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Frau mit Tabletten und Wasserglas © Photographee.eu

Schlaf- und Beruhigungsmittel (BZD)

Als Schlaf- oder Beruhigungsmittel werden u.a. verschiedene Benzodiazepine (BZD) eingesetzt. Diese wirken unterschiedlich schnell und lange. Zu den Wirkstoffen gehören etwa Alprazolam, Midazolam, Temazepam, Bromazepam, Diazepam, Flunitrazepam u.v.m. BZD werden u.a. bei Erregungs- und Angstzuständen wie beispielsweise Phobien und Panikattacken verordnet. Auch bei Schlafstörungen, bei Muskelverspannungen (orthopädische Probleme) oder zur Einleitung von Narkosen werden sie eingesetzt. BZD können für Behandlungen wesentlich und teils unumgänglich sein, z.B. bei chronischen Krampfanfällen. Die Risiko-Nutzen-Abwägung obliegt der Ärztin/dem Arzt. Benzodiazepine sind rezeptpflichtig . . .

Wirkung von BZD

Benzodiazepine gehören zur Gruppe der sedativ (dämpfend auf das zentrale Nervensystem) und hypnotisch wirkenden Medikamente. Die Wirkung von BZD beruht auf ihrer Einflussnahme auf spezielle Strukturen im Gehirn (sogenannte GABA-Rezeptoren). Über diese Rezeptoren werden u.a. Überträgerstoffe (Neurotransmitter) beeinflusst und die Erregung von Nerven gehemmt. Benzodiazepine haben u.a. eine angstlindernde, krampflösende, entspannende und beruhigende Wirkung. Anspannung, Furcht und Angstzustände können beispielsweise so beeinflusst werden, dass sie von Betroffenen nicht mehr wahrgenommen werden. Auch zur Linderung von Schlafstörungen werden BZD verwendet.

Vor allem bei hohen Dosierungen treten Nebenwirkungen auf. Akut kommt es bei Überdosierung zu Müdigkeit, Schläfrigkeit, Lethargie, Verwirrtheit und Gedächtnisstörungen. Auch Demenzsymptome können auftreten bzw. verstärkt werden.

Bei langfristiger Einnahme kann es zu Einschränkung der Gedächtnisleistung, körperlicher Abgeschlagenheit und Abstumpfung (Gefühle) kommen. Hohe Dosierungen sowie lange Einnahmedauer beeinträchtigen die Gedächtnisleistungen und führen zu verminderter Wahrnehmungs- und Reaktionszeit. Müdigkeit, Kopfschmerz, Benommenheit und Schwindel sind einige der Symptome. Werden BZD als Schlafmittel eingesetzt, können sich am Morgen danach noch Nachwirkungen zeigen. Bei zusätzlicher Muskelschwäche besteht vor allem bei älteren Menschen Sturzgefahr.

Bei Menschen mit mehrfacher Drogenabhängigkeit kommt es möglicherweise zu schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Besonders bei Einnahme mehrerer Substanzen, die eine dämpfende Wirkung besitzen – wie Alkohol, Opiate, Barbiturate etc. sowie bestimmten Antidepressiva und Antihistaminika –, kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen (Blutdruckabfall, Atemdepression bis hin zu Atemstillstand).

Abhängigkeit von BZD

BZD beeinflussen die Stimmung und bergen daher die Gefahr einer psychischen Abhängigkeit. Es kann außerdem zu einer Gewöhnung des Körpers an die Substanz (Toleranzbildung) und dadurch zu Dosissteigerungen kommen. Die Entwicklung zur Abhängigkeit erfolgt oft unbewusst und wird von vielen Betroffenen zumindest vorerst nicht wahrgenommen, besonders wenn BZD anfangs als Medikamente zur Behandlung ursprünglicher Beschwerden eingenommen werden:

  • Niedrigdosisabhängigkeit. BZD können in therapeutischen Dosierungen und bei sachgerechter Verwendung zu einer Abhängigkeit führen. D.h.: Auch bei einer ärztlich verordneten niedrigen Dosis kann eine Abhängigkeit eintreten (sogenannte „Niedrigdosisabhängigkeit“) – hauptsächlich bei monate- oder jahrelanger Einnahme. Entzugserscheinungen zeigen sich in diesem Fall erst nach dem Absetzen des Medikamentes.
  • Hochdosisabhängigkeit. Vor allem bei langfristiger Einnahme besteht die Gefahr einer körperlichen wie psychischen Abhängigkeit. Bei BZD kann es vorkommen, dass die Dosis immer weiter gesteigert wird, da die Wirkung nicht mehr wie gewünscht eintritt (Toleranzbildung), sodass eine „Hochdosisabhängigkeit“ entsteht.
  • Mehrfacher Substanzkonsum. Verschiedene, teils illegale Substanzen werden oft verwendet, um Wirkungen anderer Substanzen zu verstärken oder unerwünschte Wirkungen zu beseitigen. Eine Abhängigkeit von BZD tritt u.a. bei Personen auf, die bereits andere Substanzen verwenden bzw. an einer anderen Abhängigkeit leiden oder litten (z.B. Alkohol) – und Medikamente missbräuchlich verwenden, um bestimmte Stimmungen zu erreichen. Eine Anwendung ohne ärztliche Verordnung oder Einnahme in höherer Dosis als verordnet birgt ein hohes Abhängigkeitsrisiko.

Entzugssymptome

Das plötzliche Absetzen der Substanz kann unter anderem zu Schlafstörungen, Unruhe, Spannungszuständen, Kopfschmerzen, Angstzuständen sowie starker Erregung führen. Deshalb sollten Einnahme und Absetzen mit der Ärztin/dem Arzt besprochen und Schritt für Schritt durchgeführt werden.

Symptome, die sich beim Absetzen zeigen, ähneln den Beschwerden, die mit Benzodiazepinen behandelt werden – wie Schlaflosigkeit, Unruhezustände, Stimmungsschwankungen, Angstzustände etc. –, und können von Betroffenen fälschlicherweise als Verschlechterung der bestehenden Grunderkrankung gedeutet werden. Beschwerden können bei Absetzen der BZD verstärkt auftreten (Rebound-Symptomatik). Panikattacken, Wahrnehmungsstörungen und Suizidimpulse kommen vor. Vor allem bei hoher Dosis, lange andauerndem Konsum, schlechtem Allgemeinzustand und gleichzeitigem Alkohol- und/oder Drogenkonsum sind die Entzugssymptome nach Absetzen der Medikamente mitunter intensiv. Auch bei psychischen Erkrankungen (Angsterkrankungen, Depressionen etc.) kann es zu schweren Symptomen kommen.

Diagnose & Behandlung einer BZD-Abhängigkeit

Diagnose und Behandlung einer Abhängigkeit von BZD sind unterschiedlich und orientieren sich an der individuellen Situation der/des Betroffenen. Neben körperlichen und psychischen Anzeichen bezieht die Anamnese auch das Lebensumfeld der Patientin/des Patienten mit ein. Eine Abhängigkeit beeinträchtigt neben der Gesundheit auch das soziale und berufliche Leben der Betroffenen. Menschen mit Abhängigkeit und zusätzlichem Missbrauch verschiedener Substanzen sind in besonderem Maß betroffen. Bei Mehrfachkonsum (BZD und andere psychotrope Substanzen) besteht eine erhöhte Mortalität (Sterblichkeit).

Die Ärztin/der Arzt entscheidet über Notwendigkeit und Dauer einer Behandlung und bespricht diese sowie mögliche Entzugserscheinungen mit der Patientin/dem Patienten. Dafür kann es notwendig sein, vorerst Überzeugungsarbeit zu leisten. Betroffenen sind Abhängigkeitspotenzial und mögliche Nebenwirkungen nicht immer bewusst oder sie negieren diese. Auch Verständnis für die Notwendigkeit des langsamen Absetzens der Medikamente kann fehlen. Ängste vor Entzugssymptomen oder Verschlechterung von Erkrankungen (z.B. Depression) stehen ebenfalls oft im Raum. Zusätzliche körperliche wie psychische Erkrankungen und Probleme werden abgeklärt. Generell können BZD durch Laboruntersuchungen nachgewiesen werden. Weitere Informationen finden Sie unter BZD im Urin.

Ob ein Entzug bei „Niedrigdosisabhängigkeit“ notwendig ist oder eine Weiterbehandlung z.B. aufgrund bestimmter Erkrankungen (schwere psychiatrische Erkrankung oder chronische Angsterkrankung) sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin/der Arzt im Einzelfall.

Hinweis Wesentlich ist die Konsultation der Ärztin/des Arztes – auch bei einer ev. Niedrigdosisabhängigkeit bzw. dem Verdacht darauf.

Behandlung bei Niedrigdosisabhängigkeit

Oftmals kann bei Niedrigdosisabhängigkeit ambulant behandelt werden. Wesentlich dafür ist u.a. die Mitarbeit der Patientin/des Patienten. Vor allem bei guter Motivation, Bereitschaft zur Zusammenarbeit, zum Einhalten der Therapiemaßnahmen und der Veränderung von Verhaltensweisen (guter Compliance) sowie guter sozialer Einbettung der Betroffenen kann eine ambulante Entgiftung erfolgreich sein. Wesentlich ist außerdem das mit BZD behandelte Krankheitsbild. Ein ambulantes Vorgehen kann beispielsweise bevorzugt werden, wenn BZD bei Schlafstörungen verwendet werden.

Ein Entzug orientiert sich an den Betroffenen und dauert unterschiedlich lange. Die Dosis der Medikamente wird während der Entgiftung über Wochen oder Monate langsam reduziert, um eventuelle Entzugssymptome bzw. Rebound-Phänomene zu verhindern bzw. so gering wie möglich zu halten. Während dieses langsamen Reduzierens können sich immer wieder Entzugserscheinungen zeigen. Bei raschem Absetzen treten Beschwerden wie z.B. Schlafstörungen, Angstzustände, depressive Verstimmung, Überempfindlichkeit, Wahrnehmungsstörungen etc. auf. Die anfänglich behandelten Symptome können sich verstärkt zeigen (sogenannte Rebound-Symptomatik). Auch die Umstellung von einem kurz auf ein mittel- oder langfristig wirksames BZD kann vor der Reduzierung vorgenommen werden. Kurz wirksame BZD bergen ein hohes Abhängigkeitspotenzial. Die Anwendung erfolgt nach Rücksprache mit der Ärztin/dem Arzt.

Die umfassende Aufklärung über eventuelle psychische Krankheiten mit den Betroffenen und u.U. ihren Angehörigen ist ein wesentlicher Pfeiler der Therapie. Das Einbeziehen einer klinisch-psychologischen und/oder psychotherapeutischen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie) Unterstützung können den Verlauf in Bezug auf psychische Symptome verbessern. Außerdem können Hilfestellungen durch weitere Maßnahmen gesetzt werden, z.B. Entspannungstrainings oder Erlernen von Verhaltensweisen, die einen gesunden Schlaf begünstigen bzw. fördern u.v.m.

Behandlung bei Hochdosisabhängigkeit

Bei einer Hochdosisabhängigkeit erfolgt die Entgiftung meist in stationären Einrichtungen (Suchtkliniken, psychiatrischen Abteilungen in Krankenhäusern). Die Ärztin/der Arzt kann eine solche beispielsweise bei schlechter psychischer Verfassung bzw. bei psychischen und/oder körperlichen Erkrankungen, allgemein schlechtem Gesundheitszustand sowie bereits gescheiterten Versuchen, BZD abzusetzen, für notwendig erachten. Auch aufgrund von Abhängigkeit oder Missbrauch mehrerer Substanzen wird eine Entgiftung stationär durchgeführt. Eine Umstellung auf mittelfristig und lang wirksame BZD findet statt. Bei einer stationären Behandlung kann die Dosis oft rascher reduziert werden als bei einer Niedrigdosisabhängigkeit.

Gegebenenfalls wird eine medikamentöse Unterstützung vorgenommen, um etwa Entzugssymptome zu lindern und Begleiterkrankungen zu behandeln. Unter Umständen erfolgt eine klinisch-psychologische und/oder psychotherapeutische Begleitung. Auch die umfassende Aufklärung über ev. psychische Krankheiten mit den Betroffenen und u.U. ihren Angehörigen ist ein Teil der Therapie.

Eine stationäre Behandlung wird außerdem bei schwangeren Patientinnen, die an einer BZD-Abhängigkeit leiden, durchgeführt.

Abhängigkeit & Missbrauch mehrerer Substanzen

Abhängigkeit & Missbrauch mehrerer Substanzen

Auch ein mehrfacher Substanzmissbrauch bzw. eine mehrfache Substanzabhängigkeit wird in der Behandlung berücksichtigt (z.B. Alkoholabhängigkeit). Abbruchraten sind allerdings bei gleichzeitiger Abhängigkeit von mehreren Substanzen sowie einer Abhängigkeit bei gleichzeitiger Verwendung mehrerer verschiedener Substanzen z.T. hoch.

Nachsorge

Nachsorge

Eine Nachsorge kann bei einer ambulanten Stelle oder im stationären Bereich stattfinden. Wie bei anderen Abhängigkeitserkrankungen auch sind Rückfälle möglich.

Wohin kann ich mich wenden?

Primäre Ansprechstelle sind Hausärztin/Hausarzt sowie Fachärztinnen/Fachärzte in psychiatrischen Abteilungen. Klinische Psychologinnen/klinische Psychologen und Psychotherapeutinnen/Psychotherapeuten können in den Diagnose- und Therapieprozess involviert sein.

Adressen, die Beratung und Behandlung anbieten, finden Sie unter Suchthilfekompass. Hier erhalten Sie die Informationen zum Suchthilfekompass in Gebärdensprache.

Wie erfolgt die Abdeckung der Kosten?

Die Kosten für die ärztliche Untersuchung zur Abklärung einer Abhängigkeit werden im Normalfall von den Sozialversicherungsträgern übernommen.

Die interdisziplinäre Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen (inklusive Psychotherapie) findet auch in spezialisierten ambulanten und stationären Einrichtungen statt, die Verträge mit den Krankenversicherungsträgern abgeschlossen haben. Für diese Behandlungsfälle werden im Regelfall die Kosten zur Gänze übernommen. Bei bestimmten Leistungen (z.B. Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeutinnen/ Psychotherapeuten) kann u.a. ein Antrag auf Kostenzuschuss durch den Krankenversicherungsträger gestellt werden. Weitere Informationen zu Kostenzuschuss, Kostenübernahme etc. finden Sie unter Leistungen & Kosten.

Über die jeweiligen Bestimmungen informieren Sie sich bitte zudem bei Ihrem Krankenversicherungsträger, den Sie über die Website der Sozialversicherung finden.

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