Darmkrebs: Früherkennung & Diagnose
Inhaltsverzeichnis
Warum sind Vorsorgeuntersuchungen des Darms wichtig?
Dickdarmkrebs verursacht in den meisten Fällen erst Beschwerden, wenn dieser schon weit fortgeschritten ist. Dann ist die Chance auf Heilung schlecht. Mithilfe von Vorsorgeuntersuchungen kann Darmkrebs entdeckt werden, noch bevor betroffene Personen Beschwerden haben. Je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto besser ist die Chance auf Heilung.
Zudem können bei bei Vorsorgeuntersuchungen mögliche Vorstufen von Krebs, wie Polypen oder Wucherungen der Darmschleimhaut, entdeckt werden. Aus diesen kann sich möglicherweise mit der Zeit Krebs entwickeln. Die meisten Betroffenen bemerken nicht, dass sie Polypen im Darm haben. Ärztinnen und Ärzte können Polypen bei einer Darmspiegelung entdecken und dabei auch gleich entfernen. So kann verhindert werden, dass daraus Krebs wird.
Welche Vorsorgeuntersuchungen des Darms gibt es?
Die wichtigsten Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs bzw. möglichen Vorstufen sind ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl und die Darmspiegelung – auch Koloskopie bezeichnet. In Österreich können Personen ab 45 Jahren diese beiden Früherkennungsuntersuchungen gratis durchführen lassen: Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung wird alle zwei Jahre ein Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl oder alle zehn Jahre eine Darmspiegelung angeboten.
Fachleute empfehlen, dass Personen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren den Stuhltest alle zwei Jahre wiederholen sollten, wenn vorige Stuhltests einen unauffälligen, d.h. negativen Befund ergeben haben. Wenn der Stuhltest einen auffälligen, d.h. positiven Befund ergeben hat, sind weiter Schritte zur Abklärung notwendig, z.B. eine Darmspiegelung.
Test auf nicht sichtbares Blut im Stuhl
Dieser Test kann nicht sichtbares Blut im Stuhl nachweisen. Blut im Stuhl kann auf Veränderungen im Darm, wie beispielsweise auf Polypen oder Darmkrebs, hinweisen. Mit diesem Test können kleinste Mengen Blut im Stuhl nachgewiesen werden, auch dann, wenn Betroffene das Blut nicht mit bloßem Auge erkennen können. Fachleute nennen dieses unsichtbare Blut im Stuhl „okkultes Blut“.
Der Test kann zu Hause durchgeführt werden. Er wird dann im Labor analysiert und von einer Ärztin oder einem Arzt beurteilt. Ergibt der Test, dass Blut im Stuhl ist, sprechen Fachleute von einem positiven Ergebnis. Ein solches Ergebnis bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die betroffene Person Darmkrebs hat. Blut im Stuhl hat sehr oft andere Ursachen. Beispielsweise kann ein solches durch Hämorrhoiden oder die Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. zur Blutverdünnung, verursacht werden.
Wichtig ist, dass bei einem positiven Stuhltest weiter abgeklärt wird, woher das Blut stammt. Um die Ursache dafür zu finden, empfehlen Fachleute eine Darmspiegelung durchführen zu lassen.
Weitere Informationen zum Ablauf eines Stuhltests und möglichen Ergebnissen finden Sie unter Stuhltest: Informationen für Frauen und Stuhltest: Informationen für Männer (gesundheitsinformation.de).
Darmspiegelung zur Darmkrebs-Früherkennung
Bei einer Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt, betrachtet die Ärztin oder der Arzt das Innere des gesamten Dickdarms mit einer kleinen Kamera, die auf einem biegsamen Schlauch befestigt ist. Dabei kann sie oder er von verdächtigen Stellen eine Gewebeprobe entnehmen. Findet die Ärztin oder der Arzt Polypen, können diese gleich während der Darmspiegelung schmerzlos entfernt werden. Anschließend werden die entnommenen Gewebeproben und die Polypen im Labor unter dem Mikroskop untersucht. So kann festgestellt werden, ob die gefundenen Veränderungen gut- oder bösartig sind.
Bei einem unauffälligen Ergebnis reicht es, wenn die Untersuchung erst nach 10 Jahren wiederholt wird.
Personen, die besonders gefährdet sind, kann die Ärztin oder der Arzt empfehlen, schon ab dem 40.Lebensjahr eine Darmspiegelung zu machen. Das sind beispielsweise Personen, mit einer genetischen Erkrankung, die mit einem stark erhöhten Risiko für Darmkrebs einhergeht, wie die familiäre adenomatöse Polyposis. Oder Personen, die an einer chronischen Darmerkrankung, wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn leiden.
Weitere Informationen zum Ablauf einer Darmspiegelung, Nutzen und möglichen Risiken finden Sie unter Darmspiegelung: Informationen für Frauen und Darmspiegelung: Informationen für Männer (gesundheitsinformation.de).
Qualiätszertifikat für Darmkrebsvorsorge
Um sicher zu sein, dass die Vorsorge-Koloskopie gut durchgeführt wird, sollte diese nur bei speziell ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten mit einem Qualitätszertifikat für Darmkrebsvorsorge gemacht werden. Damit Ärztinnen und Ärzte oder Spitäler ein solches Qualitätszertifikat führen dürfen, müssen sie bestimmte Vorgaben erfüllen. Dazu gehört unter anderem, dass die Untersuchungsstelle auch die sogenannte „Sanfte Koloskopie“ anbietet. Bei dieser verabreicht die Ärztin oder der Arzt eine Kurznarkose. Ärztinnen und Ärzte mit Qualitätszertifikat finden Sie unter krebshilfe.net oder oeggh.at.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Haben Betroffene Beschwerden wie andauernde, veränderte Stuhlgewohnheiten oder bemerken sie, dass ihr Stuhl schwarz oder blutig ist, sollten sie das möglichst bald ärztlich abklären lassen. Auch ein auffälliger Befund aus einer Vorsorgeuntersuchung des Darms ist ein Grund für eine ärztliche Abklärung. Zur Abklärung eines Verdachts auf Darmkrebs sind verschieden Untersuchung notwendig.
Nach einem ausführlichen Gespräch, der Anamnese, erfolgt eine körperliche Untersuchung. Unter anderem untersucht die Ärztin oder der Arzt den Enddarm mit dem Finger. Fachleute sprechen von einer „digital-rektalen Untersuchung“. Manchmal können dabei nahe am After gelegene Veränderungen ertastet werden.
In den meisten Fällen wird die Ärztin oder der Arzt eine Darmspiegelung veranlassen. Dabei können Veränderungen in der Darmschleimhaut festgestellt, Polypen entfernt und Gewebeproben entnommen werden. Fachleute bezeichnen das als Biopsie. Die Gewebeprobe wird dann im Labor unter dem Mikroskop untersucht. Manchmal kann die Ärztin oder Arzt bei der Koloskopie nicht den ganzen Darm untersuchen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Darm an einer Stelle verengt, sehr lang oder stark verschlungen ist. In diesem Fall kann der Darm mittels Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht werden.
Wenn die Ärztin oder der Arzt bei der Koloskopie gutartige Polypen findet, können diese gleich während der Untersuchung entfernt werden. Dann sind keine weiteren Untersuchungen erforderlich. Es können dann in einem Teil der Fälle Kontrollen in kürzeren Abständen notwendig sein.
Wenn sich herausstellt, dass es sich tatsächlich um Darmkrebs handelt, gilt es, die am besten geeignete Behandlung zu finden. Zu diesem Zweck sind weitere Untersuchungen notwendig. Dabei kann festgestellt werden, wie weit sich der Krebs bereits ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben.
Je nach Fall sind folgende Untersuchungen nötig:
- Ultraschall des Bauchraums: Zum Ausschluss von Metastasen in der Leber. Ein Viertel der Personen, die an Darmkrebs erkrankt sind, haben Metastasen in der Leber.
- Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT): Diese Untersuchung kann Aufschluss darüber geben, ob sich bereits Metastasen in den Lymphknoten oder in anderen Organen gebildet haben.
- Blutuntersuchung: Das Blut wird vor einer Behandlung unter anderem auf das sogenannte „carcinoembryonale Antigen“ (CEA) untersucht. Das ist ein Tumormarker, der von etwa einem Drittel der Menschen mit Darmkrebs gebildet wird. Steigt dessen Konzentration im Blut nach der Behandlung an, kann das auf einen Rückfall hinweisen.
- Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Diese Untersuchung wird nur in bestimmten Fällen gemacht, wenn der Darmkrebs nach einer Behandlung erneut auftritt.
Wenn der Enddarm vom Krebs betroffen ist, kommen weitere Untersuchungen hinzu: Eine spezielle Enddarm-Spiegelung, eine Magnetresonanztomografie und eine Ultraschalluntersuchung des Enddarms von innen (Endo-Sonografie).
Die Ergebnisse der durchgeführten Untersuchungen liefern der Ärztin oder dem Arzt wichtige Informationen. Mit diesen kann das Stadium der Krebserkrankung bestimmt werden. Fachleute bezeichnen diesen Vorgang als Stadieneinteilung oder Staging. Dabei ordnen sie die einzelnen Ergebnisse der Untersuchungen einem bestimmten Schema zu, der sogenannten TNM-Klassifikation. Daraus errechnet sich das UICC-Stadium. In den frühen UICC-Stadien I bis II hat der Krebs noch keine Metastasen, im Stadium III nur Lymphknotenabsiedelungen gebildet. Dann ist die Prognose meist gut.
Zudem liefert das unter dem Mikroskop untersuchte Gewebe wertvolle Informationen für das weitere Vorgehen: Die Fachleute beurteilen dabei, wie sehr sich die Krebszellen von gesunden Zellen des Dickdarms unterscheiden. Je größer der Unterschied ist, umso schneller und aggressiver wächst der Krebs. Fachleute sprechen vom Grading.
Mithilfe der TNM-Klassifikation und dem Grading können die Ärztinnen und Ärzte in etwa abschätzen, wie die Krankheit verlaufen wird. Zudem können sie durch immunhistochemische und molekulargenetische Untersuchungen festlegen, welche Behandlung am besten geeignet ist.
Wohin kann ich mich wenden?
Vorsorgeuntersuchung des Darms
Erste Anlaufstelle für eine Vorsorgeuntersuchung ist die Ärztin oder der Arzt für Allgemeinmedizin bzw. die Hausärztin oder der Hausarzt. Die Dickdarmspiegelung kann ambulant bei Fachärztinnen oder Fachärzten für Innere Medizin oder Chirurgie sowie in Krankenhäusern mit Abteilungen für Innere Medizin, Gastroenterologie oder Chirurgie durchgeführt werden. Die Untersuchungsqualität spielt bei der Vorsorgeuntersuchung eine wesentliche Rolle. Zur Qualitätssicherung der Darmkrebsvorsorge wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie (ÖGGH) das Qualitätszertifikat Darmkrebsvorsorge ins Leben gerufen. Zertifizierte Ärztinnen und Ärzte finden Sie auf Arztsuche der ÖGGH oder auf krebshilfe.net.
Verdacht auf Darmkrebs – Diagnose
Haben Sie den Verdacht, an Darmkrebs zu leiden, können Sie sich zur Abklärung an folgende Stellen wenden:
- Ärztin oder Arzt für Allgemeinmedizin bzw. eine PVE (Primärversorgungseinheit)
- Fachärztin oder Facharzt für Innere Medizin
- Fachärztin oder Facharzt für Gastroenterologie und Hepatologie
- Fachärztin oder Facharzt für Chirurgie
Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?
Früherkennung
Die Vorsorgeuntersuchung ist ein kostenloses Angebot der Sozialversicherung. .
Diagnose
Die e-card ist Ihr persönlicher Schlüssel zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Alle notwendigen und zweckmäßigen Diagnose- und Therapiemaßnahmen werden von Ihrem zuständigen Sozialversicherungsträger übernommen. Bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt oder Kostenbeitrag anfallen. Detaillierte Informationen erhalten Sie bei Ihrem Sozialversicherungsträger.
Die verwendete Literatur finden Sie im Quellenverzeichnis.
Letzte Aktualisierung: 2. Februar 2024
Erstellt durch: Redaktion Gesundheitsportal
Expertenprüfung durch: Univ.Prof. Prim. Dr. Rainer Schöfl, Facharzt für Innere Medizin, Zusatzfach Innere Medizin (Endokrinologie u. Stoffwechselerkrankungen), Zusatzfach Innere Medizin (Gastroenterologie und Hepatologie)