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Familie sitzt auf Couch © onoky

Essstörungen: Was Angehörige tun können

Viele Eltern sind verunsichert und fühlen sich hilflos und überfordert, wenn ihre Tochter/ihr Sohn an einer Essstörung leidet – oder der Verdacht auf eine Essstörung besteht. Der Umgang mit der Erkrankung und der Weg heraus können unterschiedlich sein.

Als Elternteil, als Erziehungsberechtigte/Erziehungsberechtigter oder erwachsene, nahestehende Person können Sie beispielsweise dazu beitragen, dass ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wird. Auch (spezielle) Beratungsstelle bieten Information, Unterstützung und Kontaktadressen.

Was Eltern tun können

Diagnose und Behandlung einer Essstörung (körperlich wie psychisch) nimmt eine Ärztin/ein Arzt vor. Manchmal erfolgt dies auch in einer spezialisierten Klinik.

Als Elternteil können Sie dazu beitragen, dass ärztliche Hilfe aufgesucht und angenommen wird. Sie können unterstützen und durch Ihr Mitwirken dazu beitragen, dass Verhaltensweisen und Faktoren, die an der Aufrechterhaltung der Krankheit beteiligt sind, geändert werden. Viele Eltern möchten gerne ihrem Kind uneingeschränkt helfen. Die Schwierigkeiten und Probleme bei einer Essstörung können jedoch nur mit professioneller Hilfe überwunden werden. Eltern können und sollten jedenfalls beobachten und mit dem Kind/Jugendlichen in Kontakt bleiben. Permanente oder auch teilweise Überwachung kann sich hingegen kontraproduktiv auswirken.

An der Entstehung und Entwicklung einer Essstörung sind viele verschiedene Faktoren beteiligt. Auch wenn die Familie bzw. eine Person alleine nicht der Grund dafür ist, können bei Eltern Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfe auftreten. Verschiedene Emotionen wie Ärger, Wut oder Trauer – wegen des eigenen Verhaltens oder des Verhaltens eines anderen – sind bis zu einem gewissen Grad normal. Belasten sie, kann die Hilfe einer Beratungsstelle angenommen oder ein Gespräch darüber mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt oder einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten sinnvoll sein. Eine Essstörung belastet nicht nur die Betroffenen, sondern wirkt sich auch auf die Familie bzw. das nähere Umfeld aus. Bei der Behandlung einer Essstörung ist allerdings die Unterstützung der Eltern wesentlich. Denn dann können die Situation sowie Schwierigkeiten gemeinsam gemeistert werden.

Das sollten Sie wissen

Informieren Sie das Kind/den Jugendlichen über Entscheidungen, und treffen Sie diese möglichst nicht alleine, sondern beziehen Sie sie/ihn mit ein. Oftmals müssen die Betroffenen davon überzeugt werden, dass die Ärztin/der Arzt aufgesucht werden muss. Das können Sie u.a. tun:

  • Hinsehen und handeln. Essstörungen sind keine „Phasen der Pubertät“, die sich von selbst wieder legen. Die Krankheit zu akzeptieren ist ein wesentlicher Schritt.
  • Informationen einholen. Bei der Ärztin/dem Arzt oder einer Beratungsstelle.
  • Gemeinsam unterstützen. Mit der Situation umzugehen ist für einen alleine besonders schwer. Im Idealfall unterstützen beide Elternteile. Auch wenn Eltern getrennt leben, sollten sie nach einem gemeinsamen Weg suchen und versuchen, Streitigkeiten untereinander zu vermeiden und den Fokus auf die Hilfe für ihr Kind zu legen. Manchmal ist es notwendig, die Unterstützung des Partners/der Partnerin mit Nachdruck einzufordern.
  • Gesprächsversuche des Kindes/Jugendlichen annehmen. Im alltäglichen Leben ist es nicht immer leicht, auf die Wünsche anderer einzugehen. Versuchen Sie, einen Freiraum zu schaffen und eine Möglichkeit zum Reden anzubieten – entweder gleich, wenn Sie sich (körperlich und seelisch) dafür stark genug fühlen, oder zu einem anderen vereinbarten Zeitpunkt.
  • Ansprechen. Ohne Vorwürfe zu machen oder zu übertreiben. Wählen Sie einen ruhigen Zeitpunkt, und sprechen Sie darüber, was Sie wahrnehmen und wie Sie sich fühlen, z.B. dass Sie sich sorgen, dass sich das Verhalten geändert hat. Vor einem solchen Gespräch fürchten sich viele Eltern. Es ist jedoch wichtig, Hilfe anzubieten, auch wenn das Angebot zumindest vorerst nicht angenommen wird. Vermeiden Sie es, im Gespräch ausschließlich auf die Themen „Figur“ oder „Abnehmen“ einzugehen und sich in Diskussionen zu diesen Themen zu verstricken. Teilen Sie Ihrem Kind mit, wenn Sie sich Unterstützung holen, z.B. bei einer Beratungsstelle oder der Ärztin/dem Arzt (nicht hinter dem Rücken!). Auch wenn Ihr Kind abstreitet, Ausreden bereithält oder aggressiv reagiert – versuchen Sie trotzdem, ruhig zu bleiben und ein Gespräch herzustellen.
  • Zum Arztbesuch bewegen. Als Elternteil haben Sie die Verantwortung für Ihr Kind. Essstörungen können schwere Folgen haben. Ist Ihr Kind zur Therapie bereit, sollten Sie dies unterstützen. Zeigen Sie Interesse an der Therapie, ohne dass Sie sich einmischen. Versuchen Sie nicht, Ihrem Kind Informationen über die Therapie zu entlocken. Auch wenn Sie damit ganz und gar nicht zufrieden sind: Respektieren Sie die Entscheidungen (auch ein Therapieabbruch kann vorkommen) und die Privatsphäre des Kindes/Jugendlichen. Versuchen Sie nicht, Ihr Kind ständig zu überwachen.
  • Zur Beratungsstelle raten. Und Informationsmaterial zu Hause für andere zugänglich liegen lassen. Sie können die Betroffene/den Betroffenen nicht zu einer Beratung zwingen. Drohungen sind fehl am Platz – und auch „Überredungsversuche“ scheitern oft. Anonyme Beratungen sind möglich und fallen vielleicht leichter, z.B. telefonisch. Rechnen Sie damit, dass es Zeit braucht, bis es zu einer Beratung bzw. Behandlung kommt.

Für die Familie und sich selbst

Einige Tipps und Hinweise können dem Kind/Jugendlichen sowie ihren Eltern bzw. Erziehungsberechtigten helfen, z.B.:

  • Sich selbst Hilfe holen. Beispielsweise bei einer Beratungsstelle.
  • Familienleben nicht vergessen und das eigene Leben leben. Eine Essstörung belastet die gesamte Familie. Auch für Geschwister ist es eine schwierige Situation. Ein offenes „Darüber-reden“ ist oft hilfreich. Machen Sie klar, dass es in Ordnung ist, wenn Gefühle und Bedürfnisse geäußert und Grenzen gesetzt werden, z.B. indem man wütend, verärgert oder hilflos ist, dass es in Ordnung ist, nicht ständig übers Essen reden zu wollen, von der Betroffenen/dem Betroffenen bekocht zu werden – oder die-/denjenigen „wie ein rohes Ei“ zu behandeln. Freunde zu treffen, Spaß zu haben und das eigene Leben zu leben ist für Kinder, Jugendliche und Erwachsene wichtig. Auch hierbei kann die Hilfe einer Beratungsstelle unterstützen.
  • Regeln aufstellen. Und konsequent umsetzen – z.B. im Zusammenhang mit Essen. Ist Ihr Kind magersüchtig und die Situation sehr belastend, können Sie getrenntes Essen vereinbaren, um für die anderen Familienmitglieder ein entspanntes bzw. genussvolleres Essen zu ermöglichen. Magersüchtige können durchaus gerne und viel für andere kochen. Sie essen jedoch selbst nicht mit. Es kann sinnvoll sein, der/dem Magersüchtigen den Aufenthalt in der Küche bzw. das Kochen für andere zu verbieten.
  • Sich mit anderen austauschen. Unterstützend kann auch der Austausch mit Freunden und Verwandten sein, allerdings kann dies auch verunsichern. Tipps und Ratschläge erhalten Sie etwa bei speziellen Beratungsstellen. Weitere Infos zu Beratungsmöglichkeiten finden Sie unter Essstörungen: Beratung & Hilfe.

Was tun bei Suizidgedanken?

Bei Menschen, die von einer Essstörung betroffen sind, können Suizidgedanken auftreten. Diese werden oft indirekt geäußert, z.B. „Es ist alles sinnlos – ich will nicht mehr.“

Hinweis Nicht wegsehen und handeln. Holen Sie Hilfe, und kontaktieren Sie eine Ärztin/einen Arzt. In Akutsituationen die Rettung (144) rufen!

Das Kriseninterventionszentrum Wien bietet zudem hilfreiche Links zu Ansprechstellen in ganz Österreich und weiterführende Informationen unter www.kriseninterventionszentrum.at.

Weitere Informationen erhalten Sie unter Suizidgefahr erkennen.

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