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Lymphozytentypisierung

Die Leukozytentypisierung ist ein labormedizinisches Spezialverfahren, bei dem die weißen Blutkörperchen näher untersucht werden. Auf diese Weise können Erkrankungen des Blutes weiter abgeklärt werden.

Warum wird eine Leukozytentypisierung durchgeführt?

Im medizinischen Labor werden im Rahmen des sogenannten „Blutbildes“ die folgenden Zellen des Blutes untersucht:

Zur Kategorisierung der weißen Blutkörperchen wird zusätzlich auch ein Differenzialblutbild erstellt, wobei die Leukozyten folgenden Gruppen zugeordnet werden:

  • neutrophile Granulozyten,
  • eosinophile Granulozyten,
  • basophile Granulozyten,
  • Lymphozyten und
  • Monozyten.

Beim Differenzialblutbild werden zu diesen Gruppen der weißen Blutkörperchen stets zwei Zahlenwerte auf dem Laborbefund angegeben:

  • der relative Wert (relatives Differenzialblutbild) beziffert das relative Verhältnis (in Prozent) der verschiedenen weißen Blutkörperchen zueinander bezogen auf die Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen im Blut;
  • der absolute Wert (absolutes Differenzialblutbild) beziffert die absolute Anzahl der einzelnen Zellen der verschiedenen Zellgruppen der weißen Blutkörperchen.

Bei unklaren Auffälligkeiten im Blut- bzw. Differenzialblutbild sollte in erster Linie immer eine mikroskopische Begutachtung des Blutes (ein sogenannter Blutausstrich) gemacht werden. In zweiter Linie kann schließlich auch die folgende labormedizinische Spezialuntersuchung angeschlossen werden:

  • die Leukozytentypisierung.

Wie funktioniert die Leukozytentypisierung?

Die Leukozytentypisierung ist ein hämatologisches Spezialverfahren, bei dem die Labortechnik der Durchflusszytometrie (FACS – Fluorescence Activated Cell Sorting) eingesetzt wird.

Für die Durchführung einer Durchflusszytometrie (im Englischen Flow Cytometry genannt) benötigt man ein sogenanntes Durchflusszytometer (ein hochtechnisches Laborgerät).

Dabei werden die weißen Blutkörperchen (und hier allen voran die Lymphozyten) zuerst mit speziellen Fluoreszenzfarbstoffen angefärbt. Insbesondere werden hier bestimmte Eiweißstoffe an der Zelloberfläche (sogenannte Oberflächenmarker – auch CD-Antigene) dieser weißen Blutkörperchen entsprechend markiert.

Innerhalb des Durchflusszytometers werden die solcherweise markierten Zellen einzeln durch ein gläsernes Kapillargefäß hindurch an einem Laser vorbeigeführt, wobei die Fluoreszenzfarbstoffe vom Laser angeregt und die Streulichtreflexionen schließlich ausgewertet werden.

Je nach der Zusammensetzung des Oberflächenmusters der weißen Blutkörperchen können insbesondere die Lymphozyten in folgende Untergruppen eingeteilt werden:

  • T-Lymphozyten,
  • T-Helferzellen,
  • T-Suppressorzellen,
  • B-Lymphozyten,
  • NK-Zellen,
  • „NK-like“ T-Zellen (sogenannte zytotoxische T-Zellen),
  • Aktivierte T-Lymphozyten.

So wie beim Differenzialblutbild werden dabei auch die Zellen dieser Untergruppen jeweils in einem

  • relativen (gemessen in Prozent der Lymphozyten) sowie einem
  • absoluten Zahlenwert (Zellen pro Mikroliter) quantifiziert.

Bei welchen medizinischen Fragestellungen hilft die Leukozytentypisierung weiter?

Auf der Zelloberfläche der Lymphozyten existieren Hunderte verschiedene CD-Antigene, die mithilfe der Durchflusszytometrie dargestellt werden können. Auf diese Weise können bestimmte Erkrankungen des Blutes genau untersucht werden.

Der Vorteil der Durchflusszytometrie ist dabei die Tatsache, dass für diese Untersuchung lediglich eine einfache Blutabnahme erforderlich ist. Das stellt für die betroffenen Patientinnen und Patienten in den seltensten Fällen eine Belastung dar.

Insbesondere hilft die Durchflusszytometrie zur Abklärung folgender Erkrankungen:

  • Leukämien (bösartige Erkrankungen des Blutes),
  • Lymphomen (bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems),
  • zahlreichen Infektionskrankheiten (viral, bakteriell),
  • Erkrankungen des Immunsystems u.v.m.

Einen hohen diagnostischen Stellenwert besitzt die Durchflusszytometrie zudem bei folgenden Erkrankungen:

  • HIV-Infektion und AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome).

In diesem Zusammenhang wird die Leukozytentypisierung zur Ermittlung des sogenannten Immunstatus herangezogen. Hintergrund dieses diagnostischen Vorgehens ist die Tatsache, dass das HI-Virus insbesondere die sogenannten T-Helferzellen (CD4-Lymphozyten) befällt und zugrunde richtet.

Bei jeder aktiven HIV-Infektion kommt es daher zu einem dramatischen Abfall der CD4-Lymphozyten und somit zu einer schweren Störung des Abwehrsystems des Körpers.

Für die diagnostische Beurteilung der Aktivität der HIV-Infektion ist daher die regelmäßige Kontrolle der CD4-Lymphozyten erforderlich.

Weitere Informationen zu HIV & AIDS.

Leukozytentypisierung aus anderen Körperflüssigkeiten

In den meisten Fällen wird zur Durchführung einer Leukozytentypisierung Blut als Untersuchungsmaterial eingesetzt.

Für besondere medizinische Fragestellungen können aber auch andere Körperflüssigkeiten einer Leukozytentypisierung unterzogen werden, sofern darin genügend Lymphozyten nachweisbar sind. Dies muss daher in erster Linie mikroskopisch festgestellt werden.

Folgende Materialien kommen neben Blut für eine Leukozytentypisierung infrage:

  • Knochenmark,
  • Ergussflüssigkeiten (Aszites, Pleuraerguss, Gelenkserguss etc.),
  • Liquor (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit)
  • Lungenspülungen (sogenannte „Bronchiolo-alveoläre Lavage“ [BAL])
  • Lymphknotenpunktate u.a.m.

Synonyme: Durchflusszytometrie, FACS, Flowcytometry, Flowzytometrie, Immunstatus, Leukämietypisierung, Leukozytentypisierung (Immunstatus), Lymphomtypisierung, Lymphozytensubtypisierung


Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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