einem unauffälligen Ergebnis reicht es, wenn die Untersuchung erst nach zehn Jahren wiederholt wird.

Personen, die besonders gefährdet sind, sollten schon ab dem 40. Lebensjahr eine Darmspiegelung machen lassen. Das sind beispielsweise Personen mit einer genetischen Erkrankung, die mit einem stark erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergeht, wie die familiäre adenomatöse Polypose oder Personen, die an einer chronischen Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden.

Um sicher zu sein, dass die Vorsorge-Koloskopie gut durchgeführt wird, sollte diese nur bei speziell ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten mit einem Qualitätszertifikat für Darmkrebsvorsorge gemacht werden. Damit Ärztinnen und Ärzte oder Spitäler ein solches Qualitätszertifikat führen dürfen, müssen sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass die Untersuchungsstelle auch die sogenannte „sanfte Koloskopie“ anbietet. Bei dieser verabreicht die Ärztin oder der Arzt auf Wunsch eine Kurznarkose oder Sedierung. Dadurch ist die Koloskopie völlig schmerzfrei, und die oder der Betroffene bekommt von der Untersuchung nichts mit.

Wo Sie Ärztinnen und Ärzte mit Qualitätszertifikat finden, können Sie unter https://www.krebshilfe.net/services/spezialzentren-frueherkennung/zertifizierte-stellen-fuer-koloskopie  erfahren.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Haben Betroffene Beschwerden wie andauernde, veränderte Stuhlgewohnheiten oder bemerken sie, dass ihr Stuhl schwarz oder blutig ist, sollten sie das möglichst bald ärztlich abklären lassen. Nach einem ausführlichen Gespräch, der Anamnese, erfolgt eine körperliche Untersuchung. Unter anderem untersucht die Ärztin oder der Arzt den Enddarm mit dem Finger. Fachleute sprechen von einer „digital-rektalen Untersuchung“. Manchmal kann sie oder er dabei nahe am After gelegene Veränderungen ertasten. 

In den meisten Fällen wird die Ärztin oder der Arzt eine Darmspiegelung veranlassen. Dabei können Veränderungen in der Darmschleimhaut festgestellt, Polypen entfernt und Gewebeproben entnommen werden. Fachleute bezeichnen das als Biopsie. Die Gewebeprobe wird dann im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Manchmal kann die Ärztin oder Arzt bei der Koloskopie nicht den ganzen Darm untersuchen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Darm an einer Stelle verengt, sehr lang oder stark verschlungen ist. In diesem Fall kann der Darm mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht werden. 

Wenn die Ärztin oder der Arzt bei der Koloskopie gutartige Polypen findet, können diese gleich während der Untersuchung entfernt werden. Dann sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Es können dann in einem Teil der Fälle Kontrollen in kürzeren Abständen notwendig sein. 

Wenn sich herausstellt, dass es sich tatsächlich um Darmkrebs handelt, gilt es, die am besten geeignete Behandlung zu finden. Zu diesem Zweck sind weitere Untersuchungen notwendig. Dabei kann festgestellt werden, wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben.

Je nach Fall sind folgende Untersuchungen nötig: 

  • Ultraschall des Bauchraums: Zum Ausschluss von Metastasen in der Leber. Ein Viertel der Personen, die an Darmkrebs erkrankt sind, haben Metastasen in der Leber.
  • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): Diese Untersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob sich bereits Metastasen in den Lymphknoten oder in anderen Organen gebildet haben.
  • Blutuntersuchung: Das Blut wird vor einer Behandlung unter anderem auf das sogenannte „carcinoembryonale Antigen“ (CEA) untersucht. Das ist ein Tumormarker, der von etwa einem Drittel der Menschen mit Darmkrebs gebildet wird. Steigt dessen Konzentration im Blut nach der Behandlung an, kann das auf einen Rückfall hinweisen.
  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Diese Untersuchung wird nur in bestimmten Fällen gemacht, wenn der Darmkrebs nach einer Behandlung erneut auftritt.

Wenn der Enddarm vom Krebs betroffen ist, kommen weitere Untersuchungen hinzu: Eine spezielle Enddarm-Spiegelung, eine Magnetresonanztomografie und eine Ultraschalluntersuchung des Enddarms von innen (Endo-Sonografie).

Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen liefern der Ärztin oder dem Arzt wichtige Informationen. Mit diesen kann das Stadium der Krebserkrankung bestimmt werden. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als Stadieneinteilung oder Staging. Dabei ordnen sie die einzelnen Ergebnisse der Untersuchungen einem bestimmten Schema zu, der sogenannten TNM-Klassifikation. Daraus errechnet sich das UICC-Stadium. In den frühen UICC-Stadien I bis II hat der Krebs noch keine Metastasen, im Stadium III nur Lymphknotenabsiedelungen gebildet. Dann ist die Prognose meist gut.

Zudem liefert das unter dem Mikroskop untersuchte Gewebe wertvolle Informationen für das weitere Vorgehen: Die Fachleute beurteilen dabei, wie sehr sich die Krebszellen von gesunden Zellen des Dickdarms unterscheiden. Je größer der Unterschied ist, umso schneller und aggressiver wächst der Krebs. Fachleute sprechen vom Grading.

Mithilfe der TNM-Klassifikation und dem Grading können die Ärztinnen und Ärzte in etwa abschätzen, wie die Krankheit verlaufen wird. Zudem können sie durch immunhistochemische und molekulargenetische Untersuchungen festlegen, welche Behandlung am besten geeignet ist.

Wohin kann ich mich wenden?

Früherkennung

Vorsorgeuntersuchungen werden von der Hausärztin oder dem Hausarzt durchgeführt. Die Dickdarmspiegelung kann ambulant bei Fachärztinnen oder Fachärzten für Innere Medizin oder Chirurgie sowie in Krankenhäusern mit Abteilungen für Innere Medizin, Gastroenterologie oder Chirurgie durchgeführt werden. Die Untersuchungsqualität spielt bei der Vorsorgeuntersuchung eine wesentliche Rolle. Diese wird, abgesehen von einer optimalen Darmreinigung vor der Untersuchung, auch von der verfügbaren technischen Ausstattung (mit den entsprechenden Hygienestandards), der ärztlichen Sorgfalt und Expertise beeinflusst. Zur Qualitätssicherung der Darmkrebsvorsorge wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) das „Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge“ ins Leben gerufen. 

Verdacht auf Darmkrebs

Haben Sie den Verdacht, an Darmkrebs zu leiden, können Sie sich zur Abklärung an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin
  • Fachärztin oder Facharzt für Innere Medizin
  • Fachärztin oder Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie
  • Fachärztin oder Facharzt für Chirurgie
  • Spitalsambulanzen füe Allgemeinchirurgie oder Innere Medizin/Gastroenterologie

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Früherkennung

Die Sozialversicherungsträger bieten im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung ab dem 50. Lebensjahr kostenlos einmal jährlich einen „fäkal okkulten Bluttest“ (daraus wird demnächst FIT alle zwei Jahre bereits ab 45) und alle zehn Jahre eine Vorsorge-Koloskopie an. Auch im Falle von unklaren Beschwerden kann die Hausärztin oder der Hausarzt die Patientin oder den Patienten direkt und altersunabhängig jederzeit zu einer Darmspiegelung überweisen.

Verdacht Darmkrebs

Die Kosten, die bei der Diagnose entstehen, werden von den Sozialversicherungsträgern übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Medikamente, stationäre Aufenthalte) sind Kostenbeteiligungen der Patientinnen oder Patienten vorgesehen.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.

Letzte Aktualisierung: 20. Januar 2023

Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal

Expertenprüfung durch: Univ. Prof. Dr. Rainer Schöfl, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfächer: Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen; Gastroenterologie und Hepatologie

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