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Läufer mit Beinprothese © mezzotint_fotolia

Phantomschmerz

Phantomschmerzen werden auf Veränderungen im Gehirn zurückgeführt. Sie werden in einem Körperteil wahrgenommen, der nicht mehr vorhanden ist, meist infolge einer Amputation. Die meisten Betroffenen spüren weiterhin den nicht mehr vorhandenen Körperteil (z.B. Arm oder Bein), beispielsweise seine Form (Länge, Umfang) und Haltung. Darüber hinaus treten Kribbeln, Berührungsempfindungen oder Zucken und v.a. Schmerzen (bei 60 bis 80 Prozent der Amputierten) auf . . .

Ursachen

Phantomschmerzen werden auf Veränderungen im Gehirn zurückgeführt. Im sensomotorischen Kortex („Tastrinde“) – der inneren Landkarte, auf der alle Körperregionen entsprechend ihrer gesendeten Empfindungsbotschaften repräsentiert sind – ist der amputierte Körperteil bei Patientinnen/Patienten mit Phantomschmerz weiter abgebildet. Es erfolgt allerdings eine Umorganisation dieser Gehirnregion, in der Berührungs- und Schmerzreize verarbeitet werden. Denn der Anteil der „sensorischen Landkarte“, der vor der Amputation Nervenimpulse erhielt, bleibt nach dem Eingriff ohne Zustrom. Er bleibt jedoch nicht leer, sondern erhält nach der Amputation Impulse aus Nachbarregionen. Dabei gilt: Je größer diese Umorganisation, desto größer der Phantomschmerz.

Auch Regionen im Gehirn, die eher mit der emotionalen Komponente von Schmerz zu tun haben, d.h. der Bewertung, wie unangenehm der Schmerz ist, können sich verändern. Diese Umorganisation im Gehirn ist besonders ausgeprägt, wenn im betroffenen Körperteil bereits vor der Amputation Schmerzen auftraten und diese eine Art zentrales Schmerzgedächtnis hinterlassen haben. Dann kann es nach der Amputation zum Verlust schmerzhemmender Mechanismen und damit dem Auftreten früherer Schmerzen im Phantomglied kommen.

Therapie

Gewisse Erfolge können mit medikamentösen Ansätzen erzielt werden, insbesondere mit Antidepressiva, Opioidenund Präparaten, die die Erregbarkeit des Gehirns verändern. Aufgrund der veränderten Repräsentanz von Körperteilen in der Tastrinde erscheint es sinnvoll, mit der Schmerztherapie genau hier anzusetzen, d.h. die Umorganisation im Gehirn rückgängig zu machen. Dies ist mit unterschiedlichen Verfahren möglich:

  • Myoelektrische Prothese: Durch Tragen der Prothese wird die Hirnregion, die aufgrund der Amputation verändert wurde, wieder aktiviert. Die Funktion der verlorenen Gliedmaße wird zum Teil wiederhergestellt, das Gehirn erhält Reize, die negativen Umbauprozesse werden rückgängig gemacht.
  • Sensorisches Wahrnehmungstraining: Dabei wird die Stimulation des Stumpfes mit bewusster Wahrnehmung der Reize kombiniert, was sowohl den Schmerz als auch die Umbauprozesse günstig beeinflusst.
  • Spiegel-Training: Wenn die Patientin/der Patient die noch vorhandene Gliedmaße vor dem Spiegel bewegt, wird dies durch die Reflexion als Bewegung der amputierten Gliedmaße wahrgenommen. Die Repräsentanz in der Tastrinde normalisiert sich; der Phantomschmerz verringert sich.
  • Visualisierungen: Auch Vorstellungsübungen zu Bewegungen der Phantomgliedmaße führen zu ähnlichen Erfolgen.

Welche Therapieform in Einzelfall geeignet ist, sollte in einer interdisziplinären Schmerzambulanz oder Klinik geklärt werden.

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