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Nagelpilz © gabrielejasmin

Nagelpilz

Unter Nagelpilz (Nagelmykose, Onychomykose oder Tinea unguium) versteht man eine chronische, langsam die Nagelplatte zerstörende Pilzinfektion der Finger- und/oder Zehennägel. Sie entwickelt sich meist aus einer über lange Zeit bestehenden Fuß- oder Handpilzerkrankung und kann ihrerseits zum Ausgangspunkt weiterer Mykoseherde der Haut werden. Häufigste Erreger sind Dermatophyten (zu 85 Prozent Trichophyton rubrum, gefolgt von Trichophyton mentagrophytes, selten auch Epidermophyton floccosum und Microsporum-Arten) . . .

Daneben können auch Schimmelpilze (z.B. Scopulariopsis brevicaulis, Aspargillus) eine Nagelpilzerkrankung verursachen. Vor allem im Fingernagelbereich werden auch häufig – in bis zu 50 Prozent der Fälle – Hefepilze nachgewiesen, die ebenfalls Nagelveränderungen hervorrufen können.

Zum Entstehen einer Onychomykose sind prädisponierende Faktoren erforderlich. Neben einer erblichen Veranlagung sind dies vor allem:

  • Erkrankungen der Gefäße oder des peripheren Nervensystems,
  • Fußfehlstellungen,
  • Nagelveränderungen oder Nagelpsoriasis,
  • wiederholte Verletzungen (z.B. beim Sport),
  • Immunschwäche,
  • Diabetes sowie
  • andere Stoffwechselstörungen.

Begünstigend ist ferner ein feuchtwarmes Milieu. Daher sind Fußnägel viermal häufiger betroffen als Fingernägel. Bis zu zwei Drittel aller Erwachsenen leiden unter Nagelpilz, die Häufigkeit steigt mit dem Alter.

Übertragung

Die Übertragung erfolgt entweder direkt von Mensch zu Mensch oder über gemeinsam benutzte und zwischendurch nicht entkeimte Gegenstände (z.B. Handtücher) oder Kleidungsstücke (z.B. Strümpfe). Eine Ansteckung ist besonders dort möglich, wo Menschen barfuß gehen, z.B. in Schwimmbädern oder Saunen. Feuchte Umgebung durch Fußschweiß, unzureichende Fußdesinfektion, mangelhaftes Abtrocknen oder zu enges bzw. sehr lange getragenes Schuhwerk fördern das Pilzwachstum.

Allerdings wird die Gefahr der Ansteckung oft überschätzt. Es dauert üblicherweise viele Wochen, ja Monate oder Jahre, bis sich ein Nagelpilz auf alle Nägel desselben Patienten ausbreitet. Das Ansteckungsrisiko einer anderen Person im Familienverband ist realtiv gering.

Vorbeugung

Neben der medikamentösen Behandlung sollte die/der Betroffene Maßnahmen ergreifen, um ihr/sein Reinfektionsrisiko zu reduzieren. Dazu gehört das Vermeiden von Barfußlaufen nicht nur in öffentlichen Einrichtungen, sondern auch zu Hause. Weiters sind Schuhe, Strümpfe und Handtücher regelmäßig zu desinfizieren bzw. mit einem antimykotisch wirksamen Spray zu behandeln. Verletzungen, Feuchtigkeitsstau und Durchblutungsstörungen sollten vermieden und möglichst offene und atmungsaktive Schuhe und Strümpfe aus Naturfasern getragen werden.

Weiters empfiehlt sich das regelmäßige Eincremen von Füßen und Nägeln, um diese vor einem Sprödewerden zu schützen. Risikofaktoren wie Diabetes mellitus und Durchblutungsstörungen sind bei der Ärztin/dem Arzt abzuklären.

Symptome

Unterschieden werden vor allem zwei Formen des Nagelpilzbefalls:

  • Bei der subungualen distalen Onychomykose kommt es zum Eindringen der Erreger von unterhalb des Nagels (subungual) am Ende des Nagels (distal).
  • Bei der weißen superfiziellen mykotischen Onychomykose (Leukonychia trichophytica) findet die Erregerinvasion von der Nageloberfläche aus (superfizial) statt. Dies hat eine eher weiße Nagelverfärbung zur Folge.

Bei allen Nagelpilzbefallsarten treten v.a. im fortgeschrittenen Stadium meistens folgende Krankheitszeichen gemeinsam auf:

  • glanzloser Nagel,
  • weiße oder gelbliche Verfärbungen am Nagelrand,
  • weißliche, gelbe oder grau-braune Flecken im Nagel sowie
  • Verdickungen der Nagelplatte.

Jede/jeder zweite Betroffene klagt über Schmerzen, drei von vier Erkrankten haben Schmerzen beim Gehen.

Hinweis Eine Nagelpilzinfektion kann zur Eintrittspforte für lebensbedrohliche bakterielle Infekte werden. Daher sollte möglichst frühzeitig eine adäquate Therapie durchgeführt werden.

Diagnose

Nagelpilz wird anhand der typischenVeränderungen und Symptome diagnostiziert. Nur ein Drittel aller Nagelveränderungen ist auf einen Pilz zurückzuführen. Daher sollte immer wird eine Probe des befallenen Nagels genommen und im Labor untersucht werden, um den Pilz zu identifizieren. In Einzelfällen sind weiterführende Diagnoseverfahren nützlich, da eine längere Einnahme von Tabletten möglichst gezielt erfolgen soll. Manchmal kann eine Nagelverfärbung auch durch Bakterien ausgelöst werden. Sie ist ebenfalls zu diagnostizieren und zusätzlich zu behandeln.

Therapie

Onychomykosen zählen zu den am schwersten heilbaren Pilzinfektionen. Zur Behandlung steht eine Reihe lokaler und systemischer Antimykotika zur Verfügung. Die Basistherapie besteht aus zwei Schritten:

  • Abtragen der pilzhaltigen Strukturen: entweder chemisch mit 40-prozentiger Harnstoffsalbe oder mechanisch durch Fräsen der Nagelplatte.
  • Auftragen antimykotischer Lacke.
  • Bei fortgeschrittener Nagelveränderung (ab einem Drittel des Nagels) ist unbedingt eine Tablettenbehandlung erforderlich!
  • Die Tablettentherapie einer Nagelinfektion mit Dermatophyten unterscheidet sich ganz wesentlich von jener mit Hefepilzen. Daher ist eine exakte Diagnose vor der Therapiewahl gerade bei der Nagelmykose besonders wichtig.
    Insbesondere bei stärkerem Befall muss eine Kombination aus lokalen und systemischen Präparaten (z.B.Terbinafin, Itraconazol, Fluconazol) angewendet werden. Wichtig ist eine ausreichend lange Behandlung über mindestens drei bis sechs Monate! Ansonsten ist eine sehr rasche Wiederkehr der Pilzinfektion möglich, da Pilzsporen viele Monate im Nagel verbleiben können.

Wohin kann ich mich wenden?

Bei Verdacht auf eine Nagelpilzerkrankung sollte möglichst bald eine Hautärztin/ein Hautarzt aufgesucht werden. Die Pilzambulatorien in Wien führen eine exakte Erregeridentifizierung durch. Je früher eine Pilzerkrankung diagnostiziert und therapiert wird, umso schneller und besser erfolgt die Heilung. Hingegen kann Zuwarten oder Selbstbehandlung zu einer Verschlimmerung der Pilzerkrankung führen. Ärztinnen und Ärzte in Ihrer Nähe finden Sie unter Arztsuche.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Alle notwendigen und zweckmäßigen Therapien werden von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB).

Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen.

Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

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