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Kind betrachtet Bauch © Herrndorff

Neurodermitis: Was ist das?

Die Neurodermitis ist eine chronische oder chronisch-rezidivierende, das heißt schubartig wiederkehrende, nicht ansteckende Hauterkrankung. Sie wird auch atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem oder konstitutionelles Ekzem genannt. Die Erkrankung kann je nach Alter der Patientin/des Patienten unterschiedliche Erscheinungsbilder und Beschwerden haben und an unterschiedlichen Körperstellen auftreten. Sie kann in verschiedenen Schweregraden vorkommen . . .

Neurodermitis ist eine Erkrankung des atopischen Formenkreises, zu dem auch das allergische Asthma bronchiale, der allergische Schnupfen und die allergische Bindehautentzündung gehören. Der Begriff „Atopie“ beschreibt die Veranlagung, auf eigentlich harmlose Einflüsse der Umwelt mit der Haut (Neurodermitis), der Nasenschleimhaut (allergischer Schnupfen/Bindehautentzündung bzw. „Heuschnupfen“) oder der Lungenschleimhaut (allergisches Asthma) empfindlich zu reagieren. Eine Neurodermitis tritt daher oft zusammen mit einem allergischen Schnupfen und/oder mit einem allergischen Asthma auf.

Die Erkrankung kann je nach Alter der Patientin/des Patienten unterschiedliche Erscheinungsbilder und Beschwerden haben, an unterschiedlichen Körperstellen und in verschiedenen Schweregraden auftreten. Die Mehrheit der Patientinnen und Patienten leidet unter einer leichteren Form. Die Hauterkrankung selbst und die damit verbundenen Beschwerden, vor allem der oft starke Juckreiz, können die Lebensqualität, die Schul- oder Arbeitsleistungen beeinträchtigen sowie zu Schwierigkeiten im sozialen Umfeld und in schweren Fällen bis hin zu Depressionen führen.

Hinweis Neurodermitis ist derzeit medizinisch nicht heilbar. Die Behandlung erfordert eine qualifizierte ärztliche Betreuung.

Häufigkeit von Neurodermitis

Während in den 1950er- und 1960er-Jahren nur etwa zwei bis drei Prozent der Kinder zwischen Geburt und Einschulung betroffen waren, leiden heute bereits zwischen zehn und 15 Prozent der Kinder zumindest zeitweilig unter einer Neurodermitis. Die Gründe für diese starke Zunahme werden kontrovers diskutiert. Vor allem Veränderungen der allgemeinen Lebensbedingungen wie z.B. eine zu hygienische Lebensweise werden als mögliche Ursache vermutet. Bei Erwachsenen tritt die Neurodermitis seltener auf: Derzeit sind etwa 1,5 bis drei Prozent betroffen.

Neurodermitis ist nicht ansteckend. Die exakte Ursache der Erkrankung ist nicht bekannt. Ob man die Krankheit bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sowohl eine erbliche Veranlagung als auch zahlreiche Auslösefaktoren spielen für den Beginn der Neurodermitis und das Auftreten von Erkrankungsschüben eine wichtige Rolle.

Erbliche Vorbelastung

Auf eine erbliche Anlage der Neurodermitis existieren zahlreiche Hinweise. So ist das Risiko, dass ein Kind eine Neurodermitis entwickelt, um etwa 20 Prozent erhöht, wenn bereits ein Geschwister unter dieser oder einer anderen allergischen Erkrankung leidet. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Risiko einer Erkrankung bei 60 bis 80 Prozent. Trotz einer bestehenden starken erblichen Vorbelastung kann die Entwicklung von Krankheitserscheinungen ausbleiben oder aber mittels einer vorbeugenden Behandlung in manchen Fällen erfolgreich verhindert, verzögert oder abgeschwächt werden.

Provokationsfaktoren

Mittlerweile sind zahlreiche sogenannte "Provokationsfaktoren" bekannt, die zu einem Ausbruch oder der Verschlechterung der Neurodermitis beitragen. Welche Faktoren im Einzelfall eine Rolle spielen, ist individuell sehr unterschiedlich. Hier ist oft ein sogenanntes Symptomtagebuch hilfreich, in dem von der Patientin/dem Patient bzw. den Eltern des betroffenen Kindes  über einen längeren Zeitraum notiert wird, in welchen Situationen sich die Hauterkrankung verschlimmert.

Die häufigsten Provokationsfaktoren der Neurodermitis sind:

  • mechanische Reizung der Haut: z.B. durch bestimmte Textilien (z.B. Wolle), Schwitzen, falsche Hautreinigung, bestimmte berufliche Tätigkeiten (feuchtes Milieu, stark verschmutzende Tätigkeiten) und Tabakrauch.
  • Hausstaubmilben, Tierhaare (z.B. von Katze, Meerschweinchen, Hamster, Pferd), Federn (z.B. Sittich, Papagei), Pollen.
  • Nahrungsmittel: bei Kindern sind dies v.a. Milch, Ei, Soja, Weizen, Haselnuss, Erdnuss und Fisch; bei Erwachsenen sind dies u.a. pollenassoziierte Nahrungsmittelallergene wie (Roh-) Obst, Gemüse und Nüsse.
  • Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Viren: z.B. Infekte wie Mandelentzündung.
  • klimatische Faktoren wie extreme Kälte und/oder Trockenheit (z.B. trockene Heizungsluft), Schwüle.
  • psychische bzw. emotionale Faktoren: Stress, Konflikte, Langeweile.
  • hormonelle Faktoren: Schwangerschaft, Menstruation.

Besonderheiten der Neurodermitis-Haut

Bei Menschen mit Neurodermitis ist die normale Hautfunktion in vielfältiger Weise beeinträchtigt. Im Vordergrund stehen folgende Veränderungen:

  • Die Haut ist oft sehr trocken, besonders empfindlich und wird häufig rissig und schuppig. Die Hauttrockenheit kann Entzündungen begünstigen sowie Juckreiz und Brennen verursachen.
  • Die Barrierefunktion der Haut ist gestört, bedingt durch einen verminderten Fett- und Wasseranteil. Der Barrieredefekt kann eventuell die Entwicklung von allergischen Reaktionen begünstigen. 
  • Die Hautfette zeigen eine abnormale Zusammensetzung. Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis produzieren weniger Talg und schwitzen oft nicht so stark wie Menschen mit gesunder Haut. Dadurch kann das wenige Fett schlechter über die Körperoberfläche verteilt werden. 
  • Die Haut hat Probleme, die Feuchtigkeit zu speichern, und trocknet schneller aus. Als Folge können Keime sowie chemische und mechanische Reizstoffe die Haut leichter passieren und zu Entzündungen führen.
  • Der Säureschutzmantel der Haut ist bei Neurodermitis nicht intakt.

 
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