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Symbolfoto Herz mit EKG Linie © Sebastian Kaulitzki

Herzinfarkt: Was ist das?

Der Herzinfarkt (Myokardinfarkt) ist ein lebensbedrohliches Ereignis, verursacht durch einen plötzlichen vollständigen Verschluss eines Herzkranzgefäßes (meist durch ein Blutgerinnsel). Bei einem derartigen Notfall ist schnelles Handeln entscheidend. Denn verschließt sich eines der großen Herzkranzgefäße (Koronararterien), wird ein Teil des Herzmuskels nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Gelingt es nicht, das Gefäß innerhalb weniger Stunden wieder zu öffnen, stirbt das von der Blutzufuhr abgeschnittene Muskelgewebe ab . . .

Das betroffene Gewebe wird als Infarktgebiet bezeichnet. Je größer das verschlossene Gefäß, desto größer auch der Infarkt und desto massiver können die Beschwerden und medizinischen Folgen sein.Eine Ausnahme sind Diabetikerinnen/Diabetiker. Da bei Diabetes Nervenschädigungen auftreten können, kann dies zu einer deutlichen Herabsetzung des Schmerzempfindens führen und ein Herzinfarkt verhältnismäßig wenig Schmerzen verursachen bzw. „stumm“ verlaufen.

Ursachen für einen Herzinfarkt

Bevor es zu einem Herzinfarkt kommt, leiden viele Patientinnen/Patienten bereits an der sogenannten koronaren Herzkrankheit (KHK). Das Bild dieser Erkrankung ist dadurch charakterisiert, dass es zu Veränderungen an den Herzkranzgefäßen kommt. Die sogenannte Arteriosklerose, die sich als Verhärtung, Verdickung, Elastizitätsverlust und Einengung der Arterien zeigt, wird umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bezeichnet.

In diesen atherosklerotischen Veränderungen – auch Plaques genannt – kommt es zu Fettablagerungen. Dadurch wird der Gefäßdurchmesser immer geringer, und es kommt zu einer massiven Gefäßverengung. Die Folge davon ist eine schlechte Sauerstoffversorgung des Herzmuskels bei vermehrter Herzarbeit.

Ein Herzinfarkt entsteht dann, wenn eine mit Fett gefüllte Plaque aufbricht bzw. oberflächlich beschädigt wird und es an dieser Stelle zur sofortigen Aktivierung der Blutplättchen (Thrombozyten) kommt. Das Ergebnis ist ein Thrombus (Propf), der das Gefäß verstopft und, je nach Lokalisation und Größe des betroffenen Gefäßes, unterschiedliche Beschwerden verursachen kann. Ab diesem Moment erhalten die Herzmuskelzellen im Infarktgebiet nicht mehr ausreichend Sauerstoff und beginnen abzusterben.

Die koronare Herzkranheit

Die Schwere der Erkrankung hängt davon ab, welche Gefäße an welcher Stelle wie stark verengt sind. Eine KHK kann mit oder ohne Beschwerden auftreten. Sind die Gefäße stark verengt, äußert sich dies in Beschwerden, die einem Herzinfarkt ähnlich sind, jedoch in Ruhe innerhalb von 20 Minuten wieder vollkommen verschwinden. Ein derartiger Anfall wird als Angina pectoris bezeichnet.

Sollte ein Angina-pectoris-Anfall erstmalig auftreten oder an Schwere, Dauer und Häufigkeit mit der Zeit zunehmen, dann werden die Anfälle als instabile Angina pectoris oder Präinfarktsyndrom bezeichnet. Die koronare Herzerkrankung ist ein Sammelbegriff für alle Erkrankungen, die mit einem Sauerstoffmangelsyndrom durch verengte Koronararterien einhergehen. Dazu gehören

  • Angina pectoris,
  • instabile Angina pectoris,
  • Herzinfarkt und
  • plötzlicher Herztod.

Da es beim Herzinfarkt und der instabilen Angina pectoris keine Unterschiede in den Symptomen gibt, werden diese bis zur endgültigen Diagnosestellung auch als akutes Koronarsyndrom zusammengefasst.

Neben der Arteriosklerose können in seltenen Fällen auch andere Ursachen der Auslöser für einen Herzinfarkt sein, z.B.:

  • Vaskulitiden: Dies sind entzündlich-rheumatische Erkrankungen, bei denen es zur Neigung zu Entzündungen der (meist) arteriellen Blutgefäße kommt.
  • Embolie in das Koronarsystem, z.B. bei infektiöser Endokarditis.
  • angeborene Gefäßmissbildungen.
  • Aortendissektion: Als Aortendissektion oder auch Aneurysma dissecans aortae bezeichnet man eine Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader. Meist wird dies durch einen Einriss der inneren Gefäßwand mit nachfolgender Einblutung zwischen den Schichten verursacht. Dieser Einriss kann sich bis in die Koronararterien fortsetzen.
  • anhaltende Gefäßkrämpfe (z.B. durch die Einnahme von hohen Kokaindosen verursacht).

Formen des Herzinfarkts

Infarkte können nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt werden. Je nach der Lokalisation des Infarktes spricht man von Vorder-, Hinter- oder Seitenwandinfarkt. Daneben gibt es auch noch Kombinationsinfarkte. Vorder- oder Seitenwandinfarkte  haben in der Regel eine schlechtere Prognose.

In der Klinik bevorzugt man aber eine Einteilung, die sich am Vorhandensein oder Fehlen von Veränderungen im Elektrokardiogramm orientiert. Danach unterscheidet man

  • Infarkte, die die ganze Herzwand betreffen (transmurale Herzinfarkte, STEMI),
  • Infarkte, die nicht die ganze Herzwand betreffen (nicht transmurale Herzinfarkte, NonSTEMI).

Beim nicht transmuralen Infarkt fehlen typische EKG-Veränderungen, während der transmurale Infarkt typische EKG-Veränderungen zeigt, die es ermöglichen, Ausdehnung und Lage der Schädigung zu bestimmen.

Die Lokalisation des Herzinfarktes

Die Lokalisation des Infarktes hängt von dem Versorgungsgebiet der Koronararterien ab.
Bei über 70 Prozent der Menschen liegt ein „Normalversorgungstyp“ vor, das heißt, die Hinterwand der linken Kammer wird von der rechten Kranzarterie und die Vorder- und Seitenwand von der linken Kranzarterie versorgt.

Beim „Rechtsversorgungstyp“ (zirka zehn Prozent der Menschen) versorgt die rechte Kranzarterie nicht nur die Hinterwand, sondern auch Teile der Seiten- bzw. Vorderwand.
Drei Infarkttypen, deren Lokalisation außerordentlich variieren kann, spielen für die Praxis eine entscheidende Rolle:

  • Vorderwandinfarkt: Bei dieser häufigsten Form kommt es zu einem Gefäßverschluss im Verlauf des Vorderwandastes der linken Kranzarterie. Betroffen sind die Vorderwand und die Herzscheidewand.
  • Hinterwandinfarkt: Ein Verschluss der rechten Kranzarterie führt meistens zu einem Hinterwand- und begleitenden Rechtsherzinfarkt.
  • Seitenwandinfarkt: Ursache des Seitenwandinfarkts ist ein Verschluss des Seitenwandastes der linken Kranzarterie. Hier sind die Seitenwand und Teile der Hinterwand betroffen.
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