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Frau mit Schmerztablette © Photographee.eu

Schmerz: Medikamentöse Therapie

Eine erfolgreiche Schmerztherapie zielt über die Schmerzlinderung hinaus darauf ab, die Schlafqualität und Stimmung zu verbessern sowie die soziale Aktivität und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Zur Anwendung kommen entweder einzelne oder mehrere aufeinander abgestimmte Therapien. Eine wichtige Säule stellt die medikamentöse Behandlung dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Schmerzmittel in drei Gruppen („Stufenschema“) eingeteilt. Diese kommen je nach Schmerzintensität zum Einsatz . . . 

Stufe 1: Nicht-Opioidanalgetika gegen leichte Schmerzen

Diese Gruppe umfasst opioidfreie Medikamente, die den Schmerz vornehmlich am Ort seines Entstehens bekämpfen.

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR; z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen): Diese kortisonfreien Arzneimittel wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Sie eignen sich daher besonders bei Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparates. Speziell bei längerer Anwendung können Nebenwirkungen wie z.B. Entzündungen und Blutungen der Magen-Darm-Schleimhaut oder Nierenschäden auftreten. Moderne Antirheumatika (sogenannte Coxibe oder COX2-Hemmer) sind zwar magenverträglicher, können jedoch bei längerer Einnahme ebenfalls die Magen-Darm-Schleimhaut angreifen. Werden Antirheumatika länger als ein Jahr angewendet, erhöht sich bei vorbelasteten Personen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Pyrazolone (z.B. Metamizol): Sie wirken schmerzlindernd und krampflösend (v.a. auf die Muskulatur des Magen-Darm-Traktes). Bei längerem Gebrauch kann es in seltenen Fällen zu Blutbildveränderungen kommen.
  • Aniline (z.B. Paracetamol): Sie wirken schmerzlindernd und fiebersenkend. Höhere Dosen über längere Zeit können Leberschäden verursachen.

Stufe 2: Medikamente gegen mittelstarke Schmerzen

Gegen mittelstarke Schmerzen kommen vorwiegend sogenannte Opioidanalgetika (z.B. Tramadol, Dihydrocodein) zum Einsatz. Diese schwach wirksamen Morphinabkömmlinge beeinflussen die Weiterleitung und Verarbeitung des Schmerzes über zentrale Wirkungen in Rückenmark und Gehirn. Als Nebenwirkungen können – meist nur in den ersten Behandlungstagen – v.a. Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit und vermehrtes Schwitzen auftreten.

Stufe 3: Mittel gegen starke Schmerzen

Gegen starke Schmerzen werden Opiate (z.B. Buprenorphin, Fentanyl, Hydromorphon, Morphin, Oxycodon) in unterschiedlichen Darreichungsformen (z.B. Schmelz- oder Lutschtabletten, Schmerzpflaster) eingesetzt. Sie stammen ebenfalls von Morphin ab, zentrale Wirkmechanismen (Schmerzverarbeitung im Gehirn) stehen im Vordergrund. Die Nebenwirkungen ähneln jenen der leichten Morphinabkömmlinge. Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit und vermehrtes Schwitzen verschwinden bei regelmäßiger Einnahme meist innerhalb von etwa zwei Wochen. Hingegen leiden viele Patientinnen/Patienten unter Opiattherapie dauerhaft unter Verstopfung. Diese sollte begleitend mit möglichst natürlichen Mitteln (z.B. ballaststoffreiche Kost, Lein- oder Flohsamen), eventuell auch mit Abführmitteln behandelt werden. Zu beachten ist darüber hinaus, dass Opiate die Fahrtauglichkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen können.

Opioidhaltige Schmerzmittel (Opioidanalgetika, Opiate) sollen nicht eingesetzt werden bei:

  • Migräne und Spannungskopfschmerzen,
  • chronischen Unterbauchschmerzen der Frau,
  • Reizdarmsyndrom,
  • Fibromyalgiesyndrom (Ausnahme Tramadol),
  • chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung,
  • psychischen Störungen, die sich durch chronische Schmerzen äußern (z.B. Depressionen).

Besonderheiten bei chronischen Schmerzen

Bei chronischen Schmerzen ist die Wirksamkeit von Schmerzmitteln deutlich geringer als bei akuten Schmerzen. Daher ist es für Betroffene hilfreich, über einige spezielle Aspekte Bescheid zu wissen:

  • Chronische Schmerzen werden in der Regel durch eine Kombination von physikalischen und medikamentösen, gegebenenfalls auch psychologischen Maßnahmen behandelt.
  • Der Schmerz soll durch einen kontinuierlichen Medikamentenspiegel im Blut konstant gedämpft werden. Daher ist auf eine regelmäßige Einnahme zu bestimmten Zeiten zu achten.
  • Die Therapie dauert oft über längere Zeiträume – unter Umständen mehrere Monate bis Jahre.
  • Antirheumatika scheiden aufgrund ihrer potenziellen Nebenwirkungen in der Regel für Langzeittherapien aus.
  • Paracetamol oder Metamizol sind meistens nicht ausreichend wirksam.
  • Häufig werden Morphinabkömmlinge (Opioide, Opiate) eingesetzt. Sie können bei längerer Einnahme zu körperlicher Abhängigkeit führen, machen jedoch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch nicht süchtig. Sie müssen gegen Therapieende hin stufenweise reduziert werden, um Entzugsbeschwerden zu vermeiden.
  • Coanalgetika (z.B. Antidepressiva, Antikonvulsiva) kommen in der Behandlung von neuropathischen Schmerzen zum Einsatz.
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