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Symbolbild Co-Abhängigkeit © pressmaster
Symbolbild Co-Abhängigkeit © pressmaster

Co-Abhängigkeit

Unter Co-Abhängigkeit versteht man suchtförderndes Verhalten gegenüber suchtkranken Menschen, das oft ungewollt und unbewusst stattfindet. Der Mensch ist keine „Insel“, sondern im Austausch mit seiner Umwelt. Daher hat das Verhalten gegenseitig aufeinander Einfluss.

Es ist auch für das soziale Umfeld nicht leicht, wenn eine nahestehende Person suchtkrank ist. Allerdings gibt es durchaus Möglichkeiten der Unterstützung und  Verhaltensempfehlungen. Wo Sie Rat und Hilfe finden.

Co-Abhängigkeit: Was ist das?

Unter Co-Abhängigkeit versteht man Verhaltensweisen von Angehörigen sowie Beziehungsaspekte zwischen einem suchtkranken Menschen und ihm nahe stehenden Personen, die eine Bedeutung für die Entstehung, Verstärkung oder Förderung von Suchtverhalten haben können. Der Begriff „Co-Abhängigkeit“ bezog sich ursprünglich auf Angehörige von Menschen, die von Alkohol abhängig sind. In der Folge entstanden jedoch in der Fachwelt viele Ansichten, was das Phänomen der sogenannten Co-Abhängigkeit kennzeichnet: Von der Meinung, jede nähere Bezugsperson einer suchtkranken Person sei co-abhängig, bis hin zur Ausweitung des Begriffs auf alle Süchte, weitere Erkrankungen sowie das nahezu gesamte soziale Umfeld. Die Begriffsdefinition von Co-Abhängigkeit ist nach wie vor Gegenstand von wissenschaftlichen Diskussionen.

Es gibt aktuell Tendenzen in der Suchtforschung dahingehend, dass unter Co-Abhängigkeit jedes suchtfördernde Verhalten – unabhängig von der Suchtform – verstanden wird. Der Begriff der Co-Abhängigkeit sollte keine „Schuldzuweisung“ ausdrücken, sondern möglichst neutral betrachtet werden: Jemand verhält sich suchtfördernd – oft unbewusst. Der allgemeine Einfluss von Angehörigen auf eine suchtkranke Person ist allerdings eingeschränkt. Das Verhalten eines anderen Menschen kann nicht zur Gänze kontrolliert werden. Und: Nicht jede/jeder Angehörige oder Mensch im näheren sozialen Umfeld eines suchtkranken Menschen ist „co-abhängig“.

Suchtförderndes Verhalten vermeiden

Der Wunsch, einer suchtkranken Person helfen zu wollen, ist legitim und menschlich. Angehörige fühlen sich zudem oft schuldig. Zum Beispiel, wenn sie das Gefühl haben, möglicherweise nicht alles für die/den Betroffenen zu tun. Doch welches Verhalten ist nicht hilfreich, sondern fördert die Sucht?

Im Folgenden sind einige wesentliche Beispiele aufgelistet:

  • Das Suchtproblem verdrängen, verleugnen oder verharmlosen: Dieses Verhalten ist allerdings auch Teil eines Schutzverhaltens von Angehörigen. In einer Beratung können andere Bewältigungsmechanismen erlernt werden.
  • Das Suchtmittel besorgen bzw. den Zugang zu ihm fördern: Alkohol einkaufen oder Geld dafür „zustecken“. Bzw. bei substanzungebundenen Süchten die dahingehenden Aktivitäten erleichtern (z.B. Computerspiele kaufen bei Computerspielsucht).
  • Übernahme von jeglicher Verantwortung für das Leben der/des Betroffenen: Z.B. Übernahme von Alltagsverpflichtungen sowie Abnahme von Belastungen. Bzw. die Verantwortung von negativen Folgen des Suchtverhaltens im sozialen Leben als Angehörige/r auf sich nehmen.
  • Entschuldigung und Rechtfertigung des Suchtverhaltens.
  • Verheimlichen des Suchtverhaltens.

Diese Verhaltensweisen können suchtfördernd sein, da sie eine suchtkranke Person nicht dabei unterstützen, sich mit dem Suchtverhalten und dessen Folgen auseinanderzusetzen bzw. sich dem Problem zu „stellen“. Oft entsteht bei Angehörigen der Wunsch, das Suchtverhalten der betroffenen Person kontrollieren zu wollen. Dies ist jedoch nicht möglich. Jeder Mensch kann nur sein eigenes Verhalten steuern. 

Kaum jemand fördert bewusst und absichtlich das Suchtverhalten eines Betroffenen. Dies geschieht meist in Eigendynamik und ist oft Ausdruck eines Bewältigungsverhaltens. Angehörige von Menschen mit einer Suchterkrankung leiden in vielen Fällen unter der Situation. Sie empfinden eine Vielzahl an Gefühlen – von Entsetzen und Wut bis hin zu Hilflosigkeit. Wie soll man damit umgehen, wenn z.B. die Partnerin/der Partner zu trinken beginnt? Das sind Ereignisse, auf die man im Leben so gut wie gar nicht vorbereitet wird.

Ein erster wichtiger Schritt aus einer Co-Abhängigkeit ist: Sich eingestehen, dass man alleine nicht weiter weiß. Manchmal gibt es bereits andere Angehörige von suchtkranken Menschen im näheren Umfeld oder Selbsthilfegruppen, mit denen Sie sich austauschen können. Oder holen Sie sich Hilfe bei einer Suchtberatungsstelle, wie sie suchtförderndes Verhalten vermeiden können.

Wie kann ich jemanden mit einem Alkoholproblem unterstützen?

Einfach da zu sein ist bereits eine Hilfe. Sie können das Problem zudem ansprechen und Anlaufstellen empfehlen. Rechnen Sie diesbezüglich allerdings mit Widerstand. Eventuell ist es hilfreich, noch jemand Dritten hinzuziehen. Zum Beispiel um Rat und Entlastung zu erhalten bzw. das Problem anzusprechen. Vor allem wenn man mit Aggressionen, Schuldzuweisungen oder selbst großen Schuldgefühlen konfrontiert wird. Darüber hinaus wird die Einschätzung des Problems von jemand Außenstehenden ernster genommen als von der Familie bzw. dem Freundeskreis. Anleitungen, wie Sie ins Gespräch kommen können am Beispiel von Alkoholabhängigkeit, finden Sie auf www.gesundheitsinformation.de

Ob Betroffene Hilfe annehmen, liegt bei diesen. Die Bereitschaft dazu kann sich bei Suchtkranken auch im Lauf der Zeit ändern. Basis dafür ist, dass Menschen mit einer Suchterkrankung erkennen, dass sie ein Problem haben. Angehörige werden eventuell in Therapien miteingebunden, sofern sie das möchten. Was Sie jedoch immer aktiv tun können: Sich selbst möglichst früh Unterstützung (z.B. bei einer Selbsthilfegruppe für Angehörige) zu suchen, auch wenn die/der Betroffene in Ihrem Umfeld nicht zu einer Therapie bereit ist. Es ist für jeden Menschen nie zu spät, sich Unterstützung zu suchen. Informationen, was Sie tun können, wenn eine Kollegin/ein Kollege in der Arbeit ein Problem mit Alkohol zu haben scheint, finden Sie unter Wenn Arbeitskollegen trinken.

Was kann ich als Angehörige/r für mich selbst tun?

Das Leben vieler Angehöriger kreist um das Suchtproblem des Betroffenen. Dabei vergisst man leicht sich selbst oder andere Menschen im näheren Umfeld bis hin zu Verpflichtungen des Alltags. Folgende Tipps können Ihnen helfen, gut auf sich zu achten:

  • Schauen Sie auf die eigene Gesundheit: Ansonsten kann es passieren, dass sich beispielsweise Erschöpfungszustände einstellen. Gönnen Sie sich z.B. Rückzugsorte und -zeiten.
  • Führen Sie auch ein eigenständiges Leben: Nehmen Sie Ihre eigenen Alltagsverpflichtungen wahr, und pflegen Sie etwa Ihre sozialen Kontakte.
  • Achten Sie auf die eigenen Grenzen - auch im Sinne von Rollen und Zuständigkeiten: Zum Beispiel kann eine Partnerin/ein Partner keine Therapeutin/kein Therapeut sein. Das bedeutet allerdings nicht, sich „einzumauern“. Aber Nein-Sagen oder die Trennung eigener Probleme von denen eines anderen Menschen gehört dazu. Das ist natürlich nicht immer leicht. Fragen Sie sich auch, was für Sie noch zu tolerieren ist und was nicht.
  • Suchen Sie sich Hilfe: Es ist okay, alleine nicht weiter zu wissen. Wenn Sie selbst seelische Probleme haben, kann professionelle Hilfe weiterhelfen.
  • Bedenken Sie: Sie können das Verhalten anderer Menschen kaum bzw. nicht steuern, jedoch ihr eigenes.

Eine besondere Rolle nehmen Kinder als Angehörige ein. Sie sollten ebenso unterstützt werden und wie alle näheren Bezugspersonen rechtzeitig Hilfe erhalten.

Wo finde ich Rat?

Woran Sie Sucht erkennen und welche speziellen Anlaufstellen es gibt, finden Sie unter den jeweiligen Suchterkrankungen. Folgende allgemeinen Ansprechstellen können Ihnen ebenso weiterhelfen:

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