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Mädchen bei Sprechtraining © Photographee.eu

Stottern

Stottern ist eine Störung im Redefluss. Das Sprechen wird unterbrochen durch die Wiederholung von Lauten, Silben oder Wörtern oder durch stumme Blockierungen. Während der Artikulation kann es auch zu unkontrollierten Mitbewegung von Händen oder Beinen sowie zu einer sich stark verändernden Mimik kommen. Bleibt die Sprechunflüssigkeit über einen Zeitraum von über drei Monaten bestehen und zeigen sich darüber hinaus Zeichen von Anspannung, besteht ein Risiko auf ein beginnendes Stottern. Zu unterscheiden ist dieses aber von Sprechunflüssigkeiten, die entwicklungsbedingt im Alter zwischen zwei und fünf Jahren auftreten können. Dabei treten lockere Wiederholungen vorrangig von Silben und Wörtern auf. Diese Phasen der Unflüssigkeit während der kindlichen Sprachentwicklung müssen jedenfalls von einem Stottern abgegrenzt werden . . .

Symptome & Begleiterscheinungen

Beim Stottern (Balbuties) sind normaler Sprechfluss und zeitlicher Ablauf des Sprechens unterbrochen. Es kommt unter anderem zu

  • Wiederholungen,
  • Dehnungen sowie
  • Blockierungen

insbesondere von Lauten und Silben. Das Stottern dauert über einen längeren Zeitraum an. Häufigkeit, Ausprägung und Kombination der Symptome sind individuell verschieden. Stottern kann sich bereits in der Kindheit zeigen, jedoch auch im Jugendlichen- und Erwachsenenalter auftreten. Die Symptome können sehr auffällig, aber auch für Laien kaum merkbar sein.

Neben den genannten Symptomen finden sich verschiedene Begleitsymptome, Reaktionen und Auffälligkeiten. Es kommt unter anderem zu:

  • gepresster Stimme, forcierter Atmung,
  • verstärkten Mitbewegungen – beispielsweise der Mimik oder der Extremitäten,
  • Umschreibungen, Einschieben von Lauten, Silben, Wörtern, Satzabbrüchen etc.

Ängste, Scham, Frustration, vermindertes Selbstwertgefühl, Rückzug, aber auch Wut und Aggression etc. können in Zusammenhang mit Stottern stehen. Psyche, soziales Verhalten und Alltag können stark belastet bzw. beeinträchtigt sein.

Ursachen

Am Stottern sind verschiedene Faktoren beteiligt. Die Ursachen sind bislang noch nicht restlos geklärt. Diskutiert werden etwa eine erbliche Veranlagung, organische Ursachen, Entwicklungsstörungen sowie verschiedene weitere Faktoren, die am Auslösen und Aufrechterhalten beteiligt sind. Defizite in der Sprachentwicklung, Sprechstörungen, bestimmte Kommunikations- und Interaktionsformen in der Familie bzw. im nahen sozialen Umfeld und vieles mehr können sich auswirken. Die Ursachen sind jedoch nicht immer unmittelbar erkennbar. 

Diagnose

Um Stottern abzuklären, werden Symptome erhoben und Untersuchungen durchgeführt. Wesentlich ist unter anderem

  • Stottersymptomatik sowie Begleitsymptome: Ausmaß, Dauer, Beginn und Art des Stotterns. Die Sprachentwicklung wird erhoben. Dies erfolgt z.B. mittels Fragebögen, Checklisten und Tests. Auch Video- und Tonaufnahmen können vorgenommen werden.
  • Abklärung ev. Erkrankungen bzw. Störungen: z.B. das Vorliegen anderer Störungen des Redens, Verhaltens-, Konzentrations-, Aufmerksamkeitsstörungen, neurologische oder psychische Erkrankungen oder Störungen.
  • Soziales Umfeld: z.B. Eltern bzw. Erziehungsberechtigte, Familie, soziales Leben. Lebensstil und -qualität spielen bei der Diagnose und Therapie eine Rolle.

Therapie

Die Therapie orientiert sich an der individuellen Situation und kombiniert meist verschiedene Behandlungsansätze. Sie zielt auf eine Verbesserung der Sprechflüssigkeit ab. Auch die Reduzierung der Belastung durch das Stottern und Auswirkungen auf Psyche, soziales Leben, Lebensqualität und -aktivität sind wesentlich. Betroffene bzw. die Eltern/Erziehungsberechtigen werden über das Stottern, die Therapie, Rückfälle und deren Bewältigung ausführlich informiert und beraten. Einzel- und Gruppenbehandlung sind möglich.

Zur Therapie zählen unter anderem:

  • Das direkte Arbeiten am Stottern durch verschiedene Verfahren zur Sprech- und Stottermodifikation, etwa mittels Logopädie. Dabei wird an der Sprechweise der Betroffenen gearbeitet und/oder an einem konkreten Ereignis, z.B. Sprechtraining durch prolongiertes Sprechen, weicher Stimmeinsatz.
  • Die Behandlung bzw. das Arbeiten an Begleitsymptomen. Auch eine Änderung der Einstellung zum Sprechen, verschiedene Verhaltensänderungen, Selbstbewertung etc. werden muteinbezogen, (z.B. durch Einsatz von Psychotherapie, Atem- und Entspannungstechniken.
  • Behandlung ev. zugrunde liegender Erkrankungen oder Störungen.
  • Miteinbeziehen des Umfeldes. Für die Therapie bzw. Entwicklung ist das Umfeld wesentlich. Diese umfasst das soziale Umfeld (Eltern, Erziehungsberechtigte, Schule) und deren Mitarbeit. Neben Beratung und Anleitung kommt dem Üben zu Hause Bedeutung zu. Auch ist das Umsetzen des „Erarbeiteten“ in Alltagssituationen Teil der Therapie.
  • Selbsthilfe.
  • Eventuell Einsatz von technischen oder elektronischen Hilfsmitteln, z.B. Geräten, Software, Apps.

Wohin kann ich mich wenden?

Ansprechstellen sind – je nach Alter der Betroffenen und gesundheitlicher Situation – unter anderem:

  • Fachärztin/Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde
  • Fachärztin/Facharzt für HNO (Spezialisierung Phoniatrie)
  • Logopädin/Logopäde

Die Hausärztin/der Hausarzt kann Untersuchungen veranlassen und Überweisungen in die Wege leiten. In den Diagnose- und Therapieprozess können zudem involviert sein:

  • Neurologin/Neurologe 
  • Psychologin/Psychologe 
  • Psychotherapeutin/Psychotherapeut
  • Psychiaterin/Psychiater 

Diagnose und Behandlung erfolgen teils in speziellen Abteilungen von Kliniken z.B. für Phoniatrie-Logopädie sowie Hör-Stimm- und Sprachstörungen.

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