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Schwangere bei Arzt © WavebreakMediaMicro

Multiple Sklerose & Schwangerschaft

Multiple Sklerose (MS) tritt bei Frauen zwei- bis dreimal häufiger auf als bei Männern. Viele MS-Patientinnen sind junge Frauen im gebärfähigen Alter. Bis vor wenigen Jahren wurde Frauen mit Multipler Sklerose geraten, eine Schwangerschaft zu vermeiden. Mittlerweile steht jedoch fest: Aus medizinischer Sicht besteht fast nie ein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Frauen mit MS bekommen beinahe genauso häufig ein gesundes Kind wie Frauen ohne MS. Der Langzeitverlauf der MS wird durch Schwangerschaft, Geburt und Stillen nicht negativ beeinflusst. Es ist jedoch ratsam, bei einer geplanten Schwangerschaft Kontakt mit der Frauenärztin/dem Frauenarzt und der Neurologin/dem Neurologen aufzunehmen. 

Multiple Sklerose & Kinderwunsch

Folgende Informationen können für Frauen mit Kinderwunsch bzw. für die Planung einer Schwangerschaft hilfreich sein:

  • Der letzte Krankheitsschub sollte längere Zeit zurückliegen.
  • Frauen mit einer sehr hohen Schubfrequenz sollten zunächst abwarten, ob sich diese durch geeignete Medikamente verringern lässt. Dadurch lässt sich eventuell das Risiko eines Schubes in der Schwangerschaft vermindern.
  • Eine künstliche Befruchtung kann das Auftreten von Schüben begünstigen.
  • Manche immunmodulierenden Langzeittherapien müssen eine gewisse Zeit vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt werden, da sie zu Fehlgeburten führen und das ungeborene Kind schädigen können. Eine ausführliche Besprechung mit der Neurologin/dem Neurologen ist unbedingt erforderlich.
  • Tritt eine Schwangerschaft unter einer immunmodulierenden Langzeittherapie ein, ist dies meist kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. In Absprache mit der Neurologin/dem Neurologen bzw. der Gynäkologin/dem Gynäkologen müssen u.a. unter Berücksichtigung der Art des eingenommenen Arzneimittels individuelle Entscheidungen getroffen werden.

Multiple Sklerose & Schwangerschaft

  • Während der Schwangerschaft sollten Medikamente nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt eingenommen werden.
  • In speziellen Fällen kann bei schweren Verläufen eine immunmodulierende Therapie mit Glatirameracetat, Interferon, Natalizumab oder Alemtuzumab während der gesamten Schwangerschaft durchgeführt werden. Eine Behandlung mit Immunglobulinen kann z.B. erfolgen, wenn von einer Therapie mit oben genannten Arzneimitteln abgesehen wird.
  • Frauen mit MS benötigen während einer Schwangerschaft prinzipiell keine spezielle gynäkologische Versorgung. Werden zu Beginn bzw. während der gesamten Schwangerschaft immunmodulierende Substanzen eingenommen, sollten jedoch zusätzlich zu den Routineultraschalluntersuchungen weitere Ultraschallkontrollen durchgeführt werden.
  • In der Schwangerschaft ist eher eine Beruhigung der Erkrankung zu erwarten. Schübe werden seltener oder bleiben sogar aus, weil natürliche, immunsuppressive Faktoren im Blut der Frau wirksam werden und das „körpereigene Kortison“ (Kortisol) ansteigt.
  • Tritt ein schwerer Schub während der Schwangerschaft auf, wird nach dem ersten Schwangerschaftsdrittel ein Kortisonpräparat verabreicht. Wenn eine schwangere Frau ein solches Kortisonpräparat verabreicht bekommt, wird dieser Stoff auch im Körper des Kindes ausgenommen. In der Schwangerschaft wird Dexametason bevorzugt, da bei diesem Wirkstoff nur ein geringer Anteil der eingenommenen Dosis über die Plazenta (Mutterkuchen) in den Körper des Kindes gelangt. Im ersten Schwangerschaftsdrittel muss besonders sorgfältig abgewogen werden, ob eine Kortisontherapie begonnen wird. Eventuell ist das Risiko für die Entstehung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sowie für Entwicklungs- und Wachstumsstörungen des Kindes durch diese Therapie erhöht. Bei häufiger Kortisontherapie in der Schwangerschaft kann es zu verschiedenen Erkrankungen des Kindes bzw. einer Frühgeburt kommen. Bei einer Therapie kurz vor der Geburt muss beim Neugeborenen überprüft werden, ob seine Nebennierenrinde genügend Kortisol selbst bilden kann. Die körpereigene Kortisolproduktion kann durch die Therapie nämlich abnehmen.
  • Schwangere sollen sowohl die Ärztin/den Arzt als auch die Hebamme, von denen sie während der Geburt betreut werden, über ihre MS-Erkrankung informieren.

Multiple Sklerose & Geburt

  • Eine Verzögerung des Geburtsvorganges ist nur bei relevanter körperlicher Behinderung zu erwarten. In diesen Fällen kann ein Kaiserschnitt geplant werden.
  • Von einer Hausgeburt wird Frauen mit MS abgeraten.
  • Falls während der Geburt eine Schmerzlinderung erforderlich ist, kann eine rückenmarksnahe regionale Anästhesie (Periduralanästhesie) herangezogen werden.

Multiple Sklerose & Stillzeit

  • In den ersten Monaten nach der Geburt kann es – vermutlich aufgrund der hormonellen Umstellung – zu einem Wiederauftreten einer erhöhten Krankheitsaktivität kommen.
  • Möglicherweise wird durch das Stillen ein gewisser Schutz erzielt. Wenn trotz des Stillens neue Schübe auftreten, kann abgestillt und eine immunmodulierende Therapie eingeleitet werden.
  • Wirkstoffe immunmodulierender Arzneimittel gelangen in die Muttermilch. Frauen, die mit diesen Medikamenten behandelt werden, dürfen daher nicht stillen. Während der Stillzeit kann – nach Rücksprache mit der Neurologin/dem Neurologen – eventuell auf immunmodulierende Medikamente verzichtet werden.
  • Eine Schubtherapie mit einem Kortisonpräparat kann in der Stillzeit durchgeführt werden. Nach der Behandlung sollte vier Stunden lang nicht gestillt werden.
  • Immunglobuline können eventuell die erhöhte Schubrate nach der Schwangerschaft senken und haben keine negativen Auswirkungen auf den Säugling. Da ihre Wirkung jedoch nicht ausreichend nachgewiesen ist, sind sie für diese Behandlung nicht zugelassen und können nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
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