Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

Das Gesundheitswesen im Überblick

Die Sicherung der Gesundheit ist in Österreich eine öffentliche Aufgabe und das Gesundheitssystem ist öffentlich organisiert. Das bedeutet: Bund, Länder, Gemeinden, Sozialversicherung und gesetzliche Interessenvertretungen (z.B. Kammern, Patientenanwaltschaft etc.) sind für verschiedene Teilbereiche des Gesundheitswesens verantwortlich: z.B. Gesetzgebung, Verwaltung, Finanzierung, Leistungserbringung, Qualitätskontrolle, Ausbildung etc. Die Gesundheitsleistungen werden aber sowohl von öffentlichen als auch von privaten Einrichtungen erbracht.

Die Gesundheitsausgaben werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln – und zwar Sozialversicherungsbeiträgen und Steuergeldern – sowie aus privaten Beiträgen finanziert. Zu den privaten Mitteln zählen z.B. Rezeptgebühr, Taggeld bei Spitalsaufenthalten, Selbstbehalte oder private Krankenversicherungen. Die Sozialversicherung wird durch Beiträge der Versicherten finanziert, bei unselbstständig Erwerbstätigen zahlen auch die Dienstgeberinnen/Dienstgeber Beiträge.

Wer hat Zugang zum Gesundheitswesen?

Ein wesentliches Merkmal des österreichischen Gesundheitssystems ist der gleiche und einfache Zugang zu allen Gesundheitsleistungen für alle, unabhängig von Alter, Wohnort, Herkunft und sozialem Status, sowie unabhängig von der Art bzw. vom Umfang der Leistungen. Ermöglicht wird dies im Wesentlichen durch eine solidarische Finanzierung, die im Sozialrecht und im Sozialversicherungsrecht sowie in zusätzlichen Vereinbarungen (z.B. Vereinbarungen gemäß Art. 15a B-VG zwischen Bund und Ländern) geregelt ist (Solidaritätsprinzip).

Das Sozialversicherungssystem ist eine tragende Säule des Gesundheitswesens. Es umfasst die Zweige Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung und basiert auf dem Modell der Pflichtversicherung. Rund 98 Prozent der in Österreich lebenden Menschen sind dank der gesetzlich verankerten Pflichtversicherung durch eine Krankenversicherung geschützt. Zusätzlich zur sozialen Krankenversicherung ist rund ein Drittel der österreichischen Bevölkerung privat zusatzversichert.

Die Pflichtversicherung ist grundsätzlich an eine Erwerbstätigkeit gebunden, dabei können auch Familienangehörige oder Lebenspartnerinnen/Lebenspartner mitversichert sein. Zusätzlich gibt es Regelungen für Pensionistinnen/Pensionisten und Arbeitslose. Auch eine Selbstversicherung ist im österreichischen Sozialversicherungssystem unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Personen ohne Krankenversicherung müssen für die Kosten der Gesundheitsleistungen selbst aufkommen – ausgenommen sind Erste-Hilfe-Leistungen.

Leistungen der sozialen Kranken- und Unfallversicherung

Die Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung wird über die soziale Kranken- und Unfallversicherung abgedeckt. Ihre Leistungen umfassen z.B.: ärztliche Hilfe (ambulante Versorgung), Spitalspflege (stationäre Versorgung), medizinische Rehabilitation, Medikamente, medizinische Hauskrankenpflege und Leistungen von Hebammen, Psychotherapie und klinisch-psychologische Diagnostik, Behandlungen durch medizinisch-technische Dienste, Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen, Gesunden- und Vorsorgeuntersuchungen, Reise- und Transportkosten, Zuschüsse für Heilbehelfe und Hilfsmittel, Krankengeld, Wochengeld bei einer Geburt oder Unfallheilbehandlungen.

Einen genauen Überblick über die Leistungen der Krankenversicherung und der Unfallversicherung finden Sie auf der Website der Sozialversicherung.

Ambulante & stationäre Versorgung

Die ambulante medizinische Versorgung der Bevölkerung erfolgt auf drei Schienen: Der größte Anteil wird von niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen/ Allgemeinmedizinern, Fachärztinnen/Fachärzten und Zahnärztinnen/Zahnärzten in ihren Praxen übernommen. Etwa die Hälfte der niedergelassenen Ärztinnen/Ärzte verfügt über Verträge mit einer Krankenkasse oder mehreren Krankenkassen. Zum sogenannten „extramuralen Bereich“ der ambulanten Versorgung zählen weiters auch die Ambulatorien der Krankenkassen sowie andere (privat geführte) selbstständige Ambulatorien. Darüber hinaus stehen in den Krankenhäusern („intramuraler Bereich“) für die ambulante Versorgung auch Spitalsambulanzen zur Verfügung. Zur ambulanten Versorgung zählen nach dem Sozialversicherungsrecht die ärztliche Hilfe (und eine, dieser gleichgestellten Versorgung durch bestimmte andere Gesundheitsberufe) sowie Heilmittel und Heilbehelfe.

Weitere Informationen finden Sie unter Arztbesuch und im Handbuch der österreichischen Sozialversicherung.

Die stationäre medizinische Versorgung der österreichischen Bevölkerung wird von öffentlichen, privat-gemeinnützigen und rein privaten Spitälern bereitgestellt. Zu den Betreibern bzw. Trägern der Krankenhäuser zählen die Länder mit ihren Landesgesellschaften, Gemeinden bzw. Gemeindeverbände, Glaubensgemeinschaften (konfessionelle Träger), Sozialversicherungsträger oder private Träger. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Website Krankenanstalten in Zahlen sowie unter Krankenhausaufenthalt.

Gesundheitsförderung und Prävention

Ein Zugewinn an gesunden Lebensjahren der Bevölkerung kann nicht nur durch ein Mehr an Krankenversorgung, sondern vielmehr durch eine wirkungsvolle  Gesundheitsförderung und Prävention erzielt werden. In diesem Zusammenhang wurde Gesundheitsförderung als Pflichtaufgabe der sozialen Krankenversicherung verankert. Ziel ist es, die Entwicklung gesundheitsförderlicher Lebensräume zu fördern und gesunde Verhaltensweisen zu unterstützen.

Maßnahmen und Initiativen zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention sind in Österreich seit 1998 im Gesundheitsförderungsgesetz verankert. Der Fonds Gesundes Österreich (FGÖ) ist die bundesweite Kontaktstelle für Gesundheitsförderung und Prävention. Er fördert Projekte und führt Informationskampagnen in diesen Bereichen durch. Die Entwicklung von Projekten der Gesundheitsförderung ist auch eine Aufgabe der Länder.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Sozialversicherung und im Artikel Die Gesundheitsverwaltung der Bundesländer.

Organisation und Finanzierung des Gesundheitssystems

Die Zuständigkeiten für die Gestaltung des Gesundheitssystems sind im Wesentlichen zwischen Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung als selbstverwaltete Körperschaft aufgeteilt. Der Bund ist z.B. für die Gesetzgebung – im Spitalsbereich nur für die Grundsatzgesetzgebung –, für die Gesundheitsberufe, für das öffentliche Gesundheits- und Arzneimittelwesen, für die Verbrauchergesundheit (z.B. Lebensmittelsicherheit, Gentechnik) und für sonstige überregional wahrzunehmende Angelegenheiten des Gesundheitssystems zuständig. Ländersache sind z.B. die Ausführungsgesetzgebung oder die Sicherstellung der Spitalsversorgung. Weiters wird die Gesundheitsverwaltung weitgehend von den Ländern bzw. Gemeinden wahrgenommen. Die Sozialversicherung regelt u.a. die Versorgung mit niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten gemeinsam mit der Ärztekammer. Auch die Finanzierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung ist zwischen Sozialversicherung sowie Bund, Ländern und Gemeinden geregelt.

Die Verteilung der Zuständigkeiten im Gesundheitssystem erfordert, dass die Verantwortlichen wichtige Entscheidungen untereinander abstimmen. Dazu werden Vereinbarungen und Verträge geschlossen – z.B. die Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens. Dabei handelt es sich um einen befristeten innerstaatlichen Vertrag zwischen dem Bund und den neun Bundesländern, in dem wichtige Rahmenbedingungen festgelegt werden. Weitere Informationen finden Sie unter Gesundheitsreform – Zielsteuerung Gesundheit

Steuerorgane des Gesundheitssystems – Zielsteuerung Gesundheit

Als zentrales Organ für die Planung, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitswesens wurde im Zuge der Gesundheitsreform 2005 die Bundesgesundheitsagentur (BGA) eingerichtet. Die Organe der BGA sind die Bundes-Zielsteuerungskommission und der Ständige Koordinierungsausschuss.

In den Ländern sind Landesgesundheitsfonds  eingerichtet. Sie setzen die von der BGA erarbeiteten Grundsätze um. Die entsprechenden Organe des Landesgesundheitsfonds sind die Landesgesundheitsplattformen und die Landes-Zielsteuerungskommission.

Im Zuge der Gesundheitsreform (2013 erstmals abgeschlossen) wurde ein partnerschaftliches Zielsteuerungssystem, zu dem sich Bund, Länder und Sozialversicherung verpflichten, eingerichtet. Oberstes Ziel der Gesundheitsreform Zielsteuerung-Gesundheit ist eine bessere Abstimmung zwischen dem Krankenanstaltenbereich und dem niedergelassenen Versorgungsbereich. Als rechtliche Grundlage dienen dabei Verträge zwischen Bund und Ländern nach Art. 15a B-VG abgeschlossen. In diesen Vereinbarungen zur Zielsteuerung-Gesundheit werden u.a. gesundheitspolitische Grundsätze, Aufbau, Inhalte und Ablauf der Zielsteuerung-Gesundheit sowie die dafür notwendigen Entscheidungsstrukturen auf Bundes- und Landesebene – eine Bundes-Zielsteuerungskommission und neun Landes-Zielsteuerungskommissionen – verankert. Mitte 2013 einigten sich Bund, Länder und Sozialversicherung auf einen ersten Bundes-Zielsteuerungsvertrag für den Zeitraum bis Ende 2016. Der zweite Bundes-Zielsteuerungsvertrag beschreibt das grundsätzliche Arbeitsprogramm von 2017 bis 2021.

Weitere Informationen finden Sie unter Gesundheitsreform – Zielsteuerung Gesundheit.

Finanzierung der Spitäler

Rund die Hälfte der Spitäler in Österreich wird über die Landesgesundheitsfonds finanziert. Diese „Fondsspitäler“ – das sind die öffentlichen allgemeinen und  Sonderkrankenhäuser sowie die privat-gemeinnützigen allgemeinen Spitäler – leisten im Wesentlichen die stationäre Akutversorgung. Die Landesgesundheitsfonds werden aus Mitteln des Bundes, der Länder, Gemeinden und der Sozialversicherung gespeist. Darüber hinaus werden jene Leistungen für Sozialversicherte, für die eine Leistungspflicht der sozialen Krankenversicherung besteht, in privaten, nicht-gemeinnützigen Spitälern aus dem Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (PRIKRAF) finanziert. Der PRIKRAF seinerseits wird aus Sozialversicherungsmitteln gespeist. Bei den restlichen Krankenanstalten handelt es sich um Rehabilitationszentren oder um Einrichtungen für chronisch Kranke.

Das Kranken- und Kuranstaltengesetz des Bundes (KAKuG) regelt den Versorgungsauftrag für die Länder, die für die Errichtung und Erhaltung von Spitälern zuständig sind und eine ausreichende Spitalsversorgung sicherstellen müssen. Tatsächlich werden die laufenden Kosten für die Fondsspitäler von der Sozialversicherung sowie von Bund, Ländern und Gemeinden gemeinsam getragen, die Finanzierung erfolgt über die Landesgesundheitsfonds. In der Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG über die Organisation und Finanzierung des Gesundheitswesens werden die Beiträge der Bundesgesundheitsagentur und der Sozialversicherung an die Landesgesundheitsfonds geregelt, diese machen in etwa die Hälfte der Mittel der Spitalskosten aus. Der restliche Anteil wird von den Ländern über die sogenannte Abgangsdeckung beglichen und ebenfalls über die Landesgesundheitsfonds abgewickelt.

Weitere Informationen finden Sie unter Die Gesundheitsverwaltung der Bundesländer.

Leistungsorientierte Krankenanstaltenfinanzierung

Die Finanzierung der laufenden Kosten der Fondsspitäler erfolgt mit dem System der leistungsorientierten Krankenanstaltenfinanzierung (LKF). Die Landesgesundheitsfonds übernehmen die jährliche Mittelverteilung an die Spitäler, wobei bestimmte landesspezifische Gegebenheiten berücksichtigt werden können. Das LKF-System ermöglicht die Honorierung der Spitalsleistungen, die für eine Patientin/einen Patienten erbracht wurden, auf Basis von Fallpauschalen. Die Fallpauschalen setzen sich aus Leistungspunkten für bestimmte Diagnosen und Leistungen zusammen. Die Summe aller Fallpauschalen bildet die Basis für die Honorierung der Spitalsleistungen durch den Landesgesundheitsfonds. Auch die aus dem PRIKRAF finanzierten Spitalsleistungen werden nach dem LKF-System abgerechnet.

Finanzierung ambulanter medizinischer Leistungen

Die Behandlungsleistungen der niedergelassenen Ärztinnen/Ärzte werden von der jeweiligen Krankenkasse der Patientin/des Patienten bezahlt. Dabei rechnen die meisten Krankenkassen mit Pauschalen und Einzelleistungen ab. Grundlage dafür sind Verträge zwischen den Krankenkassen und der Ärztekammer (Gesamtverträge für ärztliche Berufsgruppen). In den Honorarordnungen sind die Beträge für die ärztlichen Leistungen festgehalten.

Nehmen Sozialversicherte Leistungen von niedergelassenen Ärztinnen/Ärzten ohne Kassenvertrag in Anspruch, wird auf Ansuchen der Patientin/des Patienten ein Teil des Behandlungsentgelts von der Sozialversicherung rückerstattet („Wahlarztsystem“). Die Finanzierung ambulanter Leistungen in Spitalsambulanzen ist auf Länderebene geregelt.

Weitere Informationen finden Sie in der Publikation Das österreichische Gesundheitswesen im internationalen Vergleich (Herausgeber: Gesundheit Österreich).

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen