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Frau mit Schmerzen am Handgelenk © pathdoc

Schmerz: Was ist das?

Schmerz ist laut Weltschmerzorganisation IASP (= International Association for the Study of Pain) ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Mit dem Begriff „Sinneserlebnis“ sind die Qualität des Schmerzes, z.B. brennend, stechend, bohrend oder reißend, und seine Stärke gemeint. Der Begriff „Gefühlserlebnis“ bezieht sich auf die emotionalen Anteile des Schmerzes, z.B. quälend, mörderisch oder erschöpfend.

Laut dem aktuellen Wissensstand der Schmerzforschung ist es für eine erfolgversprechende Behandlung wichtig, Schmerzen nicht nur – wie lange Zeit üblich – nach ihrer Stärke und Dauer, sondern auch nach ihrer Art zu bewerten. 

Subjektiven Schmerz messen

Schmerz wird individuell sehr unterschiedlich wahrgenommen. Dies hängt nicht nur vom reinen Nervensignal ab. Auch biologische (d.h. erbliche), psychologische und soziale Faktoren wie etwa familiäre und kulturelle Traditionen im Umgang mit Schmerz spielen eine Rolle. Eine Messung des subjektiv empfundenen Schmerzes ist v.a. aus folgenden Gründen wichtig:

  • um entscheiden zu können, ob eine Behandlung erforderlich ist,
  • um die Wirksamkeit einer Schmerztherapie überprüfen zu können.

Dazu stehen verschiedene Schmerzskalen zur Verfügung, z.B.:

  • Numerische Rating-Skala (NRS): Die empfundene Schmerzstärke wird mit einem Zahlenwert von „0“ (= keine Schmerzen) bis „10“ (stärkster vorstellbarer Schmerz) angegeben.
  • Visuelle Analogskala (VAS): Die Schmerzstärken (kein Schmerz und unerträglicher Schmerz) sind mit einer Linie dargestellt, auf der die persönliche Empfindung angegeben werden kann.
  • Verbale Rating-Skala (VRS): Einschätzung, ob kein oder ein leichter, mittlerer, starker oder extremer Schmerz vorliegt.  

Akuter und chronischer Schmerz

Akuter Schmerz ist zwar unangenehm, aber nützlich (eine lebensnotwendige Sinneswahrnehmung): Er macht uns auf potenzielle oder tatsächliche Schädigungen aufmerksam. Der chronische Schmerz besitzt diese lebenswichtige Warnfunktion hingegen nicht, sondern stellt eine weitgehend „sinnlose“ Belastung für uns dar. In Österreich ist, je nach Studie, jede/jeder Fünfte bis Fünfzehnte von einer chronischen Schmerzbelastung betroffen.

Akuter Schmerz

Akute Schmerzen treten plötzlich auf und klingen in der Regel von selbst ab, sobald der Auslöser geheilt bzw. beseitigt ist. Sie üben eine notwendige Warnfunktion aus, um Gewebeschäden zu vermeiden, und informieren uns darüber, wo Reizungen, Wunden oder Entzündungen entstanden sind. Akute Schmerzen treten zum Beispiel bei Zahnproblemen, Verletzungen, Muskelverspannungen, Sonnenbrand, Gallenkolik oder Herzinfarkt auf.

Chronischer Schmerz

Schmerzen, die über eine erwartete normale Heilungszeit hinaus weiter bestehen bzw. länger als drei Monate andauern oder immer wiederkehren, gelten als chronisch. Sie müssen nichts mehr mit der eigentlichen Verletzung zu tun haben und können daher auch in ganz anderen Körperregionen auftreten. Eine chronische Schmerzkrankheit entsteht, wenn der Schmerz seine Funktion als Warnsignal verloren hat und sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt.

Durch starke und langanhaltende Schmerzreize – beispielsweise aufgrund fehlender oder unzureichender Schmerzbehandlung – können die weiterleitenden Nervenzellen im Rückenmark und Gehirn für nachfolgende Schmerzreize sensibler werden. Selbst leichte Berührungen, mäßige Hitze oder Druck werden als schmerzhaft empfunden. Außerdem kann es in Rückenmark und Gehirn zur Verfestigung einer gesteigerten Schmerzempfindlichkeit kommen. Dieser Lernprozess wird auch als „Schmerzgedächtnis“ oder „Schmerz-Engramm“ bezeichnet.

Chronischer Schmerz kann in jedem Alter auftreten. Besonders betroffen ist jedoch die Altersgruppe zwischen 40 und 70 Jahren. Am häufigsten sind Schmerzen im Stütz- und Bewegungsapparat, Kopf- und Nervenschmerzen sowie Schmerzen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen.

Welche Schmerzarten gibt es?

Unterschieden werden je nach zugrunde liegenden Entstehungsmechanismen drei verschiedene Schmerzarten: Rezeptorschmerzen, Nervenschmerzen und Mischformen. 

Rezeptorschmerzen

Rezeptorschmerzen (nozizeptive Schmerzen) sind die klassischen Schmerzen, wie sie nach einer Gewebeverletzung auftreten. Sie äußern sich dumpf, drückend, krampf- oder kolikartig. Die Schmerzmelder, sogenannte Schmerzrezeptoren (= Nozizeptoren), werden im Gewebe, im Gelenk oder im Knochen gereizt und leiten diese Information als Schmerzsignal weiter. Die Reizung der Schmerzrezeptoren kann dabei durch direkte mechanische Einwirkung (z.B. Messerschnitt), durch chemische (z.B. Säure), thermische (z.B. Hitze) oder körpereigene Substanzen (z.B. Entzündungsbotenstoffe) ausgelöst werden.

Beispiele für Rezeptorschmerzen sind:

Nervenschmerzen

Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen) sind auf eine direkte Schädigung oder Fehlfunktion einer schmerzleitenden Nervenfaser zurückzuführen, z.B. durch Verletzungen, Veränderungen des Rückenmarks, Amputationen oder Erkrankungen wie Gürtelrose oder Diabetes mellitus. Der Nerv selbst – und nicht der Schmerzrezeptor – löst den Schmerz aus. Die Schädigungen im Nervensystem führen letztendlich zu einer übermäßigen Erregbarkeit der Nervenzellen – sie leiten kontinuierlich Schmerzimpulse an das Gehirn weiter und führen zu chronischen Schmerzen.

Bei Nervenschädigungen kann der Schmerz nicht am Ort der Verletzung, sondern an einer ganz anderen Körperstelle empfunden werden. So kann ein verletzter Nerv im Rücken z.B. in das Bein ausstrahlende Schmerzen verursachen.

Beispiele für Nervenschmerzen:

  • Phantomschmerzen,
  • Rückenschmerzen mit Nervenverletzungen,
  • Post-Zoster-Neuralgie (chronische Schmerzen nach Gürtelrose),
  • HIV,
  • diabetische Polyneuropathie.

Mischformen

Viele chronische Schmerzen haben nicht nur eine zugrunde liegende Schmerzart. Man spricht von gemischten Schmerzen, wenn sowohl Rezeptorschmerzen als auch Nervenschmerzen zugrunde liegen. Beide Schmerzarten müssen entsprechend behandelt werden, um einen Therapieerfolg zu erzielen.

Beispiele für Mischformen sind:

  • chronische Rückenschmerzerkrankungen,
  • Tumorschmerzen mit Nerveninfiltration,
  • Arthroseschmerz.

Wie werden Schmerzen diagnostiziert?

Eine möglichst exakte Diagnose ist notwendig, um die für die Betroffene/den Betroffenen optimale Therapie zu finden. Dazu braucht die Ärztin/der Arzt genaue Angaben, u.a. über Dauer, Stärke und Art des Schmerzes. Angaben der Patientin/des Patienten zu folgenden Fragen können wichtige Hinweise liefern:

  • Wo befindet sich der Schmerz?
  • Wie fühlt sich der Schmerz an?
  • Wann haben die Schmerzen begonnen?
  • Wie lange dauern die Schmerzen an?
  • Wann treten die Schmerzen auf?
  • Wodurch werden die Schmerzen positiv oder negativ beeinflusst? 

Wohin kann ich mich wenden?

Sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzen ist es wichtig, möglichst frühzeitig eine angemessene Schmerztherapie einzuleiten. Sie können sich bei Schmerzen an folgende Stellen wenden:

  • Ärztin/Arzt für Allgemeinmedizin,
  • Schmerztherapeutin/Schmerztherapeut: Dies sind Ärztinnen/Ärzte unterschiedlichster Fachrichtungen wie z.B. Anästhesie, Neurologie, Orthopädie oder Psychiatrie, die sich auf Schmerztherapie spezialisiert oder eine Zusatzausbildung haben. Ihr Spezialwissen ist insbesondere bei der Behandlung chronischer Schmerzen gefragt. 
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