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Gynäkologen-Praxis © Andrey Chmelyov

Schwangerschaftsabbruch

Eine Schwangerschaft ist ein bewegendes Ereignis im Leben einer Frau. Doch Frauen werden auch ungewollt schwanger und müssen sich entscheiden, ob sie die Schwangerschaft austragen oder beenden. Unterschiedliche Gründe können dazu führen, dass Frauen sich nicht in der Lage sehen, ein Kind zu bekommen.  

Vor dem dritten Schwangerschaftsmonat

Seit 1975 ist der Schwangerschaftsabbruch in Österreich mit der sogenannten Fristenlösung gesetzlich geregelt. Seither kann eine Schwangerschaft innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate legal abgebrochen werden, wenn sie von einer Ärztin/einem Arzt nach einem Aufklärungsgespräch durchgeführt wird.

Nach dem dritten Schwangerschaftsmonat

Spätabbrüche können legal nur wenn eine Indikation vorliegt, durchgeführt werden. Zum Beispiel wenn:

  • eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Frau besteht,
  • eine schwere geistige oder körperliche Behinderung des Kindes zu erwarten ist,
  • die Frau zum Zeitpunkt, als sie schwanger wurde, das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte.

Hinweis Pränataldiagnostische Zentren bieten zur Abklärung von Indikationen, die einen späten Schwangerschaftsabbruch erforderlich machen können, umfassende Beratung sowie medizinische und psychologische Betreuung.


Schwangerschaftsabbruch unter 18

Minderjährige Jugendliche gelten als einsichts- und urteilsfähig und können die Einwilligung für einen Schwangerschaftsabbruch selbst – ohne Zustimmung der Erziehungsberechtigten – erteilen. Mangelt es an der notwendigen Einsichts- und Urteilsfähigkeit, so ist eine Zustimmung eines Erziehungsberechtigten erforderlich. Bei Schwangerschaftsabbrüchen in Spitälern kann, laut den jeweiligen Krankenanstaltengesetzen der Länder, für junge Frauen unter 18 Jahren die Zustimmung eines Erziehungsberechtigten erforderlich sein. Minderjährig sind Jugendliche zwischen dem vollendeten 14. und dem noch nicht vollendeten 18. Lebensjahr.

Weitere Informationen finden Sie unter Schwangerschaftsabbruch – gesetzliche Regelungen.

Methoden des Schwangerschaftsabbruchs

Ein Schwangerschaftsabbruch darf nur von Ärztinnen und Ärzten vorgenommen werden.
Hat sich die Frau für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden, stellt sich die Frage, wie dieser durchzuführen ist. Es gibt drei unterschiedliche Methoden:

  • Chirurgischer Abbruch
  • Medikamentöser Abbruch
  • Curettage

Keine Methode ist grundsätzlich besser oder für alle Frauen geeignet. Das ist deshalb wichtig zu betonen, da der medikamentöse Abbruch in den Medien oft als die einfachste und beste Methode dargestellt wird. Es ist deshalb auch Aufgabe der Beratung, über alle Methoden ausführlich zu informieren und auf die jeweiligen Vor- und Nachteile hinzuweisen.

Chirurgischer Abbruch

Ein chirurgischer Abbruch ist ab der fünften bis zur 14. Schwangerschaftswoche möglich. Die Frau hat die Wahl zwischen einer örtlicher Betäubung oder einer Vollnarkose.

  • Chirurgischer Abbruch unter örtlicher Betäubung: Die Ärztin/der Arzt betäubt den Muttermund örtlich. Danach wird die Gebärmutter (Schwangerschaftsgewebe und Gebärmutterschleimhaut) mit einem dünnen Plastikrohr abgesaugt (Saugcurette). Sobald die Gebärmutter entleert ist, zieht sie sich zusammen. Dadurch können vorübergehende periodenähnliche Krämpfe auftreten. Mittels Ultraschall kontrolliert die Ärztin/der Arzt, ob die Gebärmutterhöhle tatsächlich leer ist, um sicherzugehen, dass keine Gewebereste zurückgeblieben sind.
    Der Eingriff dauert nur wenige Minuten (ca. drei bis fünf Minuten), und die Frau kann nach etwa einer Stunde nach Hause gehen. Eine Nachkontrolle ist meist nicht notwendig, wenn eine Ultraschallkontrolle unmittelbar nach der Absaugung durchgeführt wurde.
  • Chirurgischer Abbruch unter Kurznarkose: Die Anästhesistin/der Anästhesist verabreicht eine Kurznarkose, die ca. fünf bis zehn Minuten wirkt. Der Ablauf ist identisch mit dem des chirurgischen Abbruchs unter örtlicher Betäubung.

Medikamentöser Abbruch

Seit 1999 ist die Abtreibungspille Mifegyne® in Österreich zugelassen.

Wie wirkt die Abtreibungspille?

Die Abtreibungspille enthält Mifepriston, ein künstliches Hormon, das dem natürlichen Hormon Progesteron sehr ähnlich ist. Progesteron ist entscheidend an der Erhaltung der Schwangerschaft beteiligt. Mifepriston blockiert die Wirkung von Progesteron. Dies führt zu einem Prozess wie bei einer spontanen frühen Fehlgeburt. Der Muttermund öffnet sich, die Gebärmutter zieht sich zusammen, und mit einer Blutung geht die Frucht ab.

Abbruch mit der Abtreibungspille

Das Medikament wirkt sehr zuverlässig, insbesondere in der Frühschwangerschaft. Generell zugelassen ist der medikamentöse Abbruch bis zur neunten Schwangerschaftswoche (gerechnet ab der letzten Regelblutung).

Der Unterschied zu einem chirurgischen Abbruch liegt darin, dass die medikamentöse Behandlung ein Prozess ist, der mehrere Tage dauert. Am ersten Tag nehmen Sie unter ärztlicher Aufsicht drei Tabletten ein. Zwei Tage nach der Einnahme nehmen Sie ein weiteres Medikament, ein sogenanntes Prostaglandin, ein. Dieses Hormon unterstützt die Ausstoßung der Frucht. Dadurch kommt es zu einer stärkeren Blutung. Die Dauer der Blutung kann verschieden sein: von ein bis zwei Tagen bis hin zu Schmierblutungen von zwei bis drei Wochen. Bei der medizinischen Nachuntersuchung (z.B. ein bis zwei Wochen später) klärt die behandelnde Ärztin/der behandelnde Arzt, ob die Schwangerschaft tatsächlich beendet wurde. Aber auch ein Spätabbruch aus medizinischen Gründen wird medikamentös durchgeführt. Dabei ist die Verwendung der Abtreibungspille inzwischen sogar die Standardmethode.

Die Abtreibungspille darf nicht eingenommen werden unter anderem bei:

  • Blutgerinnungsstörungen
  • Erkrankungen der Nebennieren
  • Schwerem Asthma bronchiale
  • Schweren Leber- und/oder Nierenerkrankungen

Die Abtreibungspille ist nicht zu verwechseln mit der „Pille danach“, die einen Eisprung und damit die Befruchtung verhindert. Die „Pille danach“ kann eine Schwangerschaft nur dann verhindern, wenn sie möglichst rasch, spätestens jedoch innerhalb von 72 Stunden (drei Tage) nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird.

Hinweis Die Pille danach ist in Österreich rezeptfrei in Apotheken erhältlich.


Nähere Infos zur "Pille danach" erhalten Sie auf der Website der AGES.

Curettage

Unter einer Curettage versteht man in der Medizin eine Ausschabung der Gebärmutter. Dabei löst beziehungsweise entfernt die Ärztin oder der Arzt unter Vollnarkose mit einem löffelförmigen Instrument (Curette) das Schwangerschaftsgewebe aus der Gebärmutter.

Spätabbruch der Schwangerschaft

Ein Schwangerschaftsabbruch nach dem dritten Schwangerschaftsmonat kann nicht mehr durch Absaugung durchgeführt werden. Vielmehr bekommt die Frau zunächst ein Medikament (Mifepriston), welches den Muttermund öffnet. Danach wird ein anderes Medikament gegeben (Misoprostol), welches die Gebärmutter dazu anregt, sich zusammenzuziehen und die Schwangerschaft auszustoßen. Wenn die Schwangerschaft bereits sehr weit fortgeschritten ist, besteht auch die Möglichkeit, dem Fötus zuvor eine herzlähmende Injektion zu verabreichen, um sicherzugehen, dass das Kind zum Zeitpunkt der Geburt tot ist (Fetozid).

In der Praxis werden Spätabbrüche nach der 24. Schwangerschaftswoche nur noch dann durchgeführt, wenn eine schwere Entwicklungsstörung oder eine Erkrankung des Feten nachgewiesen wird, die nicht mit dem Leben vereinbar ist.

Was ist nach dem Abbruch zu beachten?

Die bestehende Schwangerschaft bestätigt die Fruchtbarkeit der Frau bzw. des Paares. Ein komplikationsloser Abbruch hat keine negativen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Etwa zwei Wochen nach dem Abbruch hat die Frau den nächsten Eisprung und kann sofort wieder schwanger werden. Deshalb ist es wichtig, sofort mit einer wirksamen Verhütung zu beginnen.

Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein sicherer chirurgischer Eingriff, und es gibt nur selten Komplikationen, wenn er korrekt durchgeführt wurde. Um einer möglichen Infektion vorzubeugen, sollte die Frau zwei Tage nach einem Abbruch nichts in die Scheide einführen (Tampon) und nicht baden. Es gibt keinen Hinweis, dass nach Ablauf dieser zwei Tage ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

Hinweis Ein Schwangerschaftstest kann noch bis zu vier Wochen nach einem Abbruch positiv bleiben.

Welche Komplikationen können auftreten?

Ein Schwangerschaftsabbruch sollte nur von entsprechend ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden. Das Risiko körperlicher Komplikationen nach einem sachgerecht durchgeführten Schwangerschaftsabbruch ist sehr gering.

Früher, als Schwangerschaftsabbrüche verboten waren, wurden diese von unqualifizierten Leuten mit ungeeigneten Instrumenten unter unhygienischen Bedingungen und spät in der Schwangerschaft durchgeführt. Deshalb kam es früher sehr häufig zu Komplikationen oder sogar Todesfällen. Diese Dinge gehören jedoch der Vergangenheit an, seitdem der Abbruch legal ist. Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Risiken des Eingriffs mit fortschreitender Schwangerschaft ansteigen.

Mögliche Probleme nach einen Schwangerschaftsabbruch

Es können einige Tage periodenähnliche Krämpfe (Nachwehen) auftreten. Die Blutungen nach einem chirurgischen Abbruch sind unterschiedlich und nicht vorhersehbar, meist jedoch schwächer als bei der Regelblutung. Nach einem medikamentösen Abbruch ist die Blutung etwas verlängert.

Nur sehr selten kommt es zu starkem Blutverlust und/oder Fieber. In diesem Fall wenden Sie sich an die Ärztin oder den Arzt, die/der den Eingriff durchgeführt hat. In sehr seltenen Fällen ist eine Nachcurettage notwendig.

Wohin kann ich mich wenden?

Schwangerschaftsabbrüche werden von folgenden Ärztinnen und Ärzten bzw. Einrichtungen durchgeführt:

  • von niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
  • von niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten für Allgemeinmedizin,
  • in Ambulatorien für Schwangerschaftsabbrüche,
  • in gynäkologischen Abteilungen von Krankenhäusern.

Eine Liste der Einrichtungen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, finden Sie auf der Homepage der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung.

Bevor Frauen die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch treffen, können sie sich in folgenden Institutionen beraten lassen: 

  • Familienberatungsstellen
  • Frauenberatungsstellen
  • Frauengesundheitszentren

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch werden in Österreich grundsätzlich nicht von der Sozialversicherung übernommen und sind daher privat zu zahlen. Die Kosten für diesen Eingriff werden nur dann von der Sozialversicherung übernommen, wenn medizinische Gründe den Schwangerschaftsabbruch erforderlich machen.

Was tun, wenn die Frist für einen Abbruch abgelaufen ist?

Für den Fall, dass eine Frau sich nicht in der Lage sieht, ein Kind aufzuziehen, die Schwangerschaft aber nicht abbrechen lassen möchte bzw. die Frist für einen Schwangerschaftsabbruch bereits abgelaufen ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre „Ungewollt schwanger“ (Stand Juli 2013), vom Netzwerk österreichischer Frauengesundheitszentren und dem Frauengesundheitszentrum Graz.
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