Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Gespräch zwischen Arzt und Patientin © Alexander Raths

Asthma: Patientenmitarbeit & Patientenschulung

Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Ärztin/Arzt und Patientin/Patient. Der bewusste Umgang mit der Erkrankung im Alltag ermöglicht im Idealfall ein Leben ohne krankheitsbedingte Einschränkungen. Der Therapieerfolg ist zu einem Großteil auch vom Mitwirken der Patientin/des Patienten abhängig. Patientenschulungen sind daher mittlerweile ein unentbehrlicher Bestandteil des modernen, ganzheitlichen Therapiekonzeptes von chronischen Erkrankungen wie Asthma . . .

So können Sie die Therapie unterstützen

Lebensstilfaktoren – wie ausgewogene Ernährung, Bewegung und Stressvermeidung – tragen ebenfalls dazu bei, das Leben mit Asthma besser zu meistern. Mit folgenden Maßnahmen können Sie wesentlich zum Therapieerfolg beitragen und einer Verschlechterung oder Notfällen entgegenwirken:

  • Regelmäßige Medikamenteneinnahme: Wichtig bei der Behandlung von Asthma ist die konsequente und regelmäßige Einnahme der verordneten Medikamente und die richtige Inhalationstechnik.

  • Regelmäßige Peak-Flow-Messungen: Ein wichtiger Faktor bei der Selbstkontrolle ist zu Therapiebeginn, bei Verschlechterung (Zunahme der Beschwerden) und bei Therapieänderungen die regelmäßige Messung des Atemspitzenflusses (mithilfe eines Peak-Flow-Meters). Unter Atemspitzenfluss versteht man den maximalen Atemfluss, den man während des Ausatmens erreichen kann. Bei Asthmakranken unterliegt dieser Wert starken tages- und jahreszeitlichen Schwankungen. Der Atemspitzenfluss wird mit einem kleinen Messgerät von der Patientin/vom Patienten zu Hause selbst ermittelt. Der Peak-Flow-Meter ist einfach zu handhaben, die Messungen sind weder orts- noch arztgebunden. Patientinnen bzw. Patienten mit instabilem Asthma sollten mehrmals am Tag ihren Peak-Flow messen und die Werte in einem Tagebuch notieren. Dokumentiert werden sollten auch Beschwerden, regelmäßig oder zusätzlich eingenommene Medikamente und Besonderheiten – wie das Auftreten von Infekten etc. Über längere Zeit durchgeführt, gibt die Peak-Flow-Messung Einblick in den Krankheitsverlauf und liefert Hinweise auf auftretende Verschlechterungen, die unter Umständen eine rasche Therapieänderung erfordern.

  • Regelmäßiger Arztbesuch: Bei chronischen Erkrankungen wie Asthma sind regelmäßige Besuche bei der behandelnden Ärztin/dem Arzt besonders wichtig. Dadurch kann die Therapie laufend angepasst und ernst zu nehmende Folgen bzw. Verschlechterungen des Asthmas können rechtzeitig erkannt werden.

  • Selbstmanagement: Von großer Bedeutung ist, dass Sie den Verlauf Ihrer Erkrankung oder der Erkrankung Ihres Kindes beobachten. Dadurch können Sie Faktoren erkennen, die Beschwerden auslösen oder verstärken. Sie können überlegen, inwieweit Sie diese Faktoren vermeiden können. Die Beobachtung der Erkrankung und Ihre Erfahrungen erleichtern Ihnen außerdem, in schwierigen Situationen überlegt und angemessen zu handeln. Bei Patientenschulungen werden Ihnen die Wirkungen und die Einnahme der Medikamente erklärt. Sie lernen, wie Sie die Medikamente an die Beschwerden anpassen können. Außerdem werden Ihnen Techniken und Hilfsmittel (z.B. das Führen eines Asthmatagebuches) gezeigt, die das Leben mit der Erkrankung erleichtern.

Verhalten im Notfall

Nur eine geringe Anzahl derjenigen, die an Asthma erkrankt sind, geraten in eine Situation, die zum Notfall wird. Dennoch sollten Sie wissen, was in diesem Fall zu tun ist!
Tritt ein Asthmaanfall bei Kindern unter zwölf Jahren auf, bei dem das Kind unter starker Atemnot leidet und gegebenenfalls nicht mehr richtig sprechen kann, ist sofort ein Notarzt zu rufen. Der Hinweis „akute Atemnot“ ist für das Notfall-Team hilfreich und sollte bei der Alarmierung des Notarztes gegeben werden. Je nach Schweregrad der Erkrankung sollten Sie ausreichend Medikamente zur Verfügung haben – sowohl zu Hause als auch im Urlaub.

Wie Sie im Notfall am Besten vorgehen:

Schritt 1 – Ruhe bewahren: Versuchen Sie möglichst gefasst mit der Situation umzugehen.

Schritt 2 – Lippenbremse: Eine zu angestrengte, pressende und zu kurze Ausatmung kann zu einer Überblähung der Lunge führen. Durch die Anstrengung fallen die instabilen kleinen Atemwege zusammen. Die Luft bleibt in der Lunge gefangen und kann nicht mehr entweichen. Dadurch verstärkt sich die Atemnot. Dagegen hilft die dosierte Lippenbremse. Dabei wird der Atemstrom in der Lunge abgebremst und gegen den Widerstand der Lippen ausgeatmet. Die Bronchien bleiben durch den erhöhten Innendruck länger geöffnet, so dass besser ausgeatmet werden kann. Die Ausatemluft strömt gleichmäßiger und vollständiger aus. Dazu werden die Lippen schmal so übereinander gelegt, dass die Luft beim Ausatmen – ohne zu pressen – nur durch einen schmalen Spalt entweichen kann. Die Oberlippe ist etwas vorgestülpt und die Unterlippe gering zurückgezogen. So kann die Luft mit einem lang gezogenen „fffffff...“ nach unten entweichen. Stellen Sie sich dabei vor, Sie wollten etwas Watte auf einem Tisch vorsichtig wegpusten.

Schritt 3 – atemerleichternde Körperhaltung: Ziel ist es, den Brustkorb vom Gewicht der Arme zu entlasten. Sind die Arme abgestützt, kann die Atemhilfsmuskulatur des Brustkorbs bei der Atmung unterstützend mitarbeiten. Außerdem wird im Bauchraum Platz für eine entspannte, tiefe Atmung geschaffen. Ein Beispiel für eine atemerleichternde Körperstellung ist der „Kutschersitz“: Setzen Sie sich auf die vordere Hälfte eines Stuhls. Die Beine sind leicht gespreizt, um dem Bauch nach unten Platz zum Atmen zu lassen. Die Unterarme werden auf den Oberschenkeln nahe der Knie abgestützt. Ist keine Sitzgelegenheit vorhanden, dient auch das Abstützen der Arme im Stehen auf einer festen Unterlage (z.B. Tischplatte, Treppengeländer) oder auf den eigenen, leicht gebeugten Oberschenkeln („Torwartstellung“) demselben Zweck.

Schritt 4 – Zwei bis vier Hübe des Bedarfsmedikamentes: je nach Schwere des Anfalls, wenn notwendig wiederholen.

Schritt 5 – Kortisontablette einnehmen, wie in Ihrem persönlichen Notfallplan empfohlen.

Schritt 6 – Notarzt rufen: Telefonnummer 144 (Rettung/Notarzt) oder 141 (Ärztefunkdienst): bitte angeben: Kind oder Erwachsener, akute Luftnot.

Schritt 7 – Darauf achten, dass Sie oder Ihr Kind im Sitzen transportiert werden.

Hinweis Sie können Ihre Ärztin oder Ihren Arzt um einen Notfallplan bitten, der für Sie oder für Ihr Kind persönlich erstellt wird. Weiters wird das Verhalten im Notfall auch im Rahmen von Patientenschulungen gelehrt.

Patientenschulung

Der Umgang mit Asthma – z.B. das richtige Verhalten beim Auftreten eines Anfalls – kann erlernt werden. Je umfassender die Informationen über die Krankheit sind, desto besser kann die Patientin/der Patient auch an der Behandlung und an der Vorbeugung von Komplikationen mitarbeiten. Bei der Patientenschulung werden Maßnahmen vermittelt, die eine aktive Teilnahme der Patientinnen/Patienten an der Bewältigung der chronischen Erkrankung ermöglichen. Die Stärkung der Selbsthilfekompetenz und des eigenverantwortlichen Managements der Asthmaerkrankung ist dabei ein zentraler Bestandteil.

Eine Patientenschulung bringt mehrfachen Nutzen: Die Patientin/der Patient gewinnt Einblick in die Erkrankung sowie in den Sinn und Zweck der verordneten Therapie. Außerdem verbessert die Schulung die Behandlungsqualität bei Asthma, steigert damit die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten und trägt zu einer Besserung der Langzeitprognose bei. Die Schulung erfolgt nach den Standards der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). Die Arbeitsgruppe für Patientenschulung hat dafür entsprechende Schulungsunterlagen erarbeitet.

Lerninhalte von Patientenschulungen

Patientenschulungen vermitteln Hintergrundwissen über Asthma, damit die Patientinnen und Patienten das Selbstmanagement der Krankheit erlernen. Wichtige Inhalte der Schulungen sind: Erlernen der realistischen Einschätzung des aktuellen Schweregrads der Erkrankung, Selbstbeobachtung und -kontrolle sowie das Beherrschen von Therapiemaßnahmen für den Notfall.

Ein weiterer zentraler Schulungsaspekt ist u.a. auch das richtige Atmen. Bei starken Asthmabeschwerden entstehen Angstgefühle. Dadurch kommt es zu einer Erhöhung der Atemfrequenz (Hecheln). Die Atemmuskeln werden verstärkt eingesetzt, der Atemwegswiderstand steigt, die Atemnot nimmt zu. Atemübungen und -gymnastik erleichtern das Leben mit Asthma und sind speziell bei einem Anfall wichtig. Ziel ist eine ruhige, tiefe Bauchatmung, um das Bronchialsystem zu stabilisieren. Atemgymnastik kräftigt zudem die Atemmuskulatur.

Wohin kann ich mich wenden?

Die Selbsthilfeorganisation Österreichische Lungenunion bietet in Wien gegen einen geringen Unkostenbeitrag Patientenschulungen an. Dieses Pilotprojekt soll in weiterer Folge auf ganz Österreich ausgedehnt werden.

Kostenpflichtige Atemschulungen werden u.a. auch von den folgenden Stellen angeboten:

  • Lungenfächärztinnen/Lungenfachärzte
  • Österreichische Lungenunion
  • Atemphysiotherapeutinnen und Atemphysiotherapeuten in Spitälern oder Ambulanzen
  • freiberuflichen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für Patientenschulungen werden von der Sozialversicherung derzeit nicht generell übernommen. Die Anschaffung eines Peak-Flow-Meters wird von den Krankenkassen finanziert. Unterstützende Hilfsmittel wie Asthmatagebuch oder Lungenfunktionspass werden von einigen Pharmafirmen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Beratung & Hilfe

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse