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Histamin im 24-Std.-Urin (HIS24U)

Bei Histamin handelt es sich um ein biogenes Amin, welches einerseits im Körper in großen Mengen von den sogenannten Gewebsmastzellen gebildet und gespeichert wird. Auf der anderen Seite kommt Histamin aber auch in etlichen Nahrungsmitteln vor (Thunfisch, Sauerkraut, Käse, Wein u.v.m.). Zur Unterscheidung zwischen Histamin-vermittelten allergischen Reaktionen (z.B. Nahrungsmittelallergie) bzw. sogenannten Pseudoallergien (z.B. Histamin-Intoleranz) kann die Bestimmung von Histamin im Blut sowie auch in anderen Körperflüssigkeiten (24-Stunden-Harn) hilfreich sein.

Warum wird Histamin im 24-Stunden-Harn bestimmt?

Bei Histamin handelt es sich um ein biogenes Amin (Dekarboxylierungsprodukt aus der Aminosäure Histidin), welches im Organismus vielfältige Aufgaben besitzt:

  • Botenstoff (sogenannter Mediator bei Entzündungsreaktionen) sowie
  • Neurotransmitter.

Auf der einen Seite kann der Körper Histamin aus der Aminosäure Histidin selbst herstellen. Besonders hohe Konzentrationen von Histamin finden sich in den Granula von sogenannten

  • Mastzellen – das sind spezialisierte Entzündungszellen im Gewebe.

Andererseits ist Histamin auch in zahlreichen Nahrungsmitteln in z.T. großen Mengen enthalten – dazu zählen etwa:

  • Thunfisch,
  • Sauerkraut,
  • bestimmte Käsesorten (v.a. Hartkäse),
  • Rotwein u.v.m.

Normalerweise wird Histamin im Körper rasch zu Methylhistamin sowie Imidazolylessigsäure abgebaut (kurze Halbwertszeit). Das wichtigste Enzym in diesem Zusammenhang ist

  • Diaminoxidase (DAO) zusammen mit seinem Coenzym Vitamin B6.

Ein Ungleichgewicht zwischen im Körper freigesetztem bzw. mit der Nahrung aufgenommenem Histamin und dem Histamin-Abbau durch DAO kann zu einer pseudoallergischen Reaktion führen – der sogenannten Histamin-Intoleranz. Die Beschwerden bei den betroffenen Patientinnen/Patienten können dabei denen einer tatsächlichen Nahrungsmittelallergie gleichen.

Prinzipiell kommt es sowohl bei Nahrungsmittelallergien als auch pseudoallergischen Reaktionen zu einer gesteigerten Freisetzung von Histamin aus Mastzellen, wobei diese sogenannte Degranulationsreaktion durch folgende Mechanismen ausgelöst wird:

  • bei Nahrungsmittelallergie durch Antikörper vom Typ IgE und
  • bei Pseudoallergie v.a. durch pharmakologische Reaktionen (z.B. durch Nahrungsmittelzusatzstoffe, Schwefelverbindungen, Glutamate u.v.m.).

Im Hinblick auf die biologischen Effekte von Histamin führt die vermehrte Freisetzung dieses Stoffes im Gewebe u.a. zu

  • lokalen Entzündungsreaktionen (Hautrötung, Quaddelbildung), Juckreiz und Schmerzen,
  • Kontraktion der glatten Muskulatur sowie auch
  • Stimulation der Magensaftsekretion.

Obwohl Nahrungsmittelallergien und pseudoallergische Reaktionen ein ähnliches Beschwerdebild aufweisen, müssen diese Erkrankungen im Hinblick auf die Behandlung exakt voneinander abgegrenzt werden.

Aus diesem Grund können zur Abklärung eines Verdachtes auf das Vorliegen von pseudoallergischen Reaktionen (z.B. Histamin-Intoleranz) die folgenden Laboruntersuchungen durchgeführt werden:

  • Bestimmung von Histamin im Blut (oft problematisch aufgrund der kurzen Halbwertszeit),
  • Bestimmung von Histamin sowie Histamin-Metaboliten im Harn,
  • Bestimmung von Histamin im Stuhl sowie
  • Bestimmung der DAO-Aktivität im Blut.

Zusammen mit den Ergebnissen von Allergieuntersuchungen kann auf diese Weise in vielen Fällen die genaue Ursache für die Beschwerden bei den betroffenen Patientinnen/Patienten entsprechend abgeklärt werden.

Wie sind Histamin-Werte im 24-Stunden-Harn zu interpretieren?

Im Vorfeld der Gewinnung von Untersuchungsmaterial (Blut, Harn, Stuhl) für eine Histamin-Bestimmung im medizinischen Labor dürfen von den Patientinnen/Patienten keine stark Histamin-haltigen Nahrungsmittel (Thunfisch, Sauerkraut, Käse, Rotwein etc.) konsumiert werden. Weiters ist hier auch der Genuss von Alkohol zu vermeiden, da Ethanol die DAO und somit den Histamin-Abbau hemmt.

Ein Hinweis auf eine Histamin-Intoleranz ist bei folgender Konstellation der Labormesswerte gegeben:

  • Histamin im Blut normal oder erhöht bei zugleich verminderter DAO-Aktivität im Blut,
  • gleichsinnige Erhöhung von sowohl Histamin als auch DAO-Aktivität im Blut,
  • Histamin und/oder Histamin-Metabolite im Harn erhöht,
  • Histamin im Stuhl erhöht.

Erhöhte Histamin-Werte können aber auch bei den folgenden Erkrankungen gefunden werden, die diagnostisch von einer Histamin-Intoleranz entsprechend abzugrenzen sind:

  • Mastozytose – eine systemische Erkrankung mit gesteigerter Anhäufung von Mastzellen in etlichen Geweben des Körpers,
  • bestimmte Formen bösartiger Erkrankungen des blutbildenden Systems (z.B. Chronisch myleoische Leukämie, Polycythaemia rubra vera) sowie
  • bestimmte neuroendokrine Tumore (sogenannte „Karzinoide“).

Nahrungsmittelallergie

Bei einer Nahrungsmittelallergie handelt es sich um eine durch Antikörper vom Typ Immunglobulin E (IgE) vermittelte Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers gegen bestimmte Nahrungsbestandteile, wobei diese Reaktionen auch gegen in Nahrungsmitteln enthaltene Zusatzstoffe bzw. unerwünschte Beimengungen von Nebenprodukten gerichtet sein können.

In den meisten Fällen besteht bei den betroffenen Personen eine entsprechende genetische (familiäre) Allergieneigung. Der Häufigkeitsgipfel dieser Erkrankungen liegt im Kleinkindesalter. Die Mehrzahl der Patientinnen/Patienten (bis zu 90 Prozent) leidet zuerst an einer Pollenallergie, und die Nahrungsmittelallergie tritt typischerweise erst in weiterer Folge auf. Darüber hinaus finden sich bei zwei Drittel der Betroffenen sogenannte atopische Erkrankungen:

Die häufigsten Nahrungsmittelallergien bestehen in Abhängigkeit von den jeweiligen Altersgruppen

  • bei Kindern bis sechs Jahren v.a. gegen
    • Kuhmilch und
    • Hühnereier;
  • bei Schulkindern v.a. gegen
    • bestimmte Nusssorten (Erdnüsse, Baumnüsse);
  • bei Jugendlichen v.a. gegen
    • Nüsse,
    • Samen,
    • Fische und Meeresfrüchte.

Weiters existieren auch typische Kreuzallergien, die durch ähnliche allergieauslösende Eiweißstrukturen in bestimmten Pflanzenbestandteilen (v.a. Blütenpollen) sowie den Nahrungsmitteln verursacht werden. Dementsprechend sind bei Pollenallergikern oft auch die folgenden Nahrungsmittelallergien typisch:

  • bei Birkenpollenallergie gegen Kern- (Äpfel), Steinobst (z.B. Kirschen), Haselnüsse etc.,
  • bei Gräser- bzw. Getreidepollen gegen Erdnüsse, Soja und andere Hülsenfrüchte,
  • bei Beifußpollen gegen Sellerie u.a.

Ebenso gibt es bestimmte zusätzliche (modulierende) Faktoren, die das Auftreten von zum Teil auch schweren allergischen Reaktionen begünstigen können:

  • Häufigkeit und Menge des zugeführten Allergens,
  • Zubereitungsart (Kochen inaktiviert eine Reihe von Allergenen),
  • körperliche Anstrengung direkt nach einer Mahlzeit bei Allergikerinnen/Allergikern,
  • Stress,
  • hormonelle Faktoren u.v.m.

Im Hinblick auf die Erkrankungsentstehung einer Nahrungsmittelallergie müssen tatsächliche immunologische (allergische) Reaktionen von nicht-immunologischen Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel unterschieden werden, wobei es folgende Immunreaktionen nach entsprechender Allergenzufuhr gibt:

  • Die häufigste Form sind Immunglobulin-E-(IgE-)vermittelte Reaktionen, die durch Freisetzung von Histamin aus Mastzellen innerhalb von einer Stunde auftreten (Typ I – Sofortreaktion),
  • seltenere Formen sind Immunglobulin-G-(IgG-)vermittelte Reaktionen, die durch Bildung von Immunkomplexen innerhalb von einer bis 20 Stunden auftreten (Typ III – Intermediärreaktion) sowie
  • durch T-Lymphozyten vermittelte Reaktionen, die nach 20 Stunden auftreten können (Typ IV – verzögerte Reaktion).

Zu den wichtigsten nicht-immunologischen Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel gehören die sogenannten pseudoallergischen Reaktionen. Diese zeigen zwar ein ähnliches Beschwerdebild wie Allergien, weil sie ebenfalls durch Freisetzung von Histamin aus Mastzellen verursacht werden. Auslösemechanismen sind in diesen Fällen aber nicht die oben dargestellten immunologischen Reaktionen. Solche Unverträglichkeitsreaktionen können unter den folgenden Umständen auftreten:

  • Bei sogenannter Histamin-Intoleranz – hier kann ein Ungleichgewicht zwischen Histamin-Anfall (durch -Zufuhr und/oder Mastzell-Ausschüttung) sowie -Abbau (Enzym Diaminoxidase – DAO) bestehen.
  • Nach Zufuhr großer Mengen von biogenen Aminen aus bestimmten Nahrungsmittelquellen: Histamin (Sauerkraut, manche Käsesorten, Rotwein Thunfischkonserven u.v.m.), Serotonin (Bananen, Walnüsse etc.), Tyramin (Käse, Tomaten, Avocados etc.).
  • Durch Nahrungsmittelzusatzstoffe: z.B. Sulfite (in Bier und Wein).
  • Durch Natriumglutamat: sogenanntes „Chinarestaurant-Syndrom“ (oft durch Sojasauce ausgelöst).

Schließlich gibt es aber auch noch eine weitere Gruppe nicht-immunologischer Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel, die speziell im Hinblick auf die Behandlung von tatsächlichen Nahrungsmittelallergien abzugrenzen sind. Dazu zählen

  • angeborene Enzymdefekte wie Laktasemangel und Fruktoseintoleranz,
  • Gluten-sensitive Enteropathie (sogenannte Sprue),
  • systemische Mastozytose u.a.

Die Beschwerden einer Nahrungsmittelallergie können durch die Histamin-Effekte die folgenden Organe betreffen:

  • Haut: sogenannter Nesselausschlag (Urtikaria) mit Quaddelbildungen, Juckreiz, Exanthem.
  • Atemwege: allergische Rhinitis, Bronchialasthma etc.
  • Verdauungs-Trakt: sogenanntes orales Allergie-Syndrom (Jucken und Kribbeln an Zunge, Gaumen); Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfälle etc.
  • Herz-Kreislauf-System: Schockzeichen (Blutdruckabfall, Herzrasen), Anaphylaxie.
  • Nervensystem: v.a. Kopfschmerzen.

Im Hinblick auf die Abklärung einer Nahrungsmittelallergie sind die folgenden diagnostischen Schritte erforderlich:

  • Anamnese: Befragung der Patientin/des Patienten nach allergischen Beschwerden, und wann diese auftreten.
    • Das Führen eines Ernährungstagebuches über drei Wochen ist zu empfehlen.
    • Weiters Ausschluss nicht-immunologischer Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel (z.B. Histamin-Intoleranz).
  • Einhaltung einer allergenarmen Eliminationsdiät über sieben Tage und anschließende schrittweise Zufuhr einzelner Nahrungsmittel.
  • Labortests:
    • Bestimmung von Gesamt-IgE im Blut;
    • Bestimmung allergenspezifischer IgE-Antikörper im Blut;
    • Bestimmung allergenspezifischer IgG-Antikörper im Blut;
    • Spezialtests:
      • Untersuchungen auf Histamin (in unterschiedlichen Untersuchungsmaterialien), DAO, ECP, Tryptase etc.
  • Hauttestungen (Prick-Tests): dabei wird die Hautreaktion auf bestimmte Allergene untersucht.

Zur Behandlung einer Nahrungsmittelallergie sind eine umfassende Ernährungsberatung sowie die Allergenkarenz (Meiden der entsprechenden Nahrungsmittel) die wichtigsten therapeutischen Schritte. Darüber hinaus ist auch die Einhaltung der folgenden allgemeinen Empfehlungen ratsam:

  • Vermeiden von
    • Fertigprodukten und Würzmischungen,
    • rohen bzw. kalten Speisen,
    • üppigen Buffets;
  • generell Histamin-arme Kost;
  • Führen einer Liste erlaubter Speisen (sogenannte Positivliste);
  • Verwendung hypoallergener Nahrungsmittel (v.a. bei prädisponierten Kindern).

Im Hinblick auf medikamentöse Therapieoptionen gibt es folgende Möglichkeiten, die von der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt in Abhängigkeit von den Beschwerden bei den Patientinnen/Patienten verschrieben werden können:

  • sogenannte Mastzellstabilisatoren: z.B. Cromoglicinsäure,
  • Antihistaminika,
  • Vitamin B6 (DAO-Kofaktor),
  • Asthmatherapeutika u.a.

Durch eine konsequente Behandlung der Nahrungsmittelallergie kann vor allem mittels langjähriger Allergenkarenz in vielen Fällen eine tatsächliche Ausheilung der Erkrankung erzielt werden. Während bei Kindern die Heilungschancen bei über 50 Prozent liegen, kann im Erwachsenenalter in bis zu einem Drittel der Fälle mit einem Verschwinden der Allergie gerechnet werden. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit einer sogenannten Hyposensibilisierung, die bei Allergien gegen bis zu drei Stoffen als erfolgversprechend erachtet wird.

Weitere Informationen zu

LOINC: 2417-4, 9410-2

Referenzwert

Einheit Referenzbereich      
  Männer bis 18 Jahre Männer über 18 Jahre Frauen bis 18 Jahre Frauen über 18 Jahre
ng/mL (Nanogramm pro Milliliter) 5–35 ng/mL 5–35 ng/mL 5–35 ng/mL 5–35 ng/mL

Hinweis Die an dieser Stelle angeführten Referenzwerte dürfen nicht für die Interpretation eines Laborbefundes verwendet werden, da es sich hierbei um einen Näherungsbereich dieser Labormessgröße in der jeweils untersuchten Körperflüssigkeit handelt. Grundsätzlich hängen Labor-Normalwerte von Alter und Geschlecht der Patientinnen und Patienten ab. Darüber hinaus können auch tageszeitliche Schwankungen bzw. eine Reihe von biologischen Rhythmen die Laborwert-Ergebnisse beeinflussen. Daher sollten immer nur die am jeweiligen Laborbefund ausgewiesenen Referenzwerte für die medizinische Interpretation herangezogen werden. Von einzelnen Laborwerten darf niemals auf das Vorliegen einer Krankheit geschlossen werden. Denn leichte Abweichungen vom Referenzbereich kommen auch bei Gesunden vor. Außerdem können die Ergebnisse auch von der Untersuchungsmethode abhängen (nicht alle Labors verwenden die gleiche Methode). Mehr Informationen finden Sie unter: Was sind Normalwerte?

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