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Gesicht spiegelt sich in Glas © harodominguez

Co-Abhängigkeit

Der Mensch ist keine „Insel“, sondern im Austausch mit seiner Umwelt. Daher hat das Verhalten gegenseitig aufeinander Einfluss. Es ist auch für das soziale Umfeld meist nicht leicht, wenn eine nahestehende Person suchtkrank ist, zudem existiert kein „Verhaltens-Patentrezept“. Allerdings gibt es durchaus Möglichkeiten der Unterstützung und Verhaltensempfehlungen. Der Begriff „Co-Abhängigkeit“ bezog sich ursprünglich auf Angehörige von Alkoholkranken. Ausgehend von Angehörigenselbsthilfegruppen der Anonymen Alkoholiker wurden Verhaltens- und Rollenänderungen von Angehörigen thematisiert, die eine Bedeutung für die Entstehung, Verstärkung oder Förderung von Suchtverhalten haben können.

Angehörige nicht immer „co-abhängig“

In der Folge entstanden viele Thesen und Ansichten, was das Phänomen der sogenannten Co-Abhängigkeit kennzeichnet. Von der Meinung, jede nähere Bezugsperson sei co-abhängig, bis hin zur Ausweitung des Begriffs auf alle Süchte, weitere Erkrankungen sowie das nahezu gesamte soziale Umfeld. Nach wie vor herrscht keine einheitliche Fachmeinung zum Thema vor. Es gibt jedoch Tendenzen dahingehend, dass unter Co-Abhängigkeit jedes suchtfördernde Verhalten – unabhängig von der Suchtart – verstanden wird. Der Begriff der Co-Abhängigkeit wird einerseits als „Schuldzuweisung“ verstanden, andererseits kann er auch neutral betrachtet werden: Jemand verhält sich suchtfördernd. Der Einfluss von Angehörigen auf den Suchtkranken ist allerdings eingeschränkt, das Verhalten eines anderen Menschen kann nicht zur Gänze kontrolliert werden. Und: Nicht jede/jeder Angehörige oder Mensch im näheren sozialen Umfeld (auch etwa am Arbeitsplatz) eines Suchtkranken ist „co-abhängig“.

Ratlosigkeit eingestehen

Kaum jemand fördert bewusst und absichtlich das Suchtverhalten eines Betroffenen. Dies geschieht meist in Eigendynamik und ist oft Ausdruck eines Bewältigungsverhaltens. Angehörige von Suchtkranken leiden in vielen Fällen unter der Situation und empfinden eine Vielzahl an Gefühlen von Entsetzen und Wut bis hin zu Hilflosigkeit. Wie soll man damit umgehen, wenn z.B. die Partnerin/der Partner zu trinken beginnt? Das sind Ereignisse, auf die man im Leben so gut wie gar nicht vorbereitet wird. Ein erster wichtiger Schritt ist, sich einzugestehen, dass man alleine nicht weiter weiß. Manchmal gibt es bereits andere Angehörige von suchtkranken Menschen im näheren Umfeld, mit denen Sie sich austauschen können. Eine besondere Rolle nehmen Kinder als Angehörige ein. Sie sollten unterstützt werden und wie alle näheren Bezugspersonen rechtzeitig Hilfe erhalten.

Suchtförderndes Verhalten vermeiden

Der Wunsch, helfen zu wollen, ist legitim und menschlich. Manche Unterstützungsbemühungen sind hilfreich, manche weniger. Doch was ist nun nicht hilfreich? Im Folgenden sind einige Beispiele aufgelistet:

  • Das Suchtproblem verdrängen, verleugnen oder verharmlosen. Dieses Verhalten ist allerdings auch Teil eines Schutzverhaltens von Angehörigen. In einer Beratung können andere Bewältigungsmechanismen erlernt werden.
  • Das Suchtmittel besorgen bzw. den Zugang zu ihm fördern (etwa durch Geldzuschüsse) oder bei substanzungebundenen Süchten die dahingehenden Aktivitäten zu erleichtern (z.B. Videospiel kaufen bei Videospielsucht).
  • Übernahme von jeglicher Verantwortung für das Leben der/des Betroffenen sowie Abnahme von Belastungen.
  • Entschuldigung und Rechtfertigung des Suchtverhaltens.

Oft entsteht bei Angehörigen der Wunsch, das Suchtverhalten kontrollieren zu wollen. Dies ist allerdings schwer möglich. Nur das eigene Verhalten ist nachhaltig steuerbar.

Für sich selbst da sein

Das Leben vieler Angehöriger kreist um das Suchtproblem des Betroffenen. Dabei vergisst man leicht sich selbst oder andere Menschen im näheren Umfeld bis hin zu Verpflichtungen des Alltags. Achten Sie auf die eigene Gesundheit und ein eigenständiges Leben. Gönnen Sie sich Rückzugsorte und -zeiten. Ansonsten kann es passieren, dass sich beispielsweise Erschöpfungszustände einstellen. Auf die eigenen Grenzen zu achten – auch im Sinne von Rollen und Zuständigkeiten (z.B. kann eine Partnerin/ein Partner keine Therapeutin/kein Therapeut sein) – ist wesentlich. Das bedeutet allerdings nicht, sich „einzumauern“. Aber Nein-Sagen oder die Trennung eigener Probleme von denen eines anderen Menschen gehört dazu. Das ist natürlich nicht immer leicht. Es kommt vor, dass Angehörige selbst Probleme haben oder an seelischen Erkrankungen leiden – unabhängig von der Suchterkrankung einer nahen Bezugsperson oder als Folge davon. Es ist wichtig, sich in diesem Fall professionelle Hilfe für sich selbst zu suchen.

Hilfe suchen

Es ist hilfreich, wenn Angehörige Suchtprobleme erkennen und Erkrankte darauf hinweisen. Rechnen Sie diesbezüglich allerdings mit Widerstand. Hilfestellung ist gerade bei Suchtkranken ein schmaler Grat. Und ob Betroffene Hilfe annehmen, liegt bei ihnen. Die Bereitschaft dazu kann sich bei Suchtkranken auch im Lauf der Zeit ändern. Angehörige werden eventuell in Therapien miteingebunden, sofern sie das möchten. Was Sie jedoch aktiv tun können: Sich selbst möglichst früh Unterstützung zu suchen, auch wenn die/der Betroffene in Ihrem Umfeld nicht zu einer Therapie bereit ist. Es ist allerdings nie zu spät dafür, sich Unterstützung zu suchen. Woran Sie Sucht erkennen und welche Anlaufstellen es gibt, finden Sie unter den jeweiligen Suchterkrankungen.

Folgende Ansprechstellen und Informationen können weiterhelfen:

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