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Erschöpfter Arbeiter © interstid
Erschöpfter Arbeiter © interstid

Beruf und Arbeitsbelastungen

Wir verbringen einen großen Teil unserer Lebenszeit im Berufsleben. Grund genug, dabei auf das Wohlbefinden und die Gesundheit zu achten. Rein praktisch gesehen sichert Arbeit den Lebensunterhalt und sorgt dafür, dass Geld aufs Konto kommt. Idealer Weise hat Beruf auch etwas mit Berufung zu tun und bietet die Möglichkeit, persönliche Interessen, Neigungen, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu entfalten.

Die berufliche Tätigkeit kann Gesundheit, Wohlbefinden und Selbstwertgefühl positiv beeinflussen und das Leben bis ins Alter bereichern. Voraussetzungen dafür sind zum Beispiel:

  • Die Tätigkeit wird als sinnvoll erlebt,
  • die Aufgaben sind bewältigbar,
  • die beruflichen Anforderungen und persönlichen Qualifikationen stimmen gut überein,
  • es besteht wenig Über- oder Unterforderung,
  • die Sicherheit des Arbeitsplatzes ist gegeben,
  • es gibt eine entsprechende Entlohnung und Karriereperspektiven,
  • ein wertschätzendes Klima der Zusammenarbeit wird gepflegt und
  • eine positive Einstellung zum Unternehmen ist gegeben.

Arbeit kann aber auch krank machen, besonders wenn die berufsbedingten Belastungen – körperlicher oder psychischer Art – zu viel werden und nicht mehr bewältigt werden können oder der notwendige Ausgleich fehlt. Dies beeinträchtigt in der Folge die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit im Beruf und kann sich auch auf das Privatleben negativ auswirken. Auf längere Sicht gesehen können krank machende Arbeitsbedingungen, hoher Arbeitsdruck oder lange Arbeitszeiten die Zahl der gesunden Lebensjahre verringern.

Auf der anderen Seite kann die Arbeit auch von frei von Stressoren sein, und Beschäftigte erleben aufgrund familiärer bzw. privater Anforderungen Stress (z.B. Mehrfachbelastung durch Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen). Zudem sind auch die persönlichen Leistungsvoraussetzungen mit dafür verantwortlich, ob und in welchem Ausmaß psychosoziale Anforderungen entstehen. Während die Verantwortung für private Umstände naturgemäß beim Einzelnen liegt, hat in der beruflichen Situation der/die Arbeitgeber/in die Pflicht, die Arbeit so zu gestalten, dass Anforderungen von den Beschäftigten bewältigt werden können und somit kein arbeitsbedingter Stress entsteht.

Berufliche Belastungsfaktoren

Anstrengungen gehören zum Berufsleben dazu. Es ist nicht immer sinnvoll - und auch nicht möglich - geistige oder körperliche Belastungen zu vermeiden, wenn Leistung gefordert ist. Wichtig ist allerdings, dass sowohl Über- als auch Unterbeanspruchungen über längere Zeiträume vermieden werden. Dies hilft einerseits, die eigene Gesundheit auch langfristig zu erhalten, andererseits führt dies auch zu einem effizienteren Arbeiten und damit zu mehr Produktivität. Folgende Arbeitsbelastungen sind häufig mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden.

Körperliche Belastungsfaktoren

Körperliche Belastungen können durch Umgebungseinflüsse oder aufgrund der Arbeit an sich entstehen.

Vibrationen, Lärm, Staub und Abgase sind die häufigsten körperlichen Belastungen aus der Arbeitsumwelt. In Österreich ist im Durchschnitt ein Achtel bis ein Fünftel der Beschäftigten davon betroffen, wobei einzelne Berufsgruppen, z.B. Handwerker oder in der Produktion Tätige, diesen Faktoren häufiger ausgesetzt sind. Weitere körperliche Belastungsfaktoren sind:

  • Hitze,
  • Kälte,
  • Strahlung oder
  • Chemikalien.

Auch die Art der Arbeitstätigkeit an sich kann sich auf das körperliche Wohlbefinden niederschlagen. So werden oft wiederholte (repetitive) Bewegungen, wie zum Beispiel das häufige Betätigen der Computermaus oder monotone Handbewegungen an Maschinen oder Fließbändern, als belastend empfunden. Auch schmerzhafte Haltungen bei der Arbeit oder das Tragen und Heben schwerer Lasten belasten auf Dauer den Körper. Eine erhöhte Herz-Kreislauf-Belastung sowie die Belastung von Muskeln und Gelenken und des Rückens sind die Folge.

Viele Belastungsfaktoren stehen in Zusammenhang mit der Arbeitsorganisation. So können zeitlicher Druck, hohes Arbeitstempo und kurzfristige Termine auf Dauer zu gesundheitlichen Problemen führen. Auch lange Arbeitszeiten sowie Nacht- oder Schichtarbeit gelten als gesundheitlich belastend.

Psychische Belastungsfaktoren

Belastungen, die aus einem hohen Arbeitsdruck entstehen, nehmen an Bedeutung zu. Dies gilt unabhängig von der Branche, der Stellung im Betrieb oder der Qualifikation eines Menschen. Etwa ein Drittel der unselbstständig beschäftigten Männer und ein Viertel der unselbstständig beschäftigten Frauen in Österreich sind Zeitdruck und/oder Überbeanspruchung in einem derart hohen Maß ausgesetzt, dass ihr psychisches Wohlbefinden beeinträchtigt wird. 

Auch Konflikte oder unklare Aufträge können zu Stressreaktionen wie Ärger, Angst oder Frustration führen. Unbewältigter Stress über längere Zeit kann Schlaflosigkeit oder Krankheit zur Folge haben.

Körperliche Belastungen spielen nur noch in ausgewählten Berufsgruppen eine zentrale Rolle. Heute stehen generell die psychischen Anforderungen und Überforderungen im Vordergrund.

Zu psychischen Belastungen führen können:

  • Zunehmender Zeit- und Termindruck
  • Arbeitsverdichtung und Multitasking
  • Wiederholung immer gleicher Arbeitsvorgänge in kurzen Zeitabständen
  • Informationsmangel oder -überflutung
  • Freundlichkeitsdruck
  • Umgang mit Leid und Krankheiten
  • knappe Personalbemessung
  • Verwischen der Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit
  • Angst vor Arbeitsplatzverlust
  • fehlende Handlungsspielräume und mangelnde Beteiligungsmöglichkeiten
  • isoliertes Arbeiten ohne Möglichkeit zu sozialen Kontakten
  • Lärm, Hitze, Kälte, Zwangshaltungen. 

Dementgegen wirken beispielsweise Entscheidungsbefugnis und Handlungsspielraum, Unterstützung, Lernen und persönliche Entwicklung, Vielfalt und Abwechslung, Anerkennung, Durchschaubarkeit von Aufgaben, Entfaltungsmöglichkeiten und Kreativität.

Wenn Arbeit krank macht

Bei gesetzlich anerkannten Berufskrankheiten ist ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Beruf und krank machenden Umwelteinflüssen, wie Stoffen, Strahlen oder übertragbaren Erkrankungen feststellbar ( Liste der Berufskrankheiten der AUVA). Beispiele sind: Erkrankungen durch Blei bzw. Fluorverbindungen oder durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit. Bei einer Berufskrankheit werden durch die soziale Unfallversicherung u.a. Entschädigungen erbracht.

Arbeitsbelastungen können auch zur Entstehung von sogenannten arbeitsbedingten Erkrankungen beitragen. Diese sind jedoch nicht eindeutig dem Arbeitsumfeld zuordenbar und sind meist nicht in der Berufskrankheitenliste enthalten. 

Die häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen sind:

  • Muskel-Skelett-Erkrankungen
  • Atemwegserkrankungen
  • Erkrankungen des Verdauungsapparates
  • psychische Erkrankungen
  • Herz-Kreislauferkrankungen
  • Magen-Darm-Erkrankungen.

Weitere Informationen:

Arbeitsbelastungen aufgrund von COVID-19

Durch und während der COVID-19-Pandemie hat sich die Arbeitssituation an fast allen Arbeitsplätzen durch gesetzliche Einschränkungen, Auftragseinbrüche, Infektionsrisiken usw. fundamental verändert. In dieser speziellen Situation ist das Risiko für psychische Arbeitsbelastungen besonders hoch. Eine besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich psychischer Belastungen ist bei der Wiedereröffnung von Betriebsstätten geboten, da die Beschäftigten in dieser Situation akut mit zahlreichen Veränderungen konfrontiert sind.

Zu den möglichen psychischen Arbeitsbelastungen zählen in diesem Zusammenhang:

  • Arbeitsverdichtung und lange Arbeitszeiten (wie z.B. generelle Mehrarbeit in bestimmten Branchen oder verkomplizierte Arbeitsabläufe durch Hygienemaßnahmen)
  • Kurzarbeit bzw. Unterbeschäftigung – die Diskrepanz zwischen gewünschter und tatsächlicher Arbeitszeit kann als belastend empfunden werden
  • Belastung durch die Verwendung digitaler Technologien in der Arbeit
  • Mögliche verstärkte Konflikte mit Kundinnen/Kunden oder Patientinnen/Patienten aufgrund der besonderen Pandemie-Situation
  • Fehlende Anerkennung und Belohnung
  • „Work-Family-Conflict“ – Wegfall von Betreuungsmöglichkeiten für Kinder
  • Arbeitsplatzunsicherheit aufgrund der Wirtschaftslage während der Pandemie als Auslöser von Ängsten
  • Die reale Infektionsgefahr an Arbeitsplätzen oder Stigmatisierung durch Kolleginnen/Kollegen bei Ansteckung kann Ängste auslösen 

Hinweis Unterbeschäftigung gehört zu den vielfach unterschätzen erwerbsbezogenen Belastungen. Die COVID-19-Pandemie führte zu einer flächendeckenden Realisierung der Kurzarbeit und damit zu einem sprunghaften Anstieg der Unterbeschäftigung.


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