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Frau mit Acne inversa © Africa Studio

Akne inversa

Akne inversa ist eine in Schüben verlaufende chronische Hauterkrankung. Dabei bilden sich schmerzhafte Entzündungen, die sich zu Knoten, Abszessen und Fisteln entwickeln können. Betroffen sind in erster Linie Körperareale, die reich an Haarfollikeln und Schweißdrüsen sind und in Falten liegen – also v.a. im Bereich der Achseln sowie der Leisten-, Anal- und Genitalregion. Die ersten Läsionen treten meist nach der Pubertät auf – durchschnittlich im Alter von etwa 23 Jahren. Frauen sind zwei- bis fünffach häufiger betroffen als Männer.

In Westeuropa leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung unter Akne inversa, die in Medizinkreisen auch unter der Bezeichnung Hidradenitis suppurativa (HS) bekannt ist. Die Krankheit bricht typischerweise im frühen Erwachsenenalter aus. Die schmerzhaften, häufig auch nässenden Hautläsionen stellen für viele Betroffene eine massive Belastung dar, die neben den körperlichen Beschwerden auch seelische Probleme verursachen kann.

Akne inversa – was ist das?

Die Entstehungsursachen dieser phasenhaft verlaufenden Erkrankung sind nach wie vor ungeklärt. Möglicherweise spielen Störungen des Immunsystems sowie hormonelle Einflüsse eine Rolle. Fest steht, dass die Krankheit durch bestimmte Faktoren ausgelöst bzw. verstärkt werden kann. Zu diesen sogenannten Triggern gehören u.a.:

  • Rauchen,
  • Adipositas,
  • Entzündung der Haarfollikel,
  • bakterielle Besiedlung der Haarfollikel (v.a. mit Staphylococcus aureus),
  • erbliche Veranlagung,
  • starkes Schwitzen,
  • mechanische Irritation (z.B. starke Reibung).

Am Anfang steht der Verschluss eines Haarfollikels an der Einmündungsstelle von Talgdrüsen und sogenannten apokrinen – d.h. neben Schweiß auch Teile ihrer Zellen absondernde – Schweißdrüsen. Dadurch dürfte es zu einem Rückstau von Talg und Schweißsekret kommen, der zu tiefliegenden Entzündungen mit Abszessbildung im Bereich der Schweißdrüsen führt. In der Folge werden die betroffenen Schweißdrüsen zerstört. Es entwickeln sich verzweigte röhrenförmige Gänge, die sich den Weg an die Hautoberfläche bahnen oder in der Haut und Unterhaut wachsen. Teilweise entstehen Fistelgänge („Lippenfisteln“), die mit Epithel  ausgekleidet sind und ein Sekret nach außen absondern.

Je nach Schweregrad wird die Erkrankung in drei Stadien (nach Hurley) eingeteilt:

  • Stadium I: einzelne Abszesse, keine Fistelgänge und Vernarbungen;
  • Stadium II: ein oder mehrere weit auseinanderliegende Abszesse mit Fistelgängen und Narbenbildung;
  • Stadium III: flächiger Befall mit Abszessen, Fistelgängen und Narbenzügen.

Welche Symptome können auftreten?

Zu Beginn bildet sich meist ein einzelner schmerzhafter Knoten in der Haut oder Unterhaut. Er kann entweder von selbst abheilen, bestehen bleiben oder sich in einen Abszess umwandeln. Abszesse können in der Tiefe verschmelzen und nach außen spontan durchbrechen. Dabei treten eitrige und/oder wässrig-blutige Sekrete aus. Anfangs bilden sich die entzündlichen Läsionen häufig von selbst zurück, allmählich werden sie jedoch chronisch. Es kommt zur Ausbildung von großflächigen rötlich verfärbten, knotigen, honigwabenartigen Arealen mit Abszessen und Fistelgängen, die mit Narben- und Knotenbildung einhergeht.

Typischerweise zeigt Akne inversa eine symmetrische Verteilung und betrifft v.a. in Falten liegende Hautregionen, die reich an Talg- und apokrinen Schweißdrüsen sind: Leiste, Achsel, Bereich von Gesäß, Anus, Damm und Oberschenkel sowie unter der weiblichen Brust. Nur selten tritt Akne inversa in anderen Körperregionen wie z.B. Gesicht, behaarte Kopfhaut oder Rücken auf.

Die axilläre Akne inversa kommt bei beiden Geschlechtern gleich häufig vor. Hingegen finden sich bei Frauen häufiger Veränderungen im Genital- und Leistenbereich und bei Männern im Genital- und Analbereich.

Die Erkrankung stellt für die Betroffenen nicht zuletzt auch eine erhebliche psychische Belastung dar. Die Hautläsionen werden häufig als stark stigmatisierend erlebt. Oft resultieren daraus sozialer Rückzug und Isolation der Patientin/des Patienten, nicht selten auch die Entwicklung von Depressionen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Insbesondere bei ausgeprägter und/oder lang bestehender Akne inversa können verschiedenste Komplikationen auftreten. Dazu gehören u.a.:

Bei Akne inversa treten häufig Begleiterkrankungen auf. Diese Komorbiditäten umfassen v.a. Erkrankungen aus dem autoimmunologischen bzw. autoentzündlichen Bereich, insbesondere:

  • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED),
  • Erkrankungen der Wirbelgelenke (Spondylarthropathien),
  • Geschwürbildung mit Absterben von Haut (Pyoderma gangraenosum).  

Wie wird Akne inversa diagnostiziert?

Nach wie vor dauert es durchschnittlich mehr als sieben Jahre, bis Akne inversa korrekt diagnostiziert wird. Im Rahmen der Anamnese werden insbesondere familiäre Veranlagung und Tabakkonsum abgefragt. Weiters wird der Body-Mass-Index bestimmt. Die Diagnose erfolgt in erster Linie durch die körperliche Untersuchung. Dabei finden sich an den typischen Stellen charakteristische Hautläsionen. Gegebenenfalls ist eine Fistelsondierung hilfreich. In der Regel wird auch eine Laboruntersuchung (v.a. Blutsenkung, C-reaktives Protein) durchgeführt. Aus Abstrichen von der Hautoberfläche und aus tiefen Gewebsbereichen werden die Krankheitskeime identifiziert. Durch weiterführende Untersuchungen wie Ultraschall oder Magnetresonanztomographie kann die Tiefenausdehnung der Fistelgänge bestimmt werden.

Wie erfolgt die Behandlung? 

Die Krankheit ist schwer zu behandeln. Medikamentöse Therapien können im besten Fall die Symptome lindern und zu beschwerdefreien oder zumindest beschwerdearmen Phasen führen. Eine kausale Therapie ist nur durch chirurgische Eingriffe möglich, bei denen erkrankte Hautareale entfernt werden.

Medikamente

Unterschieden werden topische, d.h. lokal anwendbare, und systemische Therapien (zum Schlucken oder Injizieren).

Topische Therapien:

  • Antiseptika: Gut verträgliche Substanzen haben einen gewissen Stellenwert in der Prophylaxe und Therapie. Um eine ausreichende Wirkung zu erreichen, muss auf eine entsprechende Einwirkzeit in adäquater Dosierung geachtet werden. Zum Einsatz kommen v.a. Polyhexanid, Octenidin, PVP-Jod, Natriumhypochlorit oder hypochlorige Säure.
  • Platelet rich fibrin (PRF): Dieses aus körpereigenem Blut hergestellte biologische Gewebe wird mit einem Antibiotikum/Antiseptikum angereichert und auf die von HS betroffenen Körperstellen aufgetragen. Dadurch wird die Wundheilung unterstützt und beschleunigt.
  • Manukahonig: Medizinischer Honig besitzt eine hohe antimikrobielle Aktivität, wirkt entzündungshemmend und fördert die Heilung von Hautläsionen.   

Systemische Therapien

  • Antibiotika: Diese werden meist als Erstlinientherapie für alle Schweregrade von Akne inversa empfohlen. Wichtig ist eine zielgerichtete Antibiose gegen jene Keime, die aus den Abstrichen isoliert wurden. Die Therapie sollte mindestens zehn Wochen in adäquater Dosierung erfolgen. Zur Auswahl stehen Tetrazykline, Clindamycin, Rifampicin, Moxifloxacin und Metronidazol in unterschiedlichen Kombinationen.
  • Biologika: Zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Akne inversa ist der Tumornekrosefaktor-alpha-Blocker Adalimumab als einziges Biologikum zugelassen. Die als Injektionslösung verfügbare Substanz kommt meistens dann zum Einsatz, wenn Antibiotika nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.
  • Alternative Systemtherapien: Einen relativ geringen Stellenwert haben Antiandrogene, Kortikosteroide und Acitretin.

Chirurgie

Die operative Sanierung bzw. Entfernung betroffener Hautbereiche stellt die einzige Option dar, durch die befallene Areale nachhaltig geheilt werden können. Akute Abszesse werden chirurgisch eröffnet und mit Antibiotika gespült. Bei chronischer Akne inversa ist eine dauerhafte Heilung fistulierender Herde möglich. Eine OP-Indikation liegt ab dem Bestehen eines chronischen Fistelganges vor, der nach einem Abklingen zumindest einmal erneut auftritt. Voraussetzung für einen nachhaltigen Operationserfolg und die Vermeidung von Rezidiven ist eine möglichst vollständige Entfernung des entzündlichen bzw. fistulierten Gewebes. Eine Kombination von medikamentösen Therapien und Operation kann im Einzelfall sinnvoll sein.

Wohin kann ich mich wenden?

Zur Abklärung von Akne inversa sind in erster Instanz folgende Stellen zuständig:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Fachärztin/Facharzt für Dermatologie und Venerologie.

Die HS stellt eine dermatochirurgische Erkrankung dar, die an einem spezialisierten Zentrum behandelt werden sollte. Frühzeitige Überweisung bewahrt Patientinnen/Patienten vor einem langen Leidensweg und verbessert ihre Lebensqualität maßgeblich.

Grundsätzlich sollte bei der Versorgung von Patientinnen/Patienten mit Akne inversa auch verstärkt auf Begleiterkrankungen geachtet werden. Vor diesem Hintergrund ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit folgender Fachrichtungen für eine optimale Behandlung notwendig:

  • Dermatologie,
  • Gastroenterologie,
  • Gynäkologie,
  • Urologie,
  • Chirurgie.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Diagnose, medikamentöse und chirurgische Therapie werden in der Regel von den Krankenversicherungsträgern übernommen. Grundsätzlich rechnet Ihre Ärztin/Ihr Arzt bzw. das Ambulatorium direkt mit Ihrem Krankenversicherungsträger ab. Bei bestimmten Krankenversicherungsträgern kann jedoch ein Selbstbehalt für Sie anfallen (BVA, SVA, SVB, VAEB). Sie können allerdings auch eine Wahlärztin/einen Wahlarzt (d.h. Ärztin/Arzt ohne Kassenvertrag) oder ein Privatambulatorium in Anspruch nehmen. Nähere Informationen finden Sie unter Kosten und Selbstbehalte.

Hinweis Rein kosmetische Behandlungen sind von der Patientin/dem Patienten selbst zu bezahlen.

Wenn ein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist

Für die Behandlung kann mitunter ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Dabei wird über die Krankenhauskosten abgerechnet. Von der Patientin/dem Patienten ist pro Tag ein Kostenbeitrag zu bezahlen. Die weitere medikamentöse Behandlung zu Hause erfolgt per Rezept durch die Allgemeinmedizinerin/den Allgemeinmediziner bzw. durch die Fachärztin/den Facharzt.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Was kostet der Spitalsaufenthalt? 

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