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Bauarbeiter auf Baustelle © pure-life-pictures

Berufskrankheiten: Definition & Verlauf

Für viele Menschen ist der Arbeitsplatz der absolute Lebensmittelpunkt. Der Job bietet ökonomische Sicherheit und Sozialkontakte und stärkt den Selbstwert – damit ist er ein wichtiger Gesundheitsfaktor. Aber ein Arbeitsplatz kann gleichzeitig auch Gefahren für die Gesundheit bergen.

Das Risiko einer Berufskrankheit ist für Männer generell höher als für Frauen, v.a. weil sie häufiger in potenziell gefährlichen Branchen arbeiten . . .   

Obwohl viele gesundheitliche Probleme durch den Beruf verursacht oder verstärkt werden, gelten nur ganz spezielle Krankheiten tatsächlich als Berufskrankheiten. Der Begriff „Berufskrankheit“ spielt in der Sozialversicherung im Bereich der Unfallversicherung eine wichtige Rolle.

Schleichender Verlauf

Berufskrankheiten sind Schädigungen der Gesundheit durch die versicherte Tätigkeit. Im Gegensatz zum Arbeitsunfall entstehen sie oft schleichend, über viele Jahre hinweg. Verursacht werden diese Gesundheitsschäden durch bestimmte Stoffe (z.B. Blei, Asbest oder Benzol), ionisierende Strahlen oder besondere Einwirkungen (z.B. Erschütterungen bei der Arbeit mit einem Presslufthammer, Vibrationen, Lärm, Dunkelheit. Manche Erkrankungen werden nur in Kombination mit bestimmten Berufen anerkannt, z.B. Infektionskrankheiten bei medizinischem Personal oder bei Erfüllung bestimmter weiterer Voraussetzungen wie z.B. Staublungenerkrankung oder Hauterkrankungen.

Liste der anerkannten Berufskrankheiten

Ausschließlich 53 im Anhang (Anlage 1) zum ASVG gelistete Krankheiten gelten derzeit in Österreich als Berufskrankheiten. Die Aufnahme einer Krankheit in diese Liste setzt voraus, dass zwischen der Einwirkung durch eine versicherte Tätigkeit und der gesundheitlichen Schädigung ein ursächlicher Zusammenhang besteht und dass eine bestimmte Berufsgruppe dieser Einwirkung erheblich stärker ausgesetzt ist als die Normalbevölkerung. Alles in allem finden sich in der Berufskrankheitenliste nur physisch und chemisch bedingte Krankheiten. Die häufigsten Berufskrankheiten waren im Jahr 2015 Lärmschwerhörigkeit, Hauterkrankungen, Asthma bronchiale sowie Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Männer sind von anerkannten Berufskrankheiten stärker betroffen als Frauen, z.B. von Schwerhörigkeit infolge von Lärm oder von bösartigen Neubildungen des Rippenfelles, der Lunge und des Kehlkopfs durch Asbest.

Generalklausel für Härtefälle

Da nur im Anhang zum ASVG aufgezählte Krankheiten als Berufskrankheiten anerkannt werden können, kommt es mitunter im Einzelfall zu Härten. Um diese Härten auszugleichen, können mithilfe der „Generalklausel“ Krankheiten im Einzelfall als Berufskrankheiten anerkannt werden. Sie müssen nachweisbar berufsbedingt sein. Zudem muss der Träger der Unfallversicherung aufgrund gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse feststellen, dass die Krankheit ausschließlich oder überwiegend durch die Verwendung schädigender Stoffe oder Strahlen entstanden ist. Die Gesundheitsministerin/der Gesundheitsminister muss dieser Feststellung zugestimmt haben. Neue Gefahren in der Arbeitswelt sowie neue Erkenntnisse über Auswirkungen von Schadstoffen oder Belastungen führen dazu, dass die Liste der Berufskrankheiten immer wieder ergänzt wird.

Häufigkeit

Die Berufskrankheiten verringerten sich von 1995 bis 2015 um zehn Prozent (von 1.584 auf 1.421 pro Jahr). Die anerkannten Sterbefälle aufgrund einer Berufskrankheit haben sich in diesem Zeitraum aber vervielfacht (1995: neun Fälle; 2005: 69 Fälle; 2015: 119 Fälle) – und dies, obwohl die Arbeitsbedingungen in Europa in Bezug auf physische und chemische Belastungen in den letzten Jahrzehnten deutlich besser geworden sind. Viele zuletzt anerkannte Versicherungsfälle sind auf Belastungen zurückzuführen, die schon vor vielen Jahren stattgefunden haben. Heutige Zahlen spiegeln also zum Teil die Gefährdungen der Vergangenheit wider. 

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