Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Schälchen mit Superfoods © baibaz

Ernährungstrend: „Superfood“

Als Wundermittel gepriesen versprechen sie Gesundheit, Energie und Schönheit, manchmal sogar die Linderung gesundheitlicher Beschwerden. Sind „Superfoods“ tatsächlich besser? Zeitschriften, Fernsehmagazine und Blogs berichten vermehrt darüber. Denn viele von ihnen sind nicht nur besonders fotogen, sie erscheinen auch als große Hoffnungsträger. Die Rede ist nicht von Superstars, sondern von „Superfoods“. Eines der aktuellsten Ernährungsthemen . . .

„Superfoods“, manchmal sogar „Ultrafood“ genannt, gehen einher mit weiteren Trends wie dem gestiegenen Interesse an veganer Ernährung, „Rawfood“ oder Detox. Allen gemeinsam ist das Bedürfnis vieler, ihrem Körper Gutes zu tun.

Was „Superfood“ konkret ausweist, beschreibt keine offizielle oder fachliche Definition. Ebenso wenig gibt es eine Eingrenzung, welche Nahrungsmittel darunter fallen. Meist sind es spezielle exotische Früchte, Beeren, Samen oder Keimlinge, aber auch Algen oder Tees, die zum „Superfood“ erkoren werden. Ihr Vertrieb konzentriert sich auf Naturkost- und Reformläden, Nahrungsergänzungsmittel- und „Superfood“-Shops bzw. das Internet oder den Direktvertrieb. Mittlerweile findet man auch das eine oder andere Produkt im Supermarkt.

Benötigen wir „Superfoods“?

Es klingt durchaus verlockend: „Superfoods“ sollen besonders nähr- und vitalstoffreich sein sowie einen höheren gesundheitlichen Nutzen aufweisen als herkömmliche Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen. Besonders hervorgehoben wird, dass „Superfoods“ gegen oxidativen Stress und Entzündungen wirken, das Immunsystem stärken, den Körper entgiften oder gar „entschlacken“ sollen. Auch beim Abnehmen sollen sie helfen. Beliebte „Superfoods“ sind unter anderem Acai, Algen, Aloe Vera, Chia, Chlorella, Goji, Maqui, Moringa oder Noni. Das Angebot wächst stetig. Zumeist werden sie in getrockneter und/oder gemahlener Form konsumiert, z.B. als Beigabe zu Cerealien, Müslis, Joghurts sowie zum Knabbern oder Naschen. Manche kann man auch als Säfte, Drinks, Teeaufgüsse oder teils als Kapseln zu sich nehmen.

Insgesamt wird der Eindruck vermittelt, dass sie normale Nahrungsmittel übertreffen und etwas Besonderes sowie ein Muss für mehr Gesundheit sind. Wirft man allerdings einen kritischen Blick auf den neuen Ernährungstrend „Superfoods“, wird deutlich, dass auch sie die kleinen bis großen Lebensstilsünden nicht wieder gutmachen.

Vielseitigkeit als bestes Schutzschild

Zweifelsohne enthalten „Superfoods“ Inhaltsstoffe, die für die Gesundheit förderlich sein können. Keiner dieser Stoffe ist jedoch ausschließlich einem Superfood vorbehalten, sondern findet sich ebenso in heimischen Nahrungsmitteln. Zudem kann kein Lebensmittel allein als gesund gelten, das schafft nur eine ausgewogene Ernährung mit ihrer Vielfalt an Nährstoffen und deren positiven Wechselwirkungen untereinander. Ein „extra gesundes“ Nahrungsmittel im Übermaß konsumiert, liefert keinen gesundheitlichen Mehrnutzen. Zudem sollte man sich nicht auf einen bestimmten Inhaltsstoff fokussieren. Dies kann mitunter den gegenteiligen Effekt haben: Wussten Sie etwa, dass Algen aufgrund ihres teils hohen Jodgehalts zu Störungen der Schilddrüsenfunktion führen können, dass Granatapfel im Übermaß den Abbau von Medikamenten in der Leber hemmen kann?

Hinweis Es wird davon abgeraten, bestimmte Stoffe in konzentrierter, isolierter Form aufzunehmen, da unerwünschte (Wechsel-)Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Am besten funktioniert das „Schutzschild Nahrung“, indem man möglichst vielseitig und abwechslungsreich isst. Eine ausgewogene Mischkost liefert dem Körper ebenso hochwertige Eiweiße und essenzielle Fettsäuren, schützt den Körper durch Antioxidantien gegen freie Radikale und versorgt mit allen wichtigen Nährstoffen in ausreichendem Maß. Sie liefert alles, wofür „Superfoods“ sich rühmen.


Eine anschauliche Orientierung für eine ausgewogene Ernährung bietet die Österreichische Ernährungspyramide.

„Best of“ heimischer „Superfoods“

Wer seine Ernährung ausgewogen zusammenstellt, kann getrost auf „Superfoods“ wie Moringa, Acaibeere & Co. verzichten. Die heimische Palette an Nahrungsmitteln ist reich an „Superfoods“. Wir kennen sie eher unter gewöhnlichen Bezeichnungen wie Karotte, Heidelbeere oder Rote Rübe.

Eine Auswahl heimischer „Superfoods“:

  • sämtliche Obst- und Gemüsesorten (nach den Ampelfarben rot, gelb und grün),
  • Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Soja etc.),
  • Kräuter,
  • Vollkorngetreide (Weizen, Roggen, Hafer etc.),
  • Nüsse und Samen (Wal- und Haselnüsse etc., Leinsamen, Sesam, Kürbis-, Sonnenblumenkerne etc.),
  • pflanzliche Öle (Sonnenblumen-, Raps-, Maiskeim-, Lein-, Walnussöl etc.)

Welche gesundheitsfördernden Stoffe heimisches Obst und Gemüse zu bieten hat, erfahren Sie im Saisonkalender für Obst und Gemüse. Dort finden Sie auch eine umfangreiche Kochrezeptdatenbank zum Ausprobieren. In der Kräuterdatenbank erfahren Sie in den Steckbriefen interessante Infos zu Basilikum, Kresse und vielen weiteren Kräutern.

Wahre Talente sind sekundäre Pflanzenstoffe: Diese unterschiedlichsten Substanzen mit teils komplizierten Namen wie z.B. Polyphenole, Flavonoide, Anthocyane, Phytoöstrogene u.v.m. kommen ausschließlich in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie z.B. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Getreide, Nüssen und Pflanzensamen vor. Wie sie auf die Gesundheit wirken und wo sie vorkommen, erfahren Sie unter Sekundäre Pflanzenstoffe: Vorkommen & Wirkung.

Kein Mehrwert zu erwarten

Eines haben alle „Superfoods“ gemeinsam: Ein einziges Nahrungsmittel kann nicht alleine als gesund eingestuft werden. „Superfoods“ können lediglich als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung einen Beitrag leisten, diese allerdings nicht ersetzen. In ökologischer Hinsicht und bezüglich Frische ist zu hinterfragen, ob Lebensmittel aus fernen Ländern heimischer regionaler und saisonaler Ware vorzuziehen sind. Da sie häufig in der Vermarktung mit mystischen und vielversprechenden Geschichten auf sich aufmerksam machen, wirken sie besonders anziehend. Regionale Nahrungsmittel werden dadurch beinahe in den Schatten gestellt.

Sind „Superfoods“ allerdings Anlass, sich über die eigene Ernährungsweise Gedanken zu machen, und gegebenenfalls der nötige Motivationskick, auf eine ausgewogene Ernährung umzustellen, haben sie durchaus einen guten Job geleistet.

Weitere Informationen erhalten Sie unter:

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse