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Beispielbild bildgebende Untersuchung © emirkoo

Krebs: Diagnose & Prognose

Um eine sichere Diagnose zu stellen und die Ausbreitung der Erkrankung zu beurteilen, werden unterschiedliche Diagnosemethoden eingesetzt. Stellt die betreuende Ärztin/der betreuende Arzt einen Verdacht auf eine Krebserkrankung fest, erfolgt eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) sowie eine genaue körperliche Untersuchung. Auch ob andere Familienmitglieder bereits an Krebs erkrankt sind, wird erfragt. Manchmal ist die Diagnose ein „Zufallstreffer“ z.B. im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts wegen ursprünglich ganz anderer Beschwerden.

Individuelle Abklärung bei Verdacht auf Krebs

Pro Jahr erkranken in Österreich ca. 39.000 Menschen an einer Krebserkrankung. Zu den häufigsten Krebsarten zählen Darm-, Lungen-, Prostata- oder Brustkrebs. Männer sind generell häufiger betroffen als Frauen, wobei dies jedoch nach Altersgruppe unterschiedlich ist. Die Symptome können sehr unterschiedlich und unspezifisch sein und reichen von Schmerzen, die durch eine Raumforderung ausgelöst werden, bis hin zu paraneoplastischen Erscheinungen. Darunter versteht man Symptome, die weder durch die mechanische Wirkung des Tumors selbst noch durch Metastasen erklärbar sind. Nicht nur die Tumormasse, sondern auch vom Tumor produzierte Botenstoffe (z.B. Hormone) können zu Krankheitsbeschwerden führen.

Weitere Untersuchungen hängen vom jeweils betroffenen Gewebe ab. Zu diesen gehören vor allem Blutuntersuchungen (inklusive etwaiger Tumormarker), radiologische Bildgebung (z.B. CT, MRT), nuklearmedizinsche Abklärungen (z.B. bei Verdacht auf Schilddrüsenkrebs).

Sofern möglich, ist es wichtig, Krebs früh zu erkennen, um rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen. Die Vorsorgeuntersuchung bietet eine gute Möglichkeit, „auf sich zu schauen“. Nähere Informationen zu Früherkennung und Prävention finden Sie unter Prävention und Früherkennung von Krebs. Handelt es sich um eine erblich bedingte Krebsform, werden auch andere Familienmitglieder in Präventionsmaßnahmen miteingebunden – sofern diese zustimmen.

Diagnose sichern: Das Gewebe gibt Aufschluss

Die Schlüsseluntersuchung in der Tumordiagnostik ist die Entnahme einer Gewebeprobe (z.B. mittels einer Biopsie) bzw. eine Blutabnahme. Ohne die genaue histologische bzw. zytologische Untersuchung darf eine Krebsdiagnose niemals endgültig gestellt werden. Bei soliden Tumoren ist es zudem wichtig, einen kleinen Teil des umgebenden Gewebes mit zu untersuchen, um zu beurteilen, ob sich der Krebs ausgebreitet hat. Unter dem Mikroskop wird u.a. beurteilt, um welche Zellen es sich handelt und wie entartet sie sind. Je stärker eine Krebszelle von einer normalen Zelle abweicht, desto bösartiger ist sie. Die Bestimmung dieser Entartung erfolgt mittels sogenanntem Grading. Auch Einbrüche in umgebende Blut- und Lymphgefäßsysteme, über die Krebszellen in den ganzen Körper verbreitet werden können, sind mit dieser Untersuchungsmethode darstellbar. Werden Tochtergeschwulste (Metastasen) – also Ansiedelungen des Primärtumors an anderer Stelle – untersucht, geben die darin vorkommenden Zellen manchmal Informationen über den Ursprungstumor, falls dieser noch nicht entdeckt wurde.

Moderne Methoden der Molekularbiologie ermöglichen noch genauere Diagnosen und maßgeschneiderte Therapien, indem sogenannte Marker oder Proteine identifiziert werden, die für einen bestimmten Tumor charakteristisch sind. Auch Genanalysen haben in die Tumordiagnostik Einzug gefunden.

Genanalysen für personalisierte Krebstherapie

Sogar Tumoren des gleichen Typs verhalten sich je nach individueller Ausprägung unterschiedlich. Eine genetische Analyse kann Basis für eine personalisierte Behandlung sein – vor allem bei Tumoren, die auf gängige Behandlungen nicht ansprechen. Zusätzlich können Tests zur Genexpression Informationen zu Arzneimittelüberempfindlichkeit sowie zur Prognose liefern. Es sind bereits Diagnosetests erhältlich z.B. MammaPrint und Oncotype DX beim Mammakarzinom. Sie werden für Behandlungsentscheidungen eingesetzt.

Krankheitsausbreitung im Körper

Ist die Diagnose Krebs gestellt, ist der nächste Schritt eine genaue Erhebung der Ausbreitung im Körper. Je früher die Krankheit erkannt wird, z.B. im Rahmen eines Screenings, desto geringer ist die Ausdehnung der Erkrankung und desto besser sind die Heilungschancen. Bei Krebserkrankungen des Blutes und Knochenmarks gelten andere prognostische Faktoren, da es sich um keinen soliden Tumor handelt.

Die Beurteilung der Krankheitsausdehnung wird als Staging bezeichnet. Es werden zwei Arten des Staging unterschieden:

  • Das klinische Staging beruht auf einer körperlichen Untersuchung, bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgen und CT) und nuklearmedizinischen Methoden (z.B. Szintigraphie). Beim sogenannten Organscreening werden alle Organe auf eventuellen Tumorbefall untersucht.
  • Das pathologische Staging orientiert sich am chirurgischen Vorgehen z.B. der Entfernung und Untersuchung regionaler Lymphknoten, Inspektion der umgebenden Organe sowie die histologische Untersuchung des betroffenen Gewebes.

Staging mittels TNM-System

Meist erfolgt die Einteilung im Staging mithilfe des TNM-Systems. Auf Grundlage dieser Einteilung kann die Behandlung optimal angepasst und der Verlauf einer Tumorerkrankung exakt verfolgt werden.

Überblick über die TNM-Einteilung

Bezeichnung Bedeutung
T Größe und Ausdehnung des Primärtumors
T1–T4 (je höher der Wert, desto größer der Tumor)
N N0: kein Befall der Lymphknoten
N1: Befall der Lymphknoten
M M0: keine Metastasen
M1: Vorhandensein von Metastasen

Quelle: Nach Harrisons Innere Medizin (2012): Band 1, 18. Auflage. Berlin, eigene Darstellung

Mittels römischer Zahlen werden Bezeichnungen von T, N und M kombiniert, und es wird eine detaillierte Zuordnung getroffen. Andere häufig verwendete Einteilungsschemata sind erkrankungsspezifisch z.B. die Ann-Arbor-Klassifikation für Hodgkin-Lymphome oder die Dukes-Skala für kolorektale Karzinome.

Die Bedeutung des Allgemeinzustandes

Ein weiterer für die Prognose wesentlicher Faktor ist der Allgemeinzustand der Patientin/des Patienten. Dieser wird mittels Karnofsky-Performance Scores klassifiziert. Die körperlichen und seelischen Reserven von Betroffenen sind ebenfalls entscheidend für den Kampf gegen die Erkrankung.

Die Diagnose Krebs stellt einen großen Einschnitt im Leben der Betroffenen dar. Begleitend kann z.B. eine Klinische Psychologin/ein klinischer Psychologe bzw. eine Psychotherapeutin/ein Psychotherapeut Unterstützung in dieser schweren Zeit bieten.

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