Gesundheitsportal
Inhaltsbereich
Junge Ärztin im Gespräch mit Kind © Photographee.eu
Junge Ärztin im Gespräch mit Kind © Photographee.eu

Diagnose & Behandlung

Hier finden Patientinnen/Patienten mit einer seltenen Erkrankung und deren Angehörige unterstützende Informationen zu Diagnosen, Behandlungen, Medikamenten, Pflege, Betreuung und sozialer Unterstützung. Ein Überblick über wichtige Beratungseinrichtungen und Anlaufstellen hilft den Betroffenen, rascher die benötigte Versorgung zu bekommen. 

Verdacht auf eine seltene Erkrankung

Folgende Punkte können auf eine seltene Erkrankung hinweisen:

  • Es treten immer wieder Symptome oder Kombinationen von Symptomen auf, die ungewöhnlich sind und deren Ursache unklar ist.
  • Gängige Therapien sprechen nicht an.
  • Direkte Verwandte haben die gleichen oder ähnliche Symptome.

Eine genaue Diagnose unklarer chronischer Symptome ist wichtig, um

  • Klarheit über die Beschwerden und Symptome zu bekommen,
  • eine wirksame Therapie zu finden bzw. die Lebensqualität zu verbessern und
  • genetisch bedingte Erkrankungsrisiken bzw. die Möglichkeit einer Weitervererbung besser beurteilen zu können.

Diagnose & Behandlung

Bei unklaren Beschwerden und Verdacht auf eine seltene Erkrankung ist die erste Anlaufstelle bei Beschwerden eine Allgemeinmedizinerin/ein Allgemeinmediziner bzw. eine Fachärztin/ein Facharzt. Diese sollten im Bedarfsfall den Kontakt zu einem spezialisierten Zentrum (Expertisezentrum) herstellen. Expertisezentren haben aber auch Ambulanzzeiten oder Sprechstunden in denen Betroffene, üblicherweise nach Voranmeldung, mit ihren Vorbefunden vorstellig werden können.

Unter Expertisezentren versteht man zentrale hochspezialisierte klinische Einrichtungen für definierte Gruppen von seltenen Erkrankungen. Sie dienen vor allem der Erstdiagnostik und der Einstellung allfälliger Therapien, können aber auch für Kontrolluntersuchungen herangezogen und in Notfällen konsultiert werden. Expertisezentren sind kein Ersatz für die regionale medizinische Grundversorgung, die laufende Behandlung erfolgt im Idealfall wohnortnahe. 

Welche Expertisezentren für seltene Erkrankungen gibt es?

Österreich hat bislang sieben Expertisezentren für seltene Erkrankungen designiert, zwei weitere Zentren sollen bis Jahresende folgen (Stand Juni 2019):

  • Expertisezentrum für Knochenerkrankungen, Störungen des Mineralhaushaltes und Wachstumsstörungen (Designation in Vorbereitung): Pädiatrie AKH Wien / Kinderorthopädie Speising / Innere Medizin Hanusch Krankenhaus
  • Expertisezentrum für Knochen- und Weichteiltumore: Universitätsklinik für Orthopädie und Traumatologie in Graz


Designierte Expertisezentren haben die Möglichkeit, als Vollmitglieder in den Europäischen Referenznetzwerken für seltene Erkrankungen (ERNs) teilzunehmen und sich intensiv mit Experten in ganz Europa zu vernetzen. Derzeit gibt es solche Netzwerke, an denen auch Europäische Patientenvertreterinnen und -vertreter (ePAGs) beteiligt sind, für 24 Gruppen seltener Erkrankungen. Durch regelmäßigen Austausch und verstärkte Nutzung von Telemedizin soll – wo möglich – nicht der Patient reisen, sondern die Expertise. Für Krankheitsgruppen, für die es derzeit kein designiertes österreichisches Expertisezentrum gibt, bilden eine Reihe von assoziierten nationale Zentren die benötigte Schnittstelle zu den ERNs. Eine Liste dieser Einrichtungen finden Sie hier.

Hinweis Das Konzept für die Ausweisung von Expertisezentren wurde – entsprechend den Anforderungen der Europäischen Kommission - von der Nationalen Koordinationsstelle für seltene Erkrankungen (NKSE) erarbeitet und im Nationalen Aktionsplan für seltene Erkrankungen (NAP.se) dargestellt. Die Designation erfolgt anhand definierter Qualitäts- und Leistungskriterien.

Zentren im Netzwerk „Forum Seltene Krankheiten“

Neben den offiziellen Expertisezentren gibt es auch eine individuelle Initiative einzelner Klinikstandorte.  Folgende Zentren für seltene Erkrankungen die dem österreichischen Netzwerk Forum Seltene Krankheiten,  angehören, können im Bedarfsfall kontaktiert werden:

  • Zentrum für seltene Erkrankungen Bregenz:
    Landeskrankenhaus Bregenz
  • Zentrum für seltene Erkrankungen Graz:
    Medizinische Universität Graz
  • Zentrum für seltene Erkrankungen Innsbruck:
    Medizinische Universität Innsbruck / Universitätskliniken Innsbruck
  • Zentrum für seltene Erkrankungen Linz:
    Kepler Universitätsklinikum Linz
  • Zentrum für seltene Erkrankungen Salzburg:
    Universitätsklinikum Salzburg / Paracelsus Medizinische Privatuniversität
  • Zentrum für seltene Erkrankungen Wien / Vienna Center for Rare and Undiagnosed Diseases (CeRUD):
    Medizinische Universität Wien

Alle Kontakte sowie Formulare für online-Anfragen finden Sie hier

Behandlung im Ausland

Bei bestimmten seltenen Erkrankungen ist eine Behandlung in spezialisierten Zentren im Ausland notwendig. Die seit 1. November 2013 an der Gesundheit Österreich GmbH eingerichtete Nationale Kontaktstelle für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung (Kontaktstelle Patientenmobilität) informiert zu organisatorischen Abläufen sowie zu Vorabgenehmigung und Kostenerstattung.

Es wird empfohlen, sich jedenfalls vorab beim zuständigen Sozialversicherungsträger hinsichtlich der Voraussetzungen für eine Behandlung im Ausland – insbesondere über das Erfordernis einer Vorabgenehmigung und der Höhe der Kostenerstattung – etc. zu informieren.

Neue Medikamente und klinische Studien

Derzeit gibt es für 95 Prozent der etwa 8.000 bekannten seltenen Erkrankungen keine Therapie. Der Weg von der Entwicklung eines neuen Wirkstoffs bis zu seinem Vertrieb dauert durchschnittlich 15 Jahre und verursacht Kosten im Bereich von 2,5 Mrd. Euro.

Bevor ein neues Medikament durch die Behörde zugelassen werden kann, muss es mehrere klinische Studien durchlaufen. Damit kann der Hersteller die Wirksamkeit und Sicherheit des neuen Medikaments nachweisen.

Klinische Studien unterliegen sehr strengen ethischen und organisatorischen Richtlinien. Sollte sich in irgendeiner Phase herausstellen, dass ein Arzneimittel für den Menschen schädlich oder gar gefährlich ist, muss die Studie sofort abgebrochen werden. Auch für die Anzahl der zu testenden Personen gibt es Vorgaben. Hier gelten für Arzneimittel für seltene Erkrankungen (sogenannte Orphan Drugs) eigene Richtlinien, da die Zahl der Patientinnen und Patienten in diesem Bereich oft sehr klein ist.

Die klinische Prüfung eines neuen Medikaments nimmt meist längere Zeit in Anspruch. Patientinnen/Patienten mit einer seltenen Erkrankung haben durch die Teilnahme an einer klinischen Studie den Vorteil, mit einem neuen Medikament schon frühzeitig, vor dessen allgemeiner Zulassung, behandelt werden zu können. Zusätzlich werden Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer im Rahmen der notwendigen Prüfungen intensiv betreut.

Drucken RSS-Feed Teilen Feedback
Zum Seitenanfang springen