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Tuberkulin-induziertes IFN-G/Blut (TBIFN)

Die Bestimmung von Tuberkulin-induziertem Interferon-Gamma im Blut (TBIFN-Test) ist ein labordiagnostisches Spezialverfahren, bei dem die Reaktion bestimmter weißer Blutkörperchen (T-Helfer-Lymphozyten) gegenüber Eiweißstoffen von Tuberkulosebakterien untersucht wird. Das Untersuchungsergebnis erlaubt diagnostische Rückschlüsse auf eine Tuberkuloseinfektion.

Warum wird ein TBIFN-Test durchgeführt?

Die Tuberkulose (TBC) ist eine ansteckende Infektionserkrankung, die durch sogenannte Bakterien des Mycobacterium-tuberculosis-Complex (MTC) verursacht wird.

  • Zu diesen Bakterien gehören die hoch pathogenen Stämme Mycobacterium (M.) tuberculosis (MTB – das sind die eigentlichen Tuberkulosebakterien) sowie M. bovis (weniger pathogene Stämme sind M. africanum, M. microti sowie M. canetti).
  • Neben diesen Tuberkuloseerregern gibt es auch sogenannte „atypische Mykobakterien“. Diese können ebenfalls Krankheiten hervorrufen, die als „atypische Mykobakteriosen“ bezeichnet werden. Zu den atypischen Mykobakterien gehören die folgenden Stämme: M. avium, kansasii, xenopi u.v.m. Diese können zum Teil überall (ubiquitär) vorkommen.
  • Ein weiterer Vertreter der Mykobakterien ist M. leprae – der Erreger der Lepra.

Die Bestimmung von Tuberkulin-induziertem Interferon-Gamma im Blut (TBIFN-Test) ist ein labordiagnostisches Spezialverfahren, bei dem die Reaktion bestimmter weißer Blutkörperchen (T-Helfer-Lymphozyten) gegenüber Eiweißstoffen von Tuberkulosebakterien untersucht wird.

Das Prinzip dieses Tests beruht darauf, dass sich im Blut von mit Tuberkulosebakterien infizierten Personen spezifisch empfindliche, sensibilisierte Lymphozyten befinden. Diese Lymphozyten erkennen insbesondere bestimmte Eiweißstoffe von Tuberkulosebakterien (sogenannte „Antigene“) und produzieren nach entsprechendem Antigenkontakt Zytokine (darunter auch Interferon Gamma).

Bei einem TBIFN-Test wird zuerst das Blut der Patientin/des Patienten mit diesen TBC-Eiweißstoffen (ESAT-6 und CFP-10) inkubiert. Im Anschluss daran erfolgt die Messung des nach Inkubation produzierten Gamma-Interferons, wobei auch eine Positiv- sowie Negativkontrolle für die Interpretation des Testergebnisses berücksichtigt werden.

Der TBIFN-Test erlaubt Rückschlüsse darauf, ob das Immunsystem der Patientin/des Patienten Kontakt mit Tuberkulosebakterien hat oder hatte. Einen besonders hohen Stellenwert hat der TBIFN-Test bei der Abklärung sogenannter latenter TBC-Infektionen (LTBI), bei denen ansonsten keine Symptome einer TBC-Erkrankung bestehen.

Wie kann das TBIFN-Test-Ergebnis interpretiert werden?

Ein positives TBIFN-Test-Ergebnis spricht für einen wahrscheinlich erfolgten bzw. aktuell bestehenden Kontakt mit MTB-Bakterien. Der Test erlaubt aber keine Aussage über den Aktivitätsgrad der Infektion bzw. der Erkrankung, weshalb bei positiven Ergebnissen immer auch weitere diagnostische Schritte erforderlich sind.

Ein negatives Ergebnis spricht im Allgemeinen gegen eine MTB-Infektion. Bei negativer Positivkontrolle (immunsupprimierte Personen, präanalytische Fehler etc.) ist das Ergebnis des TBIFN-Tests nicht auswertbar.

Tuberkulose (TBC)

Die Tuberkulose (TBC) ist eine durch Bakterien des Mycobacterium-tuberculosis-Complex (MTC) hervorgerufene Infektionskrankheit. Zum MTC gehören allen voran die hochpathogenen Stämme Mycobacterium (M.) tuberculosis (MTB) sowie M. bovis (weniger pathogene Stämme sind M. africanum, M. microti sowie M. canetti). Neben diesen Tuberkuloseerregern gibt es auch eine Reihe atypischer Mykobakterien, die als fakultative Pathogene „atypische Mykobakteriosen“ hervorrufen können. Dazu zählen z.T. auch ubiquitär vorkommende Umweltkeime: M. avium, kansasii, xenopi u.v.m.

Schätzungen der WHO zufolge ist rund ein Drittel der Weltbevölkerung mit M. tuberculosis infiziert, wovon fünf bis zehn Prozent an TBC erkranken. Insgesamt dürften jedes Jahr etwa zwei Millionen Menschen an TBC sterben. Dementsprechend bildet die Erkrankung einen enormen Infektionspool, aus dem sich immer wieder neue Erkrankungen generieren. Dabei ist die Erkrankung keineswegs ein ausschließliches Problem von Entwicklungsländern. Auch in westlichen Industriestaaten ist es wieder zu einem Inzidenzanstieg gekommen. TBC muss daher stets in differenzialdiagnostische Überlegungen mit einbezogen werden.

Neben dem Problem der Erkrankungshäufigkeit besteht weltweit auch jenes der „multidrug-resistant“ (MDR) sowie „extensive drug-resistant“ (XDR) TBC, die gehäuft in Osteuropa sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion vorkommt. Die Behandlung dieser Erkrankungen ist kostspielig und kann länger als 24 Monate dauern. In einigen Fällen ist sogar keine medikamentöse Option verfügbar.

Im Hinblick auf ihren klinischen Verlauf ist die TBC eine stadienhafte Erkrankung. Während das Primärstadium ähnlich einem grippalen Infekt bzw. meist unbemerkt verläuft, kommt es im Sekundärstadium zu den typisch unspezifischen Beschwerden:

  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Gewichtsabnahme
  • Nachtschweiß
  • erhöhte Temperatur (noch kein Fieber)
  • Husten (eventuell mit Auswurf)

Nach erfolgter Infektion bildet sich der sogenannte „Primärkomplex“, ein kleiner primärer Lungenherd mit dem dazu gehörenden regionären Lymphknoten. Aufgrund des intrazellulären Wachstums der TBC-Mykobakterien (vor allem in Makrophagen) kommt es in weiterer Folge zu Granulombildungen, die aus

  • Epitheloidzellen,
  • histiozytären Langhans’schen Riesenzellen und einer sogenannten
  • „verkäsenden“ Nekrose im Inneren der Granulome bestehen.

In den Granulomen werden die Mykobakterien zumeist bis ans Lebensende unter Kontrolle gehalten – dies wird als

  • „latente TBC-Infektion“ (LTBI) bezeichnet.

Bei einer Schwächung des Immunsystems können sich die Bakterien aber eventuell wieder ungehemmt vermehren und die Erkrankung bricht erneut aus:

  • „Sekundärkomplex“ – sogenannte postprimäre TBC.

Im Hinblick auf die Diagnose einer TBC muss zwischen einer aktiven bzw. latenten TBC-Infektion (LTBI) unterschieden werden. Bei der Abklärung eines Verdachtes auf eine aktive TBC-Infektion kommen die folgenden Untersuchungsverfahren zum Einsatz:

  • Beurteilung der Beschwerden der Patientin/des Patienten,
  • Lungenröntgen,
  • mikroskopischer Erregernachweis (Auramin/ZN-Färbung) in verschiedenen Untersuchungsmaterialien,
  • MTB-PCR sowie
  • MTB-Kultur.

Eine LTBI kann in manchen Fällen einen über Monate und Jahre dauernden beschwerdelosen Verlauf haben, wobei die Betroffenen auch nicht ansteckend sind. Der Hauptzweck des Nachweises einer LTBI besteht darin, eine Behandlung zur Prävention des Ausbruchs der Erkrankung in Betracht zu ziehen.

Für die Diagnose einer LTBI stehen vor allem die folgenden Untersuchungsverfahren zur Verfügung:

  • Tuberkulinhauttest (Nachweis einer Hautreaktion nach Verabreichung von MTB-Eiweißstoffen in die Haut) sowie
  • die Bestimmung von Tuberkulin-induziertem Interferon-Gamma im Blut – bei diesem Test wird nachgewiesen, inwiefern bestimmte weiße Blutkörperchen (T-Helfer-Lymphozyten) sich mittels MTB-Eiweißstoffen gezielt stimulieren lassen.

Für die Therapie der TBC kommen die folgenden Möglichkeiten in Betracht:

  • allgemeine Maßnahmen
    • Vermeidung von Rauchen und übermäßigem Alkoholkonsum,
    • Behandlung der Begleitsymptome wie Husten (v.a. um die Umgebung zu schützen),
    • Behandlung von Begleiterkrankungen etc.
  • Therapie mit „Antituberkulotika“ (das sind spezielle gegen MTC-Erreger wirksame Antibiotika).
  • Operationen von schwer befallenen Lungenbereichen („Kavernen“).

Informationen zu Tuberkulose finden Sie außerdem unter Reisemedizin.

Synonyme: Gamma-Interferon-Test, IFN-Gamma-Test, TBIFN-Test
LOINC: 45323-3

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
  negativ negativ negativ negativ

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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