Gesundheitsportal
Inhaltsbereich

West-Nil-Virus-Antikörper-Neutralisationstest (WNVAKNT)

Die Bestimmung von Antikörpern gegen das West-Nil-Virus (WNV) mittels Neutralisationstest ist einerseits ein Laborverfahren zur Diagnose einer WNV-Infektion. Auf der anderen Seite wird dieses Verfahren zur Bestätigung konventioneller serologischer Antikörperbestimmungsmethoden eingesetzt. Das WNV ist der Krankheitserreger des sogenannten West-Nil-Fiebers und wird durch bestimmte Stechmücken (Aedes- und Culex-Mücken) übertragen. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des West-Nil-Fiebers erstreckte sich v.a. auf afrikanische Länder sowie den Nahen Osten. Seit einigen Jahren gelten auch südeuropäische Länder als Risikogebiete für WNV-Infektionen. Auch in Österreich wurden im Inland erworbene WNV-Fälle dokumentiert.

Warum werden WNV-Antikörper mittels Neutralisationstest bestimmt?

Die Bestimmung von Antikörpern gegen das West-Nil-Virus (WNV) mittels Neutralisationstest ist einerseits ein Laborverfahren zur Diagnose einer WNV-Infektion. Auf der anderen Seite wird dieses Verfahren zur Bestätigung konventioneller serologischer Antikörperbestimmungsmethoden eingesetzt. Das WNV ist der Krankheitserreger des

  • West-Nil-Fiebers – einer viralen Infektionserkrankung, welche durch bestimmte Stechmücken (Aedes- und Culex-Mücken) übertragen wird.

Das West-Nil-Virus gehört zur Gattung der Flaviviren aus der Familie der ARBO-Viren, wobei zu dieser Virusgattung u.a. auch Gelbfieber-, Dengue- und FSME-Virus gehören. Das FSME-Virus ist der Krankheitserreger der hierzulande durch Zeckenstich übertragbaren „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ (FSME). Aufgrund der Ähnlichkeit dieser Viren kann es zu Kreuzimmunitäten nach entsprechenden Infektionen bzw. Impfungen kommen.

Zur diagnostischen Abklärung eines Verdachtes auf eine WNV-Infektion können die folgenden medizinischen Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Nachweis von Antikörpern gegen WNV vom Typ IgG und IgM im Blut und/oder Liquor (das ist die sogenannte Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit):
    • Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass nach Impfungen gegen Gelbfieber und/oder FSME bzw. nach anderen Flavivirus-Infektionen auch gegen WNV aktive Antikörper im Körper auftreten können, was die Zuverlässigkeit der entsprechenden serologischen WNV-Laboruntersuchungen einschränkt. Aus diesem Grund sollten die Antikörperergebnisse stets durch bestimmte Labor-Spezialverfahren bestätigt werden:
      • z.B. Plaque-Reduction-Neutralisationstest (PRNT).
  • Mittels einer WNV-RNA-PCR kann virale WNV-RNA im Blut und/oder Liquor nachgewiesen werden, was eines der wichtigsten Laborverfahren zur Bestätigung einer WNV-Infektion darstellt.

Beim WNV-Antikörper-Nachweis werden Antikörper gegen virale WNV-Eiweißstoffe (WNV-Antigene) vom Typ IgG und/oder IgM im Blut (sogenannte „Serologie“ bzw. „serologische Diagnostik“) bzw. Liquor bestimmt.

Generell handelt es sich bei Antikörpern um spezielle, vom Körper gebildete Eiweißstoffe. Die Hauptaufgabe der Antikörper ist der Schutz des Körpers vor allem, was dem Körper fremd ist. Die Antikörperbestimmung ist aber ein indirektes Nachweisverfahren, da nicht der Erkrankungserreger selbst, sondern vielmehr die immunologische Reaktion des Körpers auf den Krankheitserreger (sprich WNV) nachgewiesen wird.

Zur Bestimmung der Antikörper im Blut existieren unterschiedliche Laborverfahren. Die am häufigsten eingesetzten Methoden zur Detektion von WNV-Antikörpern sind:

  • ELISA-Verfahren („Enzyme-linked Immunosorbent Assay“):
    • Diese Ergebnisse werden entweder qualitativ („positives“ bzw. „negatives“ Resultat) oder in einer quantitativen Laboreinheit (z.B. „Units pro Liter“ [U/l]) am Laborbefund ausgewiesen, wobei der Referenzwert von der eingesetzten Labormethode abhängig ist.
  • HHT-Verfahren („Hämagglutinationshemmtest“):
    • Diese Ergebnisse werden meist in semiquantitativen Titerstufen angegeben.
      • Unter Titerstufen versteht man eine Verdünnungsreihe des Blutes. Dazu wird die Blutflüssigkeit (Serum) nach einem fixen Schema verdünnt (1:80, 1:160, 1:320, 1:640 etc.), und anschließend erfolgt die Messung der Antikörper gegen WNV. Jene letzte Verdünnungsstufe, bei der ein positiver Nachweis noch möglich ist, entspricht dann der Konzentration der Antikörper gegen WNV im Blut.
    • Ein Nachteil der HHT-Methode ist, dass mit diesem Verfahren aber nur die Gesamtheit der WNV-Antikörper bestimmt wird und keine Unterscheidung zwischen IgG- sowie IgM-Antikörpern möglich ist.
  • IFT-Verfahren („Indirekter-Immunfluoreszenz-Test“):
    • Diese Antikörperergebnisse werden zumeist qualitativ durchgeführt (negatives oder positives Ergebnis).
  • NT-Verfahren („Neutralisationstest“):
    • Diese Verfahren kommen zur Bestätigung serologischer Antikörperbestimmungen zum Einsatz.
    • Im Zusammenhang mit der labordiagnostischen Abklärung einer WNV-Infektion wird vor allem der folgende Test eingesetzt:
      • WNV-Plaque-Reduction-Neutralisationstest (PRNT).

Wie ist das Ergebnis der WNV-Antikörperbestimmung zu interpretieren?

Für die Interpretation der Untersuchungsergebnisse der WNV-Serologie sollten die folgenden Labortestergebnisse gemeinsam beurteilt werden:

  • Der Nachweis von WNV-Antikörpern vom Typ IgM stellt einen Hinweis auf eine akute Infektion dar. Da diese Antikörper aber erst mehrere Tage (ca. eine Woche) nach Infektion im Blut nachweisbar sind, hängt die Zuverlässigkeit dieser Laboruntersuchung insbesondere vom Zeitpunkt der Blutabnahme ab. Aus diesem Grund ist die genaue Erhebung der Krankengeschichte (sogenannte „Anamnese“ –Tropenreise, Mückenstich, Erkrankungsverlauf etc.) besonders wichtig. WNV-spezifische IgM-Antikörper können in Serum und Liquor betroffener Patientinnen und Patienten bis zu ein Jahr nach der Infektion nachweisbar bleiben.
  • Der positive Nachweis von WNV-Antikörpern vom Typ IgG kann ebenfalls einen Hinweis auf eine WNV-Infektion darstellen. Diese Antikörper werden aber erst in späteren Phasen einer akuten WNV-Infektion gebildet, weshalb der Verlauf der IgG-Antikörper im Blut innerhalb von zwei Wochen beobachtet werden muss. Dabei spricht ein Anstieg der Werte um das Zwei- bis Vierfache für eine akute Infektion.

Aufgrund von Kreuzreaktionen der WNV-Antikörper (Typ IgG und IgM) mit anderen Viren aus der Gruppe der Flaviviren (in Österreich z.B. das FSME-Virus) ist bei mit konventionellen serologischen Verfahren gemessenen Antikörperergebnissen in bis zu drei Viertel aller Fälle mit falsch positiven Resultaten zu rechnen. Aus diesem Grund müssen die Antikörperergebnisse mittels eines weiteren Verfahrens bestätigt werden:

  • Der WNV-Plaque-Reduction-Neutralisationstest (PRNT) ist in diesem Zusammenhang das dzt. geläufigste Bestätigungsverfahren.

Neben den serologischen indirekten Nachweisverfahren für WNV existieren in der medizinischen Labordiagnostik aber auch sogenannte direkte Nachweisverfahren. Die wichtigste Methode in diesem Zusammenhang ist die

  • WNV-DNA-PCR – hierbei handelt es sich um ein molekulares Diagnoseverfahren (sogenannte Polymerase-Kettenreaktion – PCR) zum Nachweis von WNV-Erbgut in Blut und /oder Liquor.

Generell ist bei der Interpretation der Laborwerte im Hinblick auf eine WNV-Infektion aber zu berücksichtigen, dass aufgrund negativer Ergebnisse eine entsprechende Erkrankung nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Aus diesem Grund müssen immer auch die folgenden grundsätzlichen Untersuchungen berücksichtigt werden:

  • Anamnese (exakte Erhebung der Krankengeschichte – Tropenreise, Krankheitsverlauf und andere erkrankungstypische Symptome),
  • Expositionsstatus (z.B. Mückenstiche bei der Gartenarbeit),
  • Lebensalter und Immunstatus der Patientinnen bzw. Patienten.

West-Nil-Fieber

Beim West-Nil-Fieber handelt es sich um eine virale Infektionserkrankung mit dem West-Nil-Virus (WNV), die durch bestimmte Stechmücken übertragen wird. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des West-Nil-Fiebers erstreckte sich v.a. auf afrikanische Länder sowie den Nahen Osten, wobei die Erkrankung in diesen Regionen von Mücken der Gattung Culex sowie Aedes (sogenannte „Moskitos“) übertragen wird.

Seit einigen Jahren gilt aber auch Österreich als ein Risikogebiet für WNV-Infektionen, wobei das WNV sowohl durch die gemeine Stechmücke (Culex pipiens) als auch durch die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) sowie die asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) übertragen werden kann. Darüber hinaus wird auch in Griechenland seit dem Jahr 2010 über epidemiehafte Ausbrüche von WNV-Infektionen berichtet.

Das West-Nil-Virus (WNV) gehört zur Gattung der Flaviviren aus der Familie der ARBO-Viren, wobei zu dieser Virusgattung u.a. auch Gelbfieber-, Dengue- und FSME-Virus gehören. Das FSME-Virus ist der Erreger der hierzulande durch Zeckenstich übertragbaren „Frühsommer-Meningoenzephalitis“ (FSME).

Die Inkubationszeit einer WNV-Infektion beträgt nach Stich einer infizierten Mücke zwischen zwei und 14 Tagen, wobei aber in ca. 80 Prozent der Fälle die Infektion symptomlos bzw. grippeähnlich verläuft. Bei symptomatischen WNV-Infektionen ist der folgende Verlauf der Erkrankung typisch:

  • Die Erkrankung beginnt in diesen symptomatischen Fällen zumeist mit plötzlich einsetzendem Fieber und ist von Muskel-, Gelenks- sowie Gliederschmerzen begleitet. Weiters können Kopfschmerzen, Hautausschläge und Lymphknotenschwellungen auftreten. Zumeist klingt das Fieber nach einigen Tagen wieder ab, was in der Mehrzahl der Fälle auch das Ende der Erkrankung bedeutet.
  • Ein zweites Erkrankungsstadium ist im Fall des West-Nil-Fiebers eher die Ausnahme als die Regel und bedeutet einen komplizierten Verlauf dieser Infektionserkrankung. In diesen Fällen kann es zu einer Mitbeteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS) kommen, wobei eine Entzündung der Gehirnhäute (Meningitis) und des Gehirns (Enzephalitis) auftreten kann. In weiterer Folge kann es zu Lähmungen der Skelettmuskulatur sowie auch zur Lähmung der Atemmuskulatur kommen, weshalb die betroffenen Patientinnen/Patienten in diesen Fällen einer intensivmedizinischen Betreuung bedürfen.

Im Hinblick auf die Diagnostik einer WNV-Infektion sind die folgenden Schritte erforderlich:

  • Genaue Erhebung der Krankengeschichte:
    • v.a. „Reise-Anamnese“ in tropische Länder;
    • aber auch Exposition gegenüber heimischen Mücken (Gartenarbeit etc.);
  • Beurteilung des Erkrankungsverlauf in ein oder zwei Phasen;
  • Durchführung bestimmter Untersuchungen in virologischen Speziallabors:
    • Nachweis von Antikörpern gegen WNV vom Typ IgG und IgM im Blut und/oder Liquor (sogenannte Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit);
      • Der Nachweis von entsprechenden IgM-Antikörper stellt dabei einen Hinweis auf eine akute Infektion dar, wobei aber WNV-spezifische IgM-Antikörper im Serum und Liquor bis zu ein Jahr nach Infektion nachweisbar bleiben können;
      • Zu beachten ist in diesem Zusammenhang weiters, dass nach Impfungen gegen Gelbfieber und/oder FSME auch gegen WNV aktive Antikörper im Körper auftreten können, was die Zuverlässigkeit der entsprechenden WNV-Laboruntersuchungen einschränkt. Aus diesem Grund sollten die Antikörperergebnisse stets durch bestimmte Labor-Spezialverfahren bestätigt werden:
        • z.B. WNV-Plaque-Reduction-Neutralisationstest (PRNT);
    • Mittels einer WNV-RNA-PCR kann virale WNV-RNA in Blut und/oder Liquor nachgewiesen werden, was eines der wichtigsten Laborverfahren zur Bestätigung einer WNV-Infektion darstellt.

Die Behandlung einer WNV-Infektion richtet sich nach der Schwere des Erkrankungsverlaufes. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung innerhalb von sieben Tagen wieder aus, und es genügt eine symptomatische Behandlung mit Gabe von fieber-senkenden Medikamenten sowie der Verabreichung ausreichender Flüssigkeitsmengen. Bei schweren Verlaufsformen mit ZNS-Beteiligung kann eine stationäre Behandlung mit ggf. intensivmedizinischen Maßnahmen (künstliche Beatmung bei Auftreten einer Atemlähmung) erforderlich sein.

Die Prognose einer WNV-Infektion ist v.a. bei Erwachsenen in den meisten Fällen gut. Schwere Verlaufsformen dieser Erkrankung treten bei Kindern bzw. Personen ab dem 50. Lebensjahr häufiger auf, wobei Patientinnen/Patienten mit einer Schwächung des Immunsystems (aufgrund von HIV-Infektion, Tumorerkrankung etc.) für schwere WNF-Verlaufsformen generell anfälliger sind.

Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer WNV-Infektion ist die sogenannte „Expositionsprophylaxe“. Da Aedes- und Culex-Mücken sowohl tag- als auch dämmerungsaktiv sind, empfiehlt sich die Anwendung von Repellentien sowie ein entsprechender Mückenschutz in den Schlafräumen (Insektenschutzgitter, Klimatisierung u.v.m.).

Weitere Infos zum West-Nil-Virus:

Synonyme: WNV-AK-Neutralisationstest, WNV-AK NT, WNV-Plaque-Reduction-Neutralisationstest (WNV-PRNT)
LOINC: 29568-3

Referenzwert

EinheitReferenzbereich
Männer bis 18 JahreMänner über 18 JahreFrauen bis 18 JahreFrauen über 18 Jahre
negativnegativnegativnegativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen Transparente Grafik zwecks Webanalyse